Wer bei großer Hitze im Reisemobil unterwegs ist, weiß die Vorteile einer Klimaanlage zu schätzen. Ein Knopfdruck am Luftausströmer, auf der Fernbedienung oder in der App und man bekommt erträgliche Temperaturen – sowohl tagsüber, aber vor allem nachts beim Schlafen. Wer die heißen Sommer nicht mehr aushält, muss also nachrüsten. Dafür kommen vor allem Dachklimaanlagen in Frage: rund 30 Kilogramm schwer (Zuladung beachten!), nicht ganz leise im Betrieb (an die Nachbarn denken!) und vor allem recht energiehungrig.
Die meisten Geräte arbeiten daher mit 230 Volt und werden in der Regel auf Stell- und Campingplätzen mit Landstrom betrieben, um den hohen Strombedarf zuverlässig und über einen längeren Zeitraum zu decken. Doch auch der autarke Betrieb ist zumindest eine Weile möglich, sofern die Bordelektrik entsprechend ausgelegt wird. promobil erklärt, welche Ausstattung erforderlich ist und wie ein neues System von Dometic Geräte und Akkus miteinander vernetzt.
Zwei Vorraussetungen, eine Option für autarken Klimaanlagen-Betrieb
Wer eine Klimaanlage mit wirklich lange ohne Landstrom betreiben will, muss seine Ausstattung im Wohnmobil um zwei Komponenten erweitern und im besten Fall noch einen dritte nachrüsten.
Wechselrichter
Voraussetzung Nummer eins für den autarken Betrieb einer 230-Volt-Klimaanlage ist ein Wechselrichter im Wohnmobil.
- Er wandelt den Gleichstrom aus der 12-V-Bordbatterie in 230-V-Wechselstrom um.
- Wichtig: Die Dauerleistung des Wechselrichters muss mindestens so groß sein wie die Maximalleistung der Klimaanlage, damit diese genug Energie für den Betrieb erhält.
- Im Idealfall besitzt der Wechselrichter eine Netzvorrangschaltung. Sie sorgt dafür, dass auf Netzstrom umgeschaltet wird, sobald dieser anliegt.
- Dadurch wird beim Betrieb der Klimaanlage auf Stell- und Campingplätzen die Bordbatterie geschont.

Voraussetzungen für den autarken Betrieb der Klimaanlage: ein leistungsstarker Wechselrichter (li.) und eine üppige Batteriekapazität (re.).
Lithium-Eisen-Phosphat-Akku
Voraussetzung Nummer zwei ist eine ausreichende Batteriekapazität an Bord: Für eine möglichst lange Laufzeit der Klimaanlage im Autarkie-Betrieb sollten ein bzw. mehrere moderne Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus (LiFePO4 oder LFP) im Mobil eingebaut sein. Sie haben gegenüber herkömmlichen Blei-AGM-Modellen mehrere Vorteile.
- Bei einer LFP-Batterie können gut 90 Prozent der Nennkapazität auch wirklich genutzt werden. Bei einer AGM-Batterie sind es dagegen nur etwa 50 Prozent.
- LFP-Akkus lassen sich in Verbindung mit einem leistungsstarken Ladegerät schneller laden.
- Sie schaffen deutlich mehr Lade- bzw. Entladezyklen als ihre AGM-Pendants und sind langlebiger.
- In der Langzeitbetrachtung sind sie deshalb, trotz des höheren Anschaffungspreises, meist günstiger.
- LFP-Batterien haben gegenüber AGM-Batterien einen deutlichen Gewichtsvorteil.
- Klimaanlagen-Hersteller Dometic empfiehlt für den Betrieb seiner Geräte LFP-Batterien mit einer Kapazität von mindestens 300 Amperestunden.
- Alternativ können auch mehrere kleinere LFP-Akkus parallel geschaltet werden, damit ausreichend Stromreserven vorhanden sind.
Solaranlage auf dem Dach
Eine gute Solaranlage auf dem Wohnmobildach ist die Option, die die Laufzeit der Klimaanlage im autarken Betrieb verlängert:
- Durch eine Solaranlage, die entsprechend Strom nachliefert, lässt sich die Betriebsdauer der Klimaanlage verlängern.
- Beispielrechnung: Eine 100-Watt-Peak-Solaranlage erzeugt unter optimalen Bedingungen etwa 7 Ampere Ladestrom.
- Über vier Stunden Laufzeit kann damit eine Batteriekapazität von 28 Ah (7 A x 4 h = 28 Ah) nachgeladen werden.
- Sind vier 100-Wp-Module auf dem Dach, wären 112 Ah möglich.
- Bezogen auf den oben angenommenen Verbrauch der Klimaanlage von 42 bis 67 Ah würde die 400-Wp-Solaranlage die Laufzeit um zwei bis drei Stunden verlängern.
Autarkie: Inverter-Klimaanlagen arbeiten effizienter
Besonders effizient arbeiten LFP-Batterien mit modernen Inverter-Klimaanlagen zusammen. Diese Anlagen besitzen einen Kompressor, der nicht nach dem Ein-aus-Prinzip funktioniert, sondern eine flexible Drehzahl besitzt. Sobald die Zieltemperatur im Mobil erreicht ist, fährt der Kompressor seine Drehzahl herunter und die Anlage hält die Temperatur bei verminderter Leistung.
Inverteranlagen verbrauchen im Vergleich zu älteren Modellen mit fester Kompressordrehzahl gerade im Teillastbereich weniger Strom. Auch die Stromspitzen beim Anlaufen sind geringer. Zudem arbeiten Inverter-Klimaanlagen leiser und besitzen teils – wie die neue Dometic FJZ7 bzw. die Truma Aventa der zweiten Generation – spezielle Schlafmodi für die Nacht. Eine ähnliche Anlage gibt es mit der Teleco Ultra Comfort sogar zum Einbau im Fahrerhaus.
Stellt sich die Frage: Wie lange lässt sich eine Klimaanlage in Kombination mit einer LFP-Batterie autark betreiben? Ein wichtiger Wert bei der Berechnung ist die sogenannte "Energy Efficiency Rate" (EER) der Klimaanlage. Sie beschreibt das Verhältnis von Kühlleistung zur aufgenommenen elektrischen Leistung (beides in Watt).
Die neue Dometic FJZ7 2200 zeigt im Smart-Eco-Mode, wie effizient moderne Inverter-Klimaanlagen arbeiten:
- Die Kühlleistung liegt laut Hersteller zwischen 1500 und 2200 Watt.
- Die Leistungsaufnahme beträgt dabei nur etwa 500 bis 800 Watt.
- Die EER (Energy Efficiency Ratio) liegt demnach zwischen 2,75 und 3.
- Im 12-Volt-Bordnetz verbraucht die Anlage pro Stunde eine Batteriekapazität von etwa 42 bis 67 Ah (500–800 Wh : 12 V = 42–67 Ah).
- Bei Nutzung einer LFP-Batterie mit 300 Ah Nennkapazität, von denen 270 Ah effektiv nutzbar sind, ergibt sich eine mögliche Betriebsdauer von etwa vier bis 6,5 Stunden (270 Ah : 42–67 Ah = 4–6,5 h).
Diese Rechnung ist allerdings nur ein grober Richtwert, denn die tatsächliche Leistungsaufnahme der Klimaanlage ist von vielen Faktoren abhängig:
- Fahrzeuggröße und Isolierung des Aufbaus
- Fensterflächen – größere Flächen bedeuten mehr Wärmeeintrag
- Außenfarbe des Aufbaus – dunklere Farben heizen sich stärker auf als helle
- Umgebungstemperatur – sie spielt eine wesentliche Rolle für den Energiebedarf
- Luftfeuchtigkeit – bei hoher Feuchte muss mehr Energie eingesetzt werden, da ein Teil der Leistung dazu benötigt wird, die feuchte Luft zu trocknen
Dometic N-Bus: Bordtechnik intelligent vernetzt
Dometic hat 2024 sein N-Bus-System auf den Markt gebracht. Im System lassen sich bis zu 16 N-Bus-fähige Geräte aus dem eigenen Haus miteinander verbinden. Die neuen Klimaanlagen der FJZ-Serie gehören ebenso dazu wie die Tempra-Batterien, von denen bis zu acht Akkus im System parallel geschaltet werden können. Auch bestimmte Batterieladegeräte, Ladebooster, Solaranlagen inklusive Laderegler und Wechselrichter können in das System integriert und über Datenkabel miteinander verbunden werden. Über ein Display bzw. über die Dometic-Power-App lassen sich die Geräte zentral steuern und überwachen.

Gesteuert werden die Geräte über ein zentrales Display bzw. die Dometic-Power-App.
Die neue Dometic-FJZ-Klimaanlage
Die neue FJZ-Klimaanlage ist als FJZ4 (Leistungsstufen 1500, 1700 und 2200 W) bzw. als FJZ7 (2200, 2600, 3000 und 3500 W) erhältlich. Die FJZ4-Modelle besitzen einen Kompressor mit fester Drehzahl, die FJZ7-Modelle einen Inverterkompressor. Außer bei der 1500-W-Version kann mit allen Modellen auch geheizt werden. Die FJZ7-Anlagen heizen mit einer Wärmepumpe, die FJZ4-Modelle mit einem Heizstab. Bis auf das Einstiegsmodell FJZ4 mit 1500 Watt können alle neuen FJZ-Anlagen auch per Fernbedienung bzw. über die Dometic-Power-App bedient werden. Dank WLAN-Konnektivität ist die App-Steuerung von überall aus möglich.
Preis: ab 1419 Euro (Dacheinheit FJZ4) bzw. ab 2699 Euro (FJZ7). Die Luftverteiler für den Innenraum kosten etwas mehr als 200 Euro.

Die Dacheinheit der neuen FJZ ist in Schwarz oder Weiß erhältlich. Ihr Gehäuse besteht aus recyceltem Kunststoff. Die Anlagen verwenden als Kältemittel R32 (Difluormethan).
Die neuen FJZ-Klimaanlagen hat Dometic speziell auf den Betrieb mit den Tempra-LFP-Batterien aus gleichem Hause abgestimmt. Beide Komponenten lassen sich über die Dometic-Power-App miteinander verbinden. Dadurch kann die Performance der FJZ7-Modelle über den sogenannten Smart Eco Mode automatisch an den Ladestand der Batterie angepasst werden. Dieser Energiesparmodus funktioniert folgendermaßen: Bei ausreichendem Ladestand der Batterie läuft die FJZ7 mit voller Leistung.
Ab einem gewissen Batteriestatus fährt der Kompressor die Drehzahl herunter, die Anlage arbeitet aber mit verminderter Leistung weiter. Fällt der Batterieladestand weiter, funktioniert ab einem gewissen Status nur noch der Lüfter der FJZ7 – die Anlage wälzt dann zwar noch Luft um, kühlt sie aber nicht mehr. Fällt der Batterieladestand noch weiter ab, schaltet die FJZ7 ab einem bestimmten Ladelevel komplett ab. Das Abschalten ist eine Schutzfunktion. Dadurch können andere, wichtige Verbraucher – etwa Licht oder Kühlschrank – mit der verbliebenen Restkapazität weiter betrieben werden. Durch die Smart-Eco-Funktion lässt sich die Laufzeit der FJZ7 im autarken Betrieb laut Hersteller um bis zu 30 Prozent verlängern.
Ein weiteres Feature der neuen FJZ7-Klimaanlage, den sogenannten Adaptive Power Mode, hat Dometic vor allem für die Nutzung am Landstrom konzipiert. In diesem Modus lässt sich über die Dometic-Power-App die maximale Eingangsstromstärke für die Klimaanlage auf 4 bis 8 Ampere begrenzen. Der Adaptive Power Mode verhindert damit, dass auf schwach abgesicherten Stell- bzw. Campingplätzen die Sicherung des Platzes auslöst. Die Klimaanlage kann so auf dem Platz trotzdem genutzt werden und kühlt dann einfach nur mit entsprechend geringerer Leistung.
Der Adaptive Power Mode kann aber auch zum Energiemanagement innerhalb des Reisemobils genutzt werden. So lässt sich beispielsweise der Eingangsstrom für die Klimaanlage auf 4 Ampere begrenzen – dadurch können dann bei Bedarf weitere stromintensive Verbraucher, etwa ein Induktionskochfeld, parallel betrieben werden.












