51 Haarnadelkurven, 1.611 Meter Passhöhe und ein Blick, der süchtig macht – der Vršič-Pass zwischen Kranjska Gora und dem Soča-Tal in Slowenien gehört zu den großen Traumstraßen der Alpen. Doch ab Sommer 2026 ist Schluss mit freier Fahrt auf dem Pass in den Julischen Alpen: Ein neues Schrankensystem soll den Ansturm auf die Passhöhe im Triglav Nationalpark regulieren. Auch Wohnmobil-Fahrer müssen umdenken. Gleichzeitig wurden die Strafen für illegales Wildcamping in der Region drastisch erhöht. Beides geht aus einer Mitteilung auf Slovenia.info hervor, dem Portal des offiziellen Slovenian Tourist Boards.
Schranken an beiden Seiten des Vršič-Pass
Ab dem 15. Juni 2026 wird die Zufahrt zum Vršič-Pass erstmals durch Schranken kontrolliert – und zwar an beiden Zufahrten: auf der Nordseite hinter dem Jasna-See bei Kranjska Gora und auf der Südseite vor der Abzweigung zur Soča-Quelle bei Trenta. Das System gilt während der drei verkehrsreichsten Sommermonate.
Wo sind die Julischen Alpen?
Die Julischen Alpen liegen im Nordwesten Sloweniens zwischen Kranjska Gora und dem Soča-Tal. Ihr Herzstück ist der Triglav-Nationalpark – Sloweniens einziger Nationalpark, benannt nach dem höchsten Berg des Landes (2.864 m), der auch das Nationalsymbol auf der slowenischen Flagge ziert. Die UNESCO hat die Region als Biosphärenreservat anerkannt.
Zusätzlich wird das Parken entlang der Straße oder an der Passhöhe stärker reguliert. Physische Maßnahmen regulieren das wilde Parken und auf den Parkplätzen auf der Passhöhe ist das Kontingent streng reguliert: Das Denkmalschutzamt hat trotz vorhandener Fläche nur 90 Parkplätze genehmigt. Die Zufahrt ist durch Schranken reguliert.
Was Wohnmobil-Fahrer wissen müssen
Wer den Vršič-Pass als Durchfahrt nutzt, etwa auf dem Weg vom Soča-Tal nach Kranjska Gora, kommt also nur noch eingeschränkt rüber. Offizielle Höhen- oder Gewichtsbeschränkungen gibt es nicht, weshalb er auch von Wohnmobilen gerne genutzt wird. Doch die Realität setzt eigene Limits: 27 Kilometer, 51 Kehren, teils noch mit historischem Kopfsteinpflaster versehen. Kleine Campervans kommen in der Regel problemlos über den Pass. Bei großen Wohnmobilen wird es in den engsten Haarnadelkurven rund um die Passhöhe jedoch spürbar eng – hier ist gutes Fahrgefühl gefragt.

Halt auf dem Vrsic-Pass, im Hintergrund der Triglav. Parken auf der Passhöhe wird in Zukunft deutlch schwerer.
Gemeinden der Julischen Alpen machen Ernst gegen Wildcamper
Gleichzeitig gibt es Versuche, die illegalen Auswüchsen des Campingbooms einzudämmen. Die Parkplätze und Straßenränder und Wiesen in der Region in den Julischen Alpen verwandelten sich in den vergangenen Sommern Nacht für Nacht in wilde Campingflächen, nicht nur entlang der Passstraßen. Dabei ist Wildcamping rund um den Triglav Nationalpark, in dem es wunderbare Campingplätze gibt, schon immer untersagt. Um das Problem in den Griff zu bekommen, haben die Gemeinden dort die Strafen für Wildcamping geschlossen erhöht. Pro Person sind 500 Euro fällig.

Urig, naturnah und schattig – so sind die meisten Campingplätze im Nationalpark.
Im gesamten Triglav-Nationalpark patrouillieren Ranger gezielt an Passstraßen, Parkplätzen und Wanderausgangspunkten. Wer im Wohnmobil oder Zelt übernachtet, riskiert Bußgelder. Wer die Strafen innerhalb einer vorgegebenen Frist zahlt, kann sie deutlich reduzieren. Das slowenische Parlament hat im Dezember 2025 ein neues Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung verabschiedet, das die fast 20 Jahre alte Gesetzgebung modernisiert und den Kommunen mehr Freiraum bei der Sanktionierung von Wildcamping verschafft.
In Bohinj am Fuße des Triglav sind Wohnmobile, Campervans und Wohnwagen auf Forstwegen ganzjährig gesperrt. Im Juli und August ist zusätzlich die Straße zum Savica-Wasserfall für sie tabu, heißt es auf der Homepage der Kommune. Übernachtet werden darf nur auf zwei ausgewiesenen Plätzen am Bahnhof Bohinjska Bistrica und am Parkplatz Senožeta. Stattdessen setzt die Gemeinde auf einen Shuttleservice für zwei Euro pro Tag.

Die Zufahrt zum Parkplatz am Savica-Wasserfall in Bohinj ist im Juli und August für Wohnmobile gesperrt. Die Gemeinde hat aber einen Shuttleservice eingerichtet. Der 20-minütige Weg vom Bushalt zum Wasserfall lohnt sich.
Am Bleder See zahlen Wohnmobile inzwischen drei Euro pro Stunde auf dem Zentralparkplatz. Dort übernachten ist keine Option, auch hier wird auf offizielle Stell- und Campingplätze verwiesen.
Kein Einzelfall – auch Südtirol und das Trentino ziehen die Zügel an
Die Julischen Alpen in Slovenien stehen mit ihrem Kurs gegen Wildcamper und für die Zufahrtsregulierung von Campingfahrzeugen nicht allein. Auch südlich des Brenners verschärfen Gemeinden die Regeln für Wohnmobil-Reisende. Im Trentino hat der Landtag eine Parkzeitbegrenzung mit Parkscheibe an den Dolomitenpässen beschlossen – vor allem rund um Sella- und Pordoipass. In Südtirol hat Wolkenstein im Grödnertal als erste Gemeinde das Übernachten im Fahrzeug auf dem gesamten Gemeindegebiet verboten. Der Südtiroler Gemeindeverband hat die Verordnung inzwischen als Muster an alle Kommunen versandt. Das gemeinsame Motiv überall: Overtourism, Umweltschutz – und Fairness gegenüber offiziellen Campingplätzen, die in Infrastruktur investieren und Abgaben zahlen.





