Fünfzehn Zentimeter. So viel wächst der Corigon TS 70 S in der Höhe. Klingt nach einem Detail, verändert aber den Charakter des Fahrzeugs schon spürbar. Denn hinter dem Zentimeterplus steckt eine strategische Entscheidung: Corigon will seinen kompakten Teilintegrierten der Van-Kategorie auf Ford-Transit-Basis für eine weitere Zielgruppe öffnen.
Kleine Familien sollen künftig im TS 70 S reisen und schlafen können, ohne auf die Wendigkeit und die schlanken 2,14 Meter Außenbreite verzichten zu müssen. Premiere feiert das überarbeitete Modell auf dem Caravan Salon 2026.
Schmaler Teilintegrierter für Paare: Das konnte der Vorgänger
Die Einsteigermarke des Erwin Hymer Konzerns ist erst ein Jahr alt und legt schon Hand an ihre Van-Modelle. Um zu verstehen, warum Corigon den TS 70 als "Slimline" so deutlich verändert, lohnt ein Blick zurück. Der Vorgänger war ein solider Vertreter der schmalen Teilintegrierten auf Ford-Basis. promobil bewertete das Schwestermodell TS 70 LS als „preiswert, praxisnah und erstaunlich gut ausgestattet" – es wird wie der TS 70 S ab 2027 die neue Dachhaube bekommen. Ein Fahrzeug für pragmatische Paare, das mit kompakten Außenmaßen, einem durchdachten Grundriss und einem fairen Einstiegspreis überzeugte. Die Stehhöhe im Innenraum lag laut promobil bei knapp unter zwei Metern. Das reichte, auch für größere Menschen.
Die Ausstattungsvariante mit Hubbett stieß bei den aktuellen Modellen mit einer Außenhöhe von nur 2,72 Metern an ihre Grenzen. Denn ein Hubbett senkt die Stehhöhe im Wohnraum und braucht Kopffreiheit darüber. Genau hier setzt das Modelljahr 2027 an.
Neue Dachhaube schafft Platz für elektrisches Hubbett
Die neue, 15 Zentimeter höhere T-Haube ist das Herzstück der Überarbeitung. Sie hebt die Außenhöhe des TS 70 S von 2,72 auf 2,87 Meter und schafft damit den entscheidenden Raum für ein elektrisch absenkbares Hubbett, das Corigon als Option anbietet.

Selbst unter dem Hubbett ist die Stehhöhe im Innenraum noch angenehm. Angesichts der kompakten Flächenmaße wirkt der Teilintegrierte von Corigon sehr licht und unbeengt.
Per Knopfdruck fährt es über die Sitzgruppe herunter. Tagsüber verschwindet es unter der Decke. Der offene Wohncharakter bleibt erhalten.
Für wen eignet sich der neue Corigon?
Realistisch betrachtet bietet das Hubbett Platz für ein Kind, vielleicht zwei kleine Kinder. Ein vollwertiges Erwachsenenbett ersetzt es nicht. Wer also zu viert als Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Teenagern reisen will, stößt weiterhin an Grenzen.
Für das typische Szenario einer jungen Familie mit einem oder zwei kleinen Kindern funktioniert das Konzept aber besser als beim Vorgänger, weil die neuen Modelle auch ein Stück in der Länge wachsen. In Kombination mit den bewährten Einzelbetten im Heck, die sich über ein Mittelstück zum Doppelbett verbinden lassen, entsteht ein flexibles Schlafkonzept mit bis zu vier Schlafplätzen.
Am Grundriss selbst ändert Corigon nichts
Die Halbdinette im Wohnbereich, das Variobad mit schwenkbarer Waschtischwand und die kompakte Küchenzeile auf der gegenüberliegenden Seite bleiben in ihrer bewährten Anordnung erhalten. Die Heckgarage war schon beim Vorgänger ausreichend groß für eine Besatzung von zwei bis drei Personen und ist es auch bei den 2027er-Modellen. Campingmöbel, wichtiges Zubehör und zwei kleine Fahrräder passen locker rein.
Größerer Kompressorkühlschrank, moderne Serienausstattung
Neben der Höhe und dem Hubbett rüstet Corigon den TS 70 S an weiteren Stellen auf. Am deutlichsten beim Kühlschrank: Der Vorgänger bot lediglich einen 78 Liter fassenden Absorberkühlschrank. Das neue Modell bekommt einen 135 Liter großen Kompressorkühlschrank mit zusätzlichem 15 Liter Eisfach. Das ist fast die doppelte Kapazität und gleichzeitig ein Technologiewechsel. Kompressorkühlschränke arbeiten stromsparender, kühlen temperaturstabiler und funktionieren unabhängig von der Fahrzeuglage. Gerade für Familien mit Kindern, die mehr frische Lebensmittel an Bord benötigen, ist das ein spürbarer Gewinn.

Der Küchenblock ist insgesamt relativ kompakt, dafür hat er einen großen Kühlschrank.
Auch bei der Serienausstattung schließt der TS 70 S zum größeren Schwestermodell TS 70 LS auf. Serienmäßig an Bord sind ab Modelljahr 2027 ein 12-Zoll-Multifunktionsdisplay mit Ford SYNC 4, Apple CarPlay und Android Auto sowie ein Tempomat und zahlreiche Assistenzsysteme inklusive Rückfahrkamera. Erstmals bietet Corigon zudem eine Dieselheizung als Option an.
Gleiche Plattform wie der Etrusco V 6.8 SF
Die höhere T-Haube kommt nicht von ungefähr. Sie stammt von der Schwestermarke Etrusco, deren Van Modelle V 6.8 SF und V 6.8 SCF im selben Werk gebaut werden und identische Außenmaße tragen. Gleiche Technik, gleicher Einstiegspreis, unterschiedliches Design. Wer den Corigon kauft, entscheidet sich für funktionale Nüchternheit statt mediterranem Lifestyle.
Familientauglichkeit im Praxischeck
Bleibt die ehrliche Frage: Reicht das Update, um aus dem Pärchenmobil ein echtes Familienmobil zu machen? Die Antwort fällt differenziert aus. Das Hubbett erweitert die Möglichkeiten spürbar, löst aber nicht jedes Problem.
- Die Küche bleibt kompakt: Ein Zwei-Flammen-Kocher und eine überschaubare Arbeitsfläche setzen Grenzen, wenn drei oder vier Personen versorgt werden wollen.
- Der große Kühlschrank ist ausreichend für kleine Familien. Die sollte aber besser nur aus drei Personen bestehen.
- Ab der vierten Person wird das Hubbett eventuell etwas zu eng.
- Der Wohnraum, der im Corigon TS 70 S durchaus licht und hell herüberkommt, wirkt doch etwas zu eng.
Technische Daten und Preis: Corigon TS 70 Slimline (2027)
- Basisfahrzeug: Ford Transit, 2.0 TDCi EcoBlue, 96 kW (130 PS)
- Länge/Breite/Höhe: 6,83 / 2,14 / 2,87 m (+15 cm gegenüber Vorgänger)
- Zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg
- Schlafplätze: 2 (bis zu 4 mit optionalem Hubbett)
- Grundpreis: ab 59.499 Euro





















