Test Westfalia Jules Verne: Fahrt ins Blaue

Westfalia Jules Verne
Fahrt ins Blaue

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.03.2013
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Es schien fast ein Naturgesetz. Bei kompakten Kastenwagen steht die Möbelzeile hinter dem Fahrersitz; die Sitz-Liegebank hat ihren Platz direkt daneben. So sehen seit Jahrzehnten alle alltagstauglichen Campingbusse von innen aus. Ausgerechnet Westfalia, Erfinder dieser Einrichtung, zeigt nun mit dem Jules Verne, dass es auch anders geht: Schon der Name verheißt einen Aufbruch in unbekannte Welten. Geht es doch in Jules Vernes Romanen in 80 Tagen um die Welt oder mit Kapitän Nemo in die Tiefen des Meeres.

Im Atlantisblau lackierten Mercedes Vito kann man ebenfalls erstaunliche Entdeckungen machen. Wie eine Insel steht der Küchenblock im Raum. Nicht daneben, sondern dahinter erstreckt sich die lange Liegefläche.

Der Vorteil ist offensichtlich: Im Westfalia Jules Verne darf man es sich auf einem gut 1,50 Meter breiten Bett bequem machen. Die mehrfach geteilte Schaumstofffläche ist straff gepolstert, aber eben, sodass als einzige kleine Einschränkung der Kleiderschrank bleibt, der am (höhenverstellbaren) Kopfende die Breite begrenzt. In klassenüblichen Einrichtungen kann man von einem solchen Bett nur träumen.

Wahren Erfindergeist, der dem fantasiereichen Namensgeber würdig erscheint, bewiesen die Westfalia-Entwickler auch in den Tiefen unterhalb des Betts. Keine Utopie: Auf der Beifahrerseite lässt sich sogar eine ausfahrbare Cassettentoilette unterbringen. Sie steht ebenso wie eine Warmwasserversorgung in der Aufpreisliste.

Eines der vielen Extras des Westfalia Jules Verne ist auch die schlanke Doppelsitzbank. Sie faltet sich aus dem Bettende an der Fahrerseite. Mit gut integrierten Dreipunktgurten, Ausformung und Verstellmöglichkeiten steht die Bank Pkw-Sitzen nicht nach.

Um auch zu viert auf große Fahrt zu gehen, kann man außerdem ein zweites Bett im einfach bedienbaren Aufstelldach mitbestellen. Die ursprüngliche Idee des Jules Verne ist das aber nicht: In seiner Grundform ist er kompromisslos auf zwei Reisende zugeschnitten. Sie brauchen sich abends nicht mit dem Bettenbau zu beschäftigen und können sich mit den gedrehten Fahrerhaussesseln als Sitzgruppe begnügen.

Von dort aus gelangt man problemlos an Kühlbox, Spüle und Kochstelle, so dass zwei Personen prima im Fahrzeug frühstücken können. Etwas wackelig wirkte im Testwagen die Tischplatte. Westfalia will für die Serie nachbessern.

Dann sollte auch der Tisch zum sonst solide verarbeiteten Ausbau passen. Mit Halbheiten hat der Westfalia Jules Verne ebenso wenig im Sinn wie der namensgebende Autor, der einst das fiktive U-Boot Nautilus erfand. Von der Innenverkleidung bis zum Kontrollbord spürt man automobilen Einfluss – so stellt man sich einen echten Westfalia vor. Längst nicht alles musste dafür neu erfunden werden. Wo es möglich war, übernimmt der Jules Verne Teile des ebenfalls von Westfalia eingerichteten Marco Polo. Dennoch trennt die Mercedes-Ausbauten mehr als der Grundriss.

Der Halbbruder Marco Polo basiert auf dem besser ausgestatteten Viano und wird über Mercedes-Händler verkauft. Bei der Hülle des Jules Verne handelt es sich um die Transportervariante Vito; er stützt sich auf das Westfalia-Netz. 

Zudem hat der Jules Verne rund 20 Zentimeter mehr Radstand und Außenlänge. Wer genau hinsieht, bemerkt es am hinten etwas kurz geratenen Aufstelldach, das vom Marco Polo stammt. Beim Fahren fällt der Längenunterschied kaum auf. Mit dem Westfalia Jules Verne kann man sich noch in die meisten Parkhäuser wagen. Genauso wie im Viano gefällt im Vito der Pkw-artige Fahrkomfort – und in gleicher Weise lassen erhöhte Bedienkräfte für Kupplung und Schaltung das Nutzfahrzeug durchscheinen. Der im Testwagen eingebaute 136-PS-Turbodiesel animiert zum Reisen statt zum Rasen und belohnt gelassene Fahrweise mit Verbrauchswerten um neun Liter auf 100 Kilometer.

Anders als beim Marco Polo kostet aber bereits diese Leistungsstufe extra. Das gilt auch für die Klimaanlage. Damit ist der Jules Verne selbst dann kostspieliger, wenn man auf eine zusätzliche Sitzbank und ein Dachbett verzichtet – beides gibt’s im Marco Polo serienmäßig. Doch letztlich lassen sich die Halbbrüder kaum vergleichen. Es gibt Momente im Leben, in denen ein großzügiges Bett unschätzbar erscheint.

Daten und Preise: Westfalia Jules Verne

Preis: 47.900 Euro
Basis: Mercedes Vito
Längen: 5,24 m
Gesamtgewicht: 3050 kg
Modelle: Der Jules Verne gehört keiner Baureihe an. Es gibt aber ein verwandtes Modell, das ebenfalls bei Westfalia ausgebaut wird: den Mercedes Marco Polo. Er verfügt über den klassischen Grundriss mit Sitz-Liegebank.

Fazit

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