Das Wohnmobil rollt über die Grenze, die Sonne lacht, die Freiheit ruft – und dann das: Maut. Plötzlich ist die Urlaubskasse leer, bevor die Reise richtig losgeht.
Europa ist ein einziges Maut-Labyrinth, und mit dem Campingfahrzeug zahlt man oft drauf. Wo wird’s richtig teuer? Wo können Sie sparen? Und wie vermeiden Sie die größten Kostenfallen? Alle Tipps, wie Sie mit Campingbus, Wohnwagen, Wohnmobil und Co. clever durch die Maut-Wüste navigieren.
Die härtesten Maut-Schläge: Hier zahlen Wohnmobile am meisten
Europa ist ein Flickenteppich aus Maut-Systemen. Während einige Länder komplett vignettenfrei sind, verlangen andere für jede Autobahn, Brücke oder jeden Tunnel Gebühren – und Wohnmobile werden besonders stark zur Kasse gebeten.
Hier sind die Länder, in denen die Reisekasse besonders stark belastet wird:
1. Schweiz: Die Vignette, die alle erwischt
- Wohnmobile unter 3,5 Tonnen: 40 Franken (ca. 42 Euro) für die Jahresvignette. Egal, ob Sie nur einmal durchfahren oder den ganzen Sommer bleiben. Ohne Vignette drohen 200 Franken Strafe – und die Schweizer kennen kein Pardon.
- Wohnmobile über 3,5 Tonnen: Keine Vignette, aber die Schwerverkehrsabgabe (PSVA). Diese wird täglich fällig, unabhängig davon, ob Sie fahren oder nur parken. Die Kosten liegen zwischen 30 und 300 Franken pro Tag, abhängig von Gewicht und Emissionsklasse. Ein zweiwöchiger Roadtrip kann so schnell über 1.000 Franken kosten.
Tipp: Kaufen Sie die Vignette online oder an der Grenze. Für schwere Wohnmobile empfiehlt sich ein Mautrechner, um die PSVA im Voraus zu kalkulieren.
2. Frankreich: Kilometerfresser mit hohen Tarifen
Frankreich ist bekannt für seine kilometerabhängigen Mautgebühren, und im Wohnmobil zahlen Sie besonders viel.
- Wohnmobile unter 3,5 Tonnen: 0,08 bis 0,25 Euro pro Kilometer. Eine Fahrt von Calais nach Nizza (1.200 km) kostet so 120 bis 300 Euro, abhängig von der Strecke.
- Wohnmobile über 3,5 Tonnen: 0,20 bis 0,40 Euro pro Kilometer. Dieselbe Strecke schlägt mit 240 bis 480 Euro zu Buche. Dazu kommen Zusatzkosten für Tunnel und Brücken, wie z. B. der Mont-Blanc-Tunnel mit bis zu 50 Euro pro Fahrt.
Tipp: Nutzen Sie die Bip&Go-Mautbox, um Zeit und Geld zu sparen. Alternativ können Sie mautfreie Nationalstraßen wählen, die oft nur minimal langsamer sind.
3. Österreich: Vignette oder GO-Maut
Österreich setzt auf zwei Maut-Systeme: die Vignette für leichte Wohnmobile und die GO-Box-Maut für schwere Fahrzeuge.
- Unter 3,5 Tonnen: Vignette Pflicht! 2026 kostet die 10-Tages-Vignette 12,80 Euro, die Jahresvignette 106,80 Euro. Ohne Vignette wird es teuer: 120 Euro Strafe sind keine Seltenheit.
- Über 3,5 Tonnen: GO-Maut – streckenabhängig, nach Gewicht, Achszahl und Emissionsklasse. Beispiel: Ein 3,8-Tonnen-Wohnmobil mit zwei Achsen und Emissionsklasse Euro 6 zahlt für die Strecke Salzburg-Villach ca. 35-45 Euro. Vergessen Sie die GO-Box (12 Euro Leihgebühr) nicht, sonst drohen 300 bis 3.000 Euro Strafe.
Tipp: Bestellen Sie die GO-Box vorab und prüfen Sie Ihre CO₂-Klasse, um von günstigeren Tarifen zu profitieren.
4. Italien: Maut nach Kilometern
Italien ist das Land der endlosen Autobahnen – und der endlosen Mautrechnungen. Hier wird jeder Kilometer abgerechnet.
- Unter 3,5 Tonnen: 0,07 bis 0,20 Euro pro Kilometer. Eine Fahrt von Mailand nach Rom (570 km) kostet 40 bis 110 Euro.
- Über 3,5 Tonnen: 0,15 bis 0,40 Euro pro Kilometer. Dieselbe Strecke schlägt mit 85 bis 230 Euro zu Buche. Dazu kommen teure Tunnel, wie der Fréjus-Tunnel (Frankreich–Italien) mit bis zu 75 Euro pro Fahrt.
Tipp: Holen Sie sich die Mautbox Telepass (ab 1,50 Euro/Monat), um Zeit und Geld zu sparen. Ohne Box kann es an den Mautstationen zu langen Wartezeiten kommen.
5. Skandinavien: Brücken, die richtig wehtun
Skandinavien ist wunderschön – und verdammt teuer. Besonders die Brücken zwischen Dänemark und Schweden sind echte Kostenfallen.
- Öresundbrücke (Dänemark–Schweden):
- Wohnmobile 6–10 m: 940 DKK (ca. 126 Euro) pro Fahrt.
- Wohnmobile über 10 m: 1.655 DKK (ca. 222 Euro). Und das ist nur die einfache Fahrt.
- Storebæltbrücke (Dänemark):
- Wohnmobile über 3,5 t und bis 10 m: 969 DKK (ca. 130 Euro).
- Wohnmobile über 10 m: 1.454 DKK (ca. 195 Euro).
Tipp: Ein BroBizz-Transponder lohnt sich ab der zweiten Fahrt – Sie sparen bis zu 20 %. Ohne Vertrag zahlen Sie den vollen Preis.
Die größten Maut-Fallen für Wohnmobile
So können Sie die kniffligsten Maut-Fälle und -Fallen umgehen.
1. Norwegen: Elektronische Maut und teure Fähren
Norwegen ist das Land der unsichtbaren Maut. Hier gibt es keine Schranken, keine Kassierer – nur Kameras, die Ihr Kennzeichen scannen. Und dann kommt die Rechnung.
- Unter 3,5 Tonnen: Maut nur für Brücken und Tunnel, z. B. Atlanterhavsvegen: 150–250 NOK (ca. 13–23 Euro).
- Über 3,5 Tonnen: AutoPASS-Pflicht! Ohne Registrierung zahlen Sie den teuren Klasse-2-Tarif (bis zu 50 % Aufschlag). Mit AutoPASS sparen Sie nicht nur Maut, sondern auch 50 % auf Fähren.
Tipp: Registrieren Sie Ihr Kennzeichen vorab bei Epass24, um Zeit und Geld zu sparen.
2. Schweden: City-Maut in Stockholm und Göteborg
Schweden hat keine Autobahnmaut – aber City-Maut in Stockholm und Göteborg. Diese wird täglich fällig, wenn Sie in die Stadt fahren.
- Wohnmobile bis 6 m: 9–22 SEK (ca. 0,80–2 Euro) pro Durchfahrt, max. 60 SEK/Tag.
- Wohnmobile über 6 m: 16–45 SEK (ca. 1,50–4 Euro) pro Durchfahrt, max. 135 SEK/Tag.
Tipp: Meiden Sie die Stoßzeiten (6:30–18:30 Uhr) und nutzen Sie die Einmalgebühr-Regelung: Innerhalb von 60 Minuten wird nur einmal abgerechnet.
3. Spanien: Teure Küstenautobahnen
Spanien ist günstiger als Frankreich – aber trotzdem nicht billig. Besonders die Küstenautobahnen (z. B. AP-7) können teuer werden.
- Unter 3,5 Tonnen: 0,05–0,20 Euro pro Kilometer. Barcelona–Valencia (350 km) kostet 18–70 Euro.
- Über 3,5 Tonnen: 0,15–0,40 Euro pro Kilometer. Dieselbe Strecke schlägt mit 50–140 Euro zu Buche.
Tipp: Nutzen Sie Nationalstraßen – diese sind mautfrei und oft nur minimal langsamer.
Spartipps: So bleiben Sie flüssig – trotz Maut
Maut muss nicht Ihr Reisebudget sprengen. Mit diesen Tipps sparen Sie Hunderte Euro, ohne Umwege oder Stress in Kauf nehmen zu müssen:
1. Mautboxen: Ihr Ticket für schnelle Durchfahrten
- Frankreich/Italien/Spanien: Bip&Go oder Telepass sparen Zeit und manchmal sogar Geld.
- Österreich: GO-Box ist Pflicht für schwere Wohnmobile – ohne sie wird es teuer.
- Skandinavien: BroBizz oder ØresundGO lohnen sich ab der zweiten Fahrt.
2. Mautfreie Routen: Die Kunst des Umwegs
- Frankreich: Nutzen Sie die Nationalstraßen – diese sind mautfrei und oft nur wenig langsamer.
- Italien: Die A22 (Brennerautobahn) ist mautfrei – ideal für die Fahrt nach Südtirol.
- Apps nutzen: ViaMichelin oder Google Maps (Filter "mautfrei") zeigen Ihnen die günstigsten Routen.
3. Vorausbuchen und Rabatte sichern
- Öresundbrücke: Online-Ticket spart 10 %.
- Norwegen: AutoPASS-Registrierung bringt Rabatte auf Maut und Fähren.
- Schweiz: Vignette vorab kaufen – an der Grenze ist sie teurer.












