Urin könnte zum Rohstoff der Zukunft werden, zumindest deuten Forschungsarbeiten der Universität Stuttgart darauf hin. Mittels sogenannter Biomineralisierung entwickeln Forschende dort einen neuartigen Bio-Beton. Um dafür genug Ausgangsmaterial zu gewinnen, sammelt die Forschungsgruppe auf der CMT 2026 direkt am Wohnmobilstellplatz der Messe gezielt Urin von Camperinnen und Campern.
Damit die große Sammelaktion gelingt, arbeitet die Universität Stuttgart nicht allein: Der Trenntoilettenhersteller Arwinger und der Komposttoilettenvermieter Kompotoi stellen gemeinsam mit der Messe Stuttgart auf dem Wohnmobilstellplatz Sammelbehälter auf. CMT‑Camper können dort den flüssigen Inhalt ihrer Trenntoiletten gezielt abgeben. Eine seltene Gelegenheit, mit dem Toilettengang zur Forschung beizutragen. Wichtig: Die Sammelbehälter sind nicht für den Inhalt von Chemietoiletten.
So viel Urin ist für Bio-Beton nötig
Urin kann mittels Biomineralisierung als Bindemittel wirken. In der Forschung der Universität wird dieser bisher unterschätzte Rohstoff genutzt, um Betonkomponenten mit geringerem CO₂‑Fußabdruck herzustellen. Die gesammelten Liter helfen dem Team, größere Mengen für Tests zu gewinnen und das Verfahren weiterzuentwickeln. Denn die Forschenden benötigen zur Herstellung von einem Kubikmeter Bio-Beton 26.000 Liter Urin.
Universität Stuttgart: erste Erfolge mit Bio-Beton
Im Laborprozess wird der Urin genutzt, um durch Biomineralisierung anorganische Strukturen zu erzeugen, die Sand zu einem festen Baustoff verbinden. Erste Probekörper zeigen bereits Materialeigenschaften, die für bestimmte Anwendungen im Hochbau interessant sind.
Während der CMT will das Forschungsteam über Biomineralisierung und den Bio-Beton informieren. Daniele Funaro vom Institut für Mikrobiologie und Axel Steffens vom Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart stehen während der Messe am Stand der Firma Arwinger (Halle 8 / Stand D03) für Gespräche bereit – zum Beispiel darüber, wie der Biomineralisierungsprozess genau funktioniert:
"Die bisher hergestellten Proben weisen vielversprechende Materialeigenschaften für bestimmte Einsatzgebiete im Hochbau auf", sagt Professor Lucio Blandini, Leiter des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart. Die Probekörper erreichen Druckfestigkeiten von über 60 MPa – mehr als alle bisherigen Studien zur Biomineralisierung. Damit zeigt sich: Aus Urin lassen sich hochfeste Bausteine herstellen.
Für die Campenden auf der CMT ist die Aktion eine Gelegenheit, zur Erforschung umweltfreundlicher Baustoffe beizutragen und sich über nachhaltiges Campen hinaus umweltbewusst zu zeigen.












