Chaos, Kälte, Kaffeedrama: Warum Wintercamping spaltet

Wintercamping - Pro- und Contra-Meinung
„Warum ich Wintercamping hasse/liebe“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.01.2026
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Two cheerful women friends sitting in a van in winter camp and having fun, enjoying holiday.
Foto: iStockphoto

Wintercamping – für die einen pure Freiheit im Schnee, für die anderen frostige Tortur. Wenn sich zwei Kollegen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen auf das gleiche Abenteuer einlassen, prallen Welten aufeinander.

Timo Großhans erlebt Skifahren im Wohnmobil als nervenzehrendes Chaos zwischen Gasflaschen, Kondenswasser und Après-Ski-Mief. Ingo Wagner dagegen feiert dieselbe Reiseform als spontane Auszeit mit dem Sohn – samt Gletscherblick und Heizungskomfort.

Zwei Perspektiven, ein Thema: Taugt das Wohnmobil wirklich für den Winter?

Warum ich nie wieder Wintercamping machen werde

Von Timo Großhans, Redakteur CAMPINGBUSSE

Ehrlich: Ich wollte Geld sparen. Wollte mit einem Kumpel zum Skifahren. Wollte eine gute Zeit verbringen. Ohne Luxus, nur Ski und Après-Ski. Für die paar Stunden Schlafen reicht doch das Wohnmobil, dachte ich. Hinten Doppelbett, vorn Doppelhubbett – was will der gemeine Boomer in seinen Endvierzigern mehr? Für drei Nächte wird das schon gehen. Früher waren wir doch wild.

Wir sind sogar so mutig und stehen frei, so der Plan. Powerbox noch mit, falls die Batterie leer geht. Damit geht es los: die Vorbereitung. Gasflaschen? Zwei volle Flaschen müssen mit und noch eine kleine als Notreserve. Auf zum Baumarkt, wechseln, zahlen. Okay, zwei volle 12-kg-Flaschen sollten reichen.

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Andreas Becker

Dann: Wasser rein, aber dran denken, es kommt der Frost. Also erst kurz vor der Abfahrt befüllen, sonst kostet es Gas und Strom, damit die Kiste nicht einfriert und der Frostwächter nicht gleich alles wieder ausspuckt.

Betten beziehen. Der Freund hat kein Spannbetttuch, das passt. Ich helfe aus. (Später werde ich es dann auch waschen – für ihn, gerne.) Was muss noch mit? Im Womo sind ein paar Sachen drin: Teller, Töpfe, Tassen. Alles andere zum Leben muss jetzt organisiert werden.

Dann einkaufen. Bier, Wein, Wasser, Saft, Kaffee … der volle Haushalt. Langsam geht mir der Bock aus. Ich weiß, wie das endet: in einem Vollchaos. Das Womo explodiert innerlich. Taschen, Futter, Getränke. Skischuhe, mehrere Jacken pro Person, Helme, Tabakbrösel vom Kumpel (wer saugt die dann in drei Tagen weg?). Die Lust vergeht mit dem Blick auf die Nacharbeit.

Im Skigebiet. Die Heizung springt nicht an, dann springt sie an und ist laut. Das neueste Produkt am Markt röhrt einem die Ohren matt. Frühstück? Die Kaffeedose explodiert, weil der Druck durch den Höhenunterschied in der vakuumierten Dose gestiegen war. Ich denke an die Reinigung, nicht ans Skifahren. Dann: Skifahren. Grandios – freitags, eine Woche vor Weihnachten, allein auf der Piste. Après-Ski, und ab ins Womo. Zwei Männer, vier Skiboots, nasser Boden, skigefahrene Socken, keine Zeit zum Duschen, ab in die Schirmbar. Dann ein paar Tortellini mit Tomatensoße. Wie soll ich das je gespült bekommen?

Der nächste Tag: Aufstehen, Kaffee aus dem Fertigbecher, ein Brot, Skifahren. Zurück, nicht duschen, Après-Ski. Der Strom geht alle. Kein Stromanschluss weit und breit – wegen der Freiheit, frei zu stehen. Der Mann von der Après-Ski-Bar ist so gnädig und lädt die Powerbox auf. Danke. Aber mein Nervenkostüm …

Der nächste Tag: Aufstehen, Kaffee aus dem Fertigbecher, kein Brot (flauer Magen). Zurück, nicht duschen, Après-Ski.

Eskalation in der Männerhöhle. Ausräumen, wischen, saugen, wischen, putzen, Betten abziehen, waschen. Überall Steinchen, verkratzter Boden, versaute Laune. Ich spüle Töpfe mit Fertigtomatensoße von vor drei Tagen und schrubbe das Spülbecken, das Klo, den Flur, die von Skiboots versaute Dusche. Fahrt zum Cleanpark. Abdampfen bei drei Grad plus.

Ich mag nicht mehr.

Fazit: Wintercamping ist vielleicht für andere gemacht – aber nicht für mich. Wer Spontanität liebt und mit Dreck, Kälte und wenig Komfort klarkommt, soll es ruhig versuchen. Ich bleibe das nächste Mal lieber im Hotel – mit Dusche, Heizung und ohne Tomatensoße im Waschbecken.

Warum Wintercamping für mich der bessere Skiurlaub ist

Ingo Wagner, Chefredakteur CARAVANING

Schon seit ein paar Wochen erzählt mir mein Kumpel Tobi, wie sehr er sich aufs Skifahren mit der Familie freut. Obwohl hinterm Haus ein Wohnwagen steht, hat er eine Pension gebucht. Wegen Frau und Töchtern, sagt Tobi. Doch ein paar Tage vor dem Start legt mein Freund die Stirn in Falten, nimmt einen Schluck Bier, schaut aufs Handy und fragt sich, ob überhaupt genug Schnee liegt am Ort. Fahren tut er ein paar Tage drauf natürlich trotzdem. Gebucht ist gebucht. Ich bin dann erst mal immer ein bisschen neidisch auf Tobi, weil der alles immer so minutiös und im Voraus plant. Ich bin da ganz anders. Irgendwie … spontaner. In einer Pension sitzen und auf Schnee hoffen? Meins wäre das jedenfalls nicht.

Auch ich liebe das Skifahren, mein Sohn Oskar ist mittlerweile aber noch schärfer darauf als ich. "Das Wetter wird morgen und übermorgen voll geil" sagt er und reißt mich aus der Weihnachtsferien-Lethargie. "Mehr machen, was mir Spaß macht" war einer meiner Vorsätze fürs neue Jahr. Also gut! Die Skisachen sind schnell zusammen. Kühl- und Vorratsschränke zuhause haben noch genug Reserven, dass sich zwei Männer was davon abknapsen können. Das Wohnmobil klarmachen dauert dann schon noch etwas länger. Wasser bunkern bei strengem Frost macht keinen Spaß und "Haxn abkratzn" nach jedem Wäschekorb ist auch eher lästig. Da muss man durch. Drei alte, saugfähige Läufer halten die Folgen für den Innenraum in Grenzen.

Die Heckgarage des 505 ist beim Urlaub mit Kindern Gold wert.
Ingolf Pompe

Weil wir, genau wie Timo, zum Stellplatz an der Talstation der Standseilbahn zum Pitztal-Gletscher wollen, haben wir keine Hektik. Es reicht auch, wenn wir um 18 Uhr losfahren. Weil: Kein Check-in, keine Schranke, keine Nachtruhe. Und in vier Stunden sind wir locker da. Na klar hauen wir uns unterwegs noch einen Burger rein. Team Ernährungsbewusst fährt nicht Ski und ist zuhause geblieben. Um 22.30 Uhr rollen wir mit dem Hobby Prestige T, den ich ausfassen durfte, auf den Parkplatz.

Minus 16 Grad draußen, plus 19 drin. Herrlich. Ich klatsche nach dem Ankommen nur noch schnell noch die Isomatte auf die Windschutzscheibe und mache innen alle Schotten dicht. Oskar mampft schon wieder. Aufbauphase, sagt er. Dass die Heizung bei klirrender Kälte dauerhaft pustet, macht uns nichts aus. Das ist der Sound von Wintercamping. Ich mag ihn. Und weil mich monotone Geräusche schläfrig machen, fallen mir sofort die Augen zu.

Wir haben uns den Wecker gestellt. Wer mit der ersten Bahn auf 3440 Meter rauscht, hat mehr vom Skitag und die Pisten die ersten ein, zwei Stunden für sich. Zwei Schüsseln Müsli und ein starker Kaffee genügen doch.

Natürlich passierte das, was jeder Wintercamper befürchtet. Kurz vor unserer Rückkehr zum Auto gegen 15 Uhr muss die Gasflasche leer gewesen sein. Gut, dass der Hobby noch nicht ausgekühlt war. Mit dem guten Gefühl, eine zweite volle Flasche dabei zu haben, schraube ich den Druckminderer um und gehe ans Bordpaneel. Heizung läuft wieder, doch die Batterie ist schon auf 50 Prozent. Mit dem Grundoptimismus eines Campers gesegnet, beschließen wir, trotzdem noch eine Nacht dranzuhängen.

Und selbst wenn uns das alles zu heiß (oder müsste man sagen zu kalt?) geworden wäre – man muss ja nicht auf einem unversorgten Parkplatz übernachten. In eigentlich allen großen Skigebieten gibt es mindestens einen Campingplatz mit allem Pipapo – Sauna, Restaurant, Gasanschluss und Strom. Natürlich müsste ich in der Hauptsaison, wie Tobi,vrechtzeitig planen und buchen. Aber allein die Tatsache, dass man spontan zum Skifahren und auf einem unversorgten Parkplatz legal übernachten kann, lässt meine Liebe zum Wintercamping eher entflammen als erkalten. Oskar sieht das übrigens genauso.

Fazit: Wintercamping ist kein All-inclusive-Urlaub. Es ist spontanes Skifahren, gemeinsames Improvisieren, warme Luft bei minus 16 Grad – und das Gefühl, genau dort zu sein, wo man gerade sein will. Oskar sieht das übrigens genauso.

Fazit