Vier Gurtplätze, drehbare Frontsitze, Fahrerhaus und Wohnbereich als Einheit – so sieht das klassische Campingbus-Rezept aus. Und das aus gutem Grund: Es schafft Platz, Flexibilität und eine Frühstücks-Dinette mit Panoramablick. Doch was, wenn ein Hersteller dieses Dogma einfach über Bord wirft?
Genau das hat Freedo getan. Die polnische Marke, die zur schwedischen Kabe-Gruppe gehört, trennt beim 599 LU das Cockpit konsequent vom Wohnraum ab. Nicht aus Versehen, sondern als bewusste Designentscheidung. Die Idee dahinter: Wenn ohnehin nur zwei Personen reisen, warum dann nicht den gesamten Wohnraum auf Gemütlichkeit trimmen – statt Kompromisse für selten genutzte Zusatzplätze einzugehen?
Von der Radikallösung zum Kompromiss
Bei den ersten Freedo-Modellen war das Fahrerhaus noch komplett abgetrennt. Inzwischen gibt es eine Schiebetür, die den Durchstieg ermöglicht. Ein Zugeständnis an die Praxis – denn ganz ohne Verbindung wurde es manchen Camperinnen und Campern dann doch zu abgeschottet. Doch der Grundgedanke bleibt: Das Cockpit ist Cockpit, der Wohnraum ist Wohnraum.
Das Herzstück des Wohnraums im 599 LU ist eine ausladende Rundsitzgruppe im Heck, auf der fünf bis sechs Personen Platz finden. Wer gern Besuch im Camper empfängt, wird dieses Konzept lieben. Die beiden Längsbänke (1,90 und 1,97 Meter) dienen nachts als Einzelbetten. Tagsüber kann eine Person eine Seite als Sofa oder Liegefläche nutzen, während die andere als Ablage dient – oder Sie strecken sich einfach zwischendurch für ein Nickerchen aus.
Übrigens gibt's Campingbusse mit Hecksitzgruppe auch ohne Trennwand.
Was die Trennwand im Campingbus ermöglicht
Dieser Ansatz hat überraschend viele Vorteile:
Mehr gefühlte Wohnfläche: Ohne die Fahrersitze im Blickfeld wirkt der Innenraum weniger wie ein umgebautes Nutzfahrzeug und mehr wie ein kleines Apartment. Der Wohnbereich ist ein abgeschlossener Rückzugsort – nicht bloß ein Durchgangsraum.
Stealth-Camping leicht gemacht: Weniger Fenster, weißer Lack, kein auffälliges Dekor – von außen sieht der Freedo aus wie ein ganz normaler Transporter. Wer gelegentlich am Straßenrand übernachtet, wird die Unauffälligkeit zu schätzen wissen.
Schneller warm: Ein kleinerer Raum heizt sich schneller auf. Die Ducato-Heizung bringt das abgeschottete Cockpit bei Bedarf zügig auf Temperatur, während die Truma Combi den Wohnraum versorgt. Zwei getrennte Zonen, effizient beheizt.
Mehr zu den ausführlichen Vor- und Nachteilen des Freedo 599 LU lesen Sie im Test.
Was Sie dafür aufgeben
Natürlich hat das Konzept seinen Preis – und der bemisst sich nicht nur in Euro:
Keine Frontdinette: Der klassische Frühstücksplatz mit Blick durch die Windschutzscheibe? Gibt es nicht. Wer dieses Campingbus-Feeling liebt, wird es vermissen. Stattdessen gibt's die erwähnte XXL-Hecksitzgruppe.
Nur zwei Gurtplätze: Spontan die Nachbarn vom Campingplatz mitnehmen? Nicht möglich. Der 599 LU ist konsequent auf zwei Personen ausgelegt – ohne Wenn und Aber.
Weniger Stauraum: Die Trennwand fordert Tribut. Der Dachstaukasten über dem Fahrerhaus ist nur halb so breit wie gewohnt, die Heckgarage fällt kompakter aus als bei klassischen Querbett-Bussen. Wer viel Gepäck oder sperrige Campingmöbel mitnehmen will, muss kreativ packen – oder auf faltbare Alternativen umsteigen.
Fummeliger Durchstieg: Die Schiebetür zum Cockpit ist eine gute Idee, die Umsetzung etwas hakelig. Der Entriegelungshebel sitzt ungünstig zwischen Tür und Rückwand und ist nur umständlich zu greifen.
Für wen ist der Freedo 599 LU gemacht?
Dieses Konzept richtet sich klar an Paare, die zu zweit reisen und dabei Wohnlichkeit über Flexibilität stellen. An Camping-Fans, die ihren Camper als gemütlichen Rückzugsort verstehen und nicht als mobile Mehrzweckhalle. Und an alle, die beim freien Stehen lieber nicht auffallen wollen.
Weniger geeignet ist der 599 LU für Familien, für Reisende mit viel Gepäck oder für alle, die Wert auf die klassische Frontdinette legen.
Alle Details zu Bad, Küche, Technik und den Testergebnissen lesen Sie im ausführlichen Test des Freedo 599 LU.
Freedo 599 LU: Daten und Preis
- Basis: Fiat Ducato
- Maße: 5,99 × 2,05 × 2,64 m (L × B × H)
- Zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg
- Preis: ab 71.600 Euro (Version Core, 140 PS)












