Alle Kastenwagen auf Mercedes Sprinter-Basis
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Hymer Free S 600 (2021) Ingolf Pompe
Hymer Free S 600 (2021)
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Hymer Free 600 S (2021) im Test

Hymer Free 600 S (2021) im Test Sprinter-Camper zum Knallerpreis

Ein Sechs-Meter-Bus mit Stern für 50.000 Euro – das klingt spannend. Dank Aufstelldach sind sogar vier Schlafplätze an Bord. Kann der günstige Sprinter-Campingbus von Hymer überzeugen?

Seit dem Sprinter-Relaunch vor knapp drei Jahren gibt es den Mercedes-Kastenwagen wahlweise auch mit kostengünstigerem Vorderradantrieb. Hymer nutzt diese Möglichkeit, um neben dem bekannten Sprinter-Ausbau Grand Canyon S mit Heck- oder Allradantrieb ein weiteres, preiswerteres Modell, den Free S 600, zu platzieren.

Mit 49.990 Euro kostet er genau 11.000 Euro weniger als der längen- und grundrissgleiche Bruder mit Hinterradantrieb und ist damit einer der günstigsten Sprinter-Campingbusse überhaupt auf dem Markt.

Mit dem Aufstelldachbett (ab 3.990 Euro) und Isofix-Ösen an der Bank (195 Euro) wird der Free S auch für Familien interessant. Zudem gibt es noch ein Notbett für die Sitzgruppe (295 Euro), was die Schlafplatzzahl sogar auf fünf anwachsen lässt. Nicht nur wegen der vier Gurtplätze, sondern auch wegen des Raumangebots und der Zuladung ist das aber kaum eine realistische Option.

Sitzecke und Küche

Auch schon zu zweit oder dritt wird spürbar, dass die Sprinter-Karosserie einige Zentimeter schmaler ist als etwa beim Ducato. Das zeigt sich auch an der Sitzgruppe, wo es mehr Geschick erfordert, die Fahrerhaussitze zu drehen. Immerhin gelingt das hier, ohne die Türen öffnen zu müssen – nicht selbstverständlich.

Hymer Free S 600 (2021)
Ingolf Pompe
Dunkelgraue Stoffpolster, weiße und graue Möbel sowie Holzdekor am Boden bringen einen dezent-modernen Farbmix ins Fahrzeuginnere.

Sitzen mehr als zwei Leute zusammen, gibt es leicht ein Gedränge mit den Knien und Füßen unter dem stabilen und verlängerbaren Tisch. Angenehm fallen die stoffbezogene Wandverkleidung auf, die die Rollokassette des Alu-Rahmenfensters elegant kaschiert, sowie die verstellbaren Lesespots unter dem Hängeschrank. Praktisch sind zudem die Netzstrom- und USB-Anschlüsse in Tischnähe. Um das Handy zu laden, muss es jedoch auf dem Tisch abgelegt werden – andere offene Fächer gibt es hier keine; nur eine kleine Stofftasche seitlich am Einstieg und die Ablagen der Fahrerkabine. Stauraum findet sich ansonsten im zweigeteilten Dachschrank mit sanft schließender Klappe über der Sitzgruppe.

Die Küchenzeile steht wie üblich an der Schiebetüröffnung. Spüle und Zweiflammkocher nehmen als gut zu reinigende Einheit den größten Teil der Arbeitsplatte ein. Dank zweigeteilter Glasabdeckung und hochklappbarem Verlängerungsbrett am Einstieg können sich Hobbyköche damit arrangieren. Für große Familientöpfe und -pfannen müsste das Spülbecken allerdings tiefer sein. Besteck, Geschirr und Lebensmittel wandern in die drei großen Schubladen, den Hängeschrank oder in das Fach unter dem Kühlschrank. Letzterer fasst immerhin 90 Liter.

Bad und Schlafplätze

Im Sanitärraum eines Kastenwagens geht es fast immer beengt zu – im Sprinter mit den oben stark eingezogenen Seitenwänden sogar noch etwas mehr. Komfortabel nutzbar ist der Platz auf der Banktoilette – sogar mit Ausblick durch das kleine Fenster daneben. Das ist vor allem zum Lüften aber auch nötig, denn eine Dachhaube gibt es wegen des Aufstelldachs nicht.

Ein Spiegelschrank mit Steckdose und zwei Ablagen mit Spanngummis nehmen Hygieneartikel auf. Handtücher hängen an zwei Haken oder an der Trockenstange unter der Decke. Eher eine Alibifunktion erfüllt die Duschlösung, denn der eng umlaufende Vorhang klebt früher oder später unangenehm am Körper. Und die Saugnapfhalterung für den Duschkopf findet auf keiner der Oberflächen sicheren Halt.

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Oben schläft man dank relativ dicker Matratze und Tellerfedern bequem.

Nach dem Zähneputzen geht es ab ins Bett. Im Sommer nutzen auch Erwachsene dafür gerne das luftige Aufstelldachbett. Vor dem Öffnen muss zunächst der Stofflappen an der Durchstiegsöffnung abgeknöpft werden. Noch den Sicherungsgurt lösen, dann steigt das Dach mit einem Schubs gasfederunterstützt nach oben. Das geht leicht von der Hand, wenn man groß und kräftig ist. Älteren und kleineren Personen wird insbesondere das Schließen des Dachs vor der Weiterfahrt nicht leichtfallen.

Die Liegefläche oben darf sich auf 2,02 mal 1,20 Meter ausbreiten und ist dank 70 Millimeter starker Kaltschaummatratze und Tellerunterfederung auch für Erwachsene ziemlich bequem. Eine Ablagefläche, ein Brett mit Spanngummihalter an der Decke und eine Schwanenhalsleuchte gibt es zudem als funktionale Ausstattung. Im schützenden Stoffbalg finden sich Fenster an allen drei Seiten. Der Ausblick bleibt aber stets Fliegengitter-getrübt, weil sich keines komplett öffnen lässt. Der Auf- und Abstieg gelingt über eine zweiteilige Leiter, die am Dachausschnitt eingehängt wird. Barfuß oder mit Socken sind die schmalen Sprossen eher unangenehm.

Das serienmäßige Doppelbett ist im Heck untergebracht. Durch die seitlichen Karosserieverbreiterungen kann man sich auf bis zu 1,95 Metern ausstrecken. Die Breite von maximal 1,27 Meter reicht für zwei Personen so eben aus. Rundum überzeugen kann der Unterbau mit bequemer, zwölf Zentimeter starker Kaltschaummatratze auf Lattenrosten.

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Mit geöffneten Türen wird das Heckbett flugs zur Aussichtsplattform. Die Liegefläche ist bequem gepolstert, die Liegemaße sind nicht so üppig.

Clever ist die ausklappbare, zweistufige Aufstiegshilfe, die es zudem geschickt vermeidet, der aufschwingenden Badtür im Weg zu stehen. Adäquates Licht spenden die an Schienen frei positionierbaren Spots unten an den vier Hängeschränken. Einen Kleiderschrank gibt es auch, und zwar über dem Kühlschrank. Muss man ans Gepäck im Heckstauraum oder den Inhalt der beiden seitlich eingesetzten Schubladen, legt man das mittlere Matratzenstück zur Seite und klappt den Lattenrost hoch. Letzteres gelingt dank selbstrastender Arretierung sogar einhändig.

Stauraum und Zuladung

Das große, flexible Stauvolumen im Heck schätzen KastenwagenfahrerInnen sehr. Auch der Free S hat unter dem Bett Laderaum für rund 630 Liter Gepäck, mit hochgeklapptem Rostteil kommen gar nochmal rund 2.160 Liter hinzu. Um Ladung zu verzurren, besitzt der Free S am Boden vier Zurrösen. Flexible Airlineschienen wie in manchen anderen Hymer-Modellen gibt es allerdings nicht.

Die Stauraumbreite ist allerdings weniger üppig, weil sich die seitlichen Möbelstollen mit Gaskasten und Wassertank breit machen. Immerhin ist die Bordtechnik darin gut erreichbar. Die Gas-Gebläseheizung sitzt hingegen strategisch günstig unter der Sitzbank.

Hymer Free S 600 (2021)
Philip Teleu
Praktischer Platz für die Klappstühle – solange man nicht an die Gasflaschen dran muss.

Sind Tanks und Gasvorrat komplett gefüllt, zeigt der Hymer die Grenzen der Belastbarkeit eines 3,5-Tonnen-Kastenwagens auf. 380 Kilo Zuladung verbleiben. Das reicht für zwei, für vier Personen wird es aber eng. Das ist das Aufstelldach-Dilemma: Es macht den Free S zwar familientauglich, nimmt ihm aber auch 120 Kilo der dringend benötigten Zuladung weg. Der Ausweg heißt auflasten und Tempo 100 fahren.

Der Möbelbau ist insgesamt solide, die Spaltmaße passen, allerdings schließen nicht alle Oberschränke einwandfrei. Einen Schönheitspreis gewinnen die vielen Verschraubungen mit Abdeckkappen nicht. Gefallen findet das Beleuchtungskonzept, dessen indirektes Licht ebenso Behaglichkeit verbreitet wie die dezenten Möbel- und Polsterfarben.

Zum günstigen Grundpreis von 49.990 Euro addieren sich mindestens noch das Chassis- und das Ready-to-Camp-Paket für zusammen rund 4.500 Euro.

Das fiel uns auf

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Philip Teleu
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 Angenehm und elegant verkleidete Rollokassette des Alu-Rahmenfensters an der Sitzgruppe.
 Trotz ausgeklapptem Treppchen zum Heckbett lässt sich die Badtür weiter ohne Probleme öffnen.
 Das Mittelstück des Bettrosts ist fix aufgestellt und rastet von selbst ein. Das geht sogar einhändig.
  Praktischer Platz für die Klappstühle – solange man nicht an die Gasflaschen dran muss.
 Die Status-LED des Bedienpanels erleuchtet bei Nacht den ganzen Wohnraum mit fahlem Licht.
 Fummelige Sache – die Verlängerungsfläche der Küchenarbeitsplatte wieder einzuklappen.

Hymer Free S 600 (2021)

Hymer Free S 600 (2021)
promobil

Gurte/Schlafplätze: 4/2-5
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge/Breite/Höhe: 5,93/2,06/2,78 m
Grundpreis ab: 49.990 Euro
Testwagenpreis: 72.236 Euro

Ausstattung des Testwagens (Auszug)

  • 143-PS-Motor/170-PS-Motor: Serie (im Testwagen enthalten)/1990 Euro
  • Chassis-Paket: Halbautom. Klimaanlage, elektr. Parkbremse und Spiegel, 92-L-Dieselank u.a. (47 kg): 2790 Euro (im Testwagen enthalten, empfohlen)
  • Ready-to-Camp-Paket: FH-Faltverdunklung, Alufelgen mit Ganzjahresreifen, Steckdosenpaket u.a. (11 kg): 1690 Euro (im Testwagen enthalten, empfohlen)
  • Fahrassistenz-Paket: Fernlicht-Assistent, Verkehrszeichen-Assistent, akt. Spurhalteassistent u.a.: 1990 Euro (empfohlen)
  • 9-Gang-Wandlerautomatik m. Hold-Funktion: 2690 Euro (im Testwagen enthalten, empfohlen)
  • Aufstelldach in Wagenfarbe lackiert: 4490 Euro (im Testwagen enthalten)

Daten und Messwerte

  • Auf- und Ausbau: Stahlblechkarosserie mit Originalhoch- und Aufstelldach, innen Kunststoff-Formteile und foliertes Sperrholz, Aufstelldach GfK, Isoliermaterial Wand/Heck PE-Schaum 16 mm, Dach XPS 23 mm, Wandstärke Wand/Dach/Boden 16/23/18 mm, kein Doppelboden, 5 Kunststoff-Isolierfenster mit Alu-Rahmen.
  • Bordtechnik: Gas-Gebläseheizung/Boiler Truma Combi 4, 5 Ausströmer (Eingang, Sitzgruppe, Küche, Heckbett, Heckstauraum), Wasseranlage: Frischwasserrohre, Abwasserschläuche, Tauchpumpe.
  • Basisfahrzeug: Mercedes Sprinter 314 CDI, Kastenwagen, Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 2143 cm3, Leistung 105 kW/143 PS bei 3800/min, Drehmoment 330 Nm bei 1200–2400/min, 9-Gang-Automatikgetriebe.
  • Fahrleistungen: Beschleunigung 0–50/80/100 km/h 6,3/13,5/21,7 s; Wiederbeschleunigung (60–80/100 km/h) 5,1/12,8 s; (80–100 km/h) 7,7 s, Testverbrauch 10,8 L/100 km.
Wohnen
Beladen
Technik
Fahren
Preise

Fazit

Die komfortable, langstreckentaugliche Sprinter-Basis ist einer der dicken Pluspunkte des Free S, und das zum relativ geringen Preis von rund 50.000 Euro. Okay, zwei obligatorische Pakete und manch Reizvolles wie Wandlerautomatik, Abstandsregeltempomat und MBUX-Mediasystem lassen den Preis schnell steigen – attraktiv bleibt er trotzdem. Mit Aufstelldach für vier Personen braucht er eine Auflastung.

Technische Daten

Hymer Camper Van
Grundpreis 49.990,00 €
Aufbau CamperVan
Maße 593 x 206 x 278 mm
Leistung 105 kW / 143 PS
Sitze mit Gurt 4 bis 4
Schlafplätze 2 bis 5
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Hymer Van
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