Für diesen Vergleich hat CARAVANING die Ergebnisse des ADAC-V2L-Tests ausgewertet. Der ADAC untersuchte sechs Elektroautos – BMW iX3, BYD Seal, Kia EV5, MG4, Renault 5 und XPeng G9 – unter anderem auf maximale Dauerleistung, Eigenverbrauch, Verhalten bei Einschaltströmen sowie die Reaktion auf Überlastung und Kurzschluss. Hier lesen Sie alle Ergebnisse nach.
Für alle, die den Pkw als Caravan-Zugwagen nutzen, haben wir diese Ergebnisse mit den verfügbaren Angaben zu Anhängelast und Anhängerkupplung abgeglichen. Übrig blieben drei Fahrzeuge, die nicht nur Alltagswagen sind, sondern auch Urlaubsfahrzeuge für den Wohnwagen-Transport.
Was bedeutet V2L?
V2L steht für Vehicle-to-Load. Das Elektroauto gibt dabei Energie aus seiner Antriebsbatterie an externe elektrische Geräte ab.
V2L ist die einfachste Form der bidirektionalen (also: zwei Wege) Energieabgabe. Das Auto versorgt externe Verbraucher – beispielsweise eine Kaffeemaschine, ein E-Bike-Ladegerät oder ein Werkzeug. V2L ist dagegen nicht automatisch mit Vehicle-to-Home oder Vehicle-to-Grid gleichzusetzen, also der Versorgung eines Hauses oder der Rückspeisung ins Stromnetz.
Im Campingurlaub mit dem Caravan kann ein V2L-Auto eine Powerstation ersetzen. Elektrische Verbraucher können Camperinnen und Camper so auch abseits eines Stromanschlusses betreiben. Der Vorteil: Das System arbeitet leise und lokal emissionsfrei. Die Energie stammt allerdings aus der Fahrbatterie und geht damit zulasten der Reichweitenreserve.
Warum drei Fahrzeuge für den Caravan ausscheiden
Die V2L-Funktion macht BYD Seal, MG4 und Renault 5 zwar zu interessanten mobilen Stromquellen. Als Wohnwagen-Zugfahrzeuge sind sie aufgrund ihrer geringen Anhängelast von 500 bis 800 kg jedoch keine realistischen Kandidaten. Im Mittelpunkt unseres Vergleichs stehen deshalb BMW iX3, Kia EV5 und XPeng G9.
BMW iX3: die stärkste Lösung für größere Gespanne
Der BMW iX3 ist aus dieser Auswahl das interessanteste Zugfahrzeug für Caravaner, die einen größeren Wohnwagen ziehen möchten. Je nach Variante darf er bis zu 2.000 Kilogramm gebremst ziehen. Damit deckt er einen deutlich größeren Bereich ab als Kia EV5 und XPeng G9.
Auch bei der V2L-Leistung lag der BMW im ADAC-Test vorn. Er stellte 3,7 kW Dauerleistung bereit. Kurzzeitig akzeptierte das System sogar etwa vier bis fünf Kilowatt, bevor es nach ungefähr zehn Minuten abschaltete.
Das ist im Campingalltag ein Vorteil. Geräte mit Motor oder Kompressor benötigen beim Einschalten oft kurzzeitig mehr Leistung als im normalen Betrieb. Elektrowerkzeuge, Pumpen oder bestimmte Kühlgeräte können deshalb ein V2L-System stärker belasten, als ihre Nennleistung vermuten lässt. Der BMW reagierte auf solche Lastspitzen im Test besonders robust.
Die V2L-Funktion kostet laut den vorliegenden Angaben 740 Euro im Paket mit dem 22-kW-Lader. Der Adapter schlägt zusätzlich mit 199 Euro zu Buche. Den Eigenverbrauch des Systems konnte der ADAC beim BMW nicht ermitteln.
Für wen eignet sich der BMW iX3?
Für Camperinnen und Camper, die einen mittelgroßen oder größeren Wohnwagen ziehen möchten und V2L regelmäßig einsetzen wollen. Er ist in diesem Vergleich die erste Wahl, wenn Anhängelast und eine möglichst hohe Toleranz gegenüber wechselnden Lasten im Vordergrund stehen.
Kia EV5: der ausgewogene Allrounder
Der Kia EV5 stellte im ADAC-Test 3,6 kW Dauerleistung bereit. Die Anhängelast liegt – abhängig von der konkreten Ausführung – bei rund 1.250 Kilogramm. Damit eignet sich der EV5 vor allem für kleinere und mittlere Wohnwagen.
Im Test reagierte der Kia robust auf Einschaltströme. Auch die Fehlermeldungen waren vergleichsweise verständlich. Bei einer Überlastung meldete das Fahrzeug beispielsweise "Verbrauch zu hoch".
Allerdings verbrauchte das V2L-System selbst rund 390 Watt. Bei einer kurzen Kaffeepause ist das kaum relevant. Wird jedoch eine kleine Kühlbox oder ein Ladegerät über viele Stunden betrieben, fällt dieser Eigenbedarf deutlich ins Gewicht.
V2L gehört bei der höheren Ausstattung zur Serienausstattung. Der Adapter kostet laut den vorliegenden Daten 392 Euro.
Für wen eignet sich der Kia EV5?
Für Camperinnen und Camper mit kleinerem oder mittlerem Wohnwagen, die ein alltagstaugliches SUV suchen und V2L vor allem punktuell nutzen möchten. Er bietet eine ausgewogene Kombination aus Anhängelast, V2L-Leistung und vergleichsweise unkompliziertem Systemverhalten.
XPeng G9: viel Leistung, aber empfindlicher
Der XPeng G9 verbindet eine Anhängelast von bis zu 1.500 Kilogramm mit einer V2L-Dauerleistung von 3,4 kW. Für viele Wohnwagen ist das ausreichend.
Im ADAC-Test reagierte das System allerdings empfindlicher auf Einschaltströme als BMW iX3 und Kia EV5. Für einfache Verbraucher wie Ladegeräte, Beleuchtung oder eine kleine Kaffeemaschine dürfte das weniger kritisch sein. Wer V2L auch für Werkzeuge, Pumpen oder Kompressorgeräte nutzen möchte, sollte die konkrete Kombination möglichst vor dem Kauf ausprobieren.
Der Eigenverbrauch lag bei rund 400 Watt. V2L ist beim G9 serienmäßig, der Adapter kostet laut den vorliegenden Daten 120 Euro.
Für wen eignet sich der XPeng G9?
Für Camperinnen und Camper, die bis zu 1.500 Kilogramm Anhängelast benötigen und eine umfangreiche V2L-Ausstattung schätzen. Bei Geräten mit hohen Einschaltströmen ist jedoch mehr Vorsicht geboten.
V2L ist nicht automatisch "Landstrom" für den Wohnwagen
Ein wichtiger Unterschied: V2L versorgt zunächst einzelne Geräte über den Fahrzeugadapter. Das ist nicht automatisch dasselbe wie ein normgerechter Campingplatzanschluss für die komplette 230-Volt-Anlage des Wohnwagens.
Eine Einspeisung darf nicht improvisiert werden. Insbesondere sind Stecker-Stecker-Verbindungen gefährlich und unzulässig. Wer den Wohnwagen über das Elektroauto umfassend versorgen möchte, sollte eine dafür geeignete Lösung mit einem qualifizierten Fachbetrieb klären.
Für die mobile Praxis ist V2L daher vor allem als Stromquelle für einzelne Geräte außerhalb des Wohnwagens interessant.
Der Eigenverbrauch schmälert die Einsatzdauer
Die ADAC-Messungen zeigen eine typische Schwäche von V2L: Das System benötigt selbst mehrere hundert Watt. Bei fünf der sechs Fahrzeuge lag der Eigenverbrauch zwischen 390 und 500 Watt. Bei den drei hier aufgeführten Fahrzeugen werden etwa 400 Watt fällig. Auch der BMW dürfte sich etwa in diesem Bereich bewegen. Hier fehlen leider aussagekräftige Messwerte.
Das fällt bei einer leistungsstarken Kaffeemaschine, die zehn Minuten läuft, kaum ins Gewicht. Bei einer kleinen Dauerlast sieht die Rechnung anders aus. Eine Kühlbox mit beispielsweise 50 Watt kann durch den Eigenverbrauch des V2L-Systems ein Vielfaches an zusätzlicher Energie aus dem Akku benötigen – beispielsweise beim XPeng 450 statt nur 50 Watt.
V2L bei Regen: ein praktischer Widerspruch

Die Adapter sind nur bedingt Spritzwassergeschützt.
V2L ist besonders dort interessant, wo kein Stromanschluss vorhanden ist – also im Freien. Gleichzeitig untersagen laut den vom ADAC ausgewerteten Herstellervorgaben alle sechs Hersteller die Nutzung bei Regen beziehungsweise Nässe.
Das gilt auch dann, wenn der Adapter einen gewissen Regenschutz besitzt. Für Camperinnen und Camper bedeutet das: V2L sollte nur an einem trockenen und geschützten Ort genutzt werden. Als uneingeschränkte Außenstromversorgung bei jedem Wetter ist die Funktion daher nicht geeignet.
Kaufberatung: Darauf sollten Sie beim E-Zugwagen achten
Vor der Bestellung sollten Interessenten folgende Punkte prüfen:
- Anhängelast: Welche gebremste Anhängelast gilt für die gewünschte Version? Werte können sich zwischen Antrieb, Batteriegröße und Ausstattung unterscheiden.
- Stützlast: Die Stützlast des Pkw muss zum Wohnwagen, zur Kupplung und zur Beladung passen. Sie ist für das Fahrverhalten des Gespanns ebenso wichtig wie die maximale Anhängelast.
- Bestellbare AHK: Eine ab Werk bestellbare oder eindeutig freigegebene Anhängerkupplung ist für den Wohnwageneinsatz die sicherste Lösung. Eine beliebige Nachrüstung ist nicht automatisch für das Ziehen eines Caravans freigegeben.
- V2L-Anschluss: Gibt das Fahrzeug Strom über eine Innenraumsteckdose, über einen Ladebuchsenadapter oder über beide Wege ab? Für den Einsatz außerhalb des Fahrzeugs ist der Adapter an der Ladebuchse meist die praktischere und leistungsstärkere Lösung.
- Einschaltstromtoleranz/Spitzenlast: Wer Kompressorkühlboxen, Pumpen oder Elektrowerkzeuge betreiben möchte, sollte nicht nur auf die Dauerleistung achten. Der ADAC-Test zeigt, dass sich die Fahrzeuge beim Umgang mit kurzzeitigen Leistungsspitzen unterscheiden.
- Reichweitenreserve: V2L-Energie steht nicht zusätzlich zur Verfügung. Sie wird aus der Fahrbatterie entnommen. Für die Weiterfahrt und den nächsten Ladepunkt sollte immer eine ausreichende Reserve eingeplant werden.












