Elektro-Camping in Norwegen: Wie ein E-Auto und ein Kaffee auf 1000 Metern alles verändern

E-Mobilität, Camping und Leuchttürme in Norwegen
Mein E-Auto-Abenteuer in Norwegen mit Dachzelt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.07.2026
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Es sollte eine Reise werden. Es wurde ein Abenteuer. Mit einem vollelektrischen Pkw, einem Dachzelt und einer Espressomaschine bin ich durch Norwegen gefahren – und habe gelernt: Elektromobilität ist kein Verzicht. Sie ist Freiheit. Und manchmal ein Kampf mit dem Wetter, der Technik und mir selbst.

Es begann alles auf einer Campermesse

Auf einer Campermesse wird aus einer vagen Idee blitzschnell ein Plan. Ich stehe vor einem Pkw, vollelektrisch, mit einem Zelt auf dem Dach. Das ist es. Keine lange Bedenkzeit, keine Pro- und Contra-Liste. Einfach: Ja.

Der Grund? Ich will mitreden können. In Diskussionen über E-Mobilität fehlen mir die Argumente. Die Praxis. Die Erfahrung. Also beschließe ich: Ich fahre einfach.

Und ich fange klein an – mit einem Dachzelt, das sich in unter einer Minute aufbaut. Eine Besucherin am Stand macht es vor: Reißverschluss, Stangen, klick – fertig. Plötzlich sehe ich mich selbst: Kaffee auf der Dachterrasse, Meerblick, Sonnenuntergang. Kein Hotel, kein Plan, nur ich und Norwegen.

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Thomas Krey

Die ersten Herausforderungen

Graue Boxen, schwarze Boxen, Sicherheitsnetz – mein E-Auto ist gepackt. Die Route von Niedersachsen bis zu den Wasserfällen bei Odda in Norwegen steht. Die Apps sind geladen. Alles bereit für die große Abfahrt. Doch dann: zwei Vollsperrungen, undurchsichtige Umleitungen, und aus der geplanten Ankunft zum Sonnenuntergang in Skagen wird eine Nachtfahrt bei Windstärke acht und horizontalem Regen.

Natürlich hätte ich direkt zur Fähre fahren können. Aber ich bin Leuchtturm-Jäger. Also stehe ich um halb drei Uhr morgens im Sturm, die Kamera in der Hand, und warte auf das erste Licht. 4:35 Uhr. Die Sonne bricht durch die Wolken, die salzige Luft beißt in der Lunge, und plötzlich ist die Müdigkeit weg. Die Abenteuerlust hat mich schon nach der ersten Nacht in der Hand.

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Thomas Krey

Fähre, Seekrankheit und ein kleines Wunder

Eigentlich sollte ich auf der Fähre von Hirtshals (DK) nach Kristiansand (NO) laden können. Doch das Schiff wird kurzfristig getauscht – die Ladesäulen: weg. Stattdessen kämpft die Fähre mit den Wellen, und ich mit der Seekrankheit. Eine Nacht voller Pläne, die das Meer einfach wegspült.

Doch dann passiert etwas Unerwartetes: Auf dem Parkdeck sammeln sich Leute vor meinem Auto. Die Kombination aus mattschwarzer Folie und Dachzeltbox wirkt wie ein Magnet. Plötzlich stehe ich mitten in einer Diskussion über E-Mobilität – Smalltalk wird zum Erfahrungsaustausch. Jeder hat eine Meinung, eine Geschichte, eine Frage. Und ich? Ich habe erste Antworten.

Der Leuchtturm in Lindesnes: Wo Norwegen mich willkommen heißt

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Thomas Krey

Mein erster Stopp: Lindesnes, der südlichste Leuchtturm des norwegischen Festlands. Unterwegs zähle ich E-Autos – und gebe schnell auf. Es sind zu viele. Stattdessen halte ich an einer Raststätte, die aussieht wie aus der Zukunft: Zwei identische Gebäude – eines für Sprit, eines für Strom. Daneben ein Café mit Kaffee und Kuchen. Willkommen in Norwegen.

Die letzten Meter zum Leuchtturm sind ein Kurvenparadies. Plötzlich ragt der rot-weiße Turm mitten auf der Straße empor. Das Museum am Fuß des Leuchtturms ist Pflichtprogramm – didaktisch perfekt, voller Geschichten. Und ich? Ich habe ein Geschenk dabei: Ein Foto meines Lieblingsleuchtturms, auf Leinwand. Die Museumsleitung ist gerührt. Manchmal sind es die kleinen Gesten, die eine Reise unvergesslich machen.

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Thomas Krey

Nächte am Leuchtturm: Kaffee, Wellen und neugierige Blicke

Am ersten Abend bleibe ich mit zwei anderen Fotografen bis zwei Uhr morgens am Leuchtturm. Wir tauschen Tipps aus, testen Kameras, lachen über missglückte Aufnahmen. Glücklich und müde klettere ich ins Dachzelt. Durch die dünnen Wände höre ich die Wellen gegen die Felsen schlagen. Ich schlafe ein – und bin genau da, wo ich sein will.

Am nächsten Morgen wird das Dachzelt zur Küche mit Meerblick. Ich baue meine Espressomaschine auf, fülle Wasser in den Tank, und plötzlich steht eine Frau neben mir. "Wie machst du das nur?", fragt sie. Ich versuche, den Espresso bei Wind in die Tasse zu gießen – und scheitere grandios. "Cool, was du so alles dabeihast", sagt sie lachend, bevor sie weiterzieht. Genau das ist der Charme: Einfach machen. Und sich nicht zu ernst nehmen.

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Thomas Krey

Schnell ist die Küchenkombination unter dem aufgeklappten Dachzelt aufgebaut. Mittels des Wasserhahns am Spülbecken befülle ich meine mobile Espressomaschine. Vorbeilaufende Urlauber beäugen meine Küchenarbeit und eine Dame sucht das Gespräch. Größe, Funktionalität und Qualität der Boxio-Einrichtung scheinen sie zu beeindrucken. Plötzlich setzt das Geräusch der Druckpumpe meiner Espressomaschine ein. Mein Versuch, das heiße Getränk bei mittlerem Wind mit einer Espressotasse aufzufangen, amüsiert meinen Besuch sichtlich. "Cool, was du so alles dabeihast – und das alles in einem Auto", lautet ihr Kommentar, bevor sie sich Richtung Leuchtturm auf den Weg macht.

Elektro-Camping: Warum weniger mehr ist

Die Straßen in Norwegen schlängeln sich wie Bänder durch die Fjorde – schmal, aber perfekt asphaltiert. Kein Dieselgestank, kein Motorgebrüll. Nur das leise Surren der Reifen auf dem Asphalt.

Und plötzlich merke ich: Ich denke anders. Kein Kanister, kein Öl – stattdessen eine Powerstation und ein Solarpanel. Damit lade ich Kameraakkus, mache Licht und brühe den Espresso. Das E-Auto wird zur Steckdose auf Rädern, das Dachzelt zum Smart-Home in der Wildnis. Kein Campingplatz? Kein Problem. Ich bleibe einfach stehen. Nachhaltig. Leise. Frei. Und genau das ist der Reiz: Elektromobilität entschleunigt. Nicht weil sie muss – sondern weil sie kann.

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Thomas Krey

Laden oder nicht laden? Das ist hier die Frage

Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser. Doch manchmal vergisst du einfach, auf die Reichweite zu schauen. So wie ich, als ich mich spontan für einen Abstecher entscheide – ohne zu prüfen, wo die nächste Ladesäule ist.

Plötzlich werde ich unruhig. Kein Ladesymbol auf der Karte. Keine Säule in Sicht. Ich halte am Straßenrand, checke alle Apps, erweitere den Suchradius – nichts. Und dann, just in dem Moment, in dem ich innerlich den Kopf schüttle, beginnt es wie aus Eimern zu regnen.

Doch dann: Ein Hoffnungsschimmer. Eine kleine Tankstelle, ein blinkendes Schild. Und tatsächlich – ein E-Auto steht an der Säule. Die Fahrerin kämpft mit dem Ladekabel. "Unlock the car!", rufe ich durchs Fenster. Sie versteht, drückt den Knopf, und zwei Daumen gehen hoch. Manchmal reicht ein kleiner Tipp – und die Reise geht weiter.

Wie ich in einem Leuchtturm eingeschlossen wurde – und es liebte

Entlang meiner Route besuche ich ein Dutzend Leuchttürme. Jeder hat seine eigene Geschichte: In Lista bekomme ich den Schlüssel in die Hand gedrückt und erkunde den Turm auf eigene Faust. In Obrestad werde ich oben im Turm vergessen – und eingeschlossen. Doch statt Panik genieße ich die Stille, das Licht, die Aussicht. Manchmal sind die besten Momente die ungeplanten.

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Thomas Krey

Doch der Höhepunkt wartet am Preikestolen. Ich will den berühmten Fels bei Nacht fotografieren – mit einer Taschenlampe, die den Lichtstrahl sichtbar macht. Fünf Stunden warte ich auf die perfekte Wolkenlücke. Um 1:30 Uhr ist es endlich soweit: Der Himmel reißt auf, die Luft ist voller Partikel, und der Lichtstrahl meiner Lampe tanzt über den Fjord. Das war es wert.

Norwegen und die E-Mobilität: Ein Land, das vorlebt, wie es geht

Norwegen hat die Elektromobilität früh und konsequent gefördert. Über 80 Prozent aller Neuwagen sind elektrisch. Hier ist E-Mobilität kein Experiment – sie ist Alltag.

Die Ladeinfrastruktur ist fast überall – selbst in abgelegenen Fjordregionen. Doch es gibt noch Luft nach oben:

  • Navi und Apps zeigen manchmal Ladesäulen an, die längst belegt sind.
  • Die Anzeige der freien Säulen ist hilfreich – aber sie ändert sich im Minutentakt.
  • Wichtig wäre zu wissen, wie lange die aktuellen Ladevorgänge noch dauern.

Doch trotz kleiner Macken: Die Reise mit dem E-Auto verändert das Zeitgefühl. Ladepausen werden zu Momenten der Entschleunigung. Du trinkst einen Kaffee, planst die nächste Etappe, genießt die Aussicht. Und plötzlich merkst du: Du bist nicht zu spät. Du bist genau pünktlich.

Mehr Camping-Inspo fürs E-Auto? Hier war CARAVANING-Chefredakteur Ingo Wagner mit Kia EV9 und einem Dachzelt in Slowenien unterwegs.

Fazit