Eine Episode zum Thema "Flasche leer" kann jeder Reisemobilist beisteuern. Ob beim Grillen, wenn die Flamme erlischt und die Steaks noch halb gar sind. Oder bei trauter Zweisamkeit, während es draußen stürmt und plötzlich die Truma kalt wird: "Und ich wollte die Zweitflasche doch neulich noch tauschen!" Dass nebenan ein alter Bulli steht, den es schon in den frühen 1980er Jahren mit fest installiertem Gastank gab, macht die Sache nicht besser. Dort schimmert es nämlich warmgolden aus den Fenstern. Und uns ist es kalt!
Warum Gasflaschen im Ausland zum Problem werden
Natürlich gibt es Helferlein: Füllstandsanzeigen, die automatische Umschaltung oder pfiffige Gasflaschen-Automaten erleichtern Campern das Leben. Doch ein Problem bleibt: Die schweren Flaschen wollen geschleppt und getauscht werden. Und im Ausland geht das zumeist gar nicht, hat doch scheinbar jede Nation ihre eigenen Anschlüsse. Wer gern länderübergreifend tourt, kennt dieses Problem genau.
Und die blauen "Campingaz"-Flaschen? Nun, die sind in Europa weit verbreitet und auch in Campingbussen vom Schlage eines VW California Standard, weil kompakt, und nur zum Kochen reicht’s. Die Standheizung läuft hier meist mit Diesel. Doch so eine "R907" mit ihren 2,75 Kilo ist bei einem Kilopreis von rund zehn Euro nicht eben günstig.
Zudem kommt auch die Tauschflasche auf die Rechnung, bei "Erstbezug ist die Nutzungsgebühr in Höhe von 49,95 Euro zu entrichten", stellt etwa die Baumarktkette Hornbach klar. "Da es sich nicht um eine Pfandflasche handelt, wird bei Rückgabe der Flasche diese Gebühr nicht wieder ausgezahlt." Baumärkte sind trotzdem eine gute "Gas-Quelle", auch die klassischen Propan-Buddeln gibt’s hier. Bei elf Kilo kommt eine Füllung auf rund 25 Euro, das sind dann so etwa 2,30 Euro je Kilo.

Die neue Gasleitung darf keine Spannung haben oder gar Scheuergefahr! An den Gewinden befestigt wird sie mittels Schneidringverschraubungen.
Vorteile eines fest installierten Gastanks
Und ein Gastank? Der hat den großen Vorteil der Flexibilität, kann er doch an allen Autogas/LPG-Tankstellen befüllt werden."Derzeit stehen in Deutschland ca. 6000 LPG-Tankstellen zur Verfügung. EU-weit sorgen insgesamt 31 000 Stationen für eine flächendeckende Versorgung", schreibt beispielsweise die Seite "progas.de". Zudem liegt man bei einem Preis von rund einem Euro je Liter unter dem Niveau der Propanflasche.
Doch Obacht, an Tankstellen wird nach Litern abgerechnet: Ein Kilo Gas sind knapp zwei Liter, bei elf Kilo sind es derer 21,56, und es kommt auch noch auf den Druck an. Bei einem Euro je Liter liegt der Preis an der Tanke also nicht gravierend, aber doch spürbar unter dem der Gasflasche. Aber nur hierzulande, denn die LPG-Preise variieren: In Osteuropa liegen sie niedriger, in Skandinavien höher, Italien und Spanien bewegen sich im Mittelfeld. Ein Vergleich über Portale lohnt also, auch wenn man natürlich nie die Mengen benötigt wie ein mit LPG betriebenes Auto.
Sicherheit und Reichweite beim Wintercamping
Alleine die Ersparnis am Literpreis rechtfertigt also nicht wirklich den Einbau, es spielen noch andere Facetten hinein, wie eben die Sicherheit, auch beim Wintercamping für viele Tage Energie an Bord zu haben. Klar, man muss zwingend an die Tanke fahren, mal eben an der Campingplatz-Rezeption die Flasche tauschen geht dann nicht. Es sei denn, und das ist ein empfehlenswerter Tipp, man baut ein manuelles Umschaltventil ein, dann hat man immer eine Reserve am Start. "Mit dieser Option wird die Autarkie im Winter verdoppelt", meint dazu Sven Busse von AST. Dort wurde das hier zu sehende System entwickelt, das an alle Citroën Jumper, Peugeot Boxer und Fiat Ducato ab Baudatum April 2006 passt – und zwar ohne Änderung am Rahmen.
"Wir befestigen den Gastankhalter an den vorhandenen Aufnahmepunkten". Zudem hat der Tank eine Dauergenehmigung, er muss also nicht aus Prinzip nach zehn Jahren getauscht werden, sondern kann bei guter Optik viele Jahre länger im Einsatz sein. Ob sich obendrüber dann ein Kastenwagen oder ein Teilintegrierter befindet, spielt hier keine Rolle, einzig bei einem Tiefrahmen-Chassis sieht die Sache anders aus, die "Plug-and-Play-Lösung" passt dort nicht.
Dauerzulassung und Haltbarkeit des Tanks
Im Normalfall wird der Einbau lässig an einem Tag durchgeführt. Geschieht dies bei AST, wird ein Leihwagen zur Verfügung gestellt, bis Colmar im Elsass sind es 40 Kilometer, bis Freiburg im Breisgau nur 20. Parallel arbeitet AST auch mit Partnern, beispielsweise in NRW, zusammen. Aber auch Reisemobilwerkstätten können den Umbau vornehmen und prinzipiell auch versierte Privatschrauber.

Nach knapp vier Stunden war der Gastank im vorliegenden Fall installiert. Es hängt aber davon ab, wie die Gasleitungen verlegt werden müssen.
Dies ist jedoch kein Feld für Basteleien, und am Ende muss die neue Anlage ohnedies abgenommen und eingetragen werden. Im Zweifel also besser gleich zu den Leuten gehen, die Ahnung haben – eine Pause im Breisgau schadet ja nicht. Zudem lässt sich ein Umbautermin gut in eine Reise gen Süden integrieren, AST ist direkt an der A 5, Ausfahrt Hartheim, zu Hause.
Wir bedanken uns bei Sven Busse und Martin Kraner von AST-Systems in Eschbach im Breisgau für die tatkräftige Unterstützung! Weitere Infos zum Gastank, Preise und Einbaubeispiele finden sich unter: www.ast-systems.de.
Daten und Fakten
Preis inkl. Montage: Der Einbau kommt auf 2.490 Euro. Die Gassteckdose (390 Euro) und den Umschalter (65 Euro) für den alternativen Flaschenbetrieb kann man hinzubuchen.
Gewicht & Füllmengen: Tank, Halter und Schlauch wiegen rund 36 Kilo, die Gas-Füllmenge 28. Der Tank fasst ungefähr so viel wie zweieinhalb Propanflaschen je elf Kilo – lässt sich aber vielerorts nachfüllen.
Arbeitszeit: Diese hängt stark vom gewünschten Umfang und vom Innenausbau ab. Im gezeigten Beispiel war eine schicke Durchleitung unterm Gasverteiler vorhanden. Müssen eigens neue Löcher in den Boden gebohrt werden, dauert es länger. Aber auch dann reicht ein Arbeitstag immer.
Alternativen und rechtliche Einschätzung
Dass Gas eine explosive Angelegenheit ist, das zeigte sich zuletzt am 6. Oktober im Landkreis Karlsruhe, hier führte der "Bedienfehler an einer Gasflasche" zu einem verheerenden Unfall mit zwei Verletzten, ein Haus lag hernach in Trümmern. Deshalb ist auch die regelmäßige Kontrolle der Gasanlage keine drollige Zeitverschwendung, sondern ein Sicherheitsfaktor. Immer wieder tauchen hierbei auch Fragen zu den "Tankflaschen" auf, einer Mischung aus Gastank und -flasche: Aktuell sind neue Regeln im Gespräch, zum Beispiel die Befüllung über einen Außenanschluss betreffend.

Tankflaschen haben oft einen 80- prozentigen Füllstopp, könnten aber trotzdem überfüllt werden, wenn sie schräg stehen.
Noch im Sommer bemerkte der Deutsche Verband Flüssiggas e. V., dass die im Gaskasten installierten Behältnisse in Deutschland nicht an Tankstellen befüllt werden dürfen. Und schon gar nicht sollte man auf die Idee kommen, eine normale Propanflasche in Eigenregie zu einer Tankflasche umzubauen!












