Wohnwagen gekauft – aber wo bleibt das Abwasser? Was viele Neulinge nicht wissen

Abwassertank im Wohnwagen
Was Neulinge über Grauwasser oft nicht wissen

vom Campingprofi seit 1959
ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.05.2026
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Ratgeber Anfängerfehler
Foto: CARAVANING

Der neue Wohnwagen ist gekauft, die Vorfreude riesig – doch beim ersten Abwasch stellt sich eine überraschende Frage: Wohin fließt eigentlich das Spülwasser?

Wer vom Wohnmobil kommt oder ganz neu ins Camping einsteigt, erlebt hier oft einen Aha-Moment. Denn anders als bei Reisemobilen haben die meisten Wohnwagen keinen fest eingebauten Abwassertank. Was zunächst wie ein Versäumnis der Hersteller wirkt, hat einen guten Grund – und ist mit dem richtigen Zubehör schnell gelöst.

Warum Wohnwagen oft keinen festen Abwassertank haben

Der entscheidende Unterschied liegt im Nutzungskonzept: Während Wohnmobile für autarkes Stehen auf Stellplätzen oder in der freien Natur konzipiert sind, gehen Hersteller bei Wohnwagen davon aus, dass sie auf einem Campingplatz mit entsprechender Infrastruktur stehen.

Und genau dort ist ein fest verbauter Tank oft überflüssig. Viele komfortabel ausgestattete Campingplätze bieten Parzellen mit eigenem Abwasseranschluss, einen City-Wasseranschluss – Sie schließen einfach einen Schlauch an das Abflussrohr Ihres Wohnwagens an, und das Grauwasser fließt direkt in die Kanalisation. Besonders für Dauercamperinnen und Dauercamper oder alle, die mehrere Wochen am selben Ort verbringen, ist das eine bequeme Lösung.

Auf Parzellen ohne direkten Kanalanschluss kommt der klassische Abwassertrolley zum Einsatz: ein rollbarer Behälter, den Sie unter den Ablaufstutzen des Wohnwagens schieben – auch Wassertaxi genannt. Das Grauwasser sammelt sich darin, bis Sie es an der zentralen Entsorgungsstation des Platzes entleeren.

Welche Tank-Typen gibt es?

Wer einen mobilen Abwassertank braucht, hat die Wahl zwischen verschiedenen Systemen. Übrigens: Manchmal ist beim Kauf eines neuen Wohnwagens bereits ein Rolltank dabei – falls nicht, lohnt sich ein Blick in die Aufpreisliste des Herstellers, bevor Sie sich anderweitig umsehen.

  • Rollbare Abwassertanks (Wassertaxis): Die gängigste Lösung für Wohnwagen. Diese Trolleys haben Räder und eine Zugstange, sodass Sie den gefüllten Tank bequem zur Entsorgungsstation ziehen können. Achten Sie auf stabile Räder und einen sicheren Verschluss.
  • Tragbare Kanister: Kompakt und günstig, aber nur für kleine Wassermengen geeignet. Praktisch als Ergänzung oder bei minimalistischer Nutzung.
  • Fest nachrüstbare Unterflurtanks: Wer häufiger autark stehen möchte, kann einen Tank unter dem Wohnwagen nachrüsten lassen. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Die Bodenfreiheit vieler Wohnwagen ist gering, und der Tank darf nicht bei jeder Bodenwelle aufsetzen. Außerdem sollten Sie vorher prüfen, ob Ihre Zuladungsreserve das zusätzliche Gewicht erlaubt.
  • Faltbare Tanks: Platzsparend bei der Lagerung, aber oft weniger robust und schwieriger zu reinigen.

Tipp: Der Abwasserschlauch am Wohnwagen ist oft recht kurz und reicht nicht immer bis in die kleine Einfüllöffnung des Rolltanks. Ein Trichter oder eine Schlauchverlängerung schaffen hier Abhilfe – beides gibt es günstig im Campingzubehör.

Die richtige Größe wählen

Wie groß sollte der Abwassertank sein? Das hängt davon ab, wie viel Wasser Sie verbrauchen und wie oft Sie entleeren möchten. Als Faustformel: Beim Camping fallen pro Person und Tag etwa 10 bis 15 Liter Grauwasser an – durch Abspülen, Händewaschen und gegebenenfalls Duschen.

  • 20 bis 25 Liter: Ausreichend für Wochenendtrips oder sehr sparsame Nutzung
  • 30 bis 40 Liter: Der Standard für die meisten Camperinnen und Camper – bietet einen guten Kompromiss aus Kapazität und Handlichkeit
  • 50 Liter und mehr: Sinnvoll für Familien, längere Standzeiten oder wenn Sie seltener zur Entsorgungsstation gehen möchten

Tipp: Wählen Sie im Zweifel eine Nummer größer. Ein halb gefüllter Tank lässt sich immer noch gut bewegen – ein überlaufener Tank hingegen sorgt für Frust und Schmutz.

Was darf ins Grauwasser – und was nicht?

Der Abwassertank nimmt alles auf, was durch Spüle und Waschbecken abfließt. Doch nicht alles, was flüssig ist, gehört auch hinein. Einige Stoffe können den Tank schädigen, unangenehme Gerüche verursachen oder an der Entsorgungsstation für Probleme sorgen.

Das darf hinein:

  • Normales Spül- und Waschwasser
  • Biologisch abbaubare Seifen und Spülmittel
  • Klares Wasser vom Händewaschen oder Duschen

Das sollten Sie vermeiden:

  • Nudelwasser und stärkehaltige Flüssigkeiten: Die Stärke fördert Ablagerungen und Biofilm im Tank und in den Leitungen
  • Fett und Speisereste: Sie verstopfen den Abfluss und beginnen schnell zu riechen
  • Aggressive Reinigungsmittel: Sie können Dichtungen angreifen und schaden der Umwelt

Ein oft unterschätztes Problem ist der Siphon – also der Geruchsverschluss unter der Spüle. Wenn der Wohnwagen länger steht oder das Wasser im Siphon durch Erschütterungen während der Fahrt herausgedrückt wird, verliert er seine Sperrwirkung. Dann können unangenehme Gerüche aus dem Tank in den Wohnraum steigen. Die Lösung: Gießen Sie nach längerer Standzeit oder nach der Ankunft einfach etwas Wasser in den Abfluss, um den Siphon wieder zu füllen.

Entleeren: Wo und wie?

Das Entleeren des Grauwassertanks gehört zur Campingroutine. Auf Campingplätzen finden Sie in der Regel eine zentrale Entsorgungsstation, oft in der Nähe des Sanitärgebäudes oder der Ver- und Entsorgungssäulen.

Wichtig: Grauwasser ist nicht gleich Schwarzwasser. Als Grauwasser bezeichnet man das Abwasser aus Spüle, Dusche und Waschbecken. Schwarzwasser hingegen stammt aus der Toilette und muss separat entsorgt werden – in dafür vorgesehenen Kassetten-Entleerungsstationen.

Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber dennoch erwähnt sei: Kippen Sie Ihr Grauwasser niemals in die Natur. Selbst vermeintlich harmloses Seifenwasser schadet Boden und Gewässern.

Die promobil-App Stellplatz Radar zeigt Ihnen Entsorgungsstationen im Umkreis oder auf Ihrer Route an – praktisch, wenn Sie auf der Durchreise sind oder einen Stellplatz mit Entsorgungsmöglichkeit suchen.

Pflege und Hygiene

Ein Abwassertank ist pflegeleicht, braucht aber gelegentlich etwas Aufmerksamkeit:

  • Regelmäßig ausspülen: Nach der Entleerung den Tank mit klarem Wasser durchspülen, um Ablagerungen und Gerüche zu vermeiden
  • Trocknen lassen: Vor längerer Einlagerung den Tank offen trocknen lassen – Restfeuchtigkeit führt zu muffigen Gerüchen
  • Dichtungen prüfen: Kontrollieren Sie Verschlussdeckel und Anschlüsse regelmäßig auf Dichtigkeit
  • Spezielle Tankreiniger: Bei hartnäckigen Gerüchen können enzymatische Reiniger helfen, sind aber nicht bei jeder Entleerung nötig

Achtung beim Wintercamping: Ein Unterflurtank oder ein draußen stehender Trolley kann bei Frost einfrieren. Entleeren Sie den Tank daher vor Nächten mit Minusgraden vollständig. Bei fest verbauten Tanks unter dem Fahrzeug ist besondere Vorsicht geboten, da diese meist nicht isoliert sind.

Fazit