Camping in Südeuropa: Diese überraschenden Regeln sollten Sie vor der Reise kennen

Kuriose Camping-Regeln
Badekappe, Speedo, Klopapier müssen mit

ArtikeldatumVeröffentlicht am 29.06.2026
Als Favorit speichern
Mann mit Speedo und Badekappe
Foto: Alexandr Dubynin

Enge Badehose, Badekappe, Klopapier – und bloß nicht ohne Reservierung losfahren. So könnte die aktualisierte Packliste für den Campingurlaub 2026 aussehen. Campingexperte ACSI inspiziert jährlich 10.000 Plätze in ganz Europa und kennt die Eigenheiten der verschiedenen Länder bestens. Wer gut vorbereitet in den Urlaub startet, erlebt weniger Überraschungen. Ein kleiner Reise-Knigge für entspannte Campingferien.

Italien: Ohne Badekappe kein Badespaß

Bei der Badekappenpflicht handelt es sich um offizielle italienische Gesetzgebung. Laut diesem Gesetz besteht in öffentlichen Schwimmbädern, aber auch in Pools auf Campingplätzen die Pflicht zum Tragen einer Badekappe im Wasser. Die Umsetzung dieser Regelung auf Campingplätzen bestätigt auch der Campingplatzsepzialist ACSI (Auto Camper Service International) – auf 196 der von ACSI inspizierten Campingplätze in Europa ist die Badekappe nach wie vor Pflicht.

Der Hintergrund ist simpel: Haare und Hautpartikel sollen nicht ins Wasser gelangen. Was zunächst altmodisch wirkt, hat also einen hygienischen Sinn. Oft versuchen Betreiber, bei der italienischen Regierung eine Ausnahmeregelung zu beantragen, die in einigen Fällen auch gewährt wird. Als Auflage müssen die Betreiber jedoch häufiger die Sauberkeit des Wassers kontrollieren. Es ist durchaus möglich, dass Sie auf modernen Anlagen Glück haben und ohne Kopfbedeckung schwimmen können.

Was in Italien außerdem gilt:

  • Sie müssen sich vor dem Poolbesuch am Eingang des Badebereichs abduschen oder zumindest die Füße waschen.
  • Oben-ohne-Sonnenbaden ist generell verboten.
  • Schwimmbäder sind während der Mittagsruhe oft geschlossen.

Frankreich: Schluss mit Badeshorts

Wer in Frankreich campt und sich auf den Pool freut, sollte seine weite Badeshorts besser im Schrank lassen und zu einer eng anliegenden Badeshorts greifen. Die Franzosen haben zwei Gründe für diese Schwimmbadpolitik: Hygiene und Umwelt. Menschen tragen lange Badeshorts oft als Shorts den ganzen Tag – zum Strand oder beim Spaziergang durch die Stadt. Wer dann im Schwimmbad in denselben Shorts schwimmt, verschmutzt das Wasser. Eine eng anliegende Badehose hält weniger Schmutz fest.

Die klassische "Speedo" ist also kein modisches Statement, sondern Pflicht. Wer das ignoriert, wird am Pooleingang abgewiesen.

Tipp: Packen Sie für den Campingurlaub im Süden beides ein – Badekappe und körpernahe Badehose. Beides nimmt kaum Platz weg und erspart Diskussionen am Beckenrand.

Siesta: Wenn der Campingplatz stillsteht

In Südeuropa ist die Mittagsruhe mehr als eine nette Tradition – sie wird streng durchgesetzt. In Italien nennt man diese Ruhezeit nicht Siesta wie in Spanien, sondern "Riposo". Sie gilt in der Regel zwischen 13 und 15 Uhr, aber manchmal auch länger.

Das hat konkrete Auswirkungen:

  • Schlagbaum bleibt unten: Auf dem bekannten Platz Marina di Venezia gilt die Siesta von 13 bis 15 Uhr und von 23:30 bis 7 Uhr. Während dieser Zeiten ist es nicht möglich, mit motorisierten Fahrzeugen auf dem Campingplatz ein- und auszufahren.
  • Absolute Ruhe: Fernsehen, Musik und laute Gespräche sind während dieser Zeit tabu.
  • Pools geschlossen: Auch das Schwimmbad macht oft Pause.

Planen Sie Ihre Ankunft also nicht auf den frühen Nachmittag – sonst warten Sie unter Umständen eine Stunde vor verschlossenem Tor.

Toilettenpapier: Nicht überall selbstverständlich

Was für viele Camperinnen und Camper undenkbar scheint, ist auf zahlreichen Plätzen in Südeuropa Realität: Die Sanitärgebäude sind zwar vorhanden, aber Klopapier gibt es nicht. Auf fast jedem fünften europäischen Campingplatz müssen Sie Ihre eigene Rolle mitbringen.

Ebenfalls gut zu wissen: Hocktoiletten sind in manchen Regionen Italiens und Frankreichs noch anzutreffen – vor allem auf älteren oder einfacheren Anlagen.

FKK: Klare Spielregeln

Freikörperkultur hat in Europa Tradition, doch die Regeln sind eindeutig. In Kroatien sind FKK-Strände legal, aber Nacktheit in öffentlichen Bereichen außerhalb von ausgewiesenen FKK-Stränden und Campingplätzen ist nicht erlaubt.

Frankreich hat den Ruf, in Sachen Nacktheit recht entspannt zu sein. Doch es gibt Regeln – obwohl es in Frankreich kein Gesetz gegen öffentliche Nacktheit gibt, gibt es eines gegen Störung der öffentlichen Ordnung.

Auf ausgewiesenen FKK-Campingplätzen gilt übrigens das Gegenteil: In Wasseranlagen wie Schwimmbad, Whirlpool und Sauna ist Nacktheit immer Pflicht. Badeanzüge sind dort verpönt.

Reservieren statt hoffen

Spontan losfahren und irgendwo einen Stellplatz finden? Das wird zunehmend schwieriger. Rund 80 Prozent der europäischen Campingplätze empfehlen inzwischen eine Vorab-Reservierung in der Hauptsaison. Besonders an beliebten Küsten und in den Bergen sind freie Plätze im Sommer Mangelware.

Unser Rat: Buchen Sie frühzeitig – vor allem, wenn Sie zwischen Juni und August unterwegs sind. Viele Plätze bieten mittlerweile unkomplizierte Online-Buchungssysteme an.

Fazit