Endlich werden die Tage wieder länger. Draußen kehrt allmählich das Grün auf die Wiesen und in die Baumkronen zurück und der Winterschlaf des geliebten Campers findet sein lang ersehntes Ende.
Doch bevor das Winterquartier seine Toren öffnet und die erste Tour des Jahres ansteht, sollten Reisemobilbesitzerinnen und -Besitzer ihr rollendes Domizil ausführlich unter die Lupe nehmen und auf Reisetauglichkeit prüfen. Haben Sie das Campingfahrzeug am Saisonende nur schnell ins Winterquartier oder gar an den Straßenrand gestellt? Dann kann sich gerade durch längere Standzeiten das ein oder andere Zipperlein entwickeln – sei es bei der Bordtechnik, dem Aufbau oder dem Basisfahrzeug.
Hat die eh schon schwächelnde Batterie noch genug Kraft? Wie schaut es im Wassertank aus und warum müffelt es aus dem Wohnraum? Mit unserer Checkliste können Sie Ihr Wohnmobil oder Ihren Campingbus einmal Schritt-für-Schritt durchgehen, damit unterwegs bei der ersten Frühlingstour keine böse Überraschung auf Sie lauert.
Checkliste: So wird der Camper Frühlings-fit
Mit sorgfältigem Auswintern bleibt das Wohnmobil zuverlässig und sicher. Die 3-Punkte-Checkliste sorgt für ungetrübte Reiseerlebnisse.
1. Basisfahrzeug
Gestartet wird das Vorhaben Auswintern am besten mit dem Check des Basisfahrzeugs, denn streikt beispielsweise der Motor, erreicht der Camper weder Wasch- noch Stellplatz. Zunächst empfiehlt sich ein Blick unter die Haube: Sind Schläuche, Kabel und Dämmmaterial unbeschädigt oder zeigen sich Spuren von Mardern, Nässe oder Undichtigkeiten?
Anschließend werden alle relevanten Füllstände kontrolliert, der Stand von Motoröl, Kühlmittel, Bremsflüssigkeit und dem Scheibenwischwasser. Für klare Sicht könnte sich auch der Austausch der Wischblätter mal wieder lohnen. Wer die Batterien über die Winterzeit nicht am Erhaltungsladegerät hängen hatte, sollte Starter- und Aufbaubatterie kontrollieren und vollständig – am besten über zwölf Stunden hinweg – laden, da beide bei längeren Standzeiten an Kapazität verlieren.

Spröde und rissige Reifen sollten schnell ersetzt werden. Viele Reifenmodelle haben eine Verschleißanzeige, alternativ misst man mit einer Profil-Prüflehre.
Die Reifen benötigen nach der Winterpause besondere Aufmerksamkeit, denn sie tragen das gesamte Gewicht des Fahrzeugs und sind entsprechend sicherheitsrelevant. Viele Camper erhöhen vor dem Einwintern bewusst den Luftdruck, um Schäden durch langes Stehen zu vermeiden – vor der ersten Fahrt muss dieser Überdruck wieder auf den vom Hersteller empfohlenen Wert abgesenkt werden. Andernfalls leiden Fahrkomfort und -sicherheit und die Reifen drohen ungleichmäßig zu verschleißen. Sorgfältig zu prüfen sind neben dem Reifendruck auch Profiltiefe, Reifenalter sowie mögliche Standplatten, Risse oder Fremdkörper.
Winterreifen werden gegen die Sommerpneus gewechselt. Hier geht es zu unserem großen Sommerreifentest. Trotz gesetzlicher Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern sollten für sichere Fahrt bei Regen noch mindestens drei bis vier Millimeter übrig sein. Sind Reifen älter als sechs, sieben Jahre, gehören sie außerdem bald aussortiert. Klarheit bringt ein Blick auf die sogenannte DOT-Nummer auf der Reifenflanke, die die Produktionswoche und das -jahr ausweist.

Bildet sich außen an der Bremsscheibe ein Grat, kann die Mindestdicke unterschritten sein. Spätestens dann sollte man eine Werkstatt aufsuchen.
Auch die Bremsanlage sollte überprüft werden, da längere Standzeiten Korrosion und Funktionsstörungen begünstigen können. Sichtbar sind oft Flugrost auf den Bremsscheiben oder Ablagerungen an den Belägen, die sich zwar meist bei den ersten vorsichtigen Bremsungen lösen, bei starkem Rost oder ungleichmäßigem Tragbild aber einer eingängigeren Begutachtung bedürfen. Zeigen sich ungewöhnliche Geräusche, Vibrationen oder ein schwammiges Pedalgefühl, ist ein Besuch in der Werkstatt ratsam.
Abgehakt wird das Checken des Basisfahrzeugs mit der Funktionskontrolle der gesamten Lichtanlage. Dazu gehören Abblend- und Fernlicht, Stand- und Tagfahrlicht, Blinker, Brems- und Rückfahrlicht sowie Nebel- und Kennzeichenleuchten. Am besten gelingt der Check zu zweit. Defekte Leuchtmittel sollte man sofort ersetzen. Außerdem empfiehlt sich ein Blick auf trübe Abdeckungen oder lose Steckverbindungen. Nur mit einwandfrei funktionierender Beleuchtung ist das Fahrzeug gut sichtbar und der Fahrer auch rechtlich auf der sicheren Seite.
Checkliste Basisfahrzeug
Motor
- Sichtprüfung im Motorraum auf beschädigte Kabel und Schläuche (Marder- oder Nagerspuren), Hinweisen auf Undichtigkeiten oder Rost nachgehen
Zustands-Check
- Füllstände (Motoröl, Kühlmittel, Bremsflüssigkeit, Scheibenwischwasser, Adblue)
- Wischerblätter
- Reifen (Risse, Reifendruck, Profiltiefe, ggf. Ersatzrad)
- Radmuttern nachziehen (passendes Drehmoment!)
- Bremsanlage (Scheiben, Beläge)
- Beleuchtung (Blink-, Abblend-, Fern- und Standlicht)
- Unterboden
Notfallausrüstung
- Verbandskasten
- Warndreieck
- Warnwesten
- Ersatzrad
- Feuerlöscher
- Starthilfekabel
Formalien
- Hauptuntersuchung
- Gasprüfung
- Dichtigkeitsprüfung
- Versicherungsschutz
2. Frühjahrsputz
Weiter geht es mit Eimer, Bürste und Schwamm, denn über den Winter sammeln sich außen am Aufbau – auf Dach und Wänden – Schmutz, Blätter und Streusalzreste. Auch Radkästen, Felgen und der Unterboden sollten nicht vergessen werden. Bei Hochdruckreinigern ist Vorsicht geboten: Lüftungsgitter aussparen und ausreichend Abstand halten, um Dichtungen und Fugen nicht zu beschädigen.
Besonders wichtig: Die Acrylglasfenster dürfen ausschließlich mit geeigneten Spezialreinigern gesäubert werden, um Kratzer und Spannungsrisse zu vermeiden. Wer eine Markise hat, sollte auch die reinigen, auf Beschädigungen prüfen und vollständig trocknen lassen.

Jede Saison mit dem Reisemobil sollte mit einer gründlichen Außenreinigung beginnen. Hier bieten sich Cleanparks mit Hochdruckreinigern an. Die Aufbaufenster aus Acrylglas müssen dabei gesondert behandelt werden.
Im Innenraum begibt man sich nach ausgiebigem Lüften auf Kontrollgang nach Feuchtigkeit, Schimmel oder ungebetenen Mitbewohnern. Polster, Matratzen und Stauräume werden abgesaugt, Oberflächen, Böden, Küche samt Herd und Spüle sowie Bad samt WC und Dusche gründlich gereinigt. Vorhänge, Teppiche oder Kissen werden gewaschen oder zumindest ausgelüftet. Matratzen sollte man hochstellen oder herausnehmen, um auch diese zu lüften. Innen wie außen gilt: Fenster und Verdunkelungen behutsam reinigen.
Checkliste Reinigung innen & außen
Innen
- Möbeloberflächen und Böden
- Polster und Matratzen
- Küche (Spüle, Kocher, Kühlschrank)
- Bad (Spiegel, Waschbecken, WC, Dusche)
- Textilien (Vorhänge, Teppiche, Kissen)
- Fahrerhaus (Armaturenbrett, Scheiben)
Außen
- Aufbau (Seiten, Front, Heck)
- Dach (Fläche, Dachhauben, Sat, Klima)
- Aufbaufenster
- Dichtungen und Scharniere
- Radkästen, Felgen, Unterboden
- Anbauteile (Markise, Fahrradträger
3. Bordtechnik
Damit unterwegs Komfort und Sicherheit stimmen, gilt der Frühjahrscheck auch sämtlichen Verbrauchern und Versorgungseinrichtungen im Mobil. Werden Heizung, Kühlschrank oder Kocher mit Gas betrieben, muss die Gasanlage gecheckt werden. Wie voll sind die Flaschen? Wann steht die nächste Gasprüfung an?
Um keine böse Überraschung in kalter Nacht zu erleben, lässt man vorab die Heizung testweise laufen. Das stellt sicher, dass Gebläse, Zündung und Warmluftverteilung einwandfrei funktionieren. Auch den Kühlschrank sollte man probeweise einschalten.

Marder und andere Tiere zerbeißen gerne Kabel und Schläuche. Mäuse nisten sich zudem auch gerne mal in Lüftungskanälen ein.
Am besten macht man einen systematischen Rundgang, der alle elektrischen Verbraucher einschließt: Funktionieren Beleuchtung, Wasserpumpe, Steckdosen und Ladegeräte zuverlässig? Fließt bei vorhandener Solaranlage und Sonnenschein Strom in die Batterie? Ein kurzer Empfangstest mit Satellitenanlage und TV-Gerät stellt die Abendunterhaltung sicher. Wer die Bordtechnik jetzt durchgeht, vermeidet Ärger auf der Frühjahrstour.
Checkliste Bordtechnik
Gas & Strom
- Füllstand der Gasflaschen prüfen
- Gasanlage checken
- Bord- und Starterbatterien prüfen und laden
- Funktion aller Verbraucher prüfen
- Kühlschrank
- Innen- und Außenbeleuchtung
- Heizung
- Warmwasserbereiter
- Klimaanlage
- weitere Verbrauche
Wasseranlage
- Frischwassertanks ggf. reinigen
- Armaturen, Anschlüsse und Leitungen auf Frostschäden prüfen












