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Schritte zum Profi-Camper: So funktioniert ein Wohnmobil

Schritt für Schritt zum Profi-Camper So funktioniert ein Wohnmobil

Wie funktioniert ein Wohnmobil? Was ist wichtig? Kompakt und leicht verständlich: Hier finden nicht nur Camping-Neulinge Basiswissen, sondern auch alte Hasen wichtiges Know-how zum schönsten Hobby der Welt.

Dem Umfang einer durchschnittlichen Betriebsanleitung nach zu urteilen, ist ein Wohnmobil eine richtig komplizierte Sache. 300 Seiten und mehr sind keine Seltenheit. Kein Wunder, fährt ein Reisemobil doch komplette Haustechnik spazieren.

Komfort im Wohnmobil

Warmes Wasser, Kühlschrank und Kocher all das gibt es auch an Bord eines Reisemobils. Nur funktioniert eben alles ein klein wenig anders. Doch keine Sorge: Ganz so kompliziert, wie es den Anschein haben mag, ist der Umgang mit der Technik nun auch wieder nicht – ein gewisses Grundverständnis vorausgesetzt.

Am Beispiel eines Carado T447 in unserer Bilderstrecke oben zunächst exemplarisch, welche Komponenten wo eingebaut sind und wozu sie da sind. Wissend, dass die Welt der Wohnmobile vielfältig und fast jedes Modell anders aufgebaut ist. Das macht aber nichts, denn die grundlegenden Funktionen sind gleich oder sehr ähnlich.

Danach werfen wir einen Blick in Küche und Bad, Wohnraum und Schlafstätte und geben Ihnen vom Antritt der Fahrt bis zur Ankunft auf dem Stellplatz praktische Tipps zum Umgang mit einem Reisemobil. Tipps, die so in keiner Betriebsanleitung stehen.

Wohnmobil Checkliste

  • Fahrzeug richtig beladen. Faustregel: Schweres nach unten, Leichtes nach oben. Zuladung beachten.
  • Gewicht des Fahrzeugs kontrollieren, dazu gegebenenfalls auf eine öffentliche Waage fahren.
  • Reifendruck und Ölstand kontrollieren. Bei Bedarf auffüllen.
  • Beleuchtungseinrichtungen checken und zur Not reparieren.
  • Ladezustand der Bordbatterie prüfen und rechtzeitig noch einmal für mindestens 12 Stunden an das 230-Volt-Stromnetz anschließen.
  • Gasvorrat kontrollieren. Dazu Gasflaschen zum Beispiel wiegen. Eine leere 11-Kilo-Flasche wiegt 10 bis 14 Kilogramm (Gewicht in Flasche eingeprägt), eine volle 22 Kilogramm.
  • Betriebsanleitungen mitnehmen. Hier finden Sie Kontaktdaten der Komponentenhersteller, falls die Technik plötzlich Probleme macht.
  • Wasser tanken. Wenn möglich, Tank für die Fahrt nur mit einer Notration von 20 bis 30 Liter füllen und erst am Zielort vollmachen.
  • Toilette vorbereiten, etwa zwei Liter Wasser in die Kassette geben und gegebenenfalls Sanitärzusatz.
  • Vor dem Losfahren: Fenster, Dachluken schließen, Trittstufe einfahren und Stromstecker abziehen.

Stellplatz

In Wohnmobilen darf nur auf ausgewiesenen Plätzen übernachtet werden. Diese finden Sie beispielsweise in unserer promobil-Stellplatzdatenbank und in der Stellplatz-Radar-App, die sie kostenlos herunterladen können.

Verhalten auf dem Stellplatz
Tipps & Tricks

1-2-3: So richten Sie sich auf dem Stellplatz ein

  1. Standfläche finden: Sommertags Schatten suchen, zumindest die Fahrzeugseite, auf der der Kühlschrank eingebaut ist, sollte nicht der Sonne ausgesetzt sein. Abstand zum Nachbarn lassen, aber nicht mehr Platz als nötig einnehmen. Andere nicht zuparken.
  2. Reisemobil ausrichten: Bei unebener Standfläche vorn oder hinten auf Auffahrkeile fahren. Wasser in Spüle laufen lassen. Am Pegel erkennt man, ob das Mobil gerade steht.
  3. Strom anschließen: Erst CEE-Stecker in die Einspeisesteckdose stecken, am anderen Ende mit komplett entrollter Kabeltrommel verlängern, dann mit Stromsäule verbinden.

Kühlschrank

Kühlschrank einen Tag vor Abfahrt starten und mit vorgekühlten Sachen befüllen. Tür beim Einlagern oder Entnehmen von Waren nur kurzzeitig öffnen. Darauf achten, dass Lüftungsauslässe des Kühlschranks frei sind. Frostfach eines Absorberkühlschranks nur zum kurzfristigen Aufbewahren von Gefrorenem geeignet. Wenn immer möglich mit 230-Volt-Strom betreiben.

Gasflaschen
Tipps & Tricks

Kocher

Kein für Induktions- oder Ceranfelder ausgelegtes Kochgeschirr verwenden. Topf- und Pfannenboden müssen glatt sein und sollten nicht größer sein als der jeweilige Topfträger. Wenn Milch oder Ähnliches übergekocht ist, Kochstelle reinigen, aber nicht in den Brenner eingreifen. Vorsicht bei alkoholhaltigen Reinigern: gut lüften lassen, sonst Gefahr von Stichflammen.

Sunlight T 68 L
Kaufberatung

Toilette

Vor Benutzung Kontrollbord anschalten, dass die Wasserpumpe für die Spülung Strom hat. Füllstandsanzeige beachten. Toilettenschieber geschlossen lassen. Durch Drücken der Spültaste Toilettenschüssel mit etwas Wasser füllen. Nach Benutzung Toilettenschieber durch Betätigen des Hebels öffnen, damit Fäkalien in Toilettenkassette fallen. Anschließend Spülen und Schieber schließen. Schieber nicht betätigen, während man auf der Toilette sitzt. Durch das Gewicht nimmt der Mechanismus Schaden.

WC-Pflege Entsorgung unterwegs 3
Tipps & Tricks

Wohnen

Egal zu welcher Jahreszeit, wichtig ist es, ein Wohnmobil ausreichend zu lüften. Am besten gleich morgens, damit die über Nacht angesammelte Feuchtigkeit entweichen kann. An kälteren Tagen öffnet man Tür und Fenster stoßweise für kurze Zeit und heizt gleichzeitig etwas ein. Bei Minustemperaturen sollte man die Heizung auch bei Abwesenheit auf kleiner Stufe laufen lassen, um ein Auskühlen zu verhindern.

Wohnmobil
Tipps & Tricks

Mit zusätzlichen Sicherheitseinrichtungen ist das Betreiben der Heizung auch während der Fahrt erlaubt. Wichtig zudem: die Sauberkeit. Geschirr nach jeder Mahlzeit spülen. Schmutzwäsche sammelt man entweder im Staufach oder in einem Wäschesack in der Heckgarage. Und: Für den Einstieg empfiehlt sich eine Fußmatte.

Schlafen

Je nach Anordnung der Betten und Anzahl der mitreisenden Personen sollte man die Schlafstätten verteilen. Idealerweise nächtigen diejenigen, die spät schlafen gehen und früh aufstehen, in der umgebauten Sitzgruppe, um den Ablauf möglichst wenig zu stören. Damit die Polster zusammenhalten, empfiehlt sich ein Spannlaken.

Grundrisse Betten
Kaufberatung

Außerdem sollte man die Polster am nächsten Morgen gut lüften lassen oder, besser noch, beim Schlafen mit einem Abstandsgewebe unterlüften. Wer nicht gerade im Winter unterwegs ist, dem reicht in der Regel eine leichte Bettdecke. Sie lässt sich auch besser zusammenlegen und verstauen, wenn die Sitzgruppe wieder zur solchen umgebaut wird. Vorteil fest eingebauter Betten: Hier kann das Oberbett liegen bleiben.

Ent- und Versorgung

Irgendwann muss jedes Wohnmobil an einer Ver- und Entsorgungsstation stoppen. Spätestens, wenn der Abwassertank (auch Grauwassertank genannt) am Kontrollbord oder die Fäkalienkassette an der Anzeige der Toilette drohende Überfüllung signalisiert. Ver- und Entsorgungsstationen befinden sich meist an Stellplätzen, wenngleich nicht jeder Platz eine hat. Und: Die Stationen sind nicht überall gleich. Es gibt auch nur reine Versorgungsstellen. Welcher Platz welche Station bietet, steht in der großen promobil-Stellplatzdatenbank.

Reise-Spezial: Service-Stationen
Tipps & Tricks

Das Funktionsprinzip von Ver- und Entsorgungsstationen ist indes immer ähnlich. Es gibt einen Wasserhahn für Frischwasser. Dazu einen separaten Hahn zum Spülen der Toilettenkassette. Dann ist da noch ein Bodeneinlass für Fäkalien und eine Ausgussrinne für Abwasser. Eine genaue Bedienungsanleitung findet man an den Stationen. Tipp: Wer auf Sanitärzusätze verzichtet, die Kassette dafür regelmäßig leert, um Gerüche zu vermeiden, kann das notfalls auch zu Hause in der eigenen Toilette tun.

Das sind die wichtigsten Begriffe beim Ver- und Entsorgen:

  • Spülung: Durch Betätigung wird die Ausgussrinne nach Einleitung des Abwassers gespült. Gegebenenfalls mehrmals wiederholen.
  • Fäkalienentsorgung: Klappe öffnen, Toilettenkassette ausgießen, Klappe schließen. Hier kommt auch das Wasser rein, mit dem man die Toilettenkassette ausspült.
  • Ausgussrinne: Meist befahrbar. Reisemobil so darüber platzieren, dass der Abwasserauslass über der Ausgussrinne ragt. Ablassventil öffnen und nach Entleerung wieder schließen, Ausgussrinne spülen.
  • Kassettenspülwasser: Zum Ausspülen der Toilettenkassette nach dem Entleeren. Falls keine Spülvorrichtung vorhanden, hilft Abwasser aus dem Abwassertank des Wohnmobils. Niemals Kassette am Frischwasserhahn spülen.
  • Münzeinwurf: Kosten für Versorgung variieren, Entsorgung oft kostenlos. 100 Liter Frischwasser kosten im Schnitt 1 Euro. Frischwasser: Zur Befüllung des Frischwassertanks. Wasserhahn mit Anschlussgewinde, meist ¾-Zoll.
  • Belüftungsknopf: Sollte beim Ausgießen der vollen Kassette gedrückt werden. Verhindert Überschwappen der Fäkalien.
  • Drehknopf: Ermöglicht Öffnen und Schließen des Schiebers.Entleerungsstutzen: Mit abnehmbarer Verschlusskappe und um 90 Grad schwenkbar.
  • Teleskopgriff: Standard bei neueren Kassettentoiletten. Damit kann die Kassette wie ein Koffertrolley zur Entsorgungsstation gezogen werden.

Gas

Gas ist bis auf wenige Ausnahmen in Wohnmobilen unverzichtbar. Dabei handelt es sich in der Regel um ein Gemisch aus Propan und Butan, das in flüssiger Form in Spezial-Flaschen gefüllt wird.

Die Flaschen werden nur mit 80 Prozent ihres Inhalts gefüllt. Über dem flüssigen Gas entsteht eine Gasphase, aus der über das Ventil der Flasche Gas für Kocher, Kühlschrank, Heizung entnommen wird.

Fakten über Gas
Tipps & Tricks

Tipps zum Umgang mit Gas im Wohnmobil:

Bei sachgemäßem Gebrauch ist der Umgang mit Gas im Reisemobil sehr sicher. Damit das so bleibt, müssen Reisemobile alle zwei Jahre zur Gasdichtigkeitsprüfung. Außerdem sollten Sie folgende Tipps beherzigen:

  • Gasflaschen während der Fahrt zugedreht lassen. Auch leere Flaschen immer zudrehen.
  • Gasflaschen senkrecht im vorgesehenen Gaskasten transportieren und festzurren.
  • Anschluss der Gasflaschen (linksdrehend) ohne Werkzeug, mit Handkraft und Druckregler. Darauf achten, dass Dichtring vorhanden und unbeschädigt ist. Schlauch nicht knicken.
  • Vor Auslandsreise Verfügbarkeit von Gasflaschen recherchieren. Hiesige Flaschen und Anschlüsse sind nicht überall gebräuchlich.
  • Gasbetrieb an Tankstellen nicht erlaubt.
  • Gaskasten nicht als Stauraum nutzen.

Fazit

Mit dieser Zusammenfassung sind Sie sowohl Camping-Neulinge als auch erfahrene CamperInnen ideal auf ihre nächste Reise mit dem Wohnmobil vorbereitet.

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