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Kabe Crown i 760 LGB (2022) Ingolf Pompe
Kabe Crown i 760 LGB (2022)
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Kabe Crown i 760 LGB (2022) 20 Bilder

Kabe Crown I 760 LGB (2022) im Test

Kabe Crown I 760 LGB (2022) im Test Wintertauglicher Premium-Integrierter aus Schweden

Schwedische Automarken gelten seit jeher als feine Alternative für anspruchsvolle IndividualistInnen. Einen ähnlichen Weg schlägt Kabe mit seinen Reisemobilen ein. Erster Test des Crown auf Sprinter.

Vom typischen roten Dekor der Marke Kabe sind an der aktuellen Reisemobilgeneration nur noch Anklänge zu finden. Kühlergrill und Scheinwerfer des Crown i 760 LGB erinnern vielmehr an die letzte verbliebene Automarke aus Schweden. Der Stern darüber zeigt aber sofort, dass hier Mercedes-Technik dahintersteckt. Eine gute Wahl, denn der Sprinter mit Frontantrieb hat sich bereits bei den einheimischen Premiummarken bewährt, in deren Segment der Schwede nun vorstößt. Einmal mehr macht das Mercedes-Chassis hier seine Sache gut.

Kabe Crown i 760 LGB (2022)
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Aufgedruckt statt wie üblich aufgeklebt sind die Dekorelemente. Das passt zur sauberen Verarbeitung des gesamten Aufbaus.

177-PS-Motor und Automatikgetriebe verwöhnen beim Antrieb mit jener Souveränität, die der Crown nach außen ausstrahlt. Als sehr angenehm registriert der Fahrer ebenso die gute Geräuschdämmung, verbunden mit einem angemessenen Lautsprechersystem des leicht bedienbaren Mercedes-Radios. So kann man langen Strecken gelassen entgegensehen. Auch optisch hat Kabe das Sprinter-Armaturenbrett schön eingebunden, und die Übersichtlichkeit passt. Kehrseite der großen Rückspiegel ist aber wie so oft eine Sichtbarriere links vorne aus Spiegel und A-Säule, die etwa beim Einbiegen in den Kreisverkehr erhöhte Achtsamkeit verlangt.

Typisch Sprinter: das nur auf Pkw ausgelegte Navi, die mäßige Heizwirkung während der Fahrt und die lange Übersetzung, die dazu führt, dass im erlaubten Geschwindigkeitsbereich bis 100 km/h praktisch nie der neunte Gang eingelegt wird. Zwei gewöhnungsbedürftige Besonderheiten des Kabe haben mit seiner Wintertauglichkeit zu tun: Doppelt verglaste Seitenscheiben im Fahrerhaus bringen nun einmal störende Spiegelungen mit sich und die dicke beheizte Fußmatte eine gewöhnungsbedürftige Stufe im Pedalbereich.

Das Thema Winter ist tief in den Genen eines Kabe verankert. Über Jahrzehnte haben die Schweden für ihre Wohnwagen eine eigene Aufbautechnik entwickelt, die hohe Anforderungen an Isolierung sowie Dichtigkeit erfüllt, und das Prinzip auch auf ihre Reisemobile übertragen. Der sauber verarbeitete Aufbau des Crown beeindruckt nicht zuletzt mit aufwendig aufgedrucktem Dekor, überrascht aber gleichzeitig durch Sperrholz an der Unterseite und ein Alu-Dach. Der schwedische Hersteller, der keiner großen Gruppe angehört, folgt offenbar weniger aktuellen Trends in der Aufbautechnik, sondern seinen langjährigen Erfahrungswerten mit der eigenen Konstruktion.

Solide Möbel und behagliche Atmosphäre

Kabe Crown i 760 LGB (2022)
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Komfort und Sicherheit auf der Bank: seitliche Armlehne, verstellbare Lehnenneigung und ein wegklappbarer Tisch.

Ob am Fahrerplatz oder auf der anderen Seite: Der Einstieg in den Crown fällt leicht, obwohl die Aufbautür nicht besonders breit ausfällt. Der Wohnraum vermittelt eine gewisse Zurückhaltung. Hier spielen sich nicht Leder oder Hochglanz in den Vordergrund. Die Stoffe strahlen Behaglichkeit aus, die Möbel Solidität. Es ist nicht zu übersehen, dass man bei Kabe die Robustheit von Kunststoffumleimern schätzt. Etwas zu schlicht für die Klasse wirkt die ausklappbare Fußauflage im Einstieg, die aber nur an Bord ist, wenn wie im Testwagen ein fünfter Sitz entgegen der Fahrtrichtung geordert wurde.

Grundsätzlich haben fünf Personen an der Sitzgruppe genug Platz, wobei die Tischfläche dann für eine echte Mahlzeit zu klein ausfällt. Beim Schlafen steht für den fünften Passagier die schnell umgebaute Sitzgruppe zur Verfügung. Ein Doppelbett hängt über dem Fahrerhaus. Wenn man es nicht braucht, bleibt es unauffällig und schränkt den Bewegungsraum weiter nicht ein, andererseits kann die elektrisch absenkbare Liegefläche kaum als vollwertiges Doppelbett durchgehen. Die Matratze ist dünn und für zwei Personen eher klein, die Leiter schmal und mit schmerzhaft dünnen Stufen versehen. Auch eine Dachhaube sucht man vergeblich.

Betten im Wikingerformat darf man auch im Heck nicht erwarten, sonst aber eine Menge. Die Matratzen sind wirklich rechteckig, verzichten also auf Abschrägungen und setzen mit ihren Toppern Komfortmaßstäbe. Ein Ventilator bringt im Sommer abendliche Kühle hinein. Aufstieg und Ambiente entsprechen den hohen Ansprüchen dieser Klasse. Bei den Ablagen könnte man noch nachbessern, gleichfalls bei der möglichen Verbindung zwischen den Einzelbetten. Hier stören die Unebenheit und eine unkomfortable Leiter.

Kabe Crown i 760 LGB (2022)
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Mit den soften Toppern auf beiden Liegeflächen fühlt man sich bestens gebettet. So entsteht aber eine Stufe gegenüber dem mittigen Polster.

Dass der Crown eine Alternative zum Mainstream sein will, zeigt die Sanitärabteilung. Während man in einem Integrierten mit 7,82 Meter Länge fast schon selbstverständlich ein breites Raumbad erwartet, begnügt sich der Kabe mit einem klassisch geschlossenen Waschraum. Vor- und Nachteile beider Konzepte sind am Ende Geschmacksache.

Fest steht: Besonders größeren Menschen fällt das Duschen in separaten Kabinen leichter als im abtrennbaren Nassbereich des Kabe. All jene, die keine Fans offen gestalteter Bäder sind, stellen zufrieden fest, dass man hier genügend Platz beim Waschen und auf dem WC hat, weil die Duschfläche letztlich der Gesamtgröße zugutekommt. Der Schrankplatz reicht aus, und ein beheizter Handtuchhalter bringt noch einen Hauch von Luxus ins Bad. Der effizienten Beheizung dient ein deutlicher Spalt zwischen Waschtisch und Wand, was bei Wasserspielereien allerdings weniger praktisch ist.

Wenn ein Bereich unzweifelhaft vom Format des Crown profitiert, dann ist es die Küche. Es gibt reichlich Arbeits- und Abstellfläche, dazu gut unterteilte Staufächer, die von einer Zentralverriegelung gesichert werden. Gläser und Flaschen haben außerdem in der Vitrine über der Sitzgruppe Platz. Ein breites Fenster lässt Tageslicht herein, und die Mülltrennung bereitet dank der zwei Behälter keine Probleme.

Außenschublade für den Ski-Transport

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Unterhalb der Sitzgruppe baut Kabe eine Schublade ein, die auch nasse Skier ohne Bedenken aufnimmt.

Die Stauraumsituation kann insgesamt zufriedenstellen. Ein – wenn auch nicht breiter – Kleiderschrank tröstet darüber hinweg, dass die großen Fächer unter den Betten nur gebückt erreichbar sind. Die Garage ist zwar nicht riesig, gefällt aber durch viele Zusatzfächer, solide Zurrschienen, Außendusche und einen Wasserablauf. Die Klappenverschlüsse sind an die Fernentriegelung für die Aufbautür angeschlossen. Ergänzend stehen Schubladen im Doppelboden zur Verfügung, deren Inhalt in Kistenauszügen zwar nicht sofort einsehbar, aber letztlich gut zugänglich ist. Der Clou für den Winterurlaub ist die Skischublade.

In der kalten Jahreszeit läuft ein echter Kabe zur Hochform auf. Die ausgeklügelte Installation der Warmwasserheizung berücksichtigt beispielsweise auch den Kleiderschrank, erst recht das Fahrerhaus, wo neben der erwähnten Fußbodenheizung auch ein separates Gebläse zum Einsatz kommen kann, um die Windschutzscheibe abzutauen. Und als wäre das nicht genug, hat der Crown außerdem eine Diesel-Standheizung im Bug.

Gesteuert wird die gesamte Bordtechnik zentral über ein Touch-Bedienpanel, das keine Rätsel aufgibt, aber eine etwas größere Schrift haben dürfte. Hier kann man die Restreichweite der Bordbatterie ablesen und die Beleuchtung stimmungsabhängig konfigurieren. Für lange Winterabende dürfte das Leselicht aber heller sein. Zwei weitere Verbesserungsvorschläge für die Technik: mehr 230-Volt-Steckdosen und größere Wassertanks. 90 Liter Frischwasservorrat an Bord sind in dieser Klasse eher wenig, sie drücken allerdings trotzdem auf die Vorderachse, weil der Tank unter der Sitzgruppe eingebaut ist. Das Ergebnis: Trotz insgesamt vernünftiger Zuladung wird es an der vorderen Achse knapp, zu viert sogar richtig eng. Es gäbe also noch was zu tun.

Wie man es seit jeher von den schwedischen Autoherstellern kennt, ist auch der Kabe bestimmt nicht billig, aber dennoch kein Perfektionist. Der Crown ist ein Typ mit eigenem Charakter, dessen Ecken und Kanten Sympathien wecken.

Das fiel uns auf

Kabe Crown i 760 LGB (2022)
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 Kabe nutzt die Fläche neben dem Beifahrer für eine komfortable Smartphone-Ladestation per Induktion.
 Mit den zwei großen Müllbehältern fällt die Trennung des Abfalls auch im Urlaub nicht schwer.
 Mit der Fernbedienung entriegelt man wahlweise nur das Fahrerhaus oder auch die Aufbautür und Garage.
  Der angenehme Heizteppich auf dem Fahrerhausboden erzeugt eine störende Stufe im Pedalbereich.
 Die Sonnenblenden sind währen der Fahrt kaum erreichbar und müssen vorher eingestellt werden.
 Sehr flach fällt der Ausschnitt der Motorserviceklappe aus, was Wartungsarbeiten erschweren kann.

Kabe Crown i 760 LGB (2022)

Kabe Crown i 760 LGB (2022)
promobil
Kabe Crown i 760 LGB (2022).

Gurte/Schlafplätze: 4-5/5
Zul. Gesamtgewicht: 4500 kg
Länge/Breite/Höhe: 7,82/2,33/3,06 m
Grundpreis ab: 154.545 Euro
Testwagenpreis: 162.695 Euro

Ausstattung Testwagen (Auszug)

  • Zentralverriegelung für Garagenklappen (0,3 kg): 150 Euro
  • El. Verriegelung Küchenschubladen (0,5 kg): 262 Euro (empfohlen)
  • Handtuchtrockner elektrisch im Bad (1,7 kg): 348 Euro
  • Gasumschalter Duo-Control CS/Eis-Ex (1,5 kg): 363 Euro (empfohlen)
  • Elektrische Markise 5 m (38,5 kg): 2032 Euro (empfohlen)
  • 5. Sitzplatz mit Gurt (40 kg): 1217 Euro
  • Holzrost in der Dusche (5 kg): 181 Euro (empfohlen)
  • Ersatzrad in der Garage (6,2 kg): 125 Euro

Daten und Messwerte

Auf- und Ausbau
Sandwich-Bauweise, außen und innen Alu, Boden Sperrholz, Isoliermaterial Wand/Dach/Boden XPS, Wandstärke Wand/Dach/Boden 38/38/45 mm, Doppelboden, Höhe 200 mm, 5 Kunststoff-Isolierfenster mit PU-Rahmen, 2 Dachhauben, 1 Ventilator-Dachhaube, 1 Panorama-Dachfenster, 1 Pilzlüfter.

Bordtechnik
Gas-Warmwasserheizung/Boiler Alde Compact 3020 HE, 13 Konvektoren (4 x Fahrerhaus, 3 x Sitzgruppe, Kleiderschrank, Küche, Bad, 2 x Einzelbetten/Garage, Fußboden), Wasseranlage: Frischwasserrohre, Abwasserschläuche, Tauchpumpe.

Basisfahrzeug
Mercedes Sprinter, Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 2143 cm3, Leistung 130 kW/177 PS bei 3800/min, Drehmoment 400 Nm bei 1400–2400/min, 9-Gang-Wandlerautomatik.

Fahrleistungen
Beschleunigung 0–50/80/100 km/h 6,7/14,0/23,1 s; Wiederbeschleunigung 60–80/100 km/h 5,0/13,0 s, Testverbrauch 11,6 L/100 km.

Wertung

Wohnen
Beladen
Technik
Fahren
Preise

Fazit

Warum einen Kabe kaufen? Der Crown tritt gegenüber bekannter Premiumware als individuelles Alternativprogramm auf. Seine herausragende Stärke: die Wintertauglichkeit, die in vielen Fällen das entscheidende Kaufargument sein dürfte. Der Einstiegspreis liegt hoch, relativiert sich aber größtenteils durch eine umfangreichere Serienausstattung als bei den einheimischen Wettbewerbern.

Kabe
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