Da mussten manche wohl nicht lange nachdenken und schlugen zu. Gleich mehrere Dutzend Menschen unterschrieben im letzten Oktober und November einen Kaufvertrag bei Antilope Van. Dabei war der Hersteller von kompakten Campingbussen auf dem Renault Trafic bis Anfang des Jahres 2025 noch weitgehend unbekannt in Deutschland. Herkunftsland ist Frankreich, genauer gesagt die Bretagne, worauf man bei Antilope auch stolz ist. "Wir legen Wert darauf, dass möglichst viele der Teile aus der Bretagne kommen", sagt die gebürtige Belgierin Jaenne Vandenbossche, die für Antilope Van die Pressearbeit macht. "Das Holz und die Stoffe kommen aus der Region, und die Fertigung ist dort natürlich auch."
Zwei Grundmodelle gibt es bisher: Den Flex Comfort mit Längssitzbank für ein oder zwei Personen und den Flex 5, dessen Name die Sitzanzahl aufgreift. Dreiersitzbank hinten also, umlegbar. Die kommt übrigens aus Polen und der Mülleimer von Brunner aus Südtirol – so ganz regional geht’s dann doch nicht, der Handelsraum Europa ergänzt die Ausstattung.
Die Qualität im Van: Durchdacht und Hochwertig

Die Sitzbank ist Multifunktional und lässt sich in Handumdrehen zum Bett umklappen. Durch Fliegengitter an Seiten- und Hecktür bleiben Insekten draußen. Doppellagige Thermovorhänge sorgen für gleichbleibende wärme.
Das zentrale Möbelstück im Campervan ist die linksseitig angeordnete Möbelzeile mit sehr vielen Staufächern. Was gleich auffällt: Das Möbelstück ist absolut durchdacht. Die Franzosen haben die Anforderungen in einem kompakten Camper dieser Größe verstanden. Man kommt gut an die Fächer ran, auch wenn das Bett gebaut ist, und man erreicht auch die hinteren Staufächer, wenn die Rücklehne der Sitzbank oben steht. Mit dem relativ großen Kompressorkühlschrank und dem Zweiflammherd stellt man sich gegen den aktuellen Trend der Minimalisierung und richtet sich an Camper, die auch mal länger reisen und autark sein wollen.

Mit hochwertig verarbeiteter integrierter Edelstahlspüle und 2-flammigem Gaskochfeld bleiben keine Wünsche übrig.
Die Qualität der in Frankreich gefertigten Möbel ist gut, die Scharniere sind wertig, auch die vielen Rollabdeckungen zeigen: Hier weiß man, wie man Kompakte ausbaut. Auch, dass man zusätzlich von oben an die Besteckschublade gelangt, hat einen praxisnahen Charme. Zweites wichtiges Bauteil ist die Schlafsitzbank. Sie lässt sich schnell umlegen, und da man auf der Rückseite von Sitz- und Lehnfläche schläft, die gut gepolstert ist, braucht es auch keinen Topper. Die Besonderheit der Sitzbank: Neben der praktischen Schublade findet man ein Fach für eine mobile Toilette darunter.
Der Antilope Van Flex 5 Millenium im Überblick
- Aufbau: Stahlblechkarosserie mit Isolierung und GfK-Aufstelldach.
- Ausbau: Spüle, Zweiflamm-Gaskocher, Kompressorkühlschrank mit Gefrierfach (42 L), verschiebbare Dreiersitzbank unten, als Bett 190 x 120 cm, Aufstelldach, Bett oben 190 x 130 cm, Tisch, Außendusche, Thermovorhänge, Sonnensegel, Outdoor-Möbel (fünf Stühle), Heckzelt.
- Bordtechnik: LFP-Batterie 100 Ah, Diesel-Gebläseheizung Webasto 2000 W mit Höhenkit, Wechselrichter 700 W, Frisch-/Abwassertank 65/35 L, Solarpanel 200 W, Wasserboiler 8 L (Gas- und 230-Volt-Betrieb), Fliegengittertür.
- Basisfahrzeug: Renault Trafic, Kombi, Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 1997 cm3, Leistung 110 kW/150 PS bei 3500/min, Drehmoment 350 Nm bei 1500/min, Sechsgang-Schaltgetriebe, Anhängekupplung, Fahrradträger.
- Maße und Gewichte: L x B x H 508 x 195 x 200 cm, Radstand 310 cm, zulässiges Gesamtgewicht 3.000 kg.
- Preise: Grundpreis 61.900 Euro, Automatik (2.000 Euro), Paket Millenium mit Metalliclackierung & Alufelgen (2.000 Euro).
Vom Camper-Prototyp zum deutschen Ausstellungszentrum
Seit drei, vier Jahren baut Antilope in Frankreich Vans aus. 2024 hat man die Produktionsfläche verdoppelt. Für 1.000 ausgebaute Vans im Jahr hat man dort Fertigungskapazitäten geschaffen. Rund 40 Mitarbeiter sind im Stammwerk beschäftigt und seit 2025 sieben weitere in Deutschland. Die Dependance steht in Erftstadt bei Köln, ein Eckgrundstück mit Werkstatt und Stellfläche im Freien. "Hier werden wir eine große Ausstellung aufbauen." Man habe das frühere Autohaus kaufen können, sagt der Leiter der Zweigstelle, Christian Gudorf. "So können wir uns gut entwickeln." Es ist noch Platz da. Man will hier zwar nicht fertigen, aber kleinere Reparaturen ausführen können. Und natürlich beraten und verkaufen. Gudorf kommt gerade aus einem Teams-Call. In seinem gläsernen Büro hat er mit dem Gründer der Marke gesprochen. Thema geheim, aber klar ist, dass die in Frankreich mehr Autos nach Deutschland liefern müssen, als zunächst geplant war. Viel mehr. Ein Problem, das wenige Hersteller von kompakten Campern derzeit haben. Aus dem Stand geht man in 2025 locker auf 200 Autos. Gründe?
Jeanne sagt: Unsere Vans sind vollausgestattet. Man kann sich noch für ein Automatikgetriebe entscheiden und ob man eine Metalliclackierung haben möchte und Alufelgen. Selbst ein Fahrradträger ist schon mit dabei. Und im Falle des Fünfsitzers Flex 5 kommt er als Millenium Edition (anlässlich des 1000. gebauten Vans) auf 61.900 Euro mit 150-PS-Schalter. Automatik kostet 2.000 Euro, genauso das Paket mit Metalliclackierung und Alufelgen. Aber dann ist alles dabei: Inverter, Solar, Lithium-Batterie, Stühle (fünf Stück) und ein Tisch, Aufstelldach, praktisches Heckzelt, ein Sonnensegel und einiges mehr wie LED-Leselampen und Außendusche. 62.000 bis 66.000 Euro, und schon geht’s ab in den Urlaub mit einem schlüsselfertigen und nagelneuen ausgebauten Renault Trafic.
Hersteller mit Wachstum

Erftstadt bei Köln: Antilope VAN bietet kompakte Campervans aus der Bretagne, voll ausgestattet und bereit für den nächsten Campingurlaub!
Antilope Van ist ein französischer Produzent von vollausgestatteten Campervans mit Sitz und Fertigung in Coëtmieux in der Bretagne. Das Werk wurde Ende 2021 eröffnet und beschäftigt rund 40 Mitarbeitende. Auf einer Produktionsfläche von etwa 1200 Quadratmetern entstehen jährlich rund 400 Fahrzeuge. Das Unternehmen ist eine Tochterfirma der französischen Gruppe AAA groupinvest. Die ist in den Bereichen Automobilvertrieb, Langzeitvermietung und Flottenmanagement in Frankreich und Spanien tätig. Gründer ist Jaques Herlem. Die neue Zentrale in Deutschland sitzt in einem ehemaligen Autohaus in Erftstadt. Dort stehen die Zeichen auf Wachstum. Daher werden noch weiter Vertriebspartner gesucht. Auch über eine Vermietflotte wird nachgedacht. Antilope wird sich in 2026 wieder auf verschiedenen Messen präsentieren, den Anfang macht die CMT in Stuttgart.












