Endlich! Das Thermometer klettert das erste Mal über die 20-Grad-Marke. Nach unzähligen Nächten im komfortablen Luxus diverser Test-Reisemobile juckt es uns in den Fingern: Wir wollen mal wieder zelten. Allerdings nicht ganz "back to the roots", denn das Thule Outset verspricht schon auf den ersten Blick jede Menge Komfort. Also nichts wie los: Outset an den Haken unseres Testwagens und ab auf die grüne Wiese!
Was ist das Besondere am Thule Outset?
Dieses Premium-Zelt ist weder auf dem Dach noch auf dem Boden zuhause – Aufgebaut steht es auf eigenen Beinen, während es auf Reisen auf der Anhängerkupplung thront. Thule will mit dem Outset die Vorteile von Dach- und Bodenzelt kombinieren.
In der Fahrstellung gleicht das Outset einer großen Transportbox für die Anhängerkupplung. Die Montage des 70-Kilo-Brockens geht dank integrierter Rollen aber auch allein leicht von der Hand. Beachten muss man lediglich, dass die Anhängerkupplung des Fahrzeuges ausreichend Stützlast hat. Einmal auf der Kupplung arretiert, sitzt es bombenfest.
Wie fährt es sich mit dem Outset am Pkw?
Der erste große Vorteil gegenüber einem Dachzelt offenbart sich bereits auf den ersten Kilometern: Man bemerkt es kaum. Zumindest wenn das Fahrzeug so ausladend wie der Hyundai Santa-Fe ist, der das Zelt gänzlich abschirmt.
Das Outset verschwindet aerodynamisch komplett im Windschatten des Fahrzeuges, was besonders beim E-Auto von Vorteil ist, da die Reichweite kaum leidet. Aber auch beim Verbrenner/Hybrid wie dem Santa Fe gilt: kein Rauschen, kein Wanken und vor allem kein spürbarer Mehrverbrauch. Im Rückspiegel schaut man, aus dem Tesla oder dem Santa Fe locker darüber hinweg.
Einziger, aber signifikanter Wermutstropfen: Die Rückfahrkamera wird komplett blockiert. Beim Rangieren ist also Umsicht oder, wie im Fall unseres Santa Fe, der Wechsel auf eine zweite, höher positionierte Kamera im digitalen Rückspiegel gefragt.
Der Zugang zum Kofferraum bleibt dank einer cleveren Abkippfunktion erhalten. Bei der sehr tief gezogenen Heckklappe des Santa Fe stößt der Standard-Kippwinkel zwar an seine Grenzen, doch mit gelöster Sicherungsleine lässt sich das Zelt noch weiter absenken – dann ist der Weg frei.
Aufbau und Flexibilität: Der Game-Changer

Dank der Stützfüße lässt sich das Outset auch in schrägen oder unebenem Gelände gerade ausrichten und ist sicher vor Pfützen.
Am Ziel angekommen, mit den letzten Sonnenstrahlen im Rücken, zeigt das Outset seine Stärken. Das Gelände ist leicht abschüssig, was für ein normales Zelt bereits eine Herausforderung beziehungsweise ein K.-o.-Kriterium wäre. Hier nicht: Dank ausfahrbarer Stützfüße lässt sich der robuste Zeltboden perfekt in die Waage bringen und der Aufbau selbst ist mit wenigen Handgriffen erledigt: Abdeckung runter, Basis aufstellen, Zelt entfalten, Gestänge arretieren – fertig.
Kurz darauf der Schreck: Wir haben etwas zu Hause vergessen. Zum Glück hat das Outset einen Trumpf im Ärmel: Es kann abgekuppelt und frei stehend genutzt werden. Das heißt Stromkabel ab, Hebel umlegen, und schon lässt sich das Auto abkoppeln und wegfahren. Das Zelt bleibt derweil felsenfest auf seinen eigenen Beinen stehen. Diese Flexibilität, den Stellplatz nicht für jeden Ausflug aufgeben zu müssen, ist ein unschätzbarer Vorteil gegenüber jedem Dachzelt.
Die Nacht im Outset: Licht und Schatten
Zurück am Platz stellt sich die Frage, wie es sich zu zweit auf der 1,34 Meter breiten Liegefläche schläft. Am folgenden Morgen steht fest: leicht beengt, aber in Summe sehr gut, mit kleineren Abstrichen. Allerdings haben wir in puncto Schlafkomfort vorgesorgt: Die originale, sieben Zentimeter dicke Matratze haben wir in Verbindung mit der leicht dämpfenden Antikondensationsmatte (160 Euro) und einem nochmals drei Zentimeter dicken Topper (280 Euro) genutzt.

Das Outset hat einen guten Eindruck hinterlassen.
Der Liegekomfort ist für ein Zelt überdurchschnittlich und erinnert an den eines Premium-Dachzeltes. Dennoch: Als Seitenschläfer mit knapp dreistelligem Körpergewicht bin ich nachts einige Male aufgewacht, weil die Hüfte schmerzte – ein Phänomen, das ich bereits aus anderen Freizeitfahrzeugen kenne. Leichtere Personen oder Rückenschläfer dürften hier keinerlei Probleme haben. Die Liegefläche von 1,34 Metern Breite ist für zwei Personen ausreichend, für die beworbenen drei Personen wird es allerdings sehr kuschelig.
Material und Konstruktion überzeugen
Positiv überrascht sind wir vom Material: der einwandigen, aber anscheinend sehr atmungsaktiven Zeltwand. Durch den Verzicht auf ein Innenzelt hatten wir mit Kondenswasser an Decke und Wänden gerechnet, doch selbst bei Nachttemperaturen von nur 6 bis 8 Grad blieb alles trocken. Einzig unter der Matratze sammelte sich trotz des Abstandsgewebes etwas Kondenswasser.

Der Spalt zwischen Dach und Zelt sorgt für eine Unterlüftung was ebenso gegen Hitze im Zelt hilft wie die riesigen drei Zelt-Türen, die für einen tollen Rundumblick sorgen.
Absolut fantastisch ist das Raumgefühl und die Belüftung in der Vormittagssonne des nächsten Tages. Alle drei Seiten lassen sich komplett öffnen und geben den Blick in die Natur frei. In jeder Öffnung ist zusätzlich ein Moskitonetz integriert. Für perfekte Querlüftung sorgt ein weiteres großes Netzfenster am Kopfende.
Ein weiterer Pluspunkt ist das separate, unterlüftete Regen- und Sonnendach. Es sorgt dafür, dass es morgens länger dunkel bleibt und sich das Zelt selbst bei starker Sonneneinstrahlung nicht in einen Glutofen verwandelt. Das Raumklima ist selbst in der Mittagssonne toll.
Ein kleiner Kritikpunkt findet sich dennoch: Im vorderen Bereich fehlte es den Zeltwänden etwas an Spannung, wodurch die Reißverschlüsse leicht schlackerten. Ob dies ein Aufbaufehler unsererseits oder konzeptbedingt ist, konnten wir nicht abschließend klären.
Vor- und Nachteile des Thule Outset
- Kaum bis kein Mehrverbrauch und keine Windgeräusche während der Fahrt.
- Einfache Ein-Personen-Montage und besseres Handling beim Verstauen dank der integrierten Rollen.
- Praktische Abklappfunktion zur Nutzung des Kofferraumes bei montiertem Outset.
- Freistehende Nutzung möglich, das Fahrzeug bleibt mobil.
- Gute Nivelliermöglichkeiten auch in abschüssigem und unebenem Gelände.
- Exzellentes Raumklima und Belüftung.
- Toller Rundumblick durch die drei großen Öffnungen.
- Durchdachte Stautaschen.
- Guter Hitzeschutz durch das schwebend montierte, unterlüftete Zeltdach.
- Leichter-, weil erhöhter Einstieg.
- Starkregen oder Pfützen fließen einfach unter dem Outset hindurch.
- Blockiert im Transportmodus die Rückfahrkamera am PKW.
- Fahrräder müssen bei montiertem Outset aufs PKW-Dach ausweichen.
- Hoher Anschaffungspreis.
- Liegekomfort für schwere Seitenschläfer mit kleineren Kompromissen.
- Die Angabe für bis zu drei Personen ist bei 1,34 Meter Liegebreite etwas praxisfern.












