Wohnwagen aus Schweden sind besonders winterfest. Dass das keine bloße Behauptung ist, konnte CARAVANING bereits beim Test des Kabe Estate erleben: "Auch wenn draußen eisiger Wind weht und der Schnee meterhoch liegt, sind der gesamte Wohnraum und der Fußboden angenehm, zugfrei, leise und lückenlos temperiert."
Dieses Fazit ist allerdings kein Zufallsprodukt. Diese Winterfestigkeit hat Methode – CARAVANING zeigt, was die Schweden anders machen.
Der Aufbau – Kälte bleibt draußen, die Wärme drin
Der Aufbau ist maßgeblich für die Wintertauglichkeit eines Caravans. Darum nutzen sowohl Kabe als auch Polar besonders dicke Sandwichplatten. Boden, Dach und Wände messen bei Kabe 50, 45 und 41 Millimeter, Polar gibt Werte von 51, 42 und 42 Millimetern an. Zum Vergleich: Der Dethleffs Beduin Scandinavia, ein deutscher Wohnwagen-Klassiker mit Winter-Fokus, setzt auf einen 42 Millimeter starken Boden und 34 Millimeter dicke Wände und Dächer.
Doch die Dicke allein macht noch keinen winterfesten Aufbau. Kabe und Polar setzen bei der Konstruktion unterschiedliche Akzente.
Die Wände fertigt Kabe aus glattem Aluminium innen und außen und packt dazwischen eine Dämmung aus geschlossenporigem XPS-Schaum. Die Verbindung zwischen Wänden, Dach und Boden stellen PU-Leisten her, an weniger relevanten Stellen kommt auch noch Holz zum Einsatz.
Beim Dach hat sich Kabe bewusst gegen GFK und für Aluminium entschieden, damit es denselben Wärmeausdehnungskoeffizienten hat wie die Seitenwände. Dadurch sollen Spannungsrisse bei enormen Temperaturschwankungen verhindert werden. Des Weiteren wird für die von Kabe entwickelte Abdichtung zwischen Seitenwänden und Dach das Dachblech über das Blech der Seitenwände gebogen, was mit GFK nicht möglich wäre. Die Innenwand aus Aluminium soll für eine gleichmäßige Flächenerwärmung sorgen. Beklebt ist sie für mehr mit einem laut Kabe atmungsaktiven Teppich.

Kabe-Wandkonstruktion im Schnittbild: Doppel-Alu-Sandwich mit Teppich an den Innenwänden. Wasserbeständige PU-Profile an den neuralgischen Stellen wischen Wänden, Dach und Boden. Holz nur noch an wenigen Stellen.
Polar hingegen dämmt seine Aufbauten mit bis zu 44 Millimeter dickem EPS, im Volksmund Styropor genannt, das, je nach Modellreihe hinter glattem oder Hammerschlag-Alu sitzt. Die Innenwand fertigt die Marke aus tapeziertem Sperrholz. Warum Polar EPS statt XPS nutzt, wird damit erklärt, dass der Werkstoff weniger wiege und sich zudem leichter und besser mit Klebstoff verbinde sowie einen vergleichbaren Dämmwert biete. Und außerdem sei es die dickste Dämmung auf dem Markt, sagt der Hersteller.
Dass auch Holz in den Wänden verbaut wird, sei kein Problem, da man den Fokus auf die Vermeidung von Undichtigkeiten setze – ein Argument, das übrigens auch bei Fendt zur Verteidigung der konservativen Aufbaukonstruktion mit EPS und Holz ins Feld geführt wird. Um die Dichtigkeit zu garantieren, hat Polar die sogenannte P-Fuge entwickelt, die mit umgelegtem Aluminium und einer doppelten Abdichtung kombiniert wird und abschließend durch ein Aluminiumprofil geschützt und abgedichtet wird. Zusätzlich wird jeder einzelne Caravan vor der Auslieferung in der eigenen Klimakammer auf Wassereintritt geprüft.
Warmwasser-Zentralheizung – Quell heißer Freude
Sowohl Kabe als auch Polar setzen auf die Warmwasserheizungen der schwedischen Marke Alde, die schon seit 1997 zu Truma gehört. Die Brenner arbeiten mit Gas und/oder Strom und erhitzen, wie bei der Zentralheizung zu Hause, das mit Frostschutz- und Antioxidationsmittel versehene Heizungswasser. Eine Umwälzpumpe schickt es durch Aluleitungen und -Konvektoren sowie durch in Schlaufen verlegte Rohre im Fußboden. Beide Hersteller arbeiten mit zwei Klimazonen, wodurch sich die Temperaturen von Schlaf- und Wohnbereichen getrennt voneinander regulieren lassen.

Zutat jedes skandinavischen Caravans: Warmwasserheizung von Alde, die nicht nur die Heizkörper erwärmt, sondern auch den Fußboden. Gleichzeit bereitet sie im Boiler warmes Brauchwasser und läuft generell mit Gas und 230 Volt.
Ein weiterer Vorteil von Warmwasserheizungen gegenüber Warmluftheizungen ist neben der Geräuscharmut und Mehrzonen-Regelung, dass man Bereiche gezielt beheizen kann. Bei Kabe beispielsweise wird die Türschwelle erwärmt, was eine Art Kälteschutzvorhang bildet.
Damit die warme Luft in den Wohnwagen ungehindert zirkulieren kann, sind sämtliche Staukasten bei beiden Marken mit doppelten Böden ausgelegt. Unter ihnen hindurch kann die wieder abgekühlte Raumluft zu den Konvektoren streichen und dort wieder erwärmt werden.
Frisch- und Abwasser – muss man sich warmhalten
Überhaupt, das Wasser: Selbstredend liegen Frisch- und Abwassertanks, deren Existenz als solche ja schon eine Besonderheit darstellt, gut beheizt im Innenraum. Nur vom tiefsten Ablauf der schwedischen Wagen, der naturgemäß in der Duschtasse zu finden ist, läuft das Wasser ins Freie und muss dort aufgefangen werden. Auf Komfortplätzen mit Abwasseranschluss dürfen die Ablassventile der Abwassertanks natürlich offenbleiben. Damit selbst bei strengem Frost alles abläuft, installiert Polar einen beheizten Abwasserablauf. Zudem sind alle Frisch- und Abwasserleitungen innen statt freiliegend am Unterboden montiert.

Nicht nur die Frisch-, sondern auch die Abwassertanks sind frostsicher entlang der Heizungskonvektoren innen montiert, zudem ist der Ablauf ins Freie beheizt.
Lüften – Klappen, die erste
Frische Luft muss auch im Winter sein, um Feuchtigkeit aus und Sauerstoff in den Caravan zu bekommen. Damit das bei derben Minusgraden und eisigem Wind funktioniert, ohne ein Fenster zu öffnen, haben Kabe und Polar spezielle Lüftungsöffnungen eingebaut. Standard sind isolierte Wandklappen mit Lamellen und Gitternetz. Bei den höherklassigen Modellen von Kabe wird das Lüftungssystem in der Wand ergänzt durch Bodenklappen, die sich für mehr oder weniger Frischluftzufuhr regulieren lassen.
Die Fenster – ja und Rahmen
Je kleiner die Fensterfläche, desto geringer der Wärmeverlust. Bei Polar fällt auf, dass dieses Credo hier noch beherzigt wird. Auch Kabe hat bis vor einigen Jahren noch kleinere Fenster verbaut, diese Tradition aber mittlerweile aufgegeben, um den Geschmack eines breiteren Publikums zu treffen. Bei der Fensterkonstruktion indes setzen beide Hersteller auf Rahmenfenster.
Das heißt, dass die Acrylglas-Doppelscheiben bündig in einem umlaufenden PU-Rahmen sitzen. Die Dämmeigenschaften dieser Fensterart sind nicht viel besser als bei vorgehängten Fenstern, die ohne Rahmen auf Gummidichtungen gepresst werden. Jedoch ist die Angriffsfläche für Wind geringer und das Fensterglas besser vor Wasser, Eis und Schnee geschützt. Zudem gibt es für die teureren Rahmenfenster die hochwertigeren Verdunklungssysteme, die zum Wohlbefinden an Bord beitragen.












