Dethleffs C.Fold: Der perfekte Caravan – Oder ist er doch zu gut, um wahr zu sein?

Dethleffs C.Fold Studienfahrzeug (2026)
Dethleffs neueste Version des Caravans der Zukunft

vom Campingprofi seit 1959
CMT 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.01.2026
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Der Caravan der Zukunft muss sich windschlüpfig hinters Auto ducken, leicht sein und trotzdem hohen Wohnkomfort bieten. Dethleffs hat sich dazu Gedanken gemacht und die Studie C.Fold auf die Räder gestellt. Und die macht wirklich vieles ganz anders.

Der innovative Klappmechanismus

Rund 30 Sekunden lang surren die Spindelmotoren, dann ist das Schauspiel beendet und der Dethleffs C.Fold steht aufgerichtet vor uns. Monika und Peter Machart sind ins Innovation Camp gekommen, um live dabei zu sein, wie ihre Idee zum ersten Mal die Form eines voll funktionsfähigen Prototyps annimmt.

Das Ehepaar ist eigens für diese Premiere in die kreative Hexenküche der Erwin Hymer Group gereist. Dort arbeitet das Team um Oliver Reuther und Günter Dorn an der Verwirklichung des "unmöglichen" Traums.

Der Traum der Macharts? Ein Caravan, der zugeklappt 1,65 Meter flach und schmal ist, damit er mit ihrem elektrischen Kia EV6 die größtmögliche Reichweite erzielt. Dabei soll der Caravan dennoch komfortabel zum Schlafen sein und genügend Stauraum für ihre E-Bikes bieten. Außerdem wünschten sie sich ein Fahrzeug, das ohne Landstrom auskommt und mit einem Rangierantrieb ausgestattet ist. Unabhängigkeit vom Landstrom und ein Rangierantrieb? Aber freilich. Wände aus Stoff? Auf gar keinen Fall!

Vom Konzept zur Realität

Peter Machart, ein Elektroingenieur mit handwerklichem Geschick, nahm nicht nur Stift und Block zur Hand, sondern auch die Säge. In seiner Werkstatt entstanden zahlreiche Modelle im Miniaturformat, die die Vision immer weiter konkretisierten. Eine dieser Miniaturen landete schließlich auf dem Schreibtisch von Richard Angerer, dem Chefentwickler bei Dethleffs. Angerer, der schon früher zukunftsfähige Caravan-Konzepte unterstützte, sah in der Idee viel Potenzial. Diese Leidenschaft manifestiert sich nun im C.Fold.

Aufbau
Andreas Becker

Neue Materialien und Technologien

Das innovative Design des C.Fold steckt in den Details. Die obere Hälfte des Aufbaus wird mithilfe eines Seilzugsystems von der unteren Hälfte angehoben – ähnlich wie eine Muschel. Beide Teile der Studie bestehen aus ultraleichten Alucore-Platten, die mit einer speziellen Technik verstärkt wurden, um höchste Stabilität bei geringem Gewicht zu gewährleisten. Das Ergebnis: Ein Caravan, der gleichzeitig robust und leicht ist, ohne Kompromisse bei der Funktionalität einzugehen.

Chassis und Fahrwerk – Platz für Innovation

Die steifen Bodenplatten aus Alucore Fold macht ein traditionelles Chassis überflüssig. So braucht der C.Fold kein Chassis mit Längsträgern mehr. Dank der Platte reicht ein vereinfachtes Fahrschemel mit einer Zentraldeichsel und einer Einzelradaufhängung. Auch im Bereich der Luftfederung setzt Dethleffs auf Innovation. Die Reise-Mobil-Luftfederung von Goldschmitt wurde speziell für den C.Fold angepasst, sodass sich das Fahrzeug nicht nur absenken, sondern sogar über eine App wiegen kann. Das Rangiersystem und die elektrischen Stützen stammen von Reich Easydriver.

Den regalartigen Unterboden, in dem auch Bordtechnik installiert werden könnte, decken dünne Dibond-Paneele ab, um die Aerodynamik weiter zu optimieren. Im Übrigen überlässt Dethleffs auch die nicht dem Zufall. Aufwändige Simulationen zeigen, dass der Luftwiderstand hinter einem mittelhohen Schrägheck-Pkw deutlich geringer ist als bei einem Caravan mit Standardmaß – übrigens auch wegen der sehr kurzen Deichsel, die Verwirbelungen zwischen Auto und Wohnwagen minimiert.

600 Kilo Leergewicht möglich

Der C.Fold wiegt im aktuellen Zustand 775 Kilogramm. Das ermöglicht eine besonders hohe Flexibilität, ohne die Stabilität zu gefährden. Der fertige Caravan könnte durch weitere Optimierungen in der Serienproduktion sogar auf rund 600 Kilogramm Gewicht reduziert werden. Das reduziert nicht nur den Energieverbrauch, sondern sorgt auch für eine bessere Reichweite beim Ziehen hinter einem Elektroauto.

Komfort und Design im Innenraum

Bad
Andreas Becker

Der Innenraum des C.Fold ist ebenso durchdacht wie der äußere Aufbau. Die Sitzgruppe lässt sich im Handumdrehen in ein flexibles Frachtabteil verwandeln, das viel Stauraum für Gepäck oder Ausrüstung bietet. Schließlich wollten Macharts unbedingt ihre E-Bikes mitnehmen.

Die Nasszelle erwächst aus der Kommode rechts: Kräftige Auszüge hieven den Deckel hoch und machen Waschbereich und Toilette zugänglich. Der Küchenblock ist funktional, aber minimalistisch – ideal für Reisen, bei denen der Fokus auf der Flexibilität liegt. Gekocht wird auf einer tragbaren Induktionsplatte, fest eingebaut ist neben der Spüle nur der Kompressorkühlschrank.

Das Bett im Heck des C.Fold setzt auf die bewährte V-Form, die Einzel- und Doppelbett verschmilzt. Die Matratzen hat Zulieferer Froli entwickelt. Der Bezug umschließt Schaum und Tellerfedern zu einem leichten, komfortablen und geschlossenen System. Gasdruckaufsteller stemmen die Betten hoch und geben den auch von außen über eine schmale Heckklappe zugänglichen Stauraum frei.

Schränke kippen beim Schließen

Besonders durchdacht ist die Verdunklungslösung. Sie verhindert, dass die Verdunklungsrollos sich verknittern. Die sind an einem Bolzen befestigt, damit sie sich beim Schließen des muschelartigen Aufbaus von selbst an die dann gerade Dachkante anlegen. Dünne Dibond-Platten und Moskitonetze laufen in Führungsschlitzen zwischen Dämmung und Filz-Innenwand.

Alles in allem stecken viele neue Ansätze im C.Fold, die das Zeug dazu haben, den Caravan fit für die Zukunft zu machen – ob er klappt oder nicht.

Fazit