Mit dem Wegfall des Azur rückt der Südwind an die Spitze des Caravan-Programms bei Knaus. Um die seit Jahrzehnten beliebte und bekannte Baureihe dafür fit zu machen, legt der bayerische Hersteller das Sondermodell Black Selection auf. Verfügbar für alle 16 Südwind-Grundrisse, wertet es die Optik auf, erhöht aber auch Komfort und Funktionalität. Obendrein verspricht Knaus zwischen 5.901 und 7.281 Euro Ersparnis gegenüber einem vergleichbar ausgestatteten Serienmodell.
Knaus Südwind 500 UF Black Selection
- Schlafplätze: 2+2
- Zul. Gesamtgewicht: 1800 kg
- Länge/Breite/Höhe: 7,31/2,32/2,57 M
- Grundpreis ab: 31.990 Euro
Zum Supertest rollt der Südwind Black Selection als 500 UF an. Große U-Sitzgruppe vorn, französisches Längsbett hinten – ein Klassiker für Paare. 17-Zoll-Alufelgen, graue Glattblech-Seitenwände und schwarz abgesetzte Kantenleisten kennzeichnen das Sondermodell. Wer von der Black Selection schwarze Akzente auch im Innenraum erwartet hat, wird allerdings enttäuscht. Hier bleibt es beim bekannten Südwind-Design. Was nicht schlecht sein muss – schauen wir also genauer hin.
Wohnen
Rein geht’s in den Südwind, und zwar durch eine mit 65 Zentimetern angenehm breite Tür, deren Ausstattung mit Fenster und Zweipunkt-Verriegelung keine Wünsche offenlässt. An der U-Sitzgruppe im Bug geht es sehr hell zu, denn neben Bug- und Seitenfenstern baut Knaus ein festes Panoramafenster in der Dachrundung und eine große Dachluke ein.
Gerundete Eckpolster mit erhöhten Lehnen eignen sich wunderbar zum Reinlümmeln. Dank in die Polster integrierter Auflagen gelingt der Zugang zu den Sitztruhen kinderleicht. Der stabile Einsäulen-Tisch lässt sich absenken, um ein Gästebett zu bauen. Zwei Schwanenhalslampen sind gut in den Ecken platziert und spenden fokussiertes Leselicht. Zudem steckt in ihren Sockeln je eine USB-C-Steckdose.
Kritik an der Vitrine
Schade: Die an sich stimmige und im Black Selection serienmäßige Ambientebeleuchtung über den Oberschränken, an der Sitzgruppe und in der Küche lässt sich nur gemeinsam schalten mit den ins Holz gearbeiteten LED-Bändern neben der Aufbautür und in der Vitrine – so wird es bereits ziemlich hell.
Die Vitrine erntet noch aus einem weiteren Grund Kritik: Ihre Plexiglasböden machen keinen allzu stabilen Eindruck und haben keine Rüttelkanten. Während der Fahrt sind sie praktisch unbenutzbar, zumal dann auch das Kunststoffglas schnell verkratzen dürfte.
Als praxistauglicher erweist sich da das schmale Fach mit Kleiderstange neben der Aufbautür, das sich als Garderobe nutzen lässt. Die Jacke ist hier auch von außen mit einem Handgriff zu erreichen. Allerdings ist das Fach für die meisten Jacken nicht hoch genug.
Dem Küchenblock mangelt es an Arbeitsfläche und einem Platz für eine Kaffeemaschine. Davon abgesehen kann die Kombüse mit tiefer, gut nutzbarer Spüle, Dreiflammkocher mit Zündhilfe sowie reichlich Stauraum in Schubladen und Schränken überzeugen. Der große Absorberkühlschrank mit 137 Litern Volumen ist direkt neben dem Küchenblock sehr gut erreichbar.
Französisches Bett in klassischen Maßen
Die Matratze des französischen Längsbetts ist 198 Zentimeter lang und 137 Zentimeter breit und verjüngt sich am Fußende auf etwa 110 Zentimeter. Das geht für zwei Personen durchaus in Ordnung, entspricht aber auch der Erwartung an diesen eher knapp bemessenen Bettentyp. Obwohl vergleichsweise dünn und weich, bietet die Matratze auf Holzlattenrost ordentlichen Liegekomfort. Leselampen mit USB-C-Ports spendiert Knaus auch am Bett, ebenso eine Ambientebeleuchtung sowie Stauraum in mehreren Oberschränken.

Typisch französisches Bett: Die Matratze wird am Fußende schmaler, im Südwind sind es noch ausreichende 110 Zentimeter.
Schnitzer im Testwagen: Die Wasserschläuche, die vom Tank unterm Bett zum Waschtisch führen, sind übers Eck des starr montierten Lattenrostes gezogen – so werden sie gequetscht und die Matratze kann in der Ecke nicht korrekt aufliegen.
Sehr nüchtern präsentiert sich der WC-Raum. Doch die Ausstattung des mit Thetford-Banktoilette ausgestatteten Raums gefällt: Zwei offene Ablageborde, Klorollenhalter, vier Haken für Handtücher und ein klappbarer Handtuchbügel unter der Decke sind vorhanden. Das große Seitenfenster erlaubt zügigen Luftaustausch. Eine Duschausstattung für das mit Bodenwanne samt Ablauf versehene Bad bietet Knaus nur gegen Aufpreis.
Vor dem WC-Raum steht der Waschtisch gegenüber dem Bett. Die Durchgangsbreite beträgt 45 Zentimeter – ein guter Kompromiss, der nicht zu sehr zu Lasten der Bettbreite geht. Der Waschtisch selbst punktet mit vielen Staufächern und großzügigen Spiegelflächen.
Unpraktisch ist nur, dass der Schalter fürs Licht im WC-Raum außen am Waschtisch angebracht ist. So muss man nachts zuerst das Licht anschalten und kann erst dann die Tür schließen – das kann lichtempfindliche Partner stören.
Beladen & Fahren
Knaus spendiert der Black Selection stets die maximal mögliche Auflastung. Der 500 UF rollt auf einer 1,8-Tonnen-Achse, womit bei einem Leergewicht unter 1.300 Kilogramm kaum Zuladeprobleme auftreten.
Richtig große Stauräume für sperriges Gepäck hat der 500 UF ohnehin nicht zu bieten. Einzig der Raum unterm Bett bietet sich für Campingstühle, Grill und Co. an. Seine Außenklappe fällt mit 66 Zentimetern aber unnötig schmal aus.
Überlegenswert deshalb: Für die Sitztruhen mit dem bereits erwähnten guten Zugang durch die klappbaren Polster bietet Knaus optional Außenklappen an.

Der geteilte Lattenrost erleichtert den Zugang zum Stauraum, der mittige Holzsteg schmälert aber den Liegekomfort.
Im Innenraum sieht die Stauraumsituation schon deutlich besser aus. Der beleuchtete Kleiderschrank gegenüber der Küche fällt voluminös aus, überm Bett nehmen fünf Hängeschränke Kleidung auf. An der Sitzgruppe gibt es Eckablagen, zwischen dem Garderobenfach am Eingang und der Glasvitrine noch ein weiteres Schränkchen mit Platz für Kleinkram.
Darüber ist der Platz für den Fernseher vorgesehen. Im Black Selection gibt’s TV-Halter und -Vorbereitung ab Werk, das Gerät selbst und eine Sat- oder LTE-Antenne kosten Aufpreis.
Alle Klappen schließen sanft mit Softclose-Technik. Verschlüsse verbaut Knaus aber wie so häufig üblich nur an der Küche. Diese halten zuverlässig, es missfallen jedoch die scharfkantigen Kunststoff-Gegenhalter. Knaus verwendet sie nur bei den Oberschränken – Schubladen und Schranktüren haben gerundete Exemplare.
Auch wenn der Südwind 500 UF mit 7,32 Meter Gesamtlänge nicht mehr als Kompakt-Caravan durchgeht, gestaltet sich das Fahren mit dem normalbreiten und nicht zu schweren Wohnwagen unkompliziert. Separate Eckteile des Heckleuchtenträgers erleichtern Reparaturen, sollte man doch mal irgendwo anecken.
Technik
Ungewöhnlich: Statt klassischer S-Heizung setzt Knaus beim Südwind 500 UF auf eine kompakte Truma Vario Heat. Das ausreichend leistungsfähige Gerät versteckt sich in der linken Sitztruhe und nimmt dort kaum Stauraum weg. Es hat jedoch den Nachteil, dass es ohne Strom nicht funktioniert. Fürs Warmwasser ist weiterhin eine Therme zuständig.
Diese verbaut Knaus zusammen mit dem 45-Liter-Frischwassertank unterm französischen Bett. Da die Banktoilette über einen separaten Spülwassertank verfügt, ist der Wasservorrat sehr großzügig bemessen. Der Einfüllstutzen verbirgt sich in einem Servicefach, dessen Klappe an die zum Toilettenschacht erinnert.

Ein Servicefach beherbergt CEE-Anschluss sowie Frischwasserbefüllung und -ablass.
Frischwasserablass und CEE-Anschluss mit Bodendurchführung sind im Servicefach ebenfalls geschützt untergebracht. Die seitliche Revisionsöffnung des hier sichtbaren Wassertanks erfordert stets eine intakte Dichtung. Sollte doch mal etwas auslaufen, hat Knaus mit einer Kunststoffwanne samt Ablauf vorgesorgt.
Der Deichselkasten gefällt mit Riffelblechboden und niedriger Schwelle. Die Klappe mit Dreipunkt-Verriegelung schwingt parallel und Gasdruck unterstützt nach oben. Schloss und Griff sind hinter dem Knaus-Logo gut geschützt, aber auch etwas fummelig zu greifen.
Die Gasversorgung stellen zwei Elf-Kilogramm-Flaschen sicher, die im Deichselkasten an solide verschraubten Befestigungen verzurrt werden. Automatisches Umschalten auf die volle Flasche ermöglicht die Truma Duo Control für 512 Euro extra.
Preise & Service
Die Black Selection des Südwind kommt mit einer reisefertigen, aber nicht luxuriösen Serienausstattung. Tatsächlich bleibt das Plus an Komfort und Funktion des Sondermodells überschaubar: Auflastung, Ambientebeleuchtung, TV-Halter und -Vorbereitung, Bluetooth-Soundsystem, Rauchmelder, ein paar zusätzliche Steckdosen – das war es im Wesentlichen.
Hinzu kommen Optik-Features wie die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, das grau-schwarze Außendesign mit Glattblech-Seitenwänden, mit Black-Selection-Schriftzug bestickte Polster und eine Deichselabdeckung. Auch TÜV und Zulassungspapiere sind bereits inklusive.
Im Vergleich zum Serien-Südwind lohnt sich die Sonderedition auf jeden Fall, kostet sie im Falle des 500 UF doch nur 800 Euro mehr als die Basis. Bei den anderen Grundrissen sieht es ähnlich aus.
Blick auf die Konkurrenz: Den neuen Adria Adora gibt es mit GfK-Boden, XPS-Isolierung und Combi-Heizung als 522 UP bereits ab 30.490 Euro. Bürstner bietet den B66 mit GfK-Boden, aber sonst ähnlichem Ausstattungsniveau wie der Südwind Black Selection als etwas kürzeren 465 TS gar schon für 24.990 Euro. Ein Schnäppchen ist die Black Selection auch im Vergleich nicht. Enorm auch die Preissteigerung der vergangenen Jahre: Beim Supertest 2019 kostete der 500 UF noch ab 23.190 Euro.
Vorteil Knaus: Wer mehr Ausstattung will, kann auch die Black Selection mit zahlreichen Extras hochkonfigurieren. Ob Autark-Paket mit Lithiumbatterie, Smart-TV und LTE-Antenne, Mover, Dachklimaanlage oder Warmwasserheizung: Die Aufpreisliste lässt kaum Wünsche offen.
Die Baureihe
- Preise: 26.990–43.590 Euro
- Aufbaulängen: 5,11–7,24 m
- Gesamtgewichte: 1500–2500 kg
- Max. Auflastungen: stets Serie (Black Selection)
- Grundrisse: 16
Seit 1962 ist der Knaus Südwind fester Bestandteil der Modellpalette des bayerischen Herstellers. 16 Grundrisse mit Aufbaulängen von 5,11 Metern bis 7,24 Metern decken eine enorme Bandbreite an Grundrissen ab. Das Aufgebot beginnt mit dem kompakten Paarmodell 420 QD mit Querbett im Bug und reicht bis zu großen Tandemachsern mit 2,50 Metern Außenbreiten.

Hell statt dunkel: Wem die Farbgebung nicht zusagt, bekommt die Black Selection auch in Weiß.
Einer davon ist der 650 PXB mit wagenbreitem Heckbad, quer eingebautem Queensbett und Bugküche – ein Raumtraum für Paare. Das Südwind-Portfolio umfasst aber auch mehrere Varianten mit Stockbetten, die sich gezielt an Familien richten. Hier reicht die Palette vom 500 QDK mit 5,95 Meter Aufbaulänge bis zu 580 QS und 580 UK (je 6,37 Meter Aufbaulänge). Alle Grundrisse gibt es in der Black Selection.
Nachgefragt
Jürgen Thaler, Leiter des Produktmanagements bei Knaus, nimmt Stellung ...
Üblicherweise werden die Leitungen entlang des Warmluftschlauchs verlegt, was hier auch gut zu erkennen ist. Vermutlich wurde das beim Öffnen des Lattenrosts unglücklich mitgezogen, deshalb verlaufen die Leitungen augenscheinlich falsch. Bei Prüfung weiterer Fahrzeuge ist uns nichts aufgefallen.
Diese Kunststoff-Gegenhalter sind seit vielen Jahren problemlos im Einsatz, wir prüfen hier aber eine Optimierung der Werkzeuge.
Wir haben uns beim Südwind in den kürzeren Grundrissen bewusst für die modernere Vario Heat entschieden. Sie kann im nicht sichtbaren Bereich verbaut werden und trägt so zum wohnlichen Innenraum bei. Da die Vario Heat deutlich weniger Bauraum benötigt, erzielen wir auch eine bessere Raumnutzung.
Die Black Selection gibt es wahlweise auch mit weißem Aufbau, das Interieur harmoniert mit beiden Farbrichtungen.
Lichtcheck

Stimmungsvoll: Die Ambientebeleuchtung über den Oberschränken gehört bei den Black-Selection-Modellen zur Serienausstattung.
- Die Sitzgruppe ist ordentlich ausgeleuchtet, erreicht fast eine grüne Wertung. Zum Lesen gibt es zwei Schwanenhalslampen.
- Das Licht im WC-Raum erreicht eine durchschnittliche Wertung. Top: die Helligkeit vor dem Spiegel am Waschtisch.
- Auch die Küche im Südwind bewegt sich im guten Durchschnitt. Direkt unter dem Arbeitslicht ist es sehr hell.
- Mäßige Werte am Bett, doch das Ambientelicht ist gefühlt angenehm. Die Leselampen könnten noch etwas heller sein.
Das fiel uns auf
Dank Klappbügel und Bodenwanne mit Ablauf können Jacken zum Trocknen im WC-Raum hängen.
Gut platzierte Steckdose in der Ablage überm Bett. Von hier sind auch die USB-C-Ports nicht weit.
Angenehm breite Aufbautür (65 Zentimeter) mit großem Fenster und Zwei-Punkt-Verriegelung.
Die Garderobe nahe des Eingangs ist praktisch, für die meisten Jacken aber nicht hoch genug.
In den Küchenoberschränken (nur dort) verwendet Knaus scharfkantige Kunststoff-Gegenhalter.
Die Wasserschläuche sind übers Eck des Lattenrosts verlegt, die Matratze liegt hier nicht eben auf.
Lichtschalter fürs WC außen am Waschtisch – wer nachts hineinwill, muss zuerst das Licht einschalten.
Die vorderen Kurbelstützen sind nur mit Krampf zu erreichen, da ohne Verlängerung weit unterm Fahrzeug.












