Wohnmobil-Reise Spanien/Portugal Helmut Föllmer
Wohnmobil-Reise Spanien/Portugal
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Wohnmobil-Reise durch Spanien & Portugal

Mit dem Wohnmobil in den Westen Europas Über die ganze iberische Halbinsel

Zwei Monate nehmen wir uns Zeit, um die Schönheiten der iberischen Halbinsel zu erkunden. Mit dem Wohnmobil und Roller an Bord fahren wir durch spanische Hochebenen ans südliche Mittelmeer und entlang der portugiesischen Atlantikküste nach Galicien. Abwechslung ist garantiert.

Eine steile Bergabfahrt über den Col de Pourtalet bringt uns nach Spanien. Erstes Etappenziel ist der Camping Municipal in Zaragoza. Von hier aus kutschiert uns der Linienbus in die Stadt. Mehrstöckige Wohnhäuser säumen den Weg, aber die Innenstadt mit der Basilica de Nuestra Señora del Pilar lässt die halbe Stunde Fahrzeit schnell vergessen. Schon von außen fasziniert das Turm- und Kuppelensemble, erst recht innen mit mehreren Kirchen in der Kirche.

Die EinwohnerInnen von Segovia sind sehr stolz auf ihr Aquädukt.

Mit beeindruckenden Bauten geht es in Segovia weiter. Besonders stolz sind die EinwohnerInnen auf ihr römisches Aquädukt, daher tragen viele Straßen und auch der Campingplatz seinen Namen: Camping Acueducto. Madrid lassen wir im Wortsinne links liegen und steuern Toledo an. Ein Parkplatz zu Füßen der Stadt beherbergt uns für zwei Nächte. Der Anstieg in die Altstadt gestaltet sich einfach – über sechs Rolltreppen. Der Alcázar, der Palast von Toledo, will noch am Ankunftstag entdeckt werden. Nach einer Bustour öffnet sich uns tags darauf auch die Kathedrale dank des Kombi- tickets mit der Bustour. Laut unserer Führerin ist die Kathedrale zwar nur die zweitgrößte, dafür aber die wichtigste Spaniens. Viele Gemälde darin stammen von El Greco. Offenbar steigert sich die Schönheit der Orte von Nord nach Süd, mal sehen.

Das atemberaubende Andalusien

Nach Córdoba führt uns das Navi nicht über die Autobahn – und es hat recht: kaum Orte, eine gut ausgebaute Straße und eine schöne Landschaft. Die Hochebenen Südspaniens beherbergen das größte Olivenbaum-Arsenal der Welt. Herrliche Ausblicke von Bergkämmen offenbaren riesige Plantagen, die mit akkurat gleichen Abständen angepflanzt sind.

Im Frühjahr erreichen die Temperaturen nachmittags bis 28 Grad, so dass wir uns über den Schatten auf dem Camping La Albolafia in Villafranca de Córdoba freuen. Im 25 Kilometer entfernten Córdoba hat der Alcázar de los Reyes Cristianos zwar einen imposanteren Namen als der in Toledo, ist es selbst aber nicht. Dafür bietet sich die größte Kathedrale Spaniens zur Besichtigung an, die Mezquita-Catedral. 856 Säulen tragen ein riesiges Dach, dessen Decke unverhältnismäßig niedrig erscheint. Ihre Mixtur aus orientalischen und christlichen Elementen macht die Faszination aus. Anschließend wollen wir eigentlich die Alhambra in Granada sehen – aber sie uns nicht. Ein Online-Ticket ist erst für die Besichtigung in drei Wochen zu haben. Dann also lieber zum Castillo de Almodóvar nordwestlich von Córdoba. Die arabische Festung auf einer Bergkuppe ist verwinkelt, abwechslungsreich – und einfach wunderschön. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie bis zur finanziellen Erschöpfung restauriert. Viele kennen sie als "die" Burg aus der Serie "Game of Thrones".

Die einzigartige maurische Architektur ist überall in Andalusien zu finden. Perfektes Beispiel die Alcazaba in Malaga.

Wäre dort nicht die reifenquietschende Dorfjugend unterwegs, hätte sich der Parkplatz an der Festung für die Übernachtung angeboten. So bevorzugen wir Camping La Breña neben einem Stausee – allerdings 80 Meter höher auf einem Plateauberg. Eine tolle Aussicht und ebensolche Nachtruhe werden mit wenigen Euro und einer holprigen Zufahrt bezahlt. Doch die Wetter-App informiert, dass es Temperaturen zwischen 8 Grad (nachts) und 38 Grad (nachmittags) geben soll. Unser Wohnmobil flieht daraufhin mit uns Richtung Málaga, wo ausgeglichenere Temperaturen angesagt sind. Die Mittelmeermetropole hat trotz Hotelburgen ihren Charme nicht verloren. Ein Muss sind hier die Kathedrale und die Zitadelle Alcazaba. Vom etwa 30 Kilometer entfernten Campingplatz Almanat bringt uns der Roller auch in das wunderschöne Küstenstädtchen Nerja. UrlauberInnen finden hier zwar wenig Strand, aber fantastische Blicke auf das Wasser und gemütliche Sträßchen. Die Felsnase des Zentrums endet auf einer Aussichtsterrasse. Darunter laden Restaurants zu Tapas ein. Das weiße Bergstädtchen Frigliana krönt den Tag der herrlichen Aussichten.

Kurzer Zwischenstopp in England

Nächste Station: Gibraltar. Bei der Einfahrt entdecken wir einen günstigen Übernachtungsplatz am Stadion und direkt am Playa de Santa Bárbara. Noch am Abend tragen uns unsere Füße nach Großbritannien. Es ist ungewohnt, dass man hier die Drinks in Pfund zu begleichen hat. Am nächsten Tag führt uns das Cable-Car zum zweithöchsten Punkt von Gibraltar. Der bequeme Zugang zur schönen Aussicht ist schon teuer genug und wir schenken uns den Besuch des Botanischen Gartens. Die berühmten Berberaffen besuchen uns auch freiwillig an der Bergstation.

Auf der Fahrt nach Cádiz nötigt uns der südlichste Zipfel der iberischen Halbinsel einen Stopp ab. Das windumtoste Tarifa ist bei Windsurfern und Kitern beliebt. Unten im Ort gibt es keinen Platz für unser zweites Zuhause, also parken wir auf dem Busparkplatz, bewundern zum wiederholten Male die Aussicht und decken uns im benachbarten Supermarkt mit Vorräten ein.

Auch die Wohnmobilstellplätze in und um Cádiz sind nur Parkplätze. Wir wählen den in El Puerto de Santa Maria, da dieses Städtchen einen lieblichen Stadtkern mit Basilika bietet und eine Schiffsfahrt mit einem Katamaran nach Cádiz erlaubt. Wir genießen die Tour auf dem Zweirumpfschiff, bis wir den geschützten Kanal verlassen und der Katamaran kräftig schaukelt. Cádiz selbst ist eigentlich eine Insel und war im Mittelalter gut befestigt – ein strategischer Hafen für Araber und Christen. Wir finden die Stadt dennoch nicht allzu spektakulär. Vielleicht abgesehen davon, dass die Krypta der Kathedrale unter dem Meeresspiegel liegt.

Der riesige Plaza de Espana ist einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Sevillas.

In Sevilla lädt die Area Autocaravanas zur Übernachtung. Der Stellplatz ist zwar nicht idyllisch, dafür aber nah am Zentrum. Sevilla gehört für uns zu den schönsten Städten Spaniens. Breite Straßen, viele Parks, wenig Müll und eine Altstadt mit gemütlichen Gassen und einladenden Bars. Auf dem Plaza de España können die Kachelbilder der spanischen Provinzen gewürdigt werden. Zwischendurch verspricht der Real Alcázar de Sevilla historische Einblicke, doch die lange Schlange an Eintrittswilligen schreckt uns ab. Es wartet ja noch eine andere große Sehenswürdigkeit auf uns – richtig, die Catedral de Sevilla. Da finden heute am Sonntag Gottesdienste statt, so dass sie nur in Teilen zu besichtigen ist – akzeptiert. Da wir relativ früh zurück am Wohnmobil sind, wird der Roller entladen und bringt uns in das süße Hügelstädtchen Carmona. Natürlich hat auch dieser Ort seinen Alcázar, allerdings hier nicht durch christliche Fürsten als Wohnsitz umgebaut. Noch kurz die sagenumwobene Stierkampfarena von Sevilla betrachtet und dann den Roller verpackt und auf nach Portugal.

An den Rand Europas

Mehrere Dinge fallen unmittelbar positiv auf, wenn man die Grenze überquert hat: An den Böschungen der Straßen liegt kein Müll, man bemüht sich mit Gästen Englisch zu sprechen und die Preise scheinen eine Klasse tiefer als beim großen Nachbarn, außer an der Tankstelle. Allerdings sind die Straßen ein wenig schlechter und Tempolimits oft nicht wirklich erkennbar.

Wenige Kilometer hinter der Grenze lädt der Stellplatz der Gemeinde Manta Rota zum Stelldichein. Fünf Euro pro Nacht für einen Platz mit Flair und herrlichem Strand. Die Algarve ist wunderschön. Das möchte sie auch etliche Kilometer weiter kurz vor Albufeira beweisen. Der kleine Ferienort Olhos de Água lockt Wohnmobilreisende gleich mit zwei schönen Stellplätzen. Als ein wahres Kleinod entpuppt sich die hier beginnende Steilküste. Herrliche Meerblicke von den hohen Dünen dürfen einen nicht dazu verführen, allzu dicht an den Rand zu gehen. Der geniale Strand darunter erhält ab und zu Sandnachschub von den steilen Abbrüchen.

Einer der vielen Höhepunkte: die Landzunge Ponta da Piedade bei Lagos, deren Grotten man am besten auf einer Bootstour entdeckt.

Der kleine Ort Figueira zwischen Lagos und Sagres an der Südwestspitze Portugals mit seinem kleinen, aber feinen Stellplatz bietet sich als Domizil zur Rollererkundung beider Ziele an. Zunächst geht es zur Südwestspitze, später zum Surferstrand Praia do Zavial. Nahe der imposanten Stadt Lagos führt uns eine Bootstour zu den Grotten an ihrer Küste. Das fahrerische Können des Bootsführers ist enorm. Die richtige Wellenhöhe abpassend passiert er Höhlen und deren Eingänge mit wenigen Zentimetern Abstand zwischen Bootswand und Felsen. Der Campingplatz Costa do Vizir in Porto Covo verspricht einige Tage Ruhe, bevor Lissabon angesteuert wird. Eine faszinierende Großstadt, allerdings mit dichtem Verkehr und katastrophaler Stellplatzsituation. So kehrt unser Wohnmobil zurück auf die gegenüberliegende Halbinsel zum Camping Orbitur in Costa de Caparica. Er liegt direkt hinter einem endlosen Strand, wo zusammengeschobene Dünen inklusive Deichstraße mit Restaurants und Geschäften das Hinterland vor dem Atlantik schützt. Ein Glas Weißwein für einen Euro und ein großes Bier für 2,50 Euro empfinden wir als sehr einladend.

Eine kurze Busfahrt, eine Fähre und schon ist Belém, der dem Meer zugewandte Stadtteil von Lissabon, erreicht – dort sind die Preise allerdings ähnlich wie bei uns. Zum anderen Ufer des Tejo geleiten uns die riesige Christusstatue (ein Pendant zu Rio de Janeiro) und die Brücke "25. April 1974" (ein Pendant zur Golden Gate). An namensgebenden Tag haben die Portugiesen die Diktatur ohne Blutvergießen beendet. Heute ist Portugal eines der europafreundlichsten Länder, was wir alltäglich erleben.

Große Wellen brechen hier auf die wilde Küste bei Sagres an der Südwestspitze Portugals.

Die Küste der felsigen Halbinsel Peniche buhlt mit seiner Steilküste um Berücksichtigung, bevor uns Wind und Wolken ins Landesinnere treiben. Und natürlich Sehenswürdigkeiten, die unsere Neugier wecken: Die Kirche Igreja de Santa Maria-a-Velha in Batalha wird erst noch so einige Euro verschlingen, bevor sie wieder in vollem Glanz erstrahlen wird. Fátima erstrahlt bereits. Im Wallfahrtsort verbindet ein Platz – größer als der vor dem Petersdom in Rom – die beiden Hauptkirchen. Tomar, das angeblich schönste Städtchen Portugals, toppt alle bisherigen Stellplatzangebote mit seinem ehemaligen Campingplatz, indem es die Übernachtung kostenfrei anbietet. Zurück an die Küste: Südlich von Porto hat der Parque de Campismo de Salgueiros das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, einen nahen, schier endlosen Sandstrand – und eine enge Zufahrt. Temperaturen um 20 Grad und Sonne sind ideal für Rollerfahrten. Diesmal nach Porto, das uns spontan besser gefällt als Lissabon. Vielleicht liegt es auch daran, dass in Porto viele Sehenswürdigkeiten zu Fuß erkundet werden können.

Porto ist eines der Highlights auf unserer Reise. Hier der Blick vom Turm der Clérigos-Kirche auf Kathedrale und Bischofspalast.

Spanien erwartet uns wieder, jetzt aber in der nordwestlichen Provinz Galicia. Santiago de Compostela verführt zu seligen Spaziergängen durch die lauschige Altstadt und einem wohlschmeckenden Abendessen. Doch zuvor steht natürlich die Kathedrale auf dem Programm. Viele Pilger füllen auch noch um die Abendstunden den Vorplatz. Wir sind ja immerhin fast drei Kilometer vom Campingplatz zur Kathedrale gelaufen und können nur die Pilger bewundern, die sich diesen Ort erwandert haben.

Jetzt werden mal Kilometer gefressen. Der Weg zurück verläuft zunächst nach León und dann auf den ruhigen Camping Monte Royal nahe einem Stausee. Abschließender Höhepunkt ist die baskische Metropole Bilbao, wo man die Kunst entdeckte und zum Anziehungsensemble machte, vor allem mit dem spektakulären Guggenheim-Museum. Vom Stellplatz Kobetamendi blicken wir über die nächtlich erleuchtete Stadt und bedanken uns bei der iberischen Halbinsel für die wundervollen Wochen.

Unsere Tour vom Norden Spaniens, durch das wunderschöne Andalusien und entlang der portugisischen Atlantikküste.