Kein Schleppen, kein Tausch, kein mulmiges Gefühl beim Thema Sicherheit – gasfreie Wohnmobile machen es möglich. Immer mehr Hersteller setzen auf den Trend, und die Modelle überzeugen nicht nur durch Komfort, sondern auch durch clevere Technik. Doch ist gasfrei wirklich die bessere Wahl?
Warum aufs Gas verzichten beim Camping?
Es gibt Momente, da merkt man: Das klassische Camping mit Gasflaschen ist ein bisschen wie ein altes Telefon mit Schnur – es funktioniert, aber es geht auch einfacher. Die Gründe, warum immer mehr Reisemobil-Hersteller und Camper auf gasfreie Bordtechnik setzen, sind vielfältig. Sicherheit steht dabei ganz oben auf der Liste. Zwar sind Unfälle mit Gas extrem selten – in über 40 Jahren promobil-Tests ist noch kein einziger Fall dokumentiert –, aber das Gefühl, auf einen Brennstoff zu verzichten, der theoretisch explodieren kann, gibt vielen ein beruhigendes Plus an Sicherheit.
Doch Komfort spielt eine mindestens genauso große Rolle. Keine schweren Flaschen mehr schleppen, keine Suche nach Tankstellen im Ausland, keine Adapter oder leeren Reserven – das macht das Reisen entspannter. Besonders für diejenigen, die viel unterwegs sind oder im Winter auf dem Campingplatz campen, ist der Verzicht auf Gas beim Heizen ein echter Gamechanger.
Dazu kommt der Platzgewinn: Ohne den sperrigen Gaskasten lässt sich der Stauraum deutlich großzügiger gestalten. Der Bürstner Habiton zeigt, wie es geht: Hier fällt der Heckstauraum so breit aus, dass selbst sperrige Gegenstände problemlos verstaut werden können.
Nicht zuletzt ist da noch das Thema Nachhaltigkeit. Gas ist ein fossiler Brennstoff, und wer seinen CO₂-Fußabdruck reduzieren möchte, setzt lieber auf Strom aus erneuerbaren Quellen. Doch der Verzicht auf Gas bedeutet nicht automatisch, dass alles elektrisch läuft – dazu später mehr.
Diese Modelle zeigen, wie gasfrei geht
Gasfrei ist kein Nischenthema mehr. Immer mehr Hersteller bieten Modelle an, die komplett ohne Gas auskommen – von preiswerten Einsteigermodellen bis hin zu luxuriösen Reisemobilen. Hier ein Überblick über die spannendsten Fahrzeuge:
Atlantis Carbon 4x4

Das Offroad-Wohnmobil Atlantis Carbon 4x4 feierte dem Caravan Salon Düsseldorf 2026 seine Premiere.
Der Atlantis Carbon 4x4 kombiniert eine Carbonfaser-Kabine mit Gasfreiheit und willso ein ultimativ robustes und autarkes Fahrzeug schaffen. Schon beim ersten Blick in den Heckstauraum sieht man: kein klobiger Gaskasten, kein Flaschenfach – stattdessen viel Platz für die Ausrüstung, selbst für sperrige Expeditionsutensilien. Für den Winter bringt er eine Dieselheizung mit.
Bürstner Habiton
Der Bürstner Habiton ist ein Paradebeispiel dafür, wie gasfreie Technik den Komfort erhöht. Ohne Gaskasten fällt der Heckstauraum so breit aus, dass selbst große Gegenstände problemlos Platz finden. Hubert Brandl, Geschäftsführer von Bürstner, bringt es auf den Punkt: "Das Fahrzeug funktioniert nur so. Andernfalls wäre der Stauraum nicht möglich".
Concorde
Concorde bietet seine Luxusmodelle wie den Concorde Centurion 1100 GI optional gasfrei an. Das gibt Camperinnen und Campern die Freiheit, selbst zu entscheiden, ob sie auf Gas verzichten möchten oder nicht.
La Strada Avanti F

Im gasfreien La Strada Avanti F kocht man mit Strom. Der Induktionsherd wird sehr schnell warm.
La Strada hat den Trend früh erkannt. Den Avanti F haben wir bereits ausführlich getestet. Er überzeugt durch eine durchdachte gasfreie Bordtechnik. Besonders spannend: La Strada bietet mittlerweile einen Großteil seiner Modelle gasfrei an. Das zeigt, wohin die Reise geht – weg von der Option, hin zum Standard.
Morelo Home
Wer es noch exklusiver mag, sollte einen Blick auf den Morelo Home werfen. Das Luxus-Reisemobil ist komplett gasfrei und zeigt, dass auch im High-End-Bereich auf Gas verzichtet werden kann.
Offtrack Verge
Beim Offtrack Verge zeigt sich der Unterschied zu handelsüblichen Campingfahrzeugen nicht nur beim außergewöhnlichen Exterieur, sondern auch beim Kochen: Das Induktionskochfeld reagiert blitzschnell. Und wenn Sie abends im Bett liegen, hören Sie nur das leise Surren des Kompressor-Kühlschranks.
Phoenix Maxi 7800 RSL
Der Phoenix Maxi 7800 RSL verzichtet konsequent auf Gas und setzt stattdessen auf eine Kombination aus Dieselheizung, Induktionskochfeld und Kompressor-Kühlschrank.
Vario Mobil Perfect & Star
Bei so manchem Premium-Segment ist Gasfreiheit schon längst angekommen. Die Modelle Vario Mobil Perfect und Star sind seit 2025 gasfrei erhältlich. Die Marke setzt auf große Batteriekapazitäten und eine durchdachte Stromversorgung, die auch autarkes Reisen ermöglicht.
Studienfahrzeuge: Blick in die Zukunft
Besonders spannend sind die Studien und Prototypen, die auf dem Caravan Salon 2026 gezeigt werden. Der Dethleffs C.Core ist komplett gasfrei und setzt auf Leichtbauweise.
Noch futuristischer ist der EVOLVE Cityfrighter, ein Leichtbau-Integrierter mit Elektroantrieb, bei dem sogar die Heizung durch eine Staukastenklimaanlage mit Wärmepumpenfunktion ersetzt wurde. Ob diese Technologie serienreif wird, bleibt abzuwarten – aber sie zeigt, wohin die Reise gehen könnte.
Gasfrei in der Praxis: So funktioniert der Umstieg
Wer auf Gas verzichten möchte, muss sich Gedanken über Alternativen machen. Denn eines ist klar: Einfach weglassen geht nicht. Die wichtigsten Komponenten im Wohnmobil – Kühlschrank, Kocher und Heizung – müssen ersetzt oder umgerüstet werden.
Kühlschrank: Kompressor statt Absorber
Der einfachste Teil der Umstellung. Kompressor-Kühlschränke sind längst Standard in gasfreien Modellen. Sie sind effizienter und arbeiten unabhängig von der Außentemperatur. Der Nachteil: Sie verbrauchen mehr Strom. Doch mit einer gut dimensionierten Batterie und an der richtigen Stelle verbaut ist das kein Problem.
Kocher: Induktion statt Gasflamme
Hier wird es knifflig. Induktionskochfelder sind die naheliegende Alternative, aber sie funktionieren nur mit 230 Volt und verbrauchen viel Strom. Wer also nicht ständig an der Steckdose hängt, braucht eine leistungsstarke Batterie und eine zusätzliche Stromquelle wie Solaranlagen oder einen Generator. Für viele ist das ein entscheidender Punkt: Wer autark campen will, muss entweder in teure Batteriekapazitäten investieren oder auf Kompromisse setzen.
Heizung: Diesel statt Gas
Die größte Herausforderung. Elektrische Heizungen, die leistungsstark genug sind, um ein Wohnmobil im Winter warmzuhalten, stecken noch in den Kinderschuhen. Die meisten Hersteller setzen daher auf Dieselheizungen, die zuverlässig und erprobt sind. Allerdings benötigen sie – wie der Name schon sagt – Diesel und produzieren Abgase. Truma, einer der führenden Hersteller von Heizsystemen, setzt daher weiterhin auf Gas – wenn auch mit stärkerer elektrischer Unterstützung.












