Auf dem Caravan Salon hat Dethleffs seine neue Studie C.Core präsentiert. Ein Konzeptfahrzeug, das bewusst nicht den nächsten Serien-Neuzugang ankündigt, sondern als Experimentierfeld dient. Die Leitidee: Freiheit neu erleben. Mit weniger Gewicht, weniger Verbrauch und weniger Abhängigkeit von Infrastruktur. Möglich machen sollen das unter anderem neue Leichtbau-Materialien, ein konsequent flexibel nutzbarer Innenraum sowie frische Ansätze beim Energie- und Wassermanagement.
Kurz: Der C.core bündelt eine ganze Reihe von Ideen, die zeigen, wie künftige Wohnmobile aussehen und funktionieren könnten, wenn Ressourcenschonung und Autarkie von Anfang an mitgedacht werden. Dethleffs macht einmal mehr mit einer Studie auf seinen Kreativität aufmerksam – wie schon beim Klappwohnwagen C.Fold auf der CMT 2026 oder beim Elektrowohnmobil E.home Eco.
Leichtbau: Necto und Dämmung aus recyceltem PET
Für den Aufbau nutzt Dethleffs im C.Core das Leichtbau-Material Necto. Vereinfacht gesagt besteht es aus Alublech, das nicht als durchgehend "volle" Platte eingesetzt wird: In die Bleche werden gezielt Öffnungen/Löcher gefräst, anschließend werden die Elemente geprägt, geformt und miteinander verbunden. So entsteht eine sehr steife, tragfähige Struktur bei geringerem Gewicht – Dethleffs verweist dabei auf eine bionische Anlehnung an leichte Knochenstrukturen. Durch Necto sind neue Formen im Aufbau möglich: abgerundete Kanten und Winkel. Ähnlich einem Monocoque-Aufbau gibt es so weniger anfällige Verbingungskanten. Erste Berechnungen beziffern das rechnerische Einsparpotenzial allein im Aufbau eines sieben Meter langen Wohnmobils auf rund 25 bis 45 Kilogramm.

Der Aufbau ist aus dem Leichtbaumaterial Necto hergestellt. Bis zu 45 kg sollen so gespart werden.
Auch die Isolierung denkt die Studie kreislauffähig: Dethleffs verarbeitet im C.Core rund 45 Quadratmeter recyceltes PET – nach Herstellerangaben entspricht das dem Material aus etwa 1.800 gebrauchten PET-Flaschen. Zusätzlich unterstützt die zwischen den Materialschichten eingeschlossene Luft die Wärmedämmung.
Kompakt gebaut, flexibel genutzt
Mit zwei Metern Breite bleibt der C.Core außen kompakt. Innen setzt Dethleffs auf Lösungen, die Fläche nur dann belegen, wenn sie gebraucht wird. Den Tisch bringt das Konzept erst in Position, wenn er tatsächlich zum Einsatz kommt. Die modulare Sitzlandschaft lässt sich über flexible Polsterelemente je nach Situation umbauen – von der klassischen Sitzgruppe über eine Lounge bis zur Liegefläche. Wenn die Sitzgruppe nicht benötigt wird, entsteht zusätzlicher freier Raum im Fahrzeug.

Unter der verschiebbaren Arbeitsfläche versteckt sich der Induktionsherd.
In der Küche integriert der C.Core einen vollflächigen Induktionsherd unter einer verschiebbaren Arbeitsfläche. Sichtbar sind nur zwei Punkte, welche die Kochflächen markieren – damit steht bei Nichtgebrauch mehr Abstellfläche zur Verfügung. Integrierte Staufächer und Auszüge sollen Ordnung schaffen, ohne den Raum mit zusätzlichen Möbelvolumen zu blockieren.
Badkonzept: Funktion auf kleiner Fläche, optisch als "Wellnessbereich" gedacht
Auch im Bad verfolgt die Studie neue Ideen zur Raumausnutzung. Dethleffs integriert eine Clesana Porta-Potti-Lösung, die hinter der Wand sitzt und herausgezogen wird. Dazu kommen ein drehbares Waschbecken in Steinoptik sowie ein beleuchteter Waschtisch, der den Raum heller wirken lässt. Eine Fliesenoptik in Grün- und Aquamarintönen soll den Charakter eines modernen Wellnessbereichs erzeugen, ohne zusätzliches Gewicht einzubringen.

Wirkt wie ein Bad daheim: Die Fliesenoptik verleiht dem C.Core ein edles Aussehen.
Integrierte Funktionen außen: Türen, Außenküche und Solarblume
Das Exterieur folgt einem Integrationsprinzip: Grifflose Aufbautüren öffnet der C.Core per One-Touch-Funktion, sie schließen automatisch und verriegeln elektronisch. Eine Außenküche ausgestattet mit Induktionskochfeld und Arbeitsfläche verschwindet bei Nichtgebrauch vollständig im Aufbau.

Auch die Außenküche des C.Core bekommt ein Induktionskochfeld.
Auf dem Dach sitzt zudem eine ausklappbare "Solarblume". Für den Fahrbetrieb bleiben die Solarmodule platzsparend unter der Dachreling integriert, im Stand entfaltet sich die Konstruktion zu einer zusätzlichen Solarfläche. Unter optimalen Bedingungen nennt Dethleffs eine Leistung von bis zu 600 Watt. Gleichzeitig soll die Konstruktion Schatten spenden und damit eine Markisenfunktion übernehmen.
Energie: Solarstrom für die Bordversorgung
Beim Energiekonzept setzt der C.Core auf elektrische Versorgung aus Solarmodulen. Integrierte Dachmodule und die Solarblume erzeugen Strom direkt am Fahrzeug. Überschüsse speichert das System in Feststoff-Lithium-Batterien, die durch ihre hohe Energiedichte weniger Bauraum als herkömmliche Batteriesysteme benötigen sollen.

Die Solarblume dient auch als Markise. Während der Fahrt ziehen sich die Module zurück unter die Reling und produzieren weiter Energie.
Dethleffs beschreibt als Zielbild, dass das System von Mai bis September unter günstigen Bedingungen weitestgehend autark funktionieren kann. Die Studie zeigt damit vor allem, welche Reichweite sich durch die Kombination aus Solarertrag, Speicher und effizienter Bordtechnik grundsätzlich erreichen lässt.
Wasser: geschlossener Kreislauf
Neben Energie behandelt der C.Core Wasser als Schlüsselressource. Ein mehrstufiges Filtersystem bereitet Wasser kontinuierlich auf und führt es dem Kreislauf wieder zu. Dabei wandelt das System Grauwasser in keimfreies Reinwasser um. Der geschlossene Kreislauf soll den Frischwasserbedarf deutlich reduzieren und längere autarke Aufenthalte ermöglichen. Laut Konzept kann das Wasser eine komplette Saison ohne Filterwechsel aufbereitet werden.

Klärwerk an Bord: Im C.Core kann Wasser gefiltert werden.
Digitales Setup: Beamer statt TV
Auch die digitale Nutzung gestaltet Dethleffs um. Statt eines klassischen Fernsehers integriert die Studie Beamer und Leinwand über der Aufbautür. Ein Ultrakurzdistanz-Beamer projiziert das Bild auf die Leinwand und spart so Platz. Ergänzend nennt Dethleffs Bluetooth-Konnektivität, flexible Lichtmodule in der Sitzgruppe mit USB‑C-Anschlüssen sowie Wireless Charging.
Stauraum und Outdoor-Funktionen
Zum Gesamtkonzept gehören großzügige Stauraumlösungen. Die Heckgarage bietet Platz für Gepäck und Outdoor-Equipment.
Dethleffs positioniert den C.Core als Teil der Initiative "Reiseziel Zukunft" und damit ausdrücklich als Konzept- und Lernplattform. Die Studie kombiniert Leichtbau, integrierte Bedien- und Stauraumlösungen sowie Autarkie-Ansätze bei Energie und Wasser. Nicht jede Lösung steht automatisch kurz vor der Serie – der C.Core zeigt jedoch, welche Stellschrauben künftige Wohnmobile besonders prägen könnten, wenn Ressourcenschonung, Funktionalität und intelligente Raumnutzung gemeinsam weiterentwickelt werden.

















