Kompakte Campingbusse waren lange der Liebling vieler Camper: handlich in der Stadt, flexibel im Alltag und trotzdem vollwertig für den Urlaub. Doch ein Blick in die Kataloge für das Modelljahr 2026 wirft Fragen auf: Campervans großer Hersteller sind plötzlich verschwunden.
Bedeutet das die Trendwende in dieser Fahrzeugklasse – oder steckt etwas anderes dahinter? Ein Kommentar von promobil-Redakteur Holger Schwarz:
Adria Active, Ahorn Camp Van City, Bürstner Copa: Sucht man in den Katalogen und Preislisten der Hersteller für 2026 nach diesen Kompaktcampern, dann fällt auf, dass sie gar nicht mehr vertreten sind. Ähnlich sieht es bei Etrusco und Vantourer mit den jeweiligen Urban-Modellen aus. Vor wenigen Jahren war das noch ganz anders.
Da priesen viele etablierte Reisemobilhersteller ihre Campervans als die Alleskönner an, die jeder haben musste – weil sie den Spagat zwischen Alltag und Reise besser meistern als alle anderen. Jetzt die Kehrtwende. Die Modelle verschwinden aus den Produktportfolios. Simple Wirtschaftlichkeitsrechnungen sind in der Regel die Gründe dafür.
Aber muss das unbedingt von Nachteil für Campingbus-Fans sein? Nein. Denn nicht selten fehlte Reisemobilherstellern, die auch in der Kompaktklasse mitgemischt haben, die Liebe fürs Detail, die es beim Ausbau dieser Gattung braucht. Wo jeder noch so kleine Raum clever genutzt werden will, wo aus einer Rücksitzbank ein komfortables Bett gezaubert werden muss. Genau das können Manufakturen, die sich auf Kompaktcamper spezialisiert haben, oft besser.
Diese Anbieter sind auch 2026 weiterhin mit ihren Modellen am Markt vertreten. Also keine Angst: Gute Kompaktcamper wird es auch im neuen Modelljahr noch viele geben.
Warum bauen die großen Hersteller weniger Campervans?
Kompaktcamper stellen besondere Anforderungen: Auf wenigen Quadratmetern müssen Schlafplätze, Stauraum, Sitzkomfort und Alltagstauglichkeit optimal kombiniert werden. In den vergangenen Jahren versuchten auch große Hersteller, diese Nische über ein Vollsortiment abzudecken, um möglichst viele Kunden anzusprechen. Während der Corona-Boomphase war das teilweise notwendig – die Nachfrage war hoch, und viele Käufer wünschten sich bekannte Marken und serienmäßige Lösungen.
Für das Modelljahr 2026 zeigt sich nun ein klarer Trend: Das Sortiment wird vereinfacht. Standardmodelle in der Kompaktklasse der Campingbusse werden zurückgefahren, teils weil die Nachfrage nach Massenlösungen sinkt, teils weil die Pflege eines umfangreichen Sortiments über Jahre für große Hersteller wirtschaftlich zunehmend unattraktiv wird.
Doch weniger Auswahl bei den großen Marken bedeutet nicht das Ende der Kompaktklasse – für Käuferinnen und Käufer, die gezielt suchen, eröffnen sich sogar bessere Chancen, bei spezialisierten Herstellern das passende Fahrzeug zu entdecken.
Stimmen aus der Industrie: Ahorn Camp und Bürstner beziehen Stellung
Um die Ursachen für den Rückzug aus der Kompaktklasse genauer zu beleuchten, hat promobil vier Hersteller gezielt befragt – darunter sowohl Anbieter, die Modelle aus dem Programm genommen haben, als auch Hersteller, die weiterhin im Segment aktiv sind. Im Fokus standen Nachfrageentwicklung, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die strategische Bedeutung der Kompaktcampingbusse. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung haben Ahorn Camp und Bürstner ausführlich Stellung genommen; Rückmeldungen von Adria und Pössl standen noch aus.
Ahorn Camp verweist in seiner Antwort vor allem auf die veränderte Marktsituation und die fehlende wirtschaftliche Abgrenzung gegenüber größeren Fahrzeugklassen. "Aus unserer Sicht ist für viele Kundinnen und Kunden der fehlende oder sehr geringe Preisunterschied zwischen Campervans und vollwertigen Campingbussen zunehmend schwer nachvollziehbar", schreibt uns Alexander Reichmann, Geschäftsführer Ahorn Camp. Ursache seien unter anderem die hohen Einkaufspreise der Basisfahrzeuge, die eine klare Differenzierung erschwerten. Zudem habe das Segment in den vergangenen Jahren stark an Breite gewonnen, während "echte Alleinstellungsmerkmale […] rar geworden" seien. Entsprechend konzentriert sich das Unternehmen derzeit bewusst auf Fahrzeugsegmente "mit der höchsten und stabilsten Nachfrage" und verfolgt den Bereich der Kompaktcampingbusse aktuell nicht weiter.
Auch Bürstner ordnet den Rückzug aus dem Urban-Vehicle-Segment primär strategisch ein. Zwar sieht der Hersteller "keine grundlegenden Herausforderungen" beim serienmäßigen Ausbau von Kompaktcampingbussen, wirtschaftlich sei das Segment für einen Volumenhersteller jedoch zunehmend schwer darstellbar. "Die relativ geringe Stückzahl, die wir in diesem Bereich produzieren, steht nicht im Verhältnis zu den Kosten und dem Aufwand, der mit der Entwicklung und Fertigung verbunden ist", so Bürstner. Vor diesem Hintergrund habe man entschieden, sich "ab Saison 2027 vollständig aus diesem Segment zurückzuziehen" und die Ressourcen auf teilintegrierte Reisemobile und Vans zu fokussieren.
Ist das Interesse an Kompaktvans ganz verschwunden?
Ein naheliegender Grund für den Rückzug einzelner Modelle oder des gesamten Kompaktcamper-Segments wäre eine sinkende Nachfrage – wie Ahorn Camp in seinem Statement andeutet. Tatsächlich zeigen die KBA-Zahlen ein differenziertes Bild: Die Neuzulassungen von Campervans stiegen seit 2021 kontinuierlich, bis 2024 rund 22.000 Fahrzeuge registriert wurden. 2025 sank die Zahl auf etwa 19.000.
Der Rückgang ist spürbar, lässt sich aber erklären: Wie Ahorn Camp beschreibt, bewegen sich Urban Camper, Bullis und kompakte Vans preislich längst auf Augenhöhe mit größeren Reisemobilen, die mehr Platz und Komfort bieten. Zugleich normalisiert sich das Reiseverhalten nach den Corona-Jahren, und auch der Gebrauchtmarkt bietet inzwischen wieder mehr Auswahl. Ob es sich um eine kurzfristige Korrektur oder den Beginn eines nachhaltigen Abwärtstrends handelt, wird sich im weiteren Jahresverlauf zeigen.
Spezialisten und Manufakturen sind im Vorteil
Trotz des Rückzugs einiger großer Hersteller bleibt die Kompaktklasse lebendig – getragen von unterschiedlichen Akteuren mit klaren Stärken. Marktbekannte Kompaktprofis wie Pössl oder Westfalia setzen weiterhin auf Serienmodelle und standardisierte Lösungen. Sie kombinieren bewährte Grundrisse und bekannte Fahrzeugbasen mit einem tiefen Verständnis für die Kompaktklasse – praktisch, zuverlässig und alltagstauglich.
Kleine Manufakturen wie Southvan gehen noch einen Schritt weiter: Sie reagieren individuell auf Kundenwünsche, nutzen jeden Quadratmeter für kreative Raumlösungen und experimentieren auch mit ungewöhnlichen Konzepten. Bei diesen Herstellern entstehen oft maßgeschneiderte, innovative Fahrzeuge, die sich stark vom Standard abheben.
Beide Gruppen sorgen dafür, dass die Kompaktklasse trotz des Rückzugs einiger Großserienhersteller weiterhin lebendig bleibt – die einen durch geschärfte Serienlösungen, die anderen durch individuelle Flexibilität und Innovationskraft.
Sogar Spezialisten scheitern mitunter
Trotz der klaren Vorteile von Manufakturen und spezialisierten Herstellern zeigt die Realität, dass auch diese Nische nicht frei von Risiken ist. Traditionelle Umbauer wie HRZ Reisemobile, die auf über 50 Jahre Erfahrung zurückblicken, mussten Insolvenz anmelden – nicht wegen fehlender Nachfrage, sondern aufgrund operativer Probleme wie Lieferverzögerungen und schwieriger Auftragsorganisation.
Ähnlich erging es Salty Blue Camper, einem jungen Unternehmen, das erst 2022 gegründet wurde und sich auf hochwertige Van-Ausbauten spezialisierte. Hier spielten sowohl gestiegene Kostenstrukturen als auch die nachlassende Nachfrage nach den Corona‑Boom-Fahrzeugen eine entscheidende Rolle.
Die Beispiele zeigen: Wer in dieser Nische erfolgreich sein will, benötigt nicht nur Detailkompetenz und spezialisierte Produktion, sondern auch ein robustes Geschäftsmodell, das Lieferketten, Vorleistungen und Marktzyklen zuverlässig abfedern kann.
Wie spezialisierte Hersteller auf den Wandel reagieren
Gleichzeitig gibt es Unternehmen, die den Wandel aktiv nutzen. Spacecamper musste nach über 20 Jahren VW‑Bulli-Basis auf neue Fahrzeuge wie den Multivan oder den Ford Transit umsteigen. Statt dies als Rückschlag zu sehen, wurden Produktionskapazitäten erweitert, die Modellpalette angepasst und innovative Lösungen wie Hybrid‑Dachsysteme entwickelt. Auch auf veränderte Kundenbedürfnisse reagiert Spacecamper: mehr Autarkie, mobile Arbeit und digitale Beratung sind heute zentrale Kriterien.
Dieses Beispiel zeigt: Spezialisierte Manufakturen können den Wandel strategisch gestalten und damit die Nische langfristig stabilisieren, während andere Anbieter scheitern oder aus dem Markt ausscheiden. Mehr dazu lesen Sie im Interview mit dem Spacecamper-Geschäftsführer Ben Wawra.
Konsolidierung statt Auswahlverlust
Der Rückzug großer Hersteller bedeutet keinen Qualitätsverlust für Kaufinteressierte, sondern eine Marktbereinigung: Die Kompaktklasse wird klarer strukturiert. Weniger Modelle in den Katalogen der Großhersteller heißen fokussiertere, besser durchdachte Angebote, häufig von Manufakturen, die ihre Stärken in Detailarbeit und Flexibilität ausspielen.
Wer gezielt sucht, findet weiterhin Fahrzeuge, die die Vorzüge der Kompaktklasse optimal umsetzen – oft sogar mit höherem Praxisnutzen als zuvor.












