Fast 37.000 Euro ruft das Inserat auf Caraworld für einen Westfalia James Cook von 1985 auf. Darüber stolpern sicher viele Camperinnen und Camper. Schließlich geht es um einen Campingbus aus einer Zeit, in der Servolenkung keine Selbstverständlichkeit war und 88 PS als ausreichend galten. Trotzdem ist der Preis für den Oldtimer nicht aus der Luft gegriffen. Der Grund liegt nicht in Nostalgie allein. Käufer zahlen für Substanz, Konzept – und dafür, dass intakte Exemplare selten geworden sind.
Westfalia James Cook 1985: Was das Inserat verspricht
Der Westfalia James Cook auf Caraworld basiert auf dem Mercedes T1. Typisch für das Baujahr ist der 3-Liter-Saugdiesel (OM 617) mit 88 PS und Automatikgetriebe. Campende fahren damit nicht schnell, aber weit. Im Alltag heißt das: Landstraße statt linke Spur auf der Autobahn. Weil der Campingbus noch in originalgetreuem Zustand ist, hängt an den Stoßfängern ein H-Kennzeichen. Der Oldtimer-Status bewahrt vor den aktuellen Abgasenormen und erlaubt trotzdem die Einfahrt in Umweltzonen. Möbelbau und Armaturen im Wohnraum sind im Originalzustand. An einigen Stellen hat der Vorbesitzer Ablagen oder Halter für Küchenrollen selbst eingebaut.
James Cook als Klassiker: Warum er Kultstatus hat
Die erste Generation des James Cook stellte Westfalia schon kurz nach dem Marktstart des Mercedes-Transporters 1977 vor. Kult entsteht durch Wiedererkennung und klare Funktion. Westfalia kombinierte erstmals Kastenwagen-Tugenden mit einem Wohnmobil-Layout, das bis heute funktioniert. Das Hochdach schafft durchgehend Stehhöhe. Oben in der Haube konnte ein Bett ausgeklappt werden, unten entsteht in der Sitzgruppe ein weiterer Schlafplatz. Dann kommen die Punkte, die den James Cook aus der Campingbus-Masse seiner Zeit heraushoben: die Küche und die Nasszelle im Heck. Toilette, Waschbecken und eine Duschmöglichkeit – fest eingebaut, nicht nachgerüstet.

Küche und Bad im Heck sind eine Markenzeichen der ersten Modellgeneration dies Westfalia James Cook im Mercedes T1.
Außerdem wirkt der Westfalia-Ausbau wie ein Gegenentwurf zum modernen Leichtbau. Diese Möbel halten Jahrzehnte, wenn das Fahrzeug trocken bleibt. Dazu kommt ein Fahrgefühl, das man heute kaum noch bekommt. Wer sich darauf einlässt, erlebt Reisen als Prozess statt als Transfer.
Genau diese Mischung aus kompaktem Außenmaß und vollwertigem Innenraum erklärt, warum der James Cook kein Minimalisten-Van ist, sondern ein kompletter Reisepartner im Transporterformat. Diesen Charakter hat er sich auch in der zweiten Modellgeneration als erster Campingbus auf dem Mercedes Sprinter und im aktuellen Allrad-Modell Westfalia James Cook D mit Heckverbreiterung erworben.
Mercedes T1 als Basis: Warum der James Cook heute noch rollt
Der Mercedes T1 liefert die Grundlage für Kult und Wertstabilität. Technik und Aufbau stammen aus einer Nutzfahrzeugwelt, in der Wartbarkeit zählt. Viele Komponenten sind robust, mechanisch nachvollziehbar und in freien Werkstätten handhabbar. Der OM-617-Diesel gilt nicht als sensibel, sondern als zäh. Wer Ölwechsel und Kühlkreislauf ernst nimmt, bekommt einen Motor, der auch lange Laufleistungen verkraftet. Mit 286.000 km steht das Modell im Inserat noch gut da.
Trotzdem: Alter bleibt Alter. Dichtungen härten aus, Bremsschläuche altern, Lager werden müde. Das sind typische Klassiker-Themen. Beim T1 gilt: Wenn die Basis stimmt, lohnt sich die Instandhaltung, weil das Gesamtfahrzeug langfristig wertig bleibt.
Markt & Preis: Sind 37.000 Euro für den James Cook realistisch?
Ist der Preis im Inserat realistisch – oder zu hoch? Für den Westfalia James Cook der ersten Generation entscheiden drei Faktoren: Karosserie, Dichtigkeit, Dokumentation.
- Rost: Beim Mercedes T1 ist Rost das teuerste Risiko. Kritisch sind Windschutzscheibenrahmen, Schweller, Radläufe, Trittstufen und Fahrwerksaufnahmen.
- Wasserschäden im Ausbau: Ein feuchter Ausbau frisst Zeit, Geld und Nerven. Entscheidend sind Dachanschlüsse, Fensterdichtungen und Bereiche um Nasszelle und Küche. Modergeruch, wellige Wandflächen oder weicher Boden sind Warnsignale. Ist das Fahrzeug trocken, steigt der Wert deutlich.
- Wartung und Nachweise. Ein Preis von 36.000 Euro verlangt eine klare Historie: Gasprüfungen, nachvollziehbare Groß-Reparaturen.
Der Betrag kann realistisch sein, wenn Substanz und Ausbauzustand stimmen. Das können Kaufinteressierte erst endgültig feststellen, wenn sie sich den James Cook genau anschauen und ihn inspizieren. Ein Blick ins und an den Campingbus-Oldtimer lohnt sich aber auf jeden Fall, weil im Inserat viele Fakten stehen, die für einen guten Zustand des Fahrzeugs sprechen. Es war 37 Jahre im Besitz der aktuellen Haltenden und wurde angeblich vorwiegend als Sommerfahrzeug genutzt. Im Winter stand er vor Wind und Wetter geschützt in einer Garage. Die Karosserie mit der 2-Schicht-Sonderlackierung erscheint rostfrei.

Nicht edel, aber funktional und noch intakt erscheint die Sitzgruppe, die sich zum Bett umbauen lässt.
Dass der bisherige Besitzer ein Handwerksmeister ist, lässt der gut gepflegte Zustand vermuten. Im Innenraum sind keine Zeichen von Wasserschäden zu sehen, nicht einmal übermäßige Gebrauchsspuren. Auf der Ablage unter dem Hochdach liegt zwar eine große Matratze, allerdings sind die Klapp-Elemente des Dachbetts nicht zu sehen – das müsste bei einem Kauf geprüft werden. Gut ist, dass Solarmodule auf der Dachhaube und an der Seitenwand nachgerüstet wurden und sich am Heck eine Transportkiste befindet.
Worauf Käufer beim Westfalia James Cook achten müssen
Vor der Unterschrift sollten Kaufinteressenten den James Cook prüfen. Hebebühne organisieren, Fugen ansehen, Dichtungen kontrollieren, Feuchtemessung mitnehmen. Gas, Kühlschrank, Heizung, Wasserpumpe testen. Eine Probefahrt zeigt, ob Lenkung, Bremsen und Kupplung harmonieren.












