Hymer BMC I 580 (2020) Dino Eisele
Hymer BMC I 580 (2020)
Hymer BMC I 580 (2020)
Hymer B MC 580 I
Hymer B MC 580 I 79 Bilder

Dauertest-Tagebuch Hymer B-Klasse MC I 580

Harry als mobiles Büro

Ein Rückruf von Hymer beordert den Dauertestwagen zur Kontrolle in die Werkstatt. Außerdem: Harry besucht ein 24-Stunden-Renneb für Elektroautos. Alle Details dazu gibt's im aktuellsten Logbuch-Eintrag.

Die Hymer B-Klasse steht für hochwertige vollintegrierte Reisemobile. Wie gut sich der neue „MC“ in der Praxis bewährt, findet promobil nun heraus: Für ein Jahr wird die promobil-Redaktion den Integrierten testen. Die Erwartungen an den Hymer B-MC sind hoch. Schließlich trägt der Integrierte den vielversprechenden Namen Modern Comfort in der Modellbezeichnung.

Hymer B MC 580 I (2020)
S. Pfisterer
Der Hymer B-MC 580 I hat Einzelbetten im Heck

Apropos Name: Einen Spitznamen hat der Dauertester bereits bekommen. Wie seine Vorgänger Carlos Carado, Wilma Weinsberg und Manni Malibu bekommt auch dieses Fahrzeug eine klangvolle Alliteration: Harry Hymer. Auserkoren haben den Namen übrigens unsere Instagram-Fans.

In unserem ersten Test, dem Supercheck, des Hymer B-MC I 580, mussten wir direkt nachtesten: Der Bremsweg war recht lange für das Fahrzeug dieser Klasse. Der Grund: Bei dem Wohnmobil handelte es sich um ein Modell aus einem sehr frühen Produktionsstadium. Mittlerweile hat Hymer nachgebessert. Jetzt hat genau dieses Fahrzeug die Chance sich neu zu bewähren. Beim Dauertest in der Redaktion kann Harry ein Jahr lang seine Qualitäten nicht nur auf der Teststrecke, sondern im Alltag unter Beweis zu stellen – unter der Belastung vieler Touren und verschiedener Fahrer.

Hymer B580 MC - Präsentation
4:34 Min.

Wie gut bewährt sich Harry im Alltag?

Hymer B MC 580 I (2020)
S. Pfisterer
Vielversprechend: Das moderne Sprinter-Cockpit

Für einen gelungenen Test bringt der Hymer B-MC I 580 genügend Potenzial mit. Der schicke Integrierte hat den neuen Mercedes-Sprinter-Triebkopf als Basis. Als einer der ersten nutzt er den eigens für die Reisemobil-Branche entwickelten Frontantrieb. Darüber hinaus hat er vier Betten, eine aufwendige und hochwertige Aufbautechnik mit Doppelboden und viel Zuladung als 4,43-Tonner. Nach seiner Ablastung kann er nun mit einem maximalen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen von allen aus dem Team gefahren werden, da mittlerweile einige Kollegen den B-Klasse-Führerschein besitzen. Mehr dazu lesen Sie hier in seinem Logbuch-Eintrag vom 22.10.2019.

Vorteile und Nachteile des Hymer B-MC 580 I

 überzeugendes Fahrverhalten
 präzise Lenkung
 treffsichere Automatik
 Abstandsregeltempomat
 elektrische Feststellbremse mit Gurtblocker
 Sprachsteuerung
 Navi mit funktionierender Stauumfahrung
 Rückfahrkamera mit gestochen scharfem Bild
 gutes Abblend- und Fernlicht
 viel Wohnkomfort in den Kernkompetenzen: Heck- und Hubbetten, Sitzgruppe
 modernes Möbeldesign
 Stromversorgung: viele Steckdosen vorhanden
 Beleuchtung: viel Licht auf verschiedenen Ebenen
 helle Schrank- und Stauraumbeleuchtung
 Badgestaltung: geräumige Dusche, gut nutzbare Banktoilette, großer Spiegel
 Dachfenster mit Rollo im Bad
 wertige Fenster und Dachhauben
 großer Frischwassertank
 sauber ausgekleideter Laderaum
 praktische Fächer im Zwischenboden

 Schlossblenden verbiegen sich und blockieren den Verschluss
 Keyless-Go mit ungünstig platzierter Schlüsselablage!
 Automatik-Fußablage links recht klein
 eingeschränkte Nutzung des Rückspiegels bei tiefstehender Sonne
 Spiegel zittern und vibrieren bei Autobahntempo
 A-Säule beeinträchtigt Übersichtlichkeit beim Kurvenfahren
 Geräuschkulisse Aufbau/Hubbett über dem Fahrerhaus
 überflüssige Schaltwippen: Getriebe schaltet bei Bergabfahrt automatisch herunter
 Verzicht auf Klimaautomatik, Sitzheizung, und automatische Fensterheber (optional erhältlich)
 Zentraldisplay ist tief montiert und lenkt so von der Straße ab.
 geringe Zuladung als 3,5-Tonner
 Fehlfunktion des Knopfes für maximales Scheibengebläse (Luft kommt überall)
 Bordtechnik-Bedienung nicht intuitiv, beispielsweise ist der Schalter für Wasserpumpe im Badschrank versteckt)
 Kühlschrankbeleuchtung schwach, schmale Türfächer
 kein zentrales Bedienteil für Licht
 Beleuchtung des Fensterhebers abweichend (rot statt weiß)
 Gasanlage ohne Duo-Control Crash-Sensor

Logbuch-Einträge

Hier finden Sie die neuesten Einträge und Erlebnisse mit dem Dauertest-Fahrzeug.

Elektro-24-Stunden-Rennen Eco Grandprix in Oschersleben

Logbuch vom 11.12.2019
Tester: Annette Bender-Napp, auto motor und sport-Redakteurin

Hymer BMC I 580 (2020)
Dino Eisele
Fototermin für Harry - nach dem Einsatz an der Rennstrecke gab's noch ein Beauty-Shooting für den Integrierten.

Endlich durfte ich mal wieder etwas Camping-Luft schnuppern – auch wenn wir zugegebenermaßen ein wenig geschummelt haben. In meiner Jugend und während dem Studium war ich regelmäßig mit dem Wohnmobil der Eltern unterwegs, die letzten paar Jahre als Redakteurin für auto motor und sport und MOOVE aber quasi gar nicht mehr. Wie gut, dass Fotograf Dino jetzt die Idee hatte, im Camper auf Tour zu gehen.

Denn für uns stand am Wochenende um den ersten Advent ein 24-Stunden-Rennen mit E-Autos an. Und was könnte da praktischer sein, als in den Pausen zwischen den Einsätzen sich mal kurz im warmen Wohnmobil zu erholen? Eben. Gesagt, getan – die lieben promobil-Kollegen gaben uns Harry mit auf den Weg.

Als Integrierter macht er im ersten Moment einen wuchtigen Eindruck, dank der guten Sicht mit den hängenden Busspiegeln gewöhnt man sich aber schnell an die Abmessungen. Schon nach ein paar Kilometern war das Camper-Gefühl bei mir wieder da. Mit einem Unterschied: Das Automatikgetriebe macht seine Arbeit ziemlich gut. Auch wenn ich im Pkw gern selbst schalte, habe ich das auf dieser Fahrt nicht wirklich vermisst. Ebenfalls ganz überzeugend ist der Antrieb, auf der Landstraße und bei gemütlichen 120 km/h auf der Autobahn sind immer noch kleine Reserven zum Überholen da.

Was dagegen gefehlt hat: gutes Licht! Die letzten 100 Kilometer zur Rennstrecke in Oschersleben legen wir bei Regen im Dunkeln zurück und fragen uns teilweise, ob die Scheinwerfer überhaupt an sind. Am Ziel angekommen testet uns die Technik noch zwei weitere Male. Während einem Einkaufsstopp öffnet das Frostschutzventil und wir verlieren ein wenig Frischwasser – ein Blick aufs Thermometer und die Heizung frühzeitig einzuschalten hätte geholfen. Apropos Heizung: Am frühen Morgen während des Rennens wird es kontinuierlich kühler im Wohnmobil. Die Fehlermeldung am Display zeigt die leere Gasflasche an. Also nochmal raus, Anschlüsse umstecken und schon läuft die Sache wieder.

Und zwar ziemlich gut. Auch wenn wir die Nächte vor und nach dem Rennen dem übrigen Team zuliebe im nahegelegenen Hotel übernachten, genießen wir den Camper-Luxus trotzdem. So haben wir immer unsere Verpflegung dabei – wobei wir bei den vielen Schubladen und teils recht kleinen Staufächern ab und zu den Überblick verlieren –, wir können uns jederzeit aufwärmen oder ein kurzes Nickerchen halten und Platz für das gesamte Fotoequipment samt mobilem Büro gibt es obendrein. Entspannter lässt es sich kaum arbeiten. So ist Harry mit Sicherheit nicht ganz unschuldig daran, dass wir beim Rennen am Ende auf Platz 2 landen 😊

Fazit: Ob ich nochmal mit Harry auf Tour gehen würde? Zu so einem Anlass wie auf der Rennstrecke, ja. Für private Touren dagegen bin ich eher nicht der Fan von Integrierten – reine Geschmackssache.

Von Frankfurt bis Bad Waldsee

Logbuch vom 29.11.2019
Tester: Andreas Of, auto motor und sport-Redakteur

Hymer B MC 580 I
Andreas Of
Harry lernt mehr über seine (Familien-)Geschichte: Der Ausflug mit Kollege Andreas Of führt ihn zum Hymer-Museum Bad Waldsee.

Reisemobil-Anfänger sind wir nach diversen Ausflügen mit Campingbussen und einem Fünftonner-Integrierten nicht mehr. Mit dem Dauertester Harry waren wir zum ersten Mal unterwegs. Zuerst fuhren wir zu zweit für ein Wochenende nach Frankfurt, danach fuhr ich alleine zu einem dienstlichen Termin nach Bad Waldsee zum Hymer-Museum.

Draußen beeindruckt die B-Klasse mit schierer Größe, glatten Außenwänden und schlichtem Design. Sieben Meter Länge und die breite Spur schinden Eindruck. Viel wichtiger: Der wertige und helle Innenraum. Drei Dachfenster und große Scheiben bringen Licht ins Mobil, der Beifahrer genießt während der Fahrt den Ausblick durch die riesige Frontscheibe.

Das Fahren macht Spaß

Auch am kleinen Lederlenkrad ist die Welt in Ordnung: Der Motor schiebt kräftig, die Automatik schaltet sanft und treffsicher durch ihre neun Stufen, der Tempomat hält Abstand. So reist es sich leise und gut gefedert, nur ab und zu quietscht das Hubbett ein wenig. Mit dem starken Motor und der präzisen Lenkung fällt das Fahren leicht, macht sogar ein bisschen Spaß. Dafür zeigt der Bordcomputer Durchschnittsverbräuche um die elf Liter an.

Fahrbericht: Mercedes Sprinter 4x4
Neuheiten

Die Außenspiegel wackeln

Der Tempomat stand – der Ablastung sei Dank – meist auf 120 bis 130 km/h. Bei dieser Geschwindigkeit wackelt der Hymer mit seinen Außenspiegeln. Nachts spiegeln sich die Scheinwerfer von Autos auf der Gegenspur in der rechten vorderen Seitenscheibe. Steht die Sonne tief oder der Hymer unter einem Tankstellendach, ist es fast unmöglich, im Fahrer-Außenspiegel etwas zu erkennen. In Linkskurven und im Stadtverkehr steht außerdem die linke A-Säule öfter im Blickfeld, als es gut wäre. Doch das ist bei Integrierten so üblich und kein spezielles Problem des Hymer B-MC I 580.

Gut geschlafen? Ja, mit Einschränkungen

Wir bezogen die hinteren Einzelbetten. Zwei Zusatzkissen versprechen Doppelbett-Komfort, halten jedoch nicht: Das vordere rutscht schnell aus seiner Position. Das in Fahrtrichtung linke Bett ist außerdem für jemanden mit rund 1,90 Meter Körpergröße zu kurz. Nach oben beschränken Staufächer den Bewegungsspielraum für Kopf und Knie. Super ist dafür die Heizung: Leise und effektiv sorgt sie für gemütliche Wärme. Vor allem im geräumigen und hellen Bad (viertes Dachfenster mit Rollo!) wird es schnell kuschlig. So soll es sein.

Durchdachte Details

Das Tolle am Hymer sind die vielen, kleinen Ideen: Spanngurte halten Kleinkram und nehmen dafür wenig Platz weg. Die Tischkante ist genau so abgeschrägt, dass Bewohner komfortabel vom Cockpit in den Wohnraum kommen. Die Rollos laufen leicht und klappern nicht. Die Türen der Staufächer schließen gedämpft, leise und sicher. Der gesamte Innenausbau wirkt solide und wertig.

Fazit: Mehrere Hundert Kilometer auf Autobahnen und Landstraßen machen mit dem Hymer keine Probleme, sondern Spaß. Auch der Stadtverkehr in Stuttgart oder Frankfurt ist mit der präzisen Lenkung und dem kräftigen Motor kein Problem. Die Automatik schaltet, wann sie soll und ist nicht nur deswegen eine Empfehlung wert. Irritierend sind die Spiegelungen beim Fahren. Beim Wohnen stört nur der mangelnde Bewegungsraum in den Einzelbetten. Besser wäre ein echtes Doppelbett ohne Schränke darüber.

Regeneinsatz beim DTM-Finale

Logbuch vom 13.11.2019
Tester: Philipp Heise, promobil-Redakteur

Hymer B-MC 580 I
Philipp Heise
Die Markise diente auf dem Hockenheimring mehr zum Regen- als Sonnenschutz.

Jeder kennt das: Wenn der erste Teil einer Filmreihe richtig überzeugt, geht man mit hohen Erwartungen in den zweiten Teil und ist vielleicht trotz guter Qualität enttäuscht. Ähnlich gestaltete sich mein Erstkontakt mit Harry Hymer. In seinem Fall war es die Summe von knapp 67.000 Euro, die bei mir eine gewisse Erwartungshaltung auslöst.

Von außen wird die Hymer B-Klasse auf Sprinter diesem Preis voll gerecht: Er ist einfach ein Statement und trägt den Stern voller Stolz an Bug und Heck. Passend dazu gibt's einen schicken Funkschlüssel, der bei Knopfdruck auf den Öffner die Lichter aufflammen lässt – und das war's. Nach erfolglosem Rupfen an der Fahrertür muss es einer der billig wirkenden Aufbauschlüssel richten. Die Fahrertür lässt sich tatsächlich nur über ein rückmeldungsbefreites Schloss nebst schwergängiger Mechanik öffnen. Ein Schlüssel für alle Türen? – Fehlanzeige.

Hymer B-MC 580 I
Philipp Heise
Nicht zufrieden ist der Kollege Heise mit der Platzierung des Funkschlüssels.

Wer sich jetzt zu Recht nach der Daseinsberechtigung des Funkschlüssels fragt, stößt auf das nächste Manko. Es kündigt sich beim Startversuch an: „Bitte legen Sie den Fahrzeugschlüssel in seine vorgesehene Ablage.“ Wer das erste Mal im neuen Sprinter sitzt, darf an dieser Stelle erst mal die Bedienungsanleitung suchen. Alle anderen knallen den Schlüssel genervt in den linken Becherhalter oder auf den Boden zwischen den Sitzen und hoffen auf Funkkontakt. Die eigentliche Ablage befindet sich derart tief und schlecht platziert in der Mittelkonsole, dass ich dieses Keyless-Go-System verflucht und mir den guten alten Zündschlüssel zurückgewünscht habe. Letzterer lässt sich wenigstens ohne Verrenkungen bedienen.

Nach Startschwierigkeiten überzeugen Harrys Fahrqualitäten

Aber lassen wir den hürdenreichen Erstkontakt außen vor und geben dem Hymer B-Klasse-Integrierten mit „MC“ (modern comfort) eine zweite Chance. Sobald sein Motor einmal läuft, fährt er sich hervorragend. Gefühlte drei Meter hinter der Panorama-Frontscheibe dauert es zwar ein wenig, bis man die recht mittig unter dem Auto verschwindenden Straßenleitlinien richtig einschätzen kann – aber dann fluppt es.

Hymer B-MC 580 I
Philipp Heise
Auf dem offiziellen Campingplatz vor der Rennstrecke gibt es neben jeder Menge Partystimmung Scheibenfleisch aus dem Dutch-Oven.

Mit vier Schlafplätzen und einer brauchbaren Dusche ist der vollintegrierte Harry Hymer der perfekte Camper für das DTM-Finale 2019 am Hockenheimring. Auf der knapp 140 Kilometer langen Anfahrt punkten der starke Motor, der geniale Abstandsregeltempomat und die 9-Gang-Automatik. In die bequemen Pilotensessel gefläzt, lässt es sich richtig gemütlich reisen, während das Schalten und Abstandhalten vom Assistenten übernommen wird. Einzig die ab 120 km/h vibrierenden Außenspiegel und die gelegentlichen Geräusche des Hubbettes stören die Harmonie ein wenig. Sympathiepunkte sammelt indes die Programmierung der MBUX-Sprachsteuerung. Auf Anfragen wie: „Hey Mercedes, was hältst du eigentlich von BMW“ oder „Hey Mercedes, erzähl mir einen Witz“, kontert Harry mit trockenem Humor.

Hohe Erwartungen und viel Wohnkomfort

Am Hockenheimring angekommen, darf Harry auf einen Spezial-Stellplatz direkt neben der Strecke und macht sogar in direkter Nachbarschaft zu Marco Wittmanns Morelo eine gute Figur. Die Freude darüber verfliegt allerdings recht schnell, als es nach der Ankunft darum geht, die Wasserpumpe in Betrieb zu nehmen. Auch hier klaffen Erwartung (Bedienpanel über der Tür) und Realität (versteckt in der hintersten Ecke eines Badschranks) weit auseinander.

Hymer B-MC 580 I
Philipp Heise
Das Hubbett leistet gute Dienste.

Bei den Kernkompetenzen, wie Sitz- und Schlafkomfort ist die Welt dann aber schnell wieder in Ordnung. Im Hubbett über dem Armaturenbrett schläft es sich prima und auch die Duschlösung mit festen Trennwänden lässt kaum Wünsche offen.

Nach zwei Tagen voller spannendem Motorsport und dramatischer Regen-Action, soll es Sonntagabend wieder heimgehen. Die Überraschung beim Liften des Hubbettes: Nach drei Tagen Dauerregen und deutlichen Temperaturunterschieden zwischen drinnen und draußen ist die riesige Frontscheibe klitschnass! Gut, dass es auf dem Klimabedienteil einen Knopf gibt, der den Luftstrom auf der Scheibe bündelt und diese so schnell trocknen soll. Soweit die Theorie… die Luft kommt leider aus allen Düsen und die Scheibe bleibt nass. Das einzige was hilft, ist eine akrobatische Einlage samt Handtuch.

Im Strom der Rückreisenden überzeugt vor allem das Navi mit seiner ausgereiften Stauumfahrung. So ist man selbst mit einem Reisemobil dieses Kalibers stellenweise schneller unterwegs als die zahlreichen Sportwagen der abreisenden Fans.

Fazit: Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass der Hymer B-MC 580 I bei den Basics Reisen, Sitzen, Schlafen und Duschen auf voller Linie überzeugt. Drumherum bietet er meiner Meinung nach noch Verbesserungspotenzial.

Der erste Familienurlaub im Wohnmobil

Logbuch vom 06.11.2019
Tester: Clemens Hirschfeld, auto motor und sport-Redakteur

Hymer B-Klasse MC I 580 (2019)
C. Hirschfeld
Der Plansee in Tirol war einer der Stopover während des Familien-Trips.

Eins vorab: Der WoMo-Urlaub mit Harry ist eine Premiere für uns. Abgesehen von ein paar erfolgreich verdrängten Campingerlebnissen in der Kindheit sind wir absolute Beginner in Sachen Urlaub auf Rädern. Dementsprechend umfangreich fällt die Einweisung in die Technik von Harry bei der Übernahme aus: Von Wasser über Gas bis Kassettenklo. Das restliche Basiswissen lesen wir uns aus dem Camping-Starter-Sonderheft an, dass uns die promobil-Kollegen überlassen.

Hymer B-Klasse MC I 580 (2019)
C. Hirschfeld
Etwas beschwerlich wird's, wenn Papa das jüngste Familienmitglied angeschnallt.

Die erste Aufgabe: einpacken. Der Platz in den vielen kleinen Schränken reicht locker für die Klamotten, die unsere vierköpfige Familie für eine Woche benötigt. In der Heckgarage kommen die zwei E-Bikes und zwei Kinderfahrräder plus Helme rutschsicher unter. Allerdings stellt sich die Frage, warum Hymer hier kratzanfälliges Holzfurnier für die Innenverkleidung verwendet. Anscheinend steht man in Ravensburg auch auf warmes Bier, anders kann ich mir die Heizspirale im Bodenfach, das uns als Vorratskammer dient jedenfalls nicht erklären. Doch im Gegensatz zu fehlenden Isofix-Verankerungen für die Kindersitze sind das verzeihlichen Eigenheiten. Denn leider ist auch das Anschnallen des Jüngsten am Fensterplatz beschwerlich, da sich der Esstisch nicht wegklappen lässt.

Nachdem alle angegurtet sind, kann's endlich losgehen: Wohin genau, wissen wir zum Start-Zeitpunkt jedoch nicht – nur die Richtung steht fest: Süden. Seit der Ablastung auf 3,5 Tonnen gilt für den Hymer B-MC 580 I kein Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Und wie es sich für einen Autotester von auto motor und sport gehört, wartet er bis seine Frau auf dem Beifahrersitz eingeschlafen ist und fährt dann die 169 km/h Höchstgeschwindigkeit aus. Der Diesel hat jedenfalls genügend Druck. Egal, ob auf der Autobahn oder in den Alpen. Am Angenehmsten fährt es sich aber dank des adaptiven Abstandsregelers mit 120 km/h auf der Autobahn, auch weil der Hymer Windgeräusche recht gut aussperrt. So lässt es sich nicht nur gut unterhalten, sondern auch via Bluetooth-Freisprecheinrichtung telefonieren.

Reisemobilseitenfenster
Tipps & Tricks

Erster Übernachtungshalt ist der Plansee in der Nähe von Reutte. Tag Nummer zwei beginnt mit frischen Brötchen und sowie grandiosen See-Panorama samt Blick auf die Zugspitze. Allerdings erst nach dem die angelaufenen Scheiben abgetrocknet sind. Ein Problem das wir auch durch besseres Lüften in den folgenden Nächten bei meist feuchter Witterung nicht in den Griff bekommen.

Über den Fernpass fahren wir weiter Richtung Sölden, um anschließend die Nacht einsam am Timmelsjoch auf rund 2.250 Metern über dem Meeresspiegel zu verbringen. Beim Kochen und anschließendem Aufwaschen lernen wir, dass Gleichberechtigung im Reisemobil nicht funktioniert. Denn obwohl Harry knapp sieben Meter in der Länge und deutlich über zwei Meter in der Breite misst, geht es in der Küche und Essecke beengt zu. Das gilt auch fürs Bad. Duschen klappt zwar ohne anzuecken, allerdings hat Hymer keinen Platz für die Bodenplatten vorgesehen, die dafür entfernt werden müssen. Überhaupt könnte es ein paar mehr Haken für Taschen, Rucksäcke oder Jacken geben.

Die Nächte sind übrigens entspannt. Die Kinder schlafen im Hubbett über den Frontsitzen, für das es sogar ein Fallschutznetz gibt. Die Eltern nächtigen im hinteren Quartier. Dort stört lediglich das mittige Erweiterungskissen, das in der Nacht und beim Aussteigen über die zu kurze Treppe gerne verrutscht.

Hymer B-Klasse MC I 580 (2019)
C. Hirschfeld
Harry bietet nachts für alle vier Köpfe komfortable Schlafgelegenheiten.

Trotz seiner Ausmaße ist die Hymer B-Klasse Modern Comfort auf der Straße recht übersichtlich. Dank Rückfahrkamera und großen Außenspiegeln ist weder Rangieren noch die Fahrt auf Passstraßen wirklich problematisch. Enger wird es auf den Straßen rund um Bozen, weil uns das Navi mit Online-Verkehrsdaten zwar um einen Stau aber in die Wein- und Obstberge lotst. Immerhin lässt sich das italienische Panorama am Kalterer See durch die große Frontscheibe und Seitenfenster richtig genießen.

Leider haben die Seitenscheiben bei Nachtfahrten auch Nachteile: An Kreuzungen spiegeln sich die Scheinwerfer anderer Autos darin, sodass du dich oft zwei Mal versicherst von welcher Seite gerade Verkehr kommt. Etwas nervig ist auch die elektrische Handbremse die mal automatisch löst, ein andermal manuell betätigt werden will.

Unsere Urlaubsroute führt uns bis Bologna und zurück über Verona, den Gardasee und Brixen. In einer Woche haben wir so fast 1.600 Kilometer mit Harry zurückgelegt. Sein Verbrauch? Er genehmigt sich im Schnitt rund 11 Liter Diesel auf 100 Kilometern. Bei gemäßigter Fahrweise über Land waren es auch unter zehn Liter, auf der Autobahn und in den Bergen gern über 12 Liter.

Fazit: Trotz kleiner Schwächen ist Harry ein klasse Roadtrip-WoMo mit genügend Platz für eine vierköpfige Familie. Dank der Sprinter-Plattform samt MBUX-Infotainment ist er zudem so modern wie eine Mercedes A-Klasse.

Weniger ist manchmal mehr

Logbuch vom 22.10.2019
Tester: Martin Ehrenfeuchter, promobil-Redakteur

Dauertester Hymer B-MC I 580
I. Pompe
Harry beim TüV

Unser Dauertester Hymer B-MC 580 I wusste in den vorangegangenen Ausfahrten bereits zu überzeugen. Nun sollen auch die jüngeren Redakteure Erfahrungen mit dem Integrierten von Hymer machen. Doch da gibt es ein Problem: Harry wiegt 4,4 Tonnen.

Theorieunterricht für C1-Führerschein
Ratgeber

Viele Jungredakteure haben für ein derart schweres Reisemobil keine gültige Fahrerlaubnis. Denn zum 1. Juli 1999 musste der nationale Führerschein der Klasse 3 einer europaweiten Klasseneinteilung weichen. Erlaubt ist seitdem nur noch das Führen von Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht – Klasse B genannt. Wer mehr möchte, muss den aufwendigen und teuren Lkw-Führerschein (Klasse C) erwerben oder zumindest die kleine Variante, den C1 bis 7,5 Tonnen.

Günstiger erscheint da die Möglichkeit der Ablastung – und die ist auch noch schneller: Denn im Vergleich zum Auflasten ist für den umgekehrten Weg meist keine technische Änderung am Fahrzeug notwendig. Zudem bringt das „Abspecken“ noch weitere Vorteile mit sich: Geringere Mautkosten im Ausland, Steuererleichterungen, kein Tempolimit auf deutschen Autobahnen und weniger Überholverbote.

Dauertester Hymer B-MC I 580
I. Pompe
Auf dem Prüfstand - schafft Harry die Ablastung?

Also vereinbaren wir einen Termin bei einer Kfz-Prüfstelle und begleiten einen Sachverständigen vom TÜV-Süd in Stuttgart-Feuerbach. Mit dabei: Eine Freigabebescheinigung des Herstellers. Darin bestätigt Hymer die technische Möglichkeit einer Ablastung und definiert neue Maximalwerte für die Vorder- und Hinterachslast. Solch ein Schreiben ist zwar nicht immer zwingend erforderlich, kann das Vorhaben aber unterstützen.

Für die Ablastung spielen zwei Merkmale eine wesentliche Rolle: die Leermasse und die Nutzlastkapazität, die bei der neu festgelegten Gesamtmasse noch übrig bleibt. Um das exakte Gewicht zu ermitteln, kommt der Hymer deshalb erst einmal auf die Waage.

Reichen die ermittelten Werte aus, um „Harry“ abzulasten? Die Antwort auf diese Frage gibt es hier:

Ratgeber Ablastung
Tipps & Tricks

Harry goes Racing

Logbuch vom 10.10.2019
Tester: Uwe Seitz, Stellv. Chefredakteur MOTORRAD

Hymer B MC 580 (2020)
Dino Eisele
IDM-Rennstrecke in Hockenheim

Das Saisonfinale der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) ist ein Highlight im Rennjahr. Die höchste deutsche Rennklasse lockt tausende Besucher nach Hockenheim, das Fahrerlager ist mit über 150 Startern mit den dazugehörigen Mechanikern, Team-Leuten, Reifenservice und Hersteller-Angeboten entsprechend voll. Und da es das Finale ist, empfiehlt es sich für Redakteure, im Fahrerlager zu übernachten. Denn wenn Rennfahrer die Teams wechseln, die Marke oder ganze Teams in der Klasse um- oder aufsteigen, dann erfährt man das und alle Hintergründe gern spät abends beim Streifzug durch die Boxen.

Hymer B MC 580 (2020)
U. Seitz
Harry im Fahrerlager

Entsprechend Recherche-fördernd ist ein Wohnmobil direkt an der Rennstrecke. Der Hymer B MC 580 I ist dafür ein regelrechtes Luxusmobil, denn für zwei Leute (mein ehemaliger Teamkollege wollte auch mal wieder vorbei schauen – wir sind 2011 zusammen das 24h Rennen in Le Mans gefahren) über ein langes Wochenende bietet „Harry“ einfach Platz im Überfluss. Und er schafft durch seinen Aufbau als Vollintegrierter und das edle Äußere Eindruck im pickepacke vollbesetzten Fahrerlager!

Nasszelle, Toilette und Küche haben wir nicht benutzt. Sanitäre Anlagen und Verpflegungsstationen gibt es in so einem Fahrerlager ja genug, aber die Betten waren sehr bequem, der Stauraum fürs Gepäck mit Fahrerlager-Roller üppigst und die Sitzmöglichkeiten im „fahrbaren Redaktionsbüro“ perfekt. Auch der Kühlschrank überzeugte durch Platz und die Kühlleistung für die Bierreserven, die manchen Rennfahrer nach dem letzten Rennen entsprechend gesprächig machen. Sehr gut gefallen haben uns die Bedienbarkeit der Schränke undder Licht-/Schalteranlage.

Hymer B MC 580 (2020)
U. Seitz
Der Sprinter konnte Tester Uwe Seitz von sich überzeugen.

Der größte Pluspunkt war für uns beim Hymer aber die Sprinterbasis. Das Automatikgetriebe funktioniert hervorragend, der Motor zieht super durch und das Fahrwerk spielte bei uns – natürlich ohne große Zuladung – super mit. Die Bedienbarkeit des Dashboards bzw. der Anlage mit Navi, Bluetooth etc. ist mit etwas Erfahrung aus anderen aktuellen Fahrzeugen quasi selbsterklärend. Einzig der Transponder-Schlüssel gibt etwas Rätsel auf. Das Fahrzeug erkennt ihn selbst in Lenkradnähe meist nicht, weshalb er in das entsprechende Fach gesteckt werden muss. Das befindet sich in der Mitte des Armaturenbretts weit unten und fällt garantiert niemandem sofort ins Auge.

Leider ist das nächste IDM-Finale erst in einem Jahr. Da wird Harry seine Zeit bei den Kollegen von promobil sicher abgeleistet haben . Aber es gibt schon im Mai den Saisonstart der IDM, und auch da erfährt man viele Insider-Dinge, wenn man ihm Fahrerlager nächtigt!

Fazit: Tolles Womo, das ich sehr gerne auch mal längere Zeit und vor allem auf eine längere Strecken mitnehmen würde. Im Hymer könnte man glatt die Hälfte meines alten Langsteckenteams unterbringen – über den Luxuswandel würden sich die Jungs freuen!

Rückrufaktion: Harry muss in die Werkstatt

Logbuch vom 9. Oktober 2019
Tester: Dominic Vierneisel, promobil-Chefredakteur

Hymer B MC 580 (2020)
D. Vierneisel
Harry in der Mercedes-Vertragswerkstatt

Testfrage ans Testauto: „Hey Mercedes, bring mich bitte in die nächste Mercedes-Werkstatt.“ Die prompte Antwort des MBUX: „Bitte, wählen Sie einen Eintrag aus.“ Der Termin ist mit der Niederlassung in Stuttgart-Hallschlag ausgemacht. Also, Nummer 4. Die Fahrzeit prognostiziert das Sprinter-Navi mit 15 Minuten – Zeit, die Vorgeschichte zu erzählen.

Tags zuvor ein überraschender Anruf von Hymer. Unsere B-Klasse Modern Comfort 580 sei von einer Rückrufaktion betroffen. Bei dem Stichwort klingeln normalerweise erstmal alle Alarmglocken.

An der Hinterachse des SLC-Chassis von Alko können die Bremsleitungen zu nah an den Rädern montiert sein. Wenn die Leitungen schleifen, wären sie in kurzer Zeit durchgescheuert. Mit zu erwartenden Folgen: Bremsflüssigkeit läuft aus, der Bremsdruck lässt nach, irgendwann fällt die Bremse ganz aus. Sollten dadurch die Elektrokabel, die an derselben Stelle verlaufen, beschädigt werden, könnte natürlich auch das ABS und die damit in Verbindung stehenden Systeme ausfallen. Falls etwas mit der Leitungsverlegung nicht in Ordnung wäre, müssen die entsprechenden Halter wahrscheinlich auch neu ausgerichtet werden. Beschädigte Teile würden natürlich ausgetauscht.

Hört sich auf jeden Fall so an, dass man eigentlich unbedingt so sofort wie möglich mit dem Wagen in die Werkstatt will. Die Mercedes-Niederlassung hat schon am nächsten Tag Zeit, schätzt den Zeitbedarf auf eine Stunde – „wenn nichts kaputt ist und keine Teile benötigt werden; dann dauert’s länger.“

Der Werkstattbesuch entpuppt sich als reiner Kontrolltermin. Zwischen den Leitungspaketen, die am Radträger vorbei zum Bremssattel führen, ist ein knapper Finger breit Platz. Keine Gefahr, sagt der Mercedes-Mann, und beschädigt ist demzufolge nichts. Eine Schraubverbindung der Bremsleitung weiter vorn zwischen den Achsen überprüft der Servicetechniker im Zuge der Inspektion ebenfalls. Sie muss gegebenenfalls nachgezogen werden. Auch in dem Fall ist alles okay. Nach einer halben Stunde ist der Fall erledigt. Alles okay. „Gute Fahrt, weiterhin.“ Werden wir haben.

Erste Bestandsaufnahme: Was hat er, was kann er?

Logbuch vom 7. Oktober 2019
Tester: Ulrich Kohstall, promobil-Autor

Hymer B MC 580 (2020)
promobil
Der Grundriss des Hymer B MC 580 I

Unser Dauertest-Hymer bereits rund 3500 Kilometer auf dem Tacho. Das spricht für seine Beliebtheit in der Redaktion. Dass ihn auch die zweite Tour in die Benelux-Staaten führte, ist reiner Zufall. Aber irgendwie passt das auch zu Harry, wie der Hymer in der Redaktion jetzt mit Vornamen heißt.

Der Hymer B MC I 580 wurde als 4,4-Tonner ausgeliefert – samt allen damit verbundenen Beschränkungen. Doch wen stört das in Holland, Belgien und Luxemburg? Über Mautregelungen für schwere Reisemobile muss man hier zum Glück nicht nachdenken. Man legt in den kleinräumigen Staaten meist kurze Wege zurück, muss also nicht schnell fahren. Außerdem würden dort auch leichtere Fahrzeuge durch die vielen Tempolimits eingebremst. Was soll’s. Lieber fährt man so, wie es ohnehin dem Wesen des Mercedes Sprinter als Basis entgegenkommt: tiefenentspannt.

Harry mag zwar keine hohen Kurvengeschwindigkeiten, beruhigt aber mit dem vollen Verwöhnprogramm. Er bügelt Fahrbahnunebenheiten elegant aus, stellt mit dem 177-PS-Motor und der Neungang-Automatik immer so viel Kraft zur Verfügung, wie es der Fahrer benötigt, und betont das nicht mit ungebührlichem Lärm. Bei den in Deutschland maximal erlaubten 100 km/h stören weder Motor noch Nebengeräusche die gepflegte Unterhaltung oder das Radioprogramm.

Apropos Radio: Während in Fiat-basierten Fahrzeugen für Entertainment und Navi üblicherweise Nachrüstsysteme eingesetzt werden, kann man für den Hymer B-MC das Mercedes-MBUX-System ordern. Das kostet zwar im Paket mit Abstandstempomat und Automatik stolze 6890 Euro, dafür funktioniert das Navi aber eben auch wie in einem Mercedes, inklusive Bedienung mit Sprachbefehlen. Zumindest bei der Eingabe von Zielen in Deutschland versteht uns Harry aufs Wort und dirigiert uns souverän per freundlicher Frauenstimme. Um Durchfahrtsbeschränkungen für den 4,4-Tonner muss sich der Fahrer allerdings selber kümmern.

Harry startet nur, wenn der Schlüssel an der richtigen Stelle liegt.
Der Schlüssel muss an der richtigen Stelle liegen, sonst passiert nix.

In einem anderen Fall klappt das Zusammenspiel von Mercedes und Hymer noch nicht so gut: Harry bringt zwar serienmäßig ein Keyless-Start-System mit, das heißt aber nicht, dass die schicke Fernbedienung in der Hosentasche bleiben darf. Für die Aufbautüren ist wie eh und je ein separater Schlüssel nötig, und der Motor startet erst zuverlässig auf Knopfdruck, wenn man das Bedienteil in einen vom Fahrerplatz leider nicht einsehbaren Schacht in Bodennähe gefummelt hat. Schön wäre es, wenn der elektronische Schlüssel wenigstens in einer gut erreichbaren Ablage bleiben könnte.

Viele gibt es davon nicht, doch immerhin hat Harry wohl eine Vorliebe für Getränke: In seinem Arsenal von nicht weniger als zehn Becherhaltern am Armaturenbrett findet sich immer ein freier Platz.

Harrys einladendes Wesen endet aber nicht im Fahrerhaus. Unter den inzwischen zahllosen Einzelbetten-Grundrissen im Sieben-Meter-Format erscheint diese Variante besonders durchdacht. Die Sitzgruppe soll Gemütlichkeit für zwei Personen bieten, zumindest ein Bett darf gerne etwas länger sein als üblich, nicht alle Wäscheschränke müssen sich unter den Liegeflächen verstecken, und das Duschen sollte schnell und einfach funktionieren. Im Gegenzug braucht die Küche nicht auf große Menüs vorbereitet zu sein. Bei solchen Anforderungen hält Harry den Daumen hoch und muss kaum Kritik einstecken.

Hymer B MC 580 (2020)
Kohstall
Harrys Einzelbetten im Heck

Die Qualität stimmt auch. Das gilt auf Anhieb für die fühlbare Wahrnehmung mit Ausnahme einer unschönen Anpassung eines Kunststoffteils am Armaturenbrett und des sichtbaren Spalts zwischen WC-Dichtung und Badmöbel. Die wenigen im Bordbuch eingetragenen Defekte kann man unter Kleinigkeiten verbuchen. So verabschiedete sich das Kontrollbord mehr als einmal aus dem vorgesehenen Ausschnitt, blieb aber an den Kabeln hängen und ließ sich problemlos wieder einstecken. Außerdem läuft das Wasser im Waschbecken nur sehr zögerlich ab.

Weil das Niveau in dieser Klasse hoch liegt, weisen andere Eintragungen im Bordbuch darauf hin, dass die Matratzen doch recht straff wirken. Darunter liegt lediglich ein Abstandsgewirke. Auf die Federwirkung von Lattenrosten muss man verzichten. Man versteht außerdem nicht so ganz, dass die Stehhöhe im Bad empfindlich reduziert ist, obwohl im Untergeschoss ein hoher Doppelboden gähnt.

Hymer B MC 580 (2020)
Kohstall
Vollbeladen geht's in die Niederlande - ob sich das ändern muss, wenn Harry abspeckt, äh, abgelastet wird?

Hier kann man – in Kombination mit der Garage – mehr Einladen, als mobile Zwei-Personen-Haushalte im Urlaub wirklich brauchen. Schön, dass Harry ein 4,4-Tonner ist. So füllt man auch den 180-Liter-Wassertank ohne Bedenken und verschafft sich damit eine schöne Unabhängigkeit.

Das hat allerdings bald ein Ende. Damit Harry auch Gesellschaft von jüngeren Kollegen mit Klasse-B-Führerschein bekommt, soll die B-Klasse auf 3,5 Tonnen abgelastet werden. Und schon jetzt ist klar: Dann heißt es genau nachrechnen.Weil Harry mit allen Extras und Flüssigkeiten rund 3,2 Tonnen auf die Waage bringt, wird das eng. Dafür darf er dann ohne Go-Box-Aufwand auch einmal über die Alpen fahren.

Erste Tour mit Kontroll(board)-Verlust

Logbuch vom 5. August 2019
Tester: Hans-Dieter Seuffert, Fotograf

Hymer B MC 580 I (2020)
H.D. Seuffert
Harry in Belgien

Ich war mit Harry ein Wochenende lang in Belgien unterwegs. Zu viert haben wir den neuen Dauertester auf Jungfernfahrt mitgenommen und konnten sehr bequem reisen. Was mir als Auto-Liebhaber gleich aufgefallen ist: Der Sprinter hat dasselbe Lenkrad wie die E-Klasse. Dank Abstandsregler ließ sich das Wohnmobil sehr komfortabel fahren.

Hymer B MC 580 I (2020)
H.D. Seuffert
Tschüss Kontrollboard! Während der ersten Fahrt hat es sich von seinem Platz verabschiedet.

Schade, dass an der Sitzbank hinten wenig Ablagemöglichkeiten vorhanden und die Steckdosen ungeschickt angebracht sind. Auch das Soundsystem ließ zu wünschen übrig. Außerdem löste sich das Bedienpanel für die Bordtechnik während der Fahrt. Das schicke Kontrollboard ist nur angeklebt. Mit ein paar Handgriffen lässt es sich wieder andrücken und es funktioniert auch alles – doch ob das noch lange gut geht?

Die Beleuchtung im gesamten Fahrzeug fanden wir sehr angenehm. Vor allem toll: Hinten am Bett gibt es einen Schalter fürs Licht, mit dem man das ganze Wohnmobil verdunkeln kann. Das Hubbett vorne lässt sich sehr einfach bedienen.

Hymer B-MC I 580: Technische Infos und Daten

Grundpreis: 81.990 Euro
Länge/Breite/Höhe: 6,99/2,29/2,96 Meter
Stehhöhe: 1,98 Meter
Basisfahrzeug: Mercedes Sprinter 314 CDI, Euro 6c, 143 PS, 6-Gang-Schaltgetriebe
maximales Gesamtgewicht: 3,5 Tonnen
Sitz-/Schlafplätze: 4/4

Maße Heckbett: Einzelbetten 192 x 86 / 215 x 86 cm
Maße Hubbett: 194 x 145 cm

Frischwassertank: 180 Liter
Abwassertank: 150 Liter
Batterien: 3 x 95 Ah
Gasvorrat: 2 x 11 kg

Serienausstattung (Auszug): Ad-Blue-Tank, Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Außenspiegel elektrisch verstellbar und beheizbar, Weitwinkelspiegel, 60 cm Maxi-Eingangstür, Ausstellfenster mit Verdunkelungsplissee und Moskitorollo, Gfk-Leichtbauboden mit XPS-Isolierung, beheizter Doppelboden mit XPS-Isolierung und Kellerfächern, 4 Dachluken mit Verdunkelung und Fliegengitter, Mehrzonen-Kaltschaummatratze, Warumluftheizung und Warmwasserboiler, Warmluftheizung im Heck (Schlafraum) separat regulierbar, 142-Liter-Kühlschrank, Soft-Einzug im Küchenbereich, Innenbeleuchtung in LED.

Ausstattung Testwagen:

Klimaanlage Tempmatik: 2.290 Euro
9G-Tronik-Automatikgetriebe: 2.690 Euro
Elektronische Parkbremse: 320 Euro
MBUX, DAB, RFK: 3.490 Euro
Holzlattenrost Dusche: 145 Euro
Küchenwand-Verkleidung und Zusatzsteckdosen: 495 Euro
Ambiente- und Sockelbeleuchtung: 495 Euro
Zusatzpolster für LE-Bett: 195 Euro
4 Kissen mit Bezug: 195 Euro
Fahrertür mit elektrischem Fensterheber: 1.690 Euro
Fliegenschutztür: 370 Euro
Zusatzpolster für Sitzgruppen-Bett: 295 Euro
Schubkasten Sitzgruppe: 295 Euro
Omnistor Markise: 1.495 Euro
Fenster Eingangstür: 195 Euro
XXL-Bett, Extra lange Liegefläche (+20 cm) 295 Euro
Testwagenpreis: 96.940 Euro

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