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Pössl Campster im Praxistest

So bewährt sich der Campervan in Alltag und Urlaub

Pössl Campster Praxistest Foto: Janine Graubaum 59 Bilder

Zu dritt testen wir in drei Kategorien den Pössl Campster in der Praxis. Wie bewährt sich der Campervan im Alltag, im Urlaub und auf der Straße: Verschiedene Tester, verschiedene Meinungen, ein Fazit.

12.12.2017 Lisa Geiger, Roman Domes, Sophia Pfisterer 2 Kommentare

Teil 1: Wohnen im Pössl Campster

Teil 2: Fahren im Pössl Campster

Teil 3: Alltag im Pössl Campster

Verschiedene Köche verderben den Brei? Wie ist das mit einem Fahrzeugtest? Wir probieren es einfach und testen mit drei Redakteuren in knapp zweieinhalb Wochen im November den Pössl Campster. Dabei interessieren uns technische Daten und Messwerte weniger, sondern wir wollen ganz praktisch erleben, wie sich Campen, Fahren und Alltag im Campster anfühlen.

Pössl Campster Praxistest Foto: Janine Graubaum
Beratung in der Campster-Sitzgruppe: Wer fährt wohin mit dem Van?

Außerdem soll der Praxistest im Campster zeigen, für wen und für welche Anlässe sich der Campster eignet. Dabei darf sich der Van auf Citroën Spacetourer in drei Abenteuern beweisen: Roman Domes, Gelegenheitscamper, testet den Campster mit Standheizung als Wintercampingbus am Alpenrand und absolviert fast 700 Kilometer. Lisa Geiger, begeisterte Reisemobilistin, testet ihn als Personentransporter und fährt 1300 Kilometer bis in die Niederlande und zurück. Sophia Pfisterer, die am liebsten offroad unterwegs ist, schlägt sich mit dem Campster durch den Großstadt-Dschungel Stuttgarts.

>>> Teil 1: Wohnen

Roman Domes: „Die kälteste Nacht meines Lebens“

Prinzipiell campe ich nur einmal im Jahr: am Nürburgring zum 24-Stunden-Rennen. Fünf Tage in einem Sprinter – zu viert! Unser gemieteter Bus hat keine Fenster, kein Kochfeld, keine Belüftung und auch ganz sicher keine Standheizung. Aber das ist mir in diesem Rahmen ziemlich egal – man weiß ja, worauf man sich einlässt. Da klingt die Möglichkeit, mit dem Pössl Campster für zwei Tage in die Alpen zu fahren fast nach Luxus. War es aber nicht.

Sprinter-Camper hofft auf ein bisschen Glamping

Pössl Campster
Fahren, Campen, Alltag 1:37 Min.

Mit einem Kumpel geht's los Richtung Alpen. Unser Ziel: der Walchensee in Bayern. Gute 300 Kilometer entfernt. Angekommen auf dem Campingplatz am Sylvensteinsee nehmen wir unseren Camper genauer ins Visier. Ganz anders als der sonst gewohnte Sprinter-Transporter steht der Pössl Campster da: Aufstelldach, zwei Betten, in jedem Stockwerk eins sozusagen, drehbaren Fahrer- und Beifahrersitzen, einer Sitzgruppe mit Tisch, einem herausnehmbaren Küchenblock mit zwei Gaskochfeldern und einem Waschbecken, aus dessen Wasserhahn nur kaltes Wasser kommt. Und besagte Webasto-Standheizung. Die kleine Regeleinheit für die Standheizung klemmt am Schrank. Alles da, was man braucht also.

Unter dem Bett im „Erdgeschoss“ findet man etwas Stauraum – der an diesem Wochenende allerdings mit Kamerastativen und Campingstühlen schon komplett aufgebraucht ist. Schlaf- und Rucksäcke fliegen deshalb auf die Rückbank oder gleich aufs Bett. Davon hat’s im Campster zwei, allerdings nur, wenn man das optionale Aufstelldach hochklappt. Wer’s gern kuschlig mag oder eindeutige Absichten hat, kann auch zu viert in den zwei Betten pennen. Bequem sind sie allemal. Während das obere nach dem Hochklappen des Dachs schon bezugsfertig ist, musst du dir das untere erst zusammenbauen.

Pössl Campster Praxistest Foto: Roman Domes
Nach dem Abendessen wird es kalt im Campster. Lass mal Google fragen, warum - oder gleich die Kollegen anfunken?

Dazu nimmt man die Kopfstützen aus der Sitzbank, verstaut sie – nun, ja – irgendwo, zum Beispiel im Schrank, zieht die Sitzfläche nach vorne und legt die Rückenlehne flach. Verriegeln. Fertig.

Bevor es soweit ist, möchte ich allerdings noch etwas kochen. Nudeln. Bolognese aus dem Glas. Kein Problem, zwei Gaskochfelder gibt’s im Campster. Aber: Der elektrische Zünder ist bei unserem Exemplar kaputt, man muss mit dem Feuerzeug ran. Problem Nummer 2: Wenn man die Kocheinheit nicht aus dem Campster rausstellen kann – weil es, zum Beispiel, zu kalt draußen ist – muss man beim Kochen aufpassen, dass man den Dachhimmel nicht einsaut. Für die Stelle über den Kochfeldern hätte Pössl da aber auch vorsorgen können.

Error F94 versaut den Abend

Beim Kochen entsteht Hitze, beim Kochen von Wasser Dampf. Ruckzuck sind alle Scheiben beschlagen, und leider kannst du nur Fahrer- und Beifahrerfenster öffnen. Irgendwie unpraktisch, aber gut, dann muss man eben kurz die Schiebetür aufmachen, um frische Luft reinzulassen, die an diesem Novemberabend allerdings verdammt kalt ist. Beim Lüften läuft ein Fuchs vorbei, schaut kurz rüber, flüchtet dann ins Unterholz.

Pössl Campster Praxistest Foto: Roman Domes
"F 94" steht für falsch verbundene Steckverbindungen, erklärt Pössl hinterher. Nach einem Telefonat mit einem Pössl-Techniker lösen wir die Abdeckung, tauschen Temperaturfühler und Höhenmesser, aber können das Problem nicht lösen.

Tür zu. Zeit, die Standheizung mal auszuprobieren. Und wie war ich glücklich, dass der Campster eine hat! Aber schon nach ein paar Knopfdrückereien wird klar: Da stimmt etwas nicht. „Error F94“ steht auf dem Display, Googlen liefert keine brauchbaren Ergebnisse und auch die Tipps der Kollegin Pfisterer funktionieren nicht. Das wird eine kalte Nacht. Das Thermometer zeigt um 22:30 Uhr nur noch zwei Grad über null an. (Hinweis: Die Standheizung war tatsächlich nicht funktionstüchtig, es war kein Bedienfehler).

Wir lassen den Campster im Leerlauf ein paar Minuten dahindieseln, nur um festzustellen, dass die Laube ohne Last auf dem Triebwerk gar nicht warm wird. Gut, denke ich, wir haben ja warme Schlafklamotten und dicke Schlafsäcke dabei – so schlimm wird’s schon nicht werden. Also, Bett vorbereiten, Zähne putzen und so weiter. Richtig kalt – und damit meine ich RICHTIG KALT – wurde es zum Glück nicht in der Nacht, sondern erst morgens, wenn die Kälte durch die Fenster kriecht, die keine Vorhänge oder sonstigen Sichtschutz haben.

Ab sechs Uhr war an entspanntes Schlummern nicht mehr zu denken, um acht Uhr gab es Frühstück und Wärme von der Kochplatte, die Wasser für den unbedingt nötigen heißen Kaffee aufkocht.

>>> Teil 2: Fahren

„Der Campster fährt erstaunlich gut!“

Pössl Campster Praxistest Foto: Roman Domes
Doch wieder glücklich nach einer kalten Nacht: Redakteur Roman Domes, der sonst für "Sportauto" schreibt, hat Spaß hinter dem Steuer des Spacetourers.

Als fahrbarer Untersatz überzeugt der Campster auf Citroën Spacetourer-Basis und 150-PS-starkem Zweiliter-Turbo-Diesel. Und das, obwohl er sich zunächst wuchtig anfühlt für mich, einen, der sonst in normalen PKW unterwegs ist. Die Behäbigkeit liegt am hohen Leergewicht von rund 2,3 Tonnen – und geht völlig in Ordnung. Besser sogar noch: Ist man auf der Autobahn angekommen, kann man den Campster im sechsten Gang entspannt fahren, zur Not auch mit 170 auf der linken Spur. Besonders effizient ist das natürlich nicht. Der Grundverbrauch auf 600 Kilometern lag bei etwas mehr als zehn Litern Diesel.

Trotz des prinzipiell relaxten Fahrens gibt es ein paar Ärgernisse, die auf die Kappe von Citroën gehen. Der ACC-Tempomat zum Beispiel soll den Abstand zum Vordermann einhalten; das klappt soweit ganz gut, solange du ihn nicht dann aktivierst, wenn jemand vor dir fährt. Dann braucht er eine Ewigkeit, um den Abstand zum Vordermann festzustellen – und lässt den Campster einfach rollen und damit langsamer werden. Nervig.

Mäßiges Infotainment, miese Rückfahrkamera

Außerdem arbeitet das Navigationssystem elend langsam und erkennt Staus erst dann, wenn man drin steht. Und wenn wir gerade schon beim Infotainmentsystem sind: Ja, es hat Digitalradio, das aber die Senderliste nicht automatisch aktualisiert und im Voralpenland quasi nichts außer den ganzen Mainstream-Quatsch ohne Empfangsstörung spielt.

Und noch was: Fürs Ausparken und Rückwärtsfahren hat der Campster eine Rückfahrkamera – gut! Dass das Bild stark verzogen ist, könnte man ihr noch verzeihen. Aber die Bildqualität ist miserabel, die Wiedergabe so ruckelig wie ein Videospiel aus den 1980ern. Eine Zumutung, zumal die Kamera zusammen mit der Einparkhilfe vorne und hinten mehr als 1.300 Euro Aufpreis kostet.

Lisa Geiger: „Viel Fahrspaß mit 150 PS“

Pössl Campster Praxistest Foto: Janine Graubaum
Fahrerwechsel: Lisa Geiger übernimmt den Campervan, um damit nach Holland zu fahren.

Als Reisemobilistin fühle ich mich im Pössl Campster fast wie im PKW. Der kleine Bus ist agil und schmal und man könnte sich einbilden in einem großen SUV zu sitzen. Vom Fahrersitz überblickt man den Verkehr gut und der etwas erhöhte Sitz ist angenehm. Einzig und allein an den größeren Wendekreis muss man sich zunächst einmal gewöhnen. Beim Einparken darf man dann eben nicht vergessen, dass der Pössl ein kleiner Bus mit großem Radstand ist und muss manchmal ziemlich weit ausholen

Die 150 PS im Pössl Campster zahlen sich aus. Der Testwagen, der beim Vergleichstest in Konkurrenz zu Westfalia Jules Verne und Ford Nugget stand, hat einen etwas kleineren Motor und schnitt nur mäßig im Test ab. Diese Version bin ich auch gefahren und kann daher sagen: Der stärkere Motor macht einen extremen Unterschied in Fahrverhalten und -Komfort aus!

Pössl vs. Van-Tourer vs. Westfalia im TestSechs-Meter-Campingbusse mit Einzelbetten

Der Campster als Personenshuttle

Mein Plan: Mit vier Personen von Stuttgart nach Amsterdam reisen. Aufgrund meiner vorherigen Erfahrungen bereite ich mich seelisch auf eine eher langatmige Fahrt vor. Weit gefehlt! Ohne Probleme schiebt sich der 150-PS-starke Campster der auf dem Citroën Spacetourer basiert vorwärts. Auch auf der Autobahn macht er eine super Figur. Mit Gepäck und vier Personen Besatzung können wir konstant bei 130 km/h bleiben selbst wenn es mal bergauf geht.

Alle vier Personen haben es übrigens sehr bequem im Campster. Auch auf der Rückbank tat niemand nach der langen Fahrt der Rücken weh. Nervig war nur das Knarzen des Fahrersitzes während der Fahrt. Ich hatte das Gefühl der Stuhl war nicht richtig eingerastet oder die Federung im Sitz wäre nicht mehr die neuste.

Campingbusse Kompakte Campingbusse der Bulli-Klasse Basisfahrzeug-Alternativen zum VW-Bus

Die sonst angenehme Fahrt wird einzig und allein vom Schaltvorgang unterbrochen und das ziemlich hart. Die Kupplung ist so störrisch, dass man sehr viel Kraft im linken Fuß aufwenden muss um sie zu drücken. Beim Anfahren muss man aufpassen, dass sie nicht zurückschnellt und man so das Fahrzeug abwürgt. Außerdem fand ich den Schaltknüppel mit seiner quadratischen Form alles andere als ergonomisch. Ich hatte keinen großen Spaß daran, ihn zu benutzen.

Ansonsten bringt uns der Pössl Campster ohne Probleme von Stuttgart nach Amsterdam. Inklusive Pausen absolviert der Campster die 620 Kilometer in einer Spitzenfahrzeit von 7 Stunden.

Vor- und Nachteile des Displays

Das aufpreispflichtige Head-up-Display ist nicht wirklich notwendig und auch nicht sehr gut einsehbar. Was sich dagegen wirklich lohnt ist die Schildererkennung, die die Geschwindigkeit im Display anzeigt.

Erschrecken darf man nicht, wenn die Tankanzeige leuchtet, denn dann zeigt das Navi selbstständig alle umliegenden Tankstellen an. Auf dem Navi sind dann leider nur noch Tanksymbole zu sehen und nicht mehr die Route. Als hätte der Campster Angst zu verdursten und würde sich nicht auf den Fahrer verlassen wollen, der hoffentlich weiß, wann es Zeit ist zu tanken.

Sorgenfrei durch Amsterdam

Pössl Campster Praxistest Foto: Roman Domes
Mit dem Pössl Campster lassen sich die Grachten mit ihren engen Brücken gut befahren.

Ganz unbekümmert fahre ich mit dem Campster in die Innenstadt von Amsterdam. Etwas, das ich sonst nie mit einem großen Wohnmobil gewagt hätte. Entlang der Grachten in der niederländischen Metropole führen kleine Einbahnstraßen über schmale Brücke. All das ist kein Problem für den Pössl Campster und ich habe keine Sekunde Angst davor hängen zu bleiben.

Einzig die Parkplatzsuche gestaltet sich dann doch ein wenig schwierig. Auf der Suche nach einem günstigen Parkhaus fiel auf, dass die Höhe des Campsters in den Niederlanden zum Problem werden kann. Zwar ist der Campingbus mit seiner Höhe inklusive Aufstelldach knapp unter zwei Metern eigentlich als Tiefgaragen tauglich klassifiziert, doch sind viele Parkhäuser in Amsterdam auf 1,60 bis 1,90 Meter Höhe beschränkt. Das hieß für uns erst einmal: Suchen, suchen, suchen.

Nach einer Stunde haben wir dann endlich noch einen freien Platz im großen Parkhaus am Hauptbahnhof ergattert, das mit 15 Euro pro Tag für Amsterdam als besonders günstig gilt.

>>> Teil 3 : Alltagstauglichkeit

Sophia Pfisterer: „Campster als PKW-Ersatz?“

Wer in den Stuttgarter Innenstadt-Bezirken, im „Kessel“, wohnt, kennt das: Ist der Parkplatz gut, überlegt man zwei Mal, ob das Auto bewegt werden soll. Deshalb bin ich im Alltag überzeugte Radfahrerin.

Pössl Campster Praxistest Foto: Janine Graubaum
Viel Stauraum trotz Schrank im Heck: Ein bis zwei Fahrräder schluckt der Campster einfach.

Für den Pössl-Campster-Praxistest steige ich für ein paar Tage um. Praktisch: In dieser Zeit, kann ich einige wichtige Dinge von meiner To-Do-List erledigen, die mit dem Rad ungeschickt bis unmöglich wären: Großeinkäufe, Möbelhausbesuche und ein Ausflug ins Grüne mit einer befreundeten Familie plus Kleinkind – Isofix sei Dank! Meine Bilanz: Nur etwas über 100 Kilometer bringe ich auf die Anzeige, dafür viele Anekdoten aus dem Alltag. Wie schlägt sich der Citroën Spacetourer als Transporter und auf der Parkplatz-Suche in der Stadt?

Navi und 360-Grad-Birdview enttäuschen

Vom Navi bin ich enttäuscht. Zu Testzwecken schalte ich meinen Orientierungssinn in meiner Heimatstadt kurz aus und verlasse mich komplett auf die Navi-Ansagen. Das Display wirkt vertrauenserweckend und schindet einen aktuellen Eindruck. Von wegen! Die Software kennt die neueste Straßenführung nicht. Prompt schickt es mich in eine Einbahnstraße. So fahre ich im Kreis und komme fast zu spät zu meiner Yogastunde. Entspannung sieht anders aus.

Das Parken am Straßenrand ist mit 4,95 Metern Länge... möglich. Sofern man eine Lücke findet. Und cool bleibt, weil es jemand hinter einem eilig hat und hupt. Hier wird die Verwandtschaft des Spacetourers zum Toyota Proace Verso deutlich: Das Bild der 360-Grad-Kamera baut sich in beiden Fahrzeugen nur langsam und unvollständig auf.

Der ungeduldige Typ hinter mir hupt nochmal. Ach, nö, jetzt bin ich vor lauter Rangieren wie Kollegin Geiger auf den seltsamen Schleifpunkt der Kupplung reingefallen und würge den Motor ab. Die Schwäbin in mir mahnt: „No net huadle“ („Nur nicht pfuschen“), der Testwagen soll keinen Kratzer bekommen. Ich starte neu, fahre betont gemächlich in die Parklücke, lächle und winke dem Hintermann freundlich zu und denke mir meinen Teil.

Vogelperspektive für 1499 EuroRundum-Kamera nachrüsten

Der Alltagsheld mit einfacher Umbau-Funktion

Als Partner-in-Crime beim Einkaufen ist der Pössl Campster unschlagbar. So viel Platz für Einkaufstüten! Doch auch größere Transportaufgaben erledigt der Van spielend leicht: Fahrräder, Möbelkartons, Kinderwagen, hier passt jede Menge rein.

Die Heckklappe hinten kann man komplett öffnen oder nur das Fenster, um schnell noch etwas hineinzuwerfen. Dank der Schiebetüren auf beiden Seiten lässt sich Sperriges gut verstauen oder wenn man zugeparkt ist, auch mal von der anderen Seite Be- oder Entladen.

Pössl Campster Praxistest Foto: Janine Graubaum
Schwerer Küchenblock: Alleine schafft es Redakteurin Sophia Pfisterer nicht, ihn anzuheben.

Um den vielbesagten Shopping-Stauraum im Pössl Campster zu schaffen, will ich Küche, Matratzenunterlage und Rücksitze eigenhändig ausbauen. Trotz meiner Zweifel, ob das so einfach funktioniert. Tut es aber. Wie jeder normale Mensch versuche ich Modulküche und Sitzbänke ohne Bedienungsanleitung zu lösen und – es klappt! Das Einzige, das man vorher wissen muss ist, dass man die Steckverbindungen an der Küchenzeile nicht vergessen darf.

Mein Handicap: Ich bin alleine nicht stark genug, Küchenmodul und Sitze herauszuhieven. Doch mit der Hilfe von zwei hilfsbereiten Kollegen ist das kein Problem. Dabei fällt dem ein oder anderen plötzlich ein, dass auch bei ihm noch ein Möbelhaus-Besuch ansteht und leiht sich den Campster kurzerhand aus. Sein großer Vorteil: Anders als ausgebaute, große Campingbusse oder Wohnmobile, passt er in (fast) jedes Parkhaus.

Parkhaus-Test: Knapp bestanden

Pössl Campster Praxistest Foto: Philipp Heise
Ohje, passt der Campster? Ja, er passt!

In der ganzen Zeit gibt es nur ein einziges Parkhaus, das ich nicht befahren kann, weil es 1,95 Meter hoch ist – in Stuttgart ist man mit der Parkhöhe nicht so knausrig wie in Amsterdam. Ins Schwitzen komme ich am letzten Tag bei der Rückfahrt in die Redaktion. Die Höhe der Tiefgarage beträgt ganz genau zwei Meter. Durch die hohe Sitzposition habe ich kurz Bedenken, dass es mir das Dach abrasiert... Doch der Campster packt die versprochene zwei Meter-Marke haargenau. Punktlandung.

Testwagen: Austattung und Preis

Campster Grundpreis, 2.0 l BlueHDI 150 PS: 39.999 Euro

  • Turmalin Rot: 700 Euro
  • Dach lackiert: 990 Euro
  • Polster Maroon: 499 Euro
  • Alufelgen 17 Zoll: 500 Euro
  • Getönte Scheiben: 200 Euro
  • Licht-Paket 900 Euro
  • Schiebetüren links und rechts manuell: 550 Euro
  • Sicherheits-Paket 5: 2.870 Euro
  • Dieselheizung Webasto: 2.199 Euro
  • Kühlbox herausnehmbar: 699 Euro

Testwagen zzgl. Fracht, TÜV und Papiere Gesamt brutto: 50.106 Euro

Vor- und Nachteile

promobil Testwertung
  • großer Fahrkomfort
  • günstiger Preis
  • bequeme Betten
  • viel Stauraum
  • flexibel einsetzbar
  • sehr einfache Campingausstattung
  • Navi und Rückfahrkamera nicht ausgereift
  • ACC-Tempomat reagiert langsam
  • Umbau nur mit zwei Personen möglich

Fazit

Roman Domes: Der Pössl Campster wäre selbst mit funktionierender Standheizung nicht mein Lieblings-Camper geworden. Mir gingen die kleinen Mängel (keine Vorhänge, keine Fußmatten, wenig Platz) einfach zu sehr auf die Nerven. Gut hingegen: Das Fahren macht Spaß und der Preis ist mit rund 40.000 Euro relativ niedrig. Wobei das begabte Handwerker anders sehen dürften.

Lisa Geiger: Für ein Alltagsfahrzeug, mit dem man auch mal einen Wochenendtrip machen kann, eignet sich der Campster gut. Für längere Urlaube dürfte er für mich ein bisschen mehr Wohnkomfort haben, aber dann wäre der Preis nicht so niedrig. Mit dem 150-PS-Motor fährt er sich angenehm. Als Transportmittel für lange Fahrten ist der kleine Campingbus ein sehr bequemes Fahrzeug für vier Personen. Minuspunkt: Die Kupplung ist störrisch.

Sophia Pfisterer: Das mit der Kupplung kann ich bestätigen. Dennoch: Familien kann ich den Citroën Spacetourer als Alltags- und Stadtwagen ohne Einschränkung empfehlen: Als Van bietet er viele Sitzplätze mit Isofix, als Transporter viel Stauraum. Der Umbau ist unkompliziert. Als Großstadt-Bewohnerin (Parkplatzmangel) mache ich lieber Carsharing. Wann darf ich mir den Campster zum Urlaub/Umzug/Großeinkauf wieder ausleihen?

Neuester Kommentar

Super, das sind genau die Tests, die einen weiter bringen. Individuelle Meinungen und subjektive Kommentare sind prima. Ich bin bisher nur den Spacetourer gefahren und hatte genau das gleiche Bild: Der Motor ist super, der Wagen klasse, die nervige Kupplung kenne ich von meinem Peugeot Partner, mein Händler hat sie mir aber viel besser eingestellt.
Zwei Fragen an Roman:
1. Das mit dem Fenster in der Heckklappe wusstest du nicht? Schade, die hat meiner auch und sie ist absolut super, zum Laden und lüften. Klar, bei 2°C und defekter Standheizung hätte ich auch geflucht. Der letztes Jahr geliehene Marco Polo hatte übrigens auch keinen SChutz über oder neben dem Kocher, eine gute Idee auf die wohl nicht niemald gekommen ist.
2. Die Basis Spacetourer kostet, je nach Motoriseierung gerade mal ein bis zweitausend Euro weniger. Was soll der begabte Handwerker dafür erreichen?
Fazit: Danke für den Test!

tenere333 12. Dezember 2017, 21:02 Uhr
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Heft 01 / 2018 13. Dezember 2017 146 Seiten Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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