Ein Blick auf die aktuellen Zahlen des Campingspezialisten ACSI zeigt: In Europa wächst eine Gegenbewegung zum klassischen Familienurlaub auf dem Campingplatz. Immer mehr Plätze schließen Kinder unter 16 Jahren komplett aus und positionieren sich als "Adults only". Was in der Hotelbranche längst etabliert ist, erreicht nun also auch die Campingwelt.
Klingt nach einem dramatischen Umbruch? Ist es aber nicht – zumindest noch nicht. Denn von rund 10.000 Campingplätzen, die ACSI europaweit vor Ort inspiziert, sind gerade einmal 90 kinderfrei. Das entspricht weniger als einem Prozent. Allerdings: 2021 waren es nur 64 solcher Plätze – ein Plus von 41 Prozent in fünf Jahren. Die Richtung ist also eindeutig, auch wenn die absoluten Zahlen überschaubar bleiben.
Differenziertere Camping-Angebote
Generell scheint der Trend zu stärker differenzierten Angeboten zu gehen: Campingplätze positionieren sich zunehmend für bestimmte Zielgruppen und Bedürfnisse – ob ruhesuchende Paare ohne Kinder, Familien mit umfangreichem Animationsprogramm oder naturnahe Stellplätze für Kurzzeit-Aussteiger.
Wichtig dabei: ACSI inspiziert längst nicht alle Campingplätze Europas. Die Zahlen zeigen also nur einen Ausschnitt des Marktes. Und während die kinderfreien Plätze wachsen, investiert die große Mehrheit der Branche gleichzeitig so stark wie nie in Familienangebote. Zwei Trends, die gegensätzlicher kaum sein könnten – wir ordnen ein.
Wo gibt es die meisten kinderfreien Plätze?
Klarer Vorreiter beim kinderfreien Camping ist Großbritannien mit 40 Plätzen. Dahinter folgen die Niederlande mit 23 und Frankreich mit 13 Standorten. In den klassischen Familien-Reiseländern Südeuropas sieht es hingegen ganz anders aus: Italien verzeichnet lediglich zwei Adults-only-Plätze, Spanien und Österreich jeweils nur einen. Alles bezogen auf die ACSI-Zahlen.
Interessantes Detail am Rande: Auf acht der 90 kinderfreien Campingplätze sind auch keine Hunde erlaubt. Wer hier Ruhe sucht, will offenbar wirklich absolute Ruhe.
Deutschland: Zurückhaltend beim Trend
Während Großbritannien und die Niederlande beim kinderfreien Camping vorpreschen, bleibt Deutschland deutlich zurückhaltender. Aktuell listet ACSI hierzulande nur vier kinderfreie Plätze:
- BurgStadt CampingPark in Kastellaun (Rheinland-Pfalz)
- Camping Neudahner Weiher in Dahn (Rheinland-Pfalz)
- 7 Täler Campingplatz in Dietfurt (Bayern)
- Wald- und Naturcampingplatz am Tonsee Süd (Brandenburg)
Wie emotional das Thema besetzt sein kann, zeigte Ende 2025 ein Fall in der Schweiz: Der Campingplatz "Hobby 3" in Unterseen kündigte an, künftig nur noch Gäste ab 16 Jahren aufzunehmen – und löste damit eine breite Debatte aus. Die Meinungen gingen weit auseinander: Ist ein Adults-only-Campingplatz ein willkommener Rückzugsort – oder ein Schritt hin zu einer kinderfeindlichen Gesellschaft?
Die andere Seite: Familien-Camping boomt wie nie
Wer angesichts der Schlagzeilen über kinderfreie Plätze befürchtet, die Campingbranche wende sich von Familien ab, kann beruhigt sein. Das Gegenteil ist der Fall: Die große Mehrheit der europäischen Plätze investiert so stark wie nie zuvor in familienfreundliche Angebote.
Spielplätze: Auf 825 der von ACSI inspizierten Campingplätze gibt es Spielplätze mit Spielgeräten – mehr als dreimal so viel wie noch vor fünf Jahren. Die meisten davon finden sich in den Niederlanden (310), gefolgt von Frankreich (227) und Deutschland (86).
Familienduschen: Größere Sanitärkabinen für Familien gibt es mittlerweile auf 2.374 Plätzen – das sind 25 Prozent mehr als 2021. Spitzenreiter ist hier Frankreich (670), vor den Niederlanden (406) und Deutschland (286).
Wasserspielplätze: Die Anzahl der Plätze mit Wasserspielplätzen legte seit 2021 um 44 Prozent auf 733 Standorte zu.
Indoor-Spielplätze: Auch überdachte Spielmöglichkeiten für Regentage wuchsen um 9 Prozent auf 629 Plätze.









