Darf die Umwelt-Plakette aus dem Wohnmobil? Frankreich will Umweltzonen abschaffen

Crit’Air-Pflicht in Frankreich steht vor dem Aus
Brauchen Camper 2026 keine Umwelt-Plakette mehr?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.01.2026
Als Favorit speichern
Straßenschild, Frankreich, Umweltzone
Foto: HJBC via Gettyimages

Frankreichs umstrittenes System der Umweltzonen steht vor dem Aus — und das könnte für Wohnmobilistinnen und Wohnmobilisten eine echte Erleichterung sein. Besonders diejenigen, die ein älteres Fahrzeug besitzen, könnten bald deutlich freier reisen als bisher.

Was war das Crit’Air‑System?

Seit 2019 sind in mehreren französischen Städten sogenannte ZFE‑Zonen ("Zones à faibles émissions") eingeführt worden – Gebiete, in die nur Fahrzeuge mit bestimmten Crit’Air‑Plaketten einfahren dürfen. Das Ziel: die Luftqualität verbessern und Schadstoffe wie Stickstoffdioxid und Feinstaub reduzieren.

Für Camper bedeutete das oft eine Hürde. Denn: Viele Wohnmobile – vor allem ältere Dieselmodelle – haben eine niedrige Emissionsklasse und durften daher in zentrale Zonen nicht einfahren.

Bisherige Pflicht trifft auf neue Entwicklung

Bislang galt: Wer ohne passende Plakette in eine ZFE‑Zone fährt, riskiert Bußgelder. Für Frankreich-Reisende bedeutete das zusätzliche Bürokratie vor der Abfahrt und genaues Kartenstudium unterwegs.

Doch nun haben sich Abgeordnete und Senatoren in einer gemeinsamen Kommission grundsätzlich dafür ausgesprochen, alle diese Umweltzonen abzuschaffen. Und damit die Pflicht zur Crit’Air‑Plakette.

Die geplante Abschaffung ist Teil eines Gesetzespakets, das wirtschaftliche Prozesse in Frankreich vereinfachen soll – etwa durch weniger Bürokratie für Betriebe und Verbraucher. Auch das ZFE-System gilt vielen als zu aufwendig.

Was bedeutet das für Wohnmobil‑Reisende?

Wird das Gesetz Ende Januar 2026 wie vorgesehen verabschiedet, entfiele die Pflicht zur Crit’Air‑Plakette weitgehend – mit folgenden praktischen Effekten für Camper:

  • Mehr Spontanität: Altbekannte Routen durch Paris, Lyon oder andere Innenstädte wären wieder ohne Plaque möglich.
  • Geringerer Planungsaufwand: Campingplätze, Stellplätze oder Zwischenstopps müssten nicht mehr nach ZFE‑Grenzen kalkuliert werden.
  • Vorteil für ältere Fahrzeuge: Wohnmobile mit älteren Schadstoffklassen (z. B. Euro 3/4) sind heute oft benachteiligt – diese Barriere könnte wegfallen.

Für viele ist das eine längst überfällige Entlastung: Weg mit der bürokratischen Pflicht, rein in die Stadt – zumindest auf dem Papier.

Aber: Noch ist es nicht sicher

So positiv die Aussicht auf den Wegfall der Plakettenpflicht auch klingen mag – ganz entschieden ist noch nichts. Das Gesetz zur Abschaffung der ZFE-Zonen muss noch zwei wichtige Hürden nehmen: die Schlussabstimmung in der Nationalversammlung am 27. Januar 2026 und anschließend im Senat am 29. Januar 2026. Erst danach könnte es in Kraft treten.

Doch selbst dann bleibt Unsicherheit: Juristinnen und Juristen sehen verfassungsrechtliche Risiken, weil die Streichung der Umweltzonen als sachfremder Zusatz in ein Wirtschaftsgesetz eingebaut wurde. Der Verfassungsrat könnte diesen Punkt noch kippen. Und selbst bei einem landesweiten Aus bleibt Spielraum für regionale Sonderwege, denn einzelne Kommunen dürfen weiterhin eigene Zufahrtsbeschränkungen erlassen, etwa zur Lenkung des Verkehrs in empfindlichen Altstadtbereichen.

Bis zur finalen Rechtslage müssen Camper daher weiterhin genau prüfen, ob und wo die Crit’Air‑Plakette erforderlich ist — insbesondere bei Reisen im Frühjahr und Sommer 2026.

Fazit