Als im Zuge des militärischen Konflikts im Iran im Frühjahr die Spritpreise in die Höhe geschossen waren, strickte die Bundesregierung auf die Schnelle das "Kraftstoffpreisanpassungsgesetz", gemeinhin als "Spritpreisbremse" bekannt. Dessen Kernregel: Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen die Preise für sämtliche Otto- und Dieselkraftstoffe nur noch einmal am Tag erhöhen, und zwar um 12 Uhr mittags. Danach sind nur noch Preissenkungen erlaubt, und zwar bis zum selben Zeitpunkt am nächsten Tag.
2.390 Verstöße in einer Woche
Da stellt sich natürlich die Frage, ob sich die Mineralölkonzerne und die Tankstellenpächter an diese Regel halten. Und siehe da: Wie Daten unserer Partner-App mehr-tanken zeigen, gab es allein in der vergangenen Woche (29. April bis 6. Mai) zahlreiche Verstöße gegen das Gesetz. Das mehr-tanken-Analyseteam registrierte allein in diesem Zeitraum 2.390 Preiserhöhungen nach 12:30 Uhr (wir haben den Tankstellen eine halbe Stunde Kulanzzeit eingeräumt, um Verfälschungen durch technische Ungenauigkeiten auszuschließen). Betroffen waren deutschlandweit 777 Tankstellen – das entspricht 4,6 Prozent aller erfassten Stationen (16.963). Im Mittel lag die einzelne Erhöhung bei 7,7 Cent pro Liter.
Auffällig ist dabei eine klare Ballung der Verstöße in Süddeutschland: Bayern führt sowohl bei der Zahl der Verstöße als auch bei der Quote betroffener Stationen die Tabelle an. Innerhalb Bayerns ragt der Großraum München heraus. Gleichzeitig zeigen einige Regionen und Marken zwar weniger Verstöße, fallen dafür aber durch vergleichsweise hohe durchschnittliche Aufschläge auf – ein Hinweis darauf, dass nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die "Wucht" der Erhöhungen regional stark variiert.
Regionale Verteilung nach Bundesländern
Auf Ebene der Bundesländer liegt Bayern in diesem unrühmlichen Ranking vorn: 543 Verstöße verteilen sich auf 186 betroffene Tankstellen (von 2.984); 6,2 Prozent aller bayerischen Tankstellen haben im Erfassungszeitraum also gegen die Spritpreisbremse verstoßen. Dahinter folgen Baden‑Württemberg mit 413 Verstößen und 5,8 Prozent betroffener Stationen (126 von 2.169) sowie Nordrhein‑Westfalen mit 358 Verstößen – hier ist die Quote mit 3,2 Prozent (109 von 3.417) jedoch deutlich niedriger. Niedersachsen liegt mit 342 Verstößen und 5,5 Prozent (123 von 2.227) im oberen Mittelfeld, Hessen kommt auf 197 Verstöße bei 4,6 Prozent betroffenen Stationen (60 von 1.299).
Spannend wird es bei den Ländern mit kleinerer Basis: Thüringen erreicht mit 6,2 Prozent (28 von 453) exakt dieselbe Quote wie Spitzenreiter Bayern, obwohl die absolute Fallzahl (84) deutlich geringer ist. Berlin und Hamburg fallen dagegen durch sehr wenige betroffene Stationen auf (Berlin: 0,6 Prozent, Hamburg: 0,4 Prozent). In Berlin ist allerdings die durchschnittliche Erhöhung pro Ereignis (fast 19 Cent) auffällig hoch, was bei geringer Fallzahl besonders stark durch einzelne Ausreißer geprägt sein kann.
Oberbayern als Hotspot
Eine noch klarere Sprache spricht die nächste regionale Ebene: Oberbayern sticht als Hotspot heraus. Hier waren 10,7 Prozent der Stationen betroffen (88 von 821), bei insgesamt 301 Verstößen. Damit liegt Oberbayern deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 4,6 Prozent – und erklärt zugleich, warum Bayern insgesamt so weit vorn liegt.
Weitere Regionen mit erhöhten Quoten sind etwa Rheinhessen‑Pfalz (8,0 Prozent), Oberpfalz (7,0 Prozent), Weser‑Ems (6,9 Prozent) und Tübingen (6,7 Prozent). Interessant: Manche Regierungsbezirke fallen weniger über die Quote auf, sondern über die durchschnittliche Höhe der Preissteigerungen – etwa Kassel (Ø‑Erhöhung rund 11,7 Cent) oder auch Regionen im Umfeld von Köln. Das deutet darauf hin, dass sich Verstöße regional nicht nur häufen, sondern teils auch "teurer" ausfallen.
Landkreise und Städte: München und sein Umland im Fokus
Auf der kleinsten betrachteten Ebene (Landkreise/Städte) wird die Ballung im Süden besonders deutlich: München (Stadt) erreicht 12,6 Prozent betroffene Stationen (17 von 135) bei 52 Verstößen. Noch höher liegen einzelne Landkreise im Umfeld – etwa Erding mit 15,6 Prozent (5 von 32) und 39 Verstößen oder Fürstenfeldbruck mit 17,2 Prozent (5 von 29) bei 14 Verstößen. Auch Traunstein (17,5 Prozent) und Mühldorf am Inn (16,0 Prozent) unterstreichen, dass der Hotspot nicht nur die Stadtgrenze Münchens betrifft, sondern einen größeren regionalen Zusammenhang bildet.
Daneben fallen einzelne Kreise mit sehr hoher Quote bei kleiner Fallzahl auf – etwa Lüchow-Dannenberg mit 31,6 Prozent (6 von 19) und 18 Verstößen oder Hildburghausen mit 23,5 Prozent (4 von 17) bei 15 Verstößen. Solche Werte sind ein Warnsignal, müssen statistisch aber vorsichtig interpretiert werden: In kleinen Regionen können wenige Stationen die Quote stark treiben. Bei der durchschnittlichen Höhe der Aufschläge fallen außerdem einzelne Kreise auf, die zwar nicht zwingend die höchsten Quoten haben, aber vergleichsweise große durchschnittliche Erhöhungen.
Melden Sie Verstöße in der mehr-tanken-App!
Um die Entwicklung der Spritpreise für die Nutzerinnen und Nutzer noch transparenter zu machen, führt die mehr-tanken-App in Kürze eine neue, einzigartige Funktion ein: Sie können über die App selbst melden, wenn eine Tankstelle gegen die Regeln spielt und die Preise nach 12 Uhr mittags erhöht. Daneben gibt es selbstverständlich wie gehabt die weiteren Funktionen: Finden Sie hier die aktuellen Kraftstoffpreise, eine Preis-Prognose und die günstigsten Tankstellen in Ihrer Nähe. Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos können sich darüber hinaus Ladepunkte und deren Preise anzeigen lassen. Die mehr-tanken-App gibt es im Google Play-Store oder Apple App-Store.












