Niedrigere Promillegrenze für Radfahrer: Europa-Camper kennen strengere Grenzwerte längst

Union fordert strengere Grenzwerte für Radfahrer
Niedrigere Grenzwerte für Camper längst Alltag

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.01.2026
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Alkohol. Fahrrad, Promille-Grenze
Foto: Robert Niedring via GettyImages

Camper fahren gerne mit dem Fahrrad ins Restaurant oder zum nächsten Weinfest und abends natürlich wieder zurück. Derzeit können sie in Deutschland unterwegs ohne Probleme ein oder zwei Gläser Bier oder Wein trinken, weil Radfahren mit bis zu 1,6 Promille Alkohol im Blut erlaubt ist und erst ab dann rechtliche Konsequenzen zu befürchten sind. In der deutschen Bundespolitik gibt es aber immer mehr Stimmen, die das gerne ändern möchten.

Ausgelöst hat die Debatte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Stephan Stracke (CSU). Er sagte der Rheinischen Post, es sei "sinnvoll, die Promillegrenzen für Fahrradfahrer zu überprüfen und gegebenenfalls zu verschärfen"." Hintergrund dieser Forderung sind die steigenden Zahlen alkoholbedingter Fahrradunfälle, die das Statistische Bundesamt verzeichnet. Besonders auffällig ist der Zuwachs an Unfällen mit E-Bikes auf 5.100 im Jahr 2024. Die Zahl der alkoholbedingten Unfälle mit klassischen Fahrrädern bleibt dabei auf konstantem Niveau.

Hohe Unfallzahl von E-Bikern ist ein Warnsignal

Stracke sieht darin ein deutliches Warnsignal und findet, dass es zunehmend auf die leichte Schulter genommen werde, angetrunken mit dem Fahrrad zu fahren und damit sich und andere zu gefährden. Zudem müsse auch der Cannabiskonsum stärker in die Diskussion einbezogen werden. Dieser sei "genauso bedenklich wie Alkoholkonsum" für die Sicherheit auf dem Fahrrad.

Aktuell liegt in Deutschland die Grenze für die absolute Fahruntüchtigkeit von Radfahrern bei 1,6 Promille Alkohol im Blut. Wer jedoch mit weniger Alkohol fährt, aber Anzeichen von Ausfallerscheinungen zeigt oder einen Unfall verursacht, begeht ebenfalls eine Straftat. Die möglichen Konsequenzen reichen von einem Führerscheinentzug über eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) bis hin zu Geld- oder Freiheitsstrafen. Eine feste 0,5-Promille-Grenze, wie sie für Autofahrer gilt, existiert bislang für Radfahrer nicht.

Fahrradträger im Vergleich
T. Großhans, I. Wagner

Ob die Grenzwerte auch in Deutschland verschärft werden, zeigt sich in den nächsten Monaten. Die Debatte wird beim kommenden Verkehrsgerichtstag in Goslar weitergeführt. Verschiedene Optionen stehen zur Diskussion: etwa die Einführung einer neuen Promillegrenze von 0,5 oder 1,1 Promille als Ordnungswidrigkeit oder eine Absenkung der derzeitigen 1,6-Promille-Grenze. Ob und in welcher Form es zu einer Gesetzesänderung kommen wird, ist noch offen.

Promillegrenzen sind in vielen EU-Ländern strenger

Natürlich würde das die Bedingungen in Deutschland auch für Camperinnen und Camper verändern, die am Reiseziel gerne mit dem Rad fahren. Wer mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen viel in Europa unterwegs ist und dort Fahrrad fährt, dürfte an strengere Promillegrenzen längst gewöhnt sein. In vielen anderen europäischen Ländern dürfen Fahrradfahrende deutlich weniger Alkohol im Blut haben und werden bei Überschreiten der Grenzwerte härter bestraft. Dazu gehören auch beliebte Ziele von Reisenden mit Wohnmobil oder Wohnwagen wie Frankreich, Italien, Kroatien, die Niederlande, Dänemark.

Die Promillegrenzen für Radfahrende in Europa lassen sich in verschiedene Gruppen zusammenfassen:

  • 0,0 ‰ (Nulltoleranz): Tschechien, Slowakei (außerorts); Strafen 380–1.000 €, oft Fahrverbot.
  • 0,2 ‰: Polen; Strafen 145–1.200 €, teils Haft.
  • 0,5 ‰: Belgien, Frankreich, Italien, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Schweiz, Slowakei (innerorts), Spanien; Strafen 65–1.113 €.
  • 0,8 ‰: Österreich; Strafen 800–5.900 €, Fahrverbot.
  • Keine feste Grenze (Fahruntüchtigkeit): Dänemark, Finnland, Großbritannien/Irland, Norwegen, Schweden; Strafen 100–2.900 €.

Bevölkerung ist offen für niedrigere Grenzwerte

Auch die Grünen zeigen sich offen für eine Verschärfung. Swantje Michaelsen, die verkehrspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, unterstützt grundsätzlich einen zusätzlichen Grenzwert von 1,1 Promille für Radfahrer. Gleichzeitig betonte sie, dass Verkehrssicherheit nicht allein durch Verbote erreicht werden könne und der Ausbau sicherer und durchgängiger Radwegenetze entscheidend sei.

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Die Forderungen aus der Politik werden durch eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates unterstützt. Laut der Umfrage sprechen sich 82 Prozent der Befragten für eine Promillegrenze von 0,5 oder weniger auf dem Fahrrad aus, fast ein Drittel befürwortet sogar ein vollständiges Alkoholverbot für Radfahrer.

Manfred Wirsch, Präsident des Verkehrssicherheitsrates, sieht in den Umfrageergebnissen ein klares Signal: "Die Gesellschaft ist bereit für strengere Regelungen." Zugleich zeigte die Umfrage, dass die bestehenden Regelungen vielen nicht bekannt sind. Weniger als jeder Fünfte wusste, dass die absolute Fahruntüchtigkeit bei 1,6 Promille beginnt. Viele gingen fälschlicherweise davon aus, dass diese Grenze bei 0,5 Promille liege.

Fazit