Wintercamping mit dem Wohnmobil
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Allwetterreifen im Test Ingolf Pompe
Allwetterreifen im Test
Allwetterreifen im Test
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Allwetterreifen im Test 19 Bilder

7 Ganzjahresreifen für Wohnmobile im Test (2020)

7 Ganzjahresreifen für Wohnmobile im Test (2020) Reifen für Schnee, Regen und Trockenheit

Die Winter immer milder, die Reifenwechsel immer teurer und als Reisesaison ist die kalte Jahreszeit ohnehin weniger attraktiv: Gerade bei Reisemobilen spricht viel für ganzjährig einsetzbare Allwetterreifen. 7 Kandidaten im Vergleichstest.

Allwetterreifen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Im vergangenen Jahr waren rund 18 Prozent aller verkauften Neureifen für Pkw, leichte Nutz- und Campingfahrzeuge für alle Wetter zugelassen. Wer jetzt glaubt, dass sich diese Marktverschiebung zulasten der Winterreifen auswirkt, der irrt! Die Profis für Schnee, Eis und nasskalte Straßen halten auch weiterhin rund 50 Prozent Marktanteil. Die Anzahl der im freien Handel verkauften Sommerreifen ging jedoch auf 32 Prozent zurück.

Woher der Trend zum Allwetterreifen?

Allwetterreifen im Test
Ingolf Pompe
Schrauben, fahren, schreiben. Bis zum Abschluss des Tests wurde jeder Testradsatz bis zu sechsmal an- und wieder abgebaut.

Einer der Gründe für den Trend zu den Allseasons, wie die Allwetterreifen auch häufig genannt werden, ist ganz gewiss der Klimawandel, der mehr und mehr auch in den deutschen Mittelgebirgen spürbar wird. Hinzu kommt die deutliche Verteuerung der Fahrzeug- und Servicekosten. Allein schon die Anschaffung eines Winterradsatzes kostet, etwa für den Fiat Ducato, inklusive Montage und der empfehlenswerten Reifenluftdruck-Sensoren, kaum unter 1200 Euro.

Auch die jährlich zweimal anfallenden Räderwechsel von Winter- auf Sommerreifen und zurück müssen zusammen mit rund 200 Euro einkalkuliert werden. Mehr Kosten und mehr Aufwand, die den Einsatz von Ganzjahresreifen, vor allem auf einem Campingmobil, das im Winter nicht zwangsläufig bewegt werden muss, nahelegen.

Vorteile und Nachteile der Allwetterreifen

Frühere Tests belegen: Allwetterreifen kommen auf Schnee und Eis nicht an die Leistungsfähigkeit und Haftung moderner Winterreifen heran. Auch gegenüber Sommerreifen haben sie, insbesondere auf sommerlich-heißem Asphalt, Nachteile. Sie sind aufgrund ihrer im warmen Zustand naturgemäß etwas weicheren Mischung nicht so standfest, was sich in längeren Bremswegen sowie reduzierter Kurvenfestigkeit bemerkbar macht. Dazu verschleißen sie schneller und sind damit, was sie sind: ein Kompromiss.

Doch mit diesem Kompromiss haben sie im Sommer durchaus auch Vorteile. So zeigt etwa das gröbere, von mehr Querrillen, Profilblöcken und teils auch mit feinen Einschnitten, den Lamellen, geprägte Profil – zumindest bei guter Profiltiefe – deutlich bessere Traktion auf losem oder rutschigem Untergrund. Etwa wenn es darum geht, ein schweres, frontgetriebenes Reisemobil aus der regennassen Campingplatzwiese zu fahren. Zudem sind Allseasons, wenngleich das bei schweren Reisemobilen oft erst ab Landstraßentempo ins Gewicht fällt, meist besser gegen das gefährliche Aufschwimmen auf regennassen Straßen, das Aquaplaning, geschützt.

Allwetterreifen im Test
Thiemo Fleck
Um das Fahrverhalten eines größeren Reisemobils zu simulieren, wurde ein teilbeladender Ducato mit Planenaufbau eingesetzt.

Doch damit ist es mit den allgemeinen Vorteilen von Allwetterreifen auch vorbei. Wie sie von ihren Herstellern auf die unterschiedlichen Straßenverhältnisse wie Schnee, Nässe oder sommerlich-heiße Straßen konstruktiv vorbereitet sind und wie deren individuelle Gewichtung ausfällt, ist nämlich sehr verschieden. Wodurch sich die sieben Wettbewerber im Detail unterscheiden und welcher sich für Ihre individuellen Anforderungen aus unserer Sicht am besten eignet, soll dieser Vergleichstest zeigen.

Die Testkandidaten und Bewertung

Die Preise, Vor- und Nachteile der einzelnen Reifen und die Allwetterwertung sowie das Gesamturteil der sieben Reifen im Überblick. Am Start sind: Der noch recht junge Continental VanContact 4 Season, der relativ preisgünstige Falken Euro AllSeason Van 11, der bewährte Goodyear Vector 4Seasons Cargo, der kantige Maxxis Van-smart A/S AL2, der unkonventionell pfeilförmig profilierte Michelin Agilis CrossClimate, der ebenso durch weitgehenden Lamellenverzicht recht sommerreifenähnlich wirkende Pirelli Carrier All Season und der mit kräftigen Blöcken und tiefen Lamellen versehene Vredestein Comtrac 2 Allseason.

Continental VanContact 4Season

Continental VanContact 4Season
Ingolf Pompe

 Sehr gut bei Traktion
 Kurvenführung und Bremsen auf Schnee
 Nass leicht beherrschbar
 Sehr guter Grip in trockenen Kurven
 Angenehm leise
 Schwache Haltung beim Bremsen auf trockenem Asphalt

Preis: 161 Euro
Allwetterurteil: 8,8 von 10 Punkten
promobil-Gesamturteil: Empfehlenswert

Falken Euro All-Season Van 11

Falken Euro All-Season Van 11
Ingolf Pompe

 Überwiegend sichere Fahreigenschaften auf Schnee
 Mit sehr behäbiger Lenkansprache unempfindlich bei schnellen Spurwechseln
 Längere Bremswege und reduzierter Kurvengrip auf nassem und trockenem Asphalt
 Poltrig im Abrollkomfort
 Summendes Abrollgeräusch

Preis: 116 Euro
Allwetterurteil: 7,3 von 10 Punkten
promobil-Gesamturteil: Noch empfehlenswert

Goodyear Vector 4Seasons Cargo

Goodyear Vector 4Seasons Cargo
Ingolf Pompe

 Sehr gut beherrschbares, sicheres Fahrverhalten
 kurze Bremswege und guter Aquaplaningschutz auf Nässe
 Leiser Reifen mit guter Dämpfung
 Unausgewogenes Traktions-Seitenführungsverhältnis auf Schnee
 Etwas längere Bremswege trocken

Preis: 153 Euro
Allwetterurteil: 8,6 von 10 Punkten
promobil-Gesamturteil: Empfehlenswert

Maxxis Vansmart A/S AL2

Maxxis Vansmart A/S AL2
Ingolf Pompe

 Auf etwas reduziertem Niveau verlässlich auf Schnee
 Das grobe Profil ist hier vorteilhaft für ältere Fahrzeuge ohne ASR
 Trotzdem recht leise
 Längeres Bremsen auf allen Prüfuntergründen
 Träge Reaktion
 Reduzierte Kurvenfestigkeit und leichte Übersteuertendenz auf trockener Bahn

Preis: 113 Euro
Allwetterurteil: 7,3 von 10 Punkten
promobil-Gesamturteil: Noch empfehlenswert

Michelin Agilis CrossClimate

Michelin Agilis CrossClimate
Ingolf Pompe

 Guter Grip in verschneiten Kurven
 Aquaplaningsicher
 Ausgewogen-sicheres Fahrverhalten mit sehr kurzen Bremswegen auf trockenem Asphalt
 Wenig ausgewogenes Traktions-Seitenführungsverhältnis auf Schnee
 Kräftige Untersteuerneigung in nassen Kurven

Preis: 175 Euro
Allwetterurteil: 8,1 von 10 Punkten
promobil-Gesamturteil: Empfehlenswert

Pirelli Carrier All Season

Pirelli Carrier All Season
Ingolf Pompe

 Mit starken Reserven sehr sicher bei Regen
 guter Aquaplaningschutz
 Sehr sicheres und kurvenfestes Fahrverhalten auf trockenem Asphalt
 Mit sehr schwacher Haftung (Abwertung wegen zu langer Bremswege) auf Schnee für Winterfahrten im Bergland weitgehend ungeeignet

Preis: 129 Euro
Allwetterurteil: 6,5 von 10 Punkten
promobil-Gesamturteil: Bedingt empfehlenswert

Vredestein Contrac 2 Allseason

Vredestein Comtrac 2 Allseason
Ingolf Pompe

 Dynamisches Fahrverhalten mit starkem Kurvengrip auf Schnee
 Mit Ausnahme der sehr schwachen Bremsleistungen noch akzeptable Fahrdynamik
 Sehr lange Bremswege auf nassem (Abwertung) und trockenem Asphalt
 Wenig Grip in nassen Kurven
 sehr träge Lenkreaktion
 lautes Abrollen

Preis: 114 Euro
Allwetterurteil: 6,4 von 10 Punkten
promobil-Gesamturteil: Bedingt empfehlenswert

Eisige Winterreifentest-Bedingungen in der Schweiz

Nufenen, Schweiz, Ende Februar: Es ist kalt in dieser Nacht. Tiefhängende Wolken sorgen für konstante Temperaturen über der aufwendig präparierten, gewalzten, immer wieder von schwerem Gerät aufgerauten Testfläche. Hin und wieder nehmen durchziehende Nebelschwaden den Testfahrern die Sicht. Deren Blicke pendeln zwischen den vom gleißenden Scheinwerferlicht aus der Dunkelheit gerissenen Spurgassen und den Anzeigen der Messgeräte hin und her. Beschleunigen, Bremsen, nach festen Vorgaben, immer wieder, immer hochkonzentriert. Der kleinste Fehler bedeutet, dass die Messung wiederholt werden muss.

Und das kostet Zeit. Zeit, in der aufkommende Müdigkeit immer vehementer an die Tür klopft. Nicht nur bei den Testfahrern, auch das Montageteam hat gegen Schlaf, Kälte und Nässe anzukämpfen. Trotz frostiger sieben Minusgrade tauen die heiß gefahrenen Bremsscheiben des Ducato die Schneereste von den Rädern und verwandeln die Wechselplätze schnell in eisige Pfützen.

Allwetterreifen im Test
Ingolf Pompe
Der Handlingtest wird nachts auf einem von Schneewällen begrenzten Rundkurs durchgeführt. Sicheres und berechenbares Fahrverhalten bringt Punkte.

Dennoch greifen emsige Hände mit Wagenhebern, Schlagschraubern und Drehmomentschlüsseln wie die Zähne eines perfekt abgestimmten Getriebes ineinander. Das Wechseln aller vier Räder dauert selbst unter diesen widrigen Bedingungen keine zehn Minuten. Die Messdisziplinen in dieser Nacht: Traktion, Bremsen und Seitenführung auf Schnee. In der nächsten Nacht stehen die Handlingtests auf dem Programm. Auf einem kurvenreichen, engen Rundkurs, zwischen hohen, teils eishart gefrorenen Schneewänden hindurch, müssen die Reifen zeigen, wie gut sie es schaffen, den Ducato auf der festgefahrenen Schneefahrbahn zu halten.

Hier geht es um Tempo und um Grenzbereiche. Um Situationen, wie man sie niemandem im realen Verkehr wünscht. Situationen, die aber – ob selbst- oder fremdverschuldet – jederzeit auftreten können. Es geht um Ihre Sicherheit. Je einfacher ein Reifen in den, von uns bewusst provozierten Grenzsituationen beherrschbar ist, je mehr Haftung er beim Bremsen bietet, jedes Quäntchen mehr Traktion und jede Gripreserve in Kurven schlägt sich im Test in schnelleren Rundenzeiten nieder und bewahrt in einer entscheidenden Notsituation vor Schaden oder Leid.

Schauen wir auf die Ergebnisse: Als bester Allseason auf Schnee fährt der neue Conti mit deutlichem Abstand weit nach vorn. Mit ebenso guter Kurvensicherheit, aber Abstrichen im Bremsen und in der Traktion folgt der Vredestein. Auch Falken kann auf Schnee bei etwas niedrigerem Gripniveau mit einem ausgewogenen Fahrverhalten überzeugen. Mit weniger ausgeglichenem Seitenführungs-Traktions-Verhältnis folgen dichtauf Goodyear und Michelin, auch Maxxis rettet sich dank grober Profilierung und breiten Schlupfreserven in die Punkte. Eindeutig zu wenig Wintergrip bietet in diesem Test lediglich der Pirelli Carrier All Season, dem wir trotz des auf der Seitenwand prangenden Schneeflockensymbols die Wintereignung etwas in Abrede stellen müssen. Der beste Wohnmobil-Allwetterreifen im Winter? Mit Abstand der neue Conti VanContact 4Season.

Welcher Reifen kann auf nasser Fahrbahn überzeugen?

Allwetterreifen im Test
Ingolf Pompe
Die Bremsversuche auf der bestens präparierten Testfläche finden wegen der dann konstanten Temperaturen in der Nacht statt.

Das genügt fürs Erste, der Testtross reist nun durch die Jahreszeiten in den Frühling. Das Testgelände im Norden Deutschlands empfängt ihn einige Wochen später mit Sonne, zweistelligen Temperaturen und bestens präparierten Strecken. Perfekt! Zunächst müssen die Allseasons auf bewässerten Strecken ran. Sicheres Bremsen auf nassen Straßen ist die aus unserer Sicht sicherheitsrelevanteste Disziplin. Kann sich der Conti auch hier behaupten?

Er kann, aber die physikalischen Zielkonflikte seiner winteroptimierten Mischung machen ihm etwas zu schaffen. Nass-Bremswege um 38 Meter aus Tempo 80 sind gut, aber nicht top. Hier bremsen Pirelli und Michelin besser, mit deutlichem Abstand führt Goodyear, der rund drei Meter früher zum Stehen kommt. Etwas schwächer als Conti bremsen Maxxis und Falken, Vredestein rutscht mit rund 42 Metern Bremsweg weit in den roten Bereich.

Wer glaubt, dass es beim Ermitteln der Bremswege mit einer gemessenen Bremsung auf beliebiger Strecke getan ist, der irrt gewaltig. Auch hier sind konstante Reibwerte der Fahrbahn sowie das sichere Ausschließen von Einflüssen aus der Bremsanlage selbst entscheidend. So werden die Versuche pro Reifensatz bis zu zehnmal wiederholt, der Bremspunkt muss reproduzierbar exakt getroffen und die Spur exakt gehalten werden. Ein Fall für Profis. Doch Bremsen ist längst noch nicht alles, was auf nasser Fahrbahn eine Rolle spielt. Nicht unberücksichtigt bleiben darf natürlich auch das Aquaplaning-Verhalten.

Das testen wir auf permanent bewässerten Versuchsbahnen – in Kurven- wie bei Geradeausfahrt. Zur Messung des Kurvenaquaplanings etwa wird der Testwagen auf einer Kreisbahn mit 200 Meter Durchmesser Runde für Runde stufenweise beschleunigt. An einer Stelle der Fahrbahn ist eine künstliche Pfütze eingebaut, 20 Meter lang, mit einer Wassertiefe von exakt 7 mm. Pkw mit breiten Sommerreifen verlieren bei dieser simulierten Starkregensituation oft schon ab Tempo 60 die Haftung und kommen ins Schleudern.

Auch grob profilierte Allwetterreifen können bei hohem Tempo auf Nässe aufschwimmen.
Ingolf Pompe
Auch grob profilierte Allwetterreifen können bei hohem Tempo auf Nässe aufschwimmen.

Der schwere Ducato auf tief profilierten Ganzjahresreifen hingegen zerteilt bei diesem Tempo noch eisern die Fluten. Doch ab Tempo 80 beginnen auch die Transporterreifen aufzuschwimmen. Dann ist schnelle Reaktion gefragt.

Während ein schleudernder Pkw noch vergleichsweise einfach abzufangen ist, gestaltet sich das Manöver bei einem mit nahe Tempo 100 ausrutschenden Reisemobil wegen des hohen Schwerpunkts und der damit verbundenen Kippgefahr sichtlich anspruchsvoller, was auch erfahrenen Testern alles abverlangt. Doch die Aufgabe lautet, die Sicherheitsreserven des Reifens im Grenzbereich und so die Qualitätsunterschiede zu ermitteln – Langsamfahren ist keine Option.

Als besonders sicher bei kräftigen Niederschlägen qualifizieren sich Michelin und Vredestein; Conti, Goodyear, Maxxis und Pirelli sind gut, lediglich Falken schwimmt in der Kombination aus Längs- und Queraquaplaning früher auf.

Ob alle Reifeneigenschaften wie die objektiv erfassbaren Größen Bremsgrip, Traktion, Seitenführung und Aquaplaningsicherheit in realen Fahrsituationen effizient und sicher zusammenwirken, zeigt auch hier der Handlingtest: Der Testfahrer versucht einen permanent sehr gleichmäßig bewässerten, kurvenreichen Rundkurs möglichst schnell zu durchfahren.

Eine schnelle, objektiv erfasste Rundenzeit gibt dabei einen ersten Hinweis auf das Gripniveau und die Sicherheitsreserven des Reifens. Darüber hinaus achtet der Fahrer während der Fahrt aber auch auf das vom Reifen geprägte Fahrverhalten des Fahrzeugs. Ein Transporter- und Wohnmobilreifen sollte ein stets verlässliches, fehlerverzeihendes und tendenziell eher untersteuerndes, also insgesamt gutmütiges Fahrverhalten des Campers befördern. Schnelle Rundenzeiten, die vom Fahrer durch viele Korrekturen erkämpft werden müssen, oder ein tückisches, plötzlich übersteuerndes Fahrverhalten führen in der subjektiven Bewertung (siehe Tabelle) zu deutlichem Punktabzug.

Welcher ist nun der beste Reifen auf Nässe? Das ist mit einigem Abstand der Goodyear Vector 4Seasons Cargo, der mit einem sicheren, ausgewogenen Fahrverhalten und den kürzesten Bremswegen überzeugen kann. Auf fast ebenso hohem Niveau, jedoch mit Zugeständnissen in der einen oder anderen Disziplin folgen Pirelli, Conti und Michelin, auch Maxxis und Falken fahren akzeptable Ergebnisse ein, nur Vredesteins Comtrac 2 Allseason vermasselt mit sehr langen Bremswegen auf Nässe seine sonst eigentlich recht überzeugende Performance auf regennassen Straßen.

Sicherheit & Dynamik auf trockenem Asphalt

Und wer liegt auf trockenem Asphalt vorn? Lassen wir mal die Umweltkriterien zunächst außen vor und schauen auf Sicherheit und Dynamik: Auch im Trockenen bringt sicheres Bremsen mit kurzen Anhaltewegen die meisten Punkte. Und die hat sich der sommerorientierte Michelin Cross-Climate redlich verdient. Mit nur 43,8 Metern Bremsweg aus Tempo 100 bremst er ganze zweieinhalb Meter besser als der in dieser Disziplin zweitbeste Wettbewerber Pirelli. Falken, Goodyear und Maxxis brauchen nochmals zwei bis drei Meter mehr. Bei Conti und Vredestein sind es sogar eher drei bis vier Meter mehr, die der Ducato aus Tempo 100 auf trockenem Asphalt bis zum Stillstand braucht. Diese entscheidenden Meter, die im Ernstfall zu schmerzhaften Schäden führen können, werden von uns mit deutlichem Punktabzug bestraft.

Auch wenn Reisemobile und Transporter in der Praxis eher gemächlich und besonnen unterwegs sind, kann, etwa bei einem plötzlich auftauchenden Hindernis, ein Ausweichmanöver nötig sein. Beim schnellen Spurwechsel muss man sich zu 100 Prozent auf die Fahrsicherheit und Stabilität des Fahrzeugs verlassen können. Und die wiederum wird stark von der Abstimmung und der konstruktiven Auslegung des Reifens bestimmt.

Im Handlingtest auf dem schnellen Rundkurs werden Reifen und Fahrzeug bis ans Äußerste gefordert.
Ingolf Pompe
Im Handlingtest auf dem schnellen Rundkurs werden Reifen und Fahrzeug bis ans Äußerste gefordert. Ein gutmütiges und sicheres Fahrverhalten bringt Punkte.

In einem waghalsigen, aber stets reproduzierbaren Spurwechselmanöver simulieren wir diese Situation bei 120 km/h auf der Teststrecke und beobachten, wie sich das Fahrzeug verhält: Wie spontan reagiert es auf Lenkbefehle, bleibt das Heck stabil oder bricht es etwa aus? Die Ergebnisse sind in der Punktewertung aufgeführt.

Zum Schluss noch Trockenhandling. Bei diesem Test wird, vergleichbar dem Nasshandling, auf einem kurvenreichen Rundkurs die Performance und Fahrsicherheit der Reifen bewertet. Aufgrund des allerdings etwas eingeschränkten Leistungsangebots des Test-Ducato liegen die Rundenzeiten relativ nah beieinander. Dennoch gibt es, das zeigt die subjektive Bewertung, deutliche Unterschiede.

Das Ergebnis: Der mit Abstand sicherste Allwetterreifen auf trockenen Straßen kommt mit kurzen Bremswegen und tadellosem Handling von Michelin. Etwas kurvenfester, dafür aber schwächer beim Bremsen sind Pirelli und Conti – auch der Goodyear fährt noch vorne mit.

Maxxis und Falken scheinen von ihren Winterreifen-Genen gehemmt zu sein und können, bei durchaus akzeptablen Fahrleistungen, nicht ganz mithalten. Vredestein reißt zudem mit seinen langen Bremswegen auf Nässe unser Abwertungskriterium und wird so in der Schlusswertung eine volle Note herabgestuft. Eine Schwäche, die zwischenzeitlich auch die Vredestein-Entwickler erkannten und bereits behoben haben. Eine laut Hersteller deutlich verbesserte Variante des Reifens, der Vredestein Comtrac Allseason Plus, soll bereits im Handel verfügbar sein.

Wer ist der Sieger unter den Allwetterreifen?

Gibt es den besten Allwetterreifen? Nach unserem Maßstab, der die Winter-, Nässe-, Trocken- und Umwelteigenschaften zu jeweils 20/40/20/ 20 Prozent und damit bewusst nässelastig gewichtet, landet der Wintersportler Conti einen Hauch vor Nässeprofi Goodyear und Trockensieger Michelin.

Welchen also nehmen? Ganz einfach: Liegt das Einsatzgebiet im Bereich von Mittelgebirgen, der Fokus auf möglichst guten Allroundeigenschaften unter Betonung der Nässetalente, sind die Allwetterpneus von Conti, Goodyear und Michelin erste Wahl. Pfeift man komplett auf Schnee, weil man etwa im Flachland wohnt und die Allwetterreifen eigentlich nur wegen der vorgeschriebenen Winterkennzeichnung montieren will, findet man auch im Pirelli Carrier Allseason einen treuen und haltbaren Begleiter.

Wer aber in beiden Jahreszeiten auf höchste Sicherheit setzt und besonders im Winter auf bestmögliche Traktion bei jedem Wetter angewiesen ist, sollte im Herbst und Frühjahr auf den Reifenwechsel auch weiterhin nicht verzichten.

Die Ergebnisse auf Schnee

Allwetterreifen im Test
Ingolf Pompe
Der Handlingtest wird nachts auf einem von Schneewällen begrenzten Rundkurs durchgeführt. Sicheres und berechenbares Fahrverhalten bringt Punkte.

Die sieben Reifen werden jeweils in den Kategorien Bremsleistung, Seitenführung, Traktion und Handling getestet.

Wie wird gemessen?

  • Bremsleistung: Vollbremsung mit ABS-System von 50-10 km/h auf festgefahrener Schneedecke. Bremsweg in Meter.
  • Seitenführung: Messung bei Slalomfahrt. Angegeben ist die gemittelte maximale Querbeschleunigung.
  • Traktion: Zugkraft beim Anfahrtsversuch auf homogen festgefahrener Schneedecke. Beschleunigung in m/s².
  • Handling: Auf schneebedeckter Rundstrecke (1600 m) wird auf Zeit gefahren. Durchschnittsgeschwindigkeit in km/h.

Continental Van Contact 4 Season

  • Bremsleistung: 18,2 Meter – sehr gut
  • Seitenführung: 3,49 m/s²- sehr gut
  • Traktion: 1,71 m/s²- sehr gut
  • Handling: 45,0 km/h – sehr gut

Falken Euro All-Season Van 11

  • Bremsleistung: 19,0 m – gut
  • Seitenführung: 3,41 m/s²- gut
  • Traktion: 1,68 m/s²- gut
  • Handling: 43,9 km/h – gut

Goodyear Vector 4 Seasons Cargo

  • Bremsleistung: 18,9 Meter – gut
  • Seitenführung: 3,31 m/s²- durchschnittlich
  • Traktion: 1,71 m/s²- sehr gut
  • Handling: 43,3 km/h – durchschnittlich

Maxxis Vansmart A/S AL2

  • Bremsleistung: 19,3 Meter – durchschnittlich
  • Seitenführung: 3,25 m/s²- unterdurchschnittlich
  • Traktion: 1,63 m/s²- durchschnittlich
  • Handling: 44,1 km/h – gut

Michelin Agilis CrossClimate

  • Bremsleistung: 19,3 Meter – durchschnittlich
  • Seitenführung: 3,46 m/s²- sehr gut
  • Traktion: 1,62 m/s²- durchschnittlich
  • Handling: 44,5 km/h – gut

Pirelli Carrier All Season

  • Bremsleistung: 23,0 Meter – ungenügend
  • Seitenführung: 2,85 m/s²- ungenügend
  • Traktion: 1,38 m/s²- ungenügend
  • Handling: 37,8 km/h – ungenügend

Wredestein Comtrac 2 Allseason

  • Bremsleistung: 18,8 Meter – gut
  • Seitenführung: 3,47 m/s²- sehr gut
  • Traktion: 1,68 m/s²- gut
  • Handling: 44,3 km/h – gut

Die Ergebnisse der Nässeprüfung

Allwetterreifen im Test
Thiemo Fleck
Selbst schmale und grob profilierte Transporterreifen können bei Starkregen aufschwimmen.

Auch bei Nässe wurden die sieben Reifen getestet: Dieses Mal in den Kategorien Bremsleistung, Seitenführung, Handling, Aquaplanung längs und Aquaplaning quer getestet.

Wie wird gemessen?

  • Bremsleistung: ABS-Vollbremsung 80-0 km/h auf bewässertem Asphalt. Messfahrzeug: VW Amarok, beladen.
  • Seitenführung: Bewässerter Asphaltkreis, Durchmesser: 80 Meter. Maximale Querbeschleunigung in m/s².
  • Handling: Auf dem 1823 Meter langen Handlingkurs zählt die maximale Durchschnittsgeschwindigkeit in km/h.
  • Aquaplaning längs: Ermittelt wird die Aufschwimmgeschwindigkeit bei geführter Geradeausfahrt in km/h bei 15% Schlupf.
  • Aquaplaning quer: Haftung bei Wasserdurchfahrt im 200-m-Kreis (VDA). Gewertet wird die Querbeschleunigung in m/s².

Continental Van Contact 4 Season

  • Bremsleistung: 37,9 Meter – gut
  • Seitenführung: 6,08 m/s²- gut
  • Handling: 63,9 km/h – gut
  • Aquaplaning längs: 74,5 km/h – gut
  • Aquaplaning quer: 3,76 m/s² – gut

Falken Euro All-Season Van 11

  • Bremsleistung: 39,9 Meter – unterdurchschnittlich
  • Seitenführung: 5,87 m/s²- unterdurchschnittlich
  • Handling: 62,8 km/h – durchschnittlich
  • Aquaplaning längs: 72,2 km/h – durchschnittlich
  • Aquaplaning quer: 3,73 m/s² – gut

Goodyear Vector 4 Seasons Cargo

  • Bremsleistung: 35,2 Meter – sehr gut
  • Seitenführung: 6,12 m/s²- sehr gut
  • Handling: 64,3 km/h – sehr gut
  • Aquaplaning längs: 76,6 km/h – gut
  • Aquaplaning quer: 3,65 m/s² – durchschnittlich

Maxxis Vansmart A/S AL2

  • Bremsleistung: 38,6 Meter – durchschnittlich
  • Seitenführung: 5,98 m/s²- durchschnittlich
  • Handling: 62,8 km/h – durchschnittlich
  • Aquaplaning längs: 78,4 km/h – sehr gut
  • Aquaplaning quer: 3,64 m/s² – durchschnittlich

Michelin Agilis CrossClimate

  • Bremsleistung: 36,8 Meter – gut
  • Seitenführung: 5,88 m/s²- unterdurchschnittlich
  • Handling: 62,7 km/h – durchschnittlich
  • Aquaplaning längs: 76,8 km/h – gut
  • Aquaplaning quer: 3,99 m/s² – sehr gut

Pirelli Carrier All Season

  • Bremsleistung: 37,4 Meter – gut
  • Seitenführung: 6,06 m/s²- gut
  • Handling: 63,9 km/h – gut
  • Aquaplaning längs: 76,4 km/h – gut
  • Aquaplaning quer: 3,81 m/s² – gut

Wredestein Comtrac 2 Allseason

  • Bremsleistung: 41,7 Meter – ungenügend
  • Seitenführung: 6,09 m/s²- gut
  • Handling: 63,5 km/h – gut
  • Aquaplaning längs: 76,2 km/h – gut
  • Aquaplaning quer: 4,02 m/s² – sehr gut

Die Ergebnisse der Trockenprüfung

Allwetterreifen im Test
Thiemo Fleck
Im Handlingtest auf dem schnellen Rundkurs werden Reifen und Fahrzeug bis ans Äußerste gefordert. Neben dem Tempo bringt gutmütiges und sicheres Fahrverhalten die meisten Punkte.

Auf trockenem Asphalt werden die sieben Reifen in Bezug auf Bremsleistung, Handling, Rollwiderstand und Abrollgeräusch getestet.

Wie wird gemessen?

  • Bremsleistung: ABS-Vollbremsung 100-0 km/h auf trockenem Asphalt. Mittelwert aus zehn gültigen Versuchen.
  • Handling: Auf einem Rundkurs zählen Fahrsicherheit und Rundenzeit. Durchschnittsgeschwindigkeit in km/h.
  • Rollwiderstand: Der Rollwiderstandsbeiwert in kg/t wird auf einem stationären Rollenprüfstand ermittelt.
  • Abrollgeräusche: Abrollgeräusche der Reifen auf ISO-Norm-Asphalt mit abgestelltem Motor bei 80 km/h.

Continental Van Contact 4 Season

  • Bremsleistung: 49,5 Meter – unterdurchschnittlich
  • Handling: 86,1 km/h – sehr gut
  • Rollwiderstand: 6,8 kg/t – sehr gut
  • Abrollgeräusche: 71,3 db(A) – sehr gut

Falken Euro All-Season Van 11

  • Bremsleistung: 49,2 Meter – durchschnittlich
  • Handling: 83,4 km/h – unterdurchschnittlich
  • Rollwiderstand: 7,1 kg/t – gut
  • Abrollgeräusche: 72,2 db(A) – durchschnittlich

Goodyear Vector 4 Seasons Cargo

  • Bremsleistung: 48,2 Meter – durchschnittlich
  • Handling: 85,2 km/h – gut
  • Rollwiderstand: 7,5 kg/t – gut
  • Abrollgeräusche: 71,6 db(A) – gut

Maxxis Vansmart A/S AL2

  • Bremsleistung: 49,1 Meter – durchschnittlich
  • Handling: 84,7 km/h – durchschnittlich
  • Rollwiderstand: 7,5 kg/t – gut
  • Abrollgeräusche: 71,9 db(A) – gut

Michelin Agilis CrossClimate

  • Bremsleistung: 43,8 Meter – sehr gut
  • Handling: 85,1 km/h – gut
  • Rollwiderstand: 7,3 kg/t – gut
  • Abrollgeräusche: 71,6 db(A) – gut

Pirelli Carrier All Season

  • Bremsleistung: 46,3 Meter – gut
  • Handling: 86,2 km/h – sehr gut
  • Rollwiderstand: 7,1 kg/t – gut
  • Abrollgeräusche: 71,6 db(A) – gut

Wredestein Comtrac 2 Allseason

  • Bremsleistung: 50,4 Meter – unterdurchschnittlich
  • Handling: 85,9 km/h – gut
  • Rollwiderstand: 7,5 kg/t – gut
  • Abrollgeräusche: 75,1 db(A) – ungenügend

So testet promobil

Die Gesamtnote des promobil-Reifentests wird, wie auch bei anderen vergleichenden Warentests, nach einem zuvor festgelegten Schlüssel aus den gewichteten Einzelnoten berechnet. Die maximal erreichbare Punktzahl ist in allen Testdisziplinen einheitlich auf zehn Punkte festgelegt. In diesem Test wurde der promobil-Schlüssel für C-Allwetterreifen verwendet: Schnee 20 %, Nässe 40 %, Trocken 20 %, Umwelt 20 %.

Erreicht ein Reifen in einer der sicherheitsrelevanten Disziplinen – wie etwa bei den Bremstests – weniger als sechs Punkte (nicht empfehlenswert), wird er in der Gesamtnote um einen vollen Punkt abgewertet. Ist er gar in mehreren Disziplinen nicht empfehlenswert, können entsprechend weitere Punkte abgezogen werden. Mit diesem Vorgehen soll sichergestellt werden, dass sehr einseitig – und damit realitätsfern – spezialisierte Reifen mit gravierenden Defiziten in anderen wichtigen Disziplinen besser von wünschenswert breitbandig ausgelegten, jeweils aber vielleicht nur durchschnittlichen Produkten unterschieden werden können.

Niemals ohne Schneeflocke

Allwetterreifen im Test
Andreas Becker
Das Schneeflockensymbol auf der Reifenseite zeigt die Wintereignung von Winter- und Allwetterreifen.

Augen auf beim Reifenkauf. Vermeintlich günstige Schnäppchen, die noch ohne Schneeflockensymbol angeboten werden, gelten ab 2024 nicht mehr als Winterreifen. Pkw, Busse, Lkw und auch Wohnmobile, die unter winterlichen Bedingungen gefahren werden, müssen ab Oktober 2024 Winter- oder Ganzjahresreifen mit dem sogenannten Alpine-Symbol gemäß EU-Richtlinie ECE R 117 tragen. Solche Reifen haben ihre Wintereignung im Vergleich zu einem Referenzreifen unter Beweis gestellt. Reifen, die lediglich die alte M+S-Kennung auf der Flanke tragen und nur bis zum 31. Dezember 2017 produziert werden durften, sind bei Schnee und Eis nur noch bis Ende September 2024 zugelassen.

Bei Pkw und Wohnmobilen muss – im Gegensatz zu Lkw und Bussen – an allen Radpositionen zugelassene Winterbereifung montiert sein. Anhänger und zwischenzeitlich auch wieder Motorräder sind von der Winterreifenpflicht ausgenommen. Allerdings empfehlen wir auch bei Wohnwagen, zumindest bei geplanten Winterfahrten, dringend zur Montage geeigneter Reifen. Doch keine Angst: Hochwertige Allwetterreifen wie auch Markenwinterreifen werden schon seit Jahren nach dem Schneeflockensymbol geprüft und sind längst entsprechend gekennzeichnet. Ein Blick auf die Reifenseitenwand schafft Sicherheit.

Die 7 Allwetterreifen im Überblick

Fazit

Ein Kompromiss: Für Wenigfahrer, Fahrten zum Überwintern in den Süden, bei überwiegend urbanem Verkehr im Flachland oder für den Einsatz an Mietwagen sind Allwetterreifen – vor allem aus Kostengründen – eine vernünftige Wahl. Ein Kompromiss bleiben sie aber dennoch gegenüber echten Sommer- und Winterreifen. Unter den Extrembedingungen – Schnee oder Hitze – sind sie den Spezialisten in den meisten Punkten unterlegen. Wer diese Einschränkungen beachtet, aber wechseln will: Der ideale Zeitpunkt ist jetzt im Herbst, denn dann steht im Winter noch das volle Profil zur Verfügung.

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