Das kleine Wohnmobil aus italienischer Fertigung ist ein echtes Überraschungs-Ei. Nicht nur die formschöne Karosserie gefällt, sondern auch die verblüffend große Sitzgruppe. Was kann der Oasi noch?
Das kleine Wohnmobil aus italienischer Fertigung ist ein echtes Überraschungs-Ei. Nicht nur die formschöne Karosserie gefällt, sondern auch die verblüffend große Sitzgruppe. Was kann der Oasi noch?
Wer ein kompaktes Reisemobil sucht, geht oft im Campingbus-Segment auf die Pirsch. Doch auch aufgebaute Reisemobile gibt es im Bonsaiformat, zum Beispiel von Wingamm. Eines der beliebtesten Modelle der italienischen Marke ist der Oasi. Als 540 tritt der kleine Beau mit gerade mal 5,42 Meter Länge zum promobil-Test an. Damit ist das auf Fiat basierende Fahrzeug exakt einen Zentimeter länger als kurze Ducato-Campingbusse. Diese geizen oft mit Platz und Komfort. Ganz anders der Oasi, dessen GfK-Kabine 2,25 Meter Außenbreite aufweist.
Der Schlüssel zum überraschend großzügigen Raumgefühl des schnuckeligen Oasi 540 ist das Hubbett, das bei Nichtgebrauch sauber in die Decke integriert und platzsparend über der Sitzgruppe hängt. An vier Feder-unterstützten Haltearmen lässt es sich leicht bis auf Brusthöhe nach unten ziehen.
Zum Aufstieg ist eine Leiter nötig, die zwar bequem flach steht, aber so auch die Badtür blockiert. Während die Kopffreiheit hinten durchaus großzügig ist, schrumpft sie im Bug trotz der steil aufragenden T-Haube bis auf 40 Zentimeter zusammen. Auch der Rahmen des – an sich begrüßenswerten — großen Dachfensters im Bug trägt etliche Zentimeter auf und knapst so zusätzlich was von der Höhe ab.
Die Liegefläche ist mit 1,95 auf 1,35 Meter eher knapp. Zudem wird sie dadurch eingeschränkt, dass die Matratze ein Stück unter den vorderen Dachausschnitt ragt und so nicht auf voller Länge nutzbar ist. Am vorgesehenen Kopfende befinden sich zwei Leselampen.
Ist das Bett gebaut, lässt sich von der Sitzgruppe nur der Platz auf der Rückbank nutzen, und das auch nur sehr eingeschränkt. Man einigt sich also besser darauf, gleichzeitig zu Bett zu gehen. Der Schlafkomfort der Lattenrost-unterfederten Kaltschaummatratze geht in Ordnung.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Leben kann man als Paar gut mit dieser Schlafgelegenheit – sie ist letztlich der Preis für die überragende Kompaktheit des Oasi 540 –, aber sie bekommt die wenigsten Punkte von allen Wohnkapiteln. Lassen wir der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt, dass auch das Längssofa noch ein 1,74 Meter langes und 70 Zentimeter breites, reichlich straff gefedertes Notbett hergibt.
Seinem eigentlichen Zweck kommt das Sofa auf sehr komfortable Art nach. Überhaupt ist die Sitzgruppe für ein Fahrzeug dieser Größe überaus luftig. Das Hubbett stört die Kopffreiheit nur minimal. Die Vordersitze lassen sich – Ducato-typisch – sehr einfach drehen. Der ovale, in zwei Richtungen verschieb-, aber nicht weiter verstellbare Tisch stellt für zwei Personen reichlich Tafelfläche zur Verfügung, steht ein wenig wackelig, aber in Summe ausreichend stabil.
In der Grundausstattung gehört zur Wohnzimmerkonfiguration sogar noch ein Seitensitz neben der Küche. Sinnvoller ist es, diesen Platz wie im Testwagen der Küche zuzuschlagen. Denn so entsteht an der Stelle eine große Ablage-respektive Arbeitsfläche, mit der die Pantry sonst geizt. Auch den zusätzlichen Stauraum in Form von drei Schubladen lernt man schnell schätzen.
Denn außer dem großen Kleiderschrank, einem gleichfalls voluminösen Unterschrank, dem zur übersichtlicheren Belegung aber ein Zwischenboden fehlt, und drei kleinen Hängeschränken gibt es im Innenraum keine weiteren Staumöglichkeiten.
Auch im Außenbereich meint es der Oasi 540 nicht allzu gut mit Menschen mit großem Gepäck. Grundriss-bedingt fehlt eine Heckgarage. Fahrräder müssen darum auf einen Heckträger. Der versteckte Heckstauraum, der zum Vorschein kommt, wenn man die hintere Stoßstange nach unten klappt, ist sehr flach und so zerklüftet, dass man Hochlehner hier beim besten Willen nicht unterbekommt. Kompaktere Regiestühle passen hinein. Für Kleinteile wie Kabeltrommel und Keile gibt es auf der linken Seite noch ein zweites Außenstaufach. Die Klappe wird via Knopfdruck entriegelt, lässt sich dann allerdings nur mit sehr spitzen Fingern öffnen.
Zurück zur Küche: Mit der erwähnten Arbeitsfläche streckt sie sich von der B-Säule bis zur Aufbautür, ist ansprechend gestaltet und gut beleuchtet. Wer mit zwei Gasflammen auskommt, findet hier zum Kochen ein pragmatisches Betätigungsfeld. Erfreulich groß ist die Spüle. Der Kühlschrank kann hingegen nur mit 96 Liter Volumen aufwarten und ist zudem tief eingebaut. Das erschwert den Zugang, was auch für den Unterschrank daneben gilt. Vermisst wird ein Besteckeinsatz für die Schublade.
Auf Hygiene-Bedürftige wartet links hinten im Aufbau ein Sanitärraum, dessen Bewegungsfreiheit – von der knappen Stehhöhe (1,85 m) abgesehen – sehr üppig ist. Auch das runde, schüsselförmige Waschbecken ist umfangreich und lässt sich hervorragend nutzen. Darüber hinaus glänzt das Bad mit reichlich Stauraum in Form von zwei unterteilten Spiegelschränken und einem großen, gleichfalls geteilten Waschtischunterschrank. Praktische Ablagen sind ebenso vorhanden wie vier Haken, Handtuchstange, Zahnputzbecher, Papierhalter und sogar eine kleine Klobürste. Vorbildlich ist auch die Beleuchtung, etwas knapp die Spiegelflächen.
Viel Spielraum bei der Ganzkörperhygiene erlaubt die Grundfläche der Dusche, die sich aber nur mit einem einfachen Vorhang abtrennen lässt. Die Belüftung übernimmt ein Fenster.
Massive, elegante innenliegende Scharniere halten die Aufbautür und die Gaskastenklappe.
Mehrere USB-, 12-V- und 230-V-Steckdosen finden sich im ganzen Innenraum praxisgerecht verteilt.
Das Schloss der Außenklappe entriegelt elektrisch. Die Griffmulde ist aber zu klein für die Finger.
Die Griffplatten der Pushlock-Verschlüsse stehen kaum hervor und sind so schlecht greifbar.
Die Haltearme ragen unverkleidet ans Bett. Auch sonst gibt es keinerlei Absturzsicherungen.
Gurte/Schlafplätze: 4/3
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge/Breite/Höhe: 5,42/2,25/2,92 m
Grundpreis: ab 72.911 Euro
Testwagenpreis: 87.937 Euro
Ausstattung des Testwagens (Auszug)
Die aufwendige und gut verarbeitete Monocoque-Kabine kennzeichnet den Wingamm Oasi als Reisemobil mit besonderem Design. Beliebt macht sich der schnuckelige Beau zudem als äußerst handlicher Reisebegleiter. Wenig überraschend, dass unter dem Kompaktformat der Wohnkomfort etwas leidet – trotz gutem Raumgefühl und großer Sitzgruppe. Etwas zu kurz kommt vor allem der Stauraum.