Camping ist Freiheit. Und genau deshalb klappt es nur, wenn alle ein bisschen mitdenken. Denn die Plätze werden voller. Stellplätze genauso wie Campingplätze. Und wo viele Menschen aufeinandertreffen, reicht schon ein kleiner Funke – und aus Urlaubsstimmung wird Augenrollen oder richtiger Ärger.
Die gute Nachricht: Die meisten Aufreger lassen sich mit ein paar einfachen Regeln vermeiden. Ohne Spaßbremse. Ohne Blockwart-Mentalität. Einfach mit Rücksicht, etwas Routine – und einem freundlichen "Guten Tag".
Warum ein Camping-Knigge aktuell so wichtig ist
Wohnmobil- und Caravan-Urlaub boomt: In der Hauptsaison wird es eng, vor allem in beliebten Regionen. Mehr Fahrzeuge und Reisende, das muss nicht automatisch mehr Stress heißen. Aber sie bedeuten: weniger Platz. Und weniger Puffer. Dann fällt jedes laute Türknallen stärker auf. Und jedes "Ich stelle mich mal eben hierhin" wirkt doppelt so groß.
Kurz gesagt: Wer sich gut benimmt, macht nicht nur sich selbst das Leben leichter. Sondern allen.
Die 5 größten Aufreger beim Camping

Ein bisschen überspitzt, aber nicht völlig aus der Luft gegriffen: Das Kochwasser einfach aus dem Fenster zu kippen geht einfach gar nicht.
Das sind die schlimmsten Sünden, die Sie beim Camping begehen können. Wir verraten Ihnen, wie Sie diese vermeiden.
1. Lärm: Der Urlaubs-Killer Nummer eins.
Lärm ist auf Camping- und Stellplätzen der Klassiker. Und er ist erstaunlich leicht zu vermeiden.
- Drehen Sie TV und Musik nicht laut auf. Zeltwände sind dünn. Und selbst Wohnmobilwände sind keine Betonmauern. Achten Sie offizielle Ruhezeiten auf dem Platz.
- Achten Sie – besonders abends und nachts – darauf ihre Türen sanft zu schließen. Das gilt für Aufbautüren genauso wie für Schiebetüren von Kastenwagen.
- Späte Anreise? Passiert. Dann bitte kurz und effizient einparken. Kein langes Rangierkonzert. Und das erweiterte Wohnzimmer können Sie auch morgen aus der Heckgarage ausladen.
2. Abstand & Privatsphäre: Nicht auf die Pelle rücken!

Sogenannte „Kuschelcamper“ – und das ist nicht liebevoll gemeint – sind keine gern gesehenen Gäste. Deshalb mit entsprechendem Abstand parken.
Camping ist gesellig – aber niemand möchte im Urlaub "Tür an Tür" wohnen.
- Halten Sie Abstand, wenn es möglich ist. Selbst auf Plätzen ohne Parzellierung. Eine Lücke ist nicht automatisch eine Einladung, sich genau dort hineinzudrücken.
- Laufen Sie nicht quer über fremde Parzellen oder Stellflächen. Auch nicht "nur schnell". Es wirkt respektlos. Und es nervt.
- Und bitte: Stecken Sie kein "Territorium" ab, als wären Sie im Schrebergarten. Camping ist kein Grundstückskauf.
3. Ordnung & Müll: Das ist kein Spießer-Thema.

Der Müll muss weg: Selbstverständlich kann der Abfallbeutel nicht einfach hinter dem nächstbesten Busch entsorgt werden.
Nichts killt das Campinggefühl so zuverlässig wie Müll. Vor allem, wenn er "irgendwo" landet.
- Fragen Sie beim Einchecken kurz nach der Entsorgung. Wo ist Restmüll? Wo Glas? Wo Papier? Das ist überall anders. Und genau deshalb lohnt sich die Nachfrage.
- Lassen Sie nichts herumliegen. Auch keine "kurz geparkten" Müllbeutel. Tiere finden die spannend. Nachbarn nicht.
- Und wenn Sie schon dabei sind: Wäsche und schmutziges Geschirr sind keine Deko. Räumen Sie es weg.
4. Ver- und Entsorgung: Hygiene ist Pflicht.

So nicht! Beim Ausspülen Kontakt zwischen Kassette und Hahn vermeiden.
Hier trennt sich die Camping-Romantik von der Realität. Und ja: Hier passieren die meisten Fettnäpfchen.
- Grauwasser und Toilettenkassette gehören ausschließlich an die dafür vorgesehenen Stellen. Nicht in die Büsche. Nicht "hinterm Platz" in den Gulli.
- Nehmen Sie sich außerdem vor, die Station nicht zu blockieren. Üben Sie die Handgriffe am besten vor der Reise. Dann wissen Sie, wo Frischwasser rein geht. Und wo Grauwasser raus muss.
- Stellen Sie das Fahrzeug exakt über den Ablauf. Sonst wird es schnell eklig. Und das bleibt dann für alle eklig.
- Frischwasser zapfen? Nutzen Sie einen passenden Schlauch und Adapter. Ideal ist ein Absperrventil. So vermeiden Sie Überschwemmungen rund um den Hahn.
- Und die Kassettentoilette? Bitte sauber, spritzfrei und ohne Improvisation. Nutzen Sie den vorgesehenen Spülhahn. Nicht den Frischwasserhahn. Und stecken Sie den Wasserauslauf nicht in den Kassettenstutzen.
Kurz gesagt: Kontaktarm arbeiten. Sauber hinterlassen. Dann sagt niemand etwas. Und Sie sind schneller fertig.
5. Hunde & Haustiere: Rücksicht in beide Richtungen.

Auch wenn Fiffi gerne rennt und spielt: Auf dem Stellplatz sind Hunde grundsätzlich anzuleinen. Und ihre Hinterlassenschaften entsorgt.
Hunde gehören für viele zum Camping dazu. Für andere ist schon das Bellen zu viel. Das ist die Realität.
- Wenn Hunde erlaubt sind, gelten fast immer Regeln. Halten Sie sich daran. Leine heißt Leine. Und "nur kurz" ist selten wirklich kurz.
- Lassen Sie Hunde nicht unbeaufsichtigt über den Platz streunen. Und sammeln Sie Hinterlassenschaften konsequent ein. Immer. Ohne Diskussion.
- Im Gegenzug hilft auch etwas Gelassenheit auf der anderen Seite. Ein einzelnes Bellen ist kein Weltuntergang. Dauerbeschallung aber schon.
Häufiger Denkfehler: Stellplatz ist nicht Campingplatz
Das ist der Punkt, an dem viele Diskussionen starten. Manchmal schon fünf Minuten nach der Ankunft. Viele kennen nicht den Unterschied zwischen Stellplatz und Campingplatz.
Ein Wohnmobil-Stellplatz ist oft vor allem eins: ein Platz zum Parken und Übernachten. Nicht mehr. Nicht weniger. Ein Campingplatz dagegen ist auf Urlaub mit "Draußen-Wohnzimmer" ausgelegt.
Was heißt das konkret? Auf einigen Stellplätzen ist sogenanntes "Camping-Verhalten" nicht erlaubt. Dazu zählen häufig Campingmöbel vor dem Fahrzeug, Markise ausfahren, Wäscheleine spannen, Grill anwerfen oder Spiele zwischen den Fahrzeugen.
Das kann auf dem Campingplatz völlig normal sein – hier treffen Reisemobile, Wohnwagen, Campervans auf Camperinnen und Camper im Zelt und Gäste in Mietunterkünften. Auf dem Stellplatz hingegen kann es Ärger geben.
Klar gibt's auch große Reisemobil-Häfen mit Camping- und Wellness-Fokus – oder Campingplätze mit strengen Vorgaben. Darum gilt: Schauen Sie immer zuerst auf die Platzordnung. Lesen Sie die Tafel. Fragen Sie im Zweifel nach. Das dauert 30 Sekunden. Und spart 30 Minuten schlechte Laune.
Die absoluten Camping-No-Gos

Natürlich hat man am liebsten die Freunde neben sich auf dem Platz. Dafür sollte man am besten gemeinsam anreisen. Denn Platzfreihalten gilt nicht.
Manche Dinge sind auf allen Stell- und Campingplätzen einfach tabu. Punkt.
- Quer oder entgegen der Parkrichtung stehen, zu dicht parken, Zufahrten oder zweite Reihe zustellen.
- Plätze "reservieren", absperren oder gleich zwei Stellflächen belegen.
- Spätabends laut sein: Türen knallen, lange rangieren, Garage ausräumen.
- Nudelwasser, Kaffee oder andere Flüssigkeiten einfach in die Natur kippen.
- Müll liegen lassen oder "hinter Büschen" entsorgen – und Mülltrennung ignorieren.
- Grauwasser oder WC-Inhalt falsch entsorgen.
- Laute Musik, Fußball zwischen den Fahrzeugen, Party bis tief in die Nacht.
Wenn Sie diese Punkte vermeiden, sind Sie schon sehr weit vorn.
Anfängerfehler, die Sie sich sparen können
Viele Patzer passieren nicht aus Absicht. Sondern aus Stress. Oder weil man es nicht besser weiß.
- Auf dem Stellplatz das komplette Camping-Setup auspacken.
- Zu Stoßzeiten ewig duschen oder spülen.
- Den Motor laufen lassen, um "mal eben" die Batterie zu laden.
- Das Fahrzeug an der Ver- und Entsorgung "groß waschen".
Das sind zwar Kleinigkeiten, können allerdings schnell groß wirken. Vor allem, wenn der Platz voll ist.
Konflikte lösen ohne Hilfssheriff – und eine goldene Regel
Nicht jeder Hinweis muss zur Grundsatzdebatte werden. Und nicht jeder Regelbruch ist böse gemeint.
Wenn Sie sich gestört fühlen, sprechen Sie freundlich an. Ruhig. Direkt. Ohne Publikum. Oft ist das Thema mit einem respektvollen Wortwechsel schnell aus der Welt geschaffen.
Und wenn es wirklich nicht besser wird? Dann ist die Platzleitung der richtige Ansprechpartner. Dafür ist sie da. Spielen Sie nicht den Hilfssheriff vom Platz.
Gleichzeitig gilt: Nicht jedes Geräusch ist ein Angriff. Nicht jede Macke ist Absicht. Camping ist ein Miteinander. Und manchmal auch ein Nebeneinander.
Die goldene Regel fürs Camping lautet:
Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo der Wohlfühlbereich des Anderen beginnt.












