Mobil-Tour Niederlande Joachim Negwer
Mobil-Tour Niederlande
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Mobil-Tour Niederlande 23 Bilder

Wohnmobil-Tour Nördliche Niederlande

Wohnmobil-Tour durch den Norden der Niederlande Provinzen Friesland und Groningen

Ein Nordseehafen, die friesische Seenplatte, sympathische Kleinstädte und eine junge Studentenstadt: Diese Mobil-Tour führt in den Norden der Niederlande, in die Provinzen Friesland und Groningen.

Das Schöne an einem Urlaub in den Niederlanden ist ja, dass man als FahrradfahrerIn so eine Art Heilige-Kuh-Status hat. Nehmen wir mal Groningen im Norden der Niederlande. Groningen ist eine lebendige Stadt mit großer Vergangenheit, wunderschönen alten Kaufmannshäusern und verwunschenen Grachten, an denen man schön spazieren gehen kann. Außerdem hat Groningen eine uralte Universität, deren Gebäude ein bisschen aussehen wie die "Hogwarts School of Witchcraft and Wizardry" – und viele, richtig viele nette Restaurants und Kneipen. Groningen ist auch eine junge Stadt, ein Drittel seiner 200.000 Einwohner sind StudentInen.

Wir haben das Mobil auf dem Campingplatz im Stadtpark abgestellt und haben uns vorgenommen, alles mit dem Rad zu erkunden. Und das ist, wenn wir das mal so sagen dürfen, ein Traum. Hier gibt es Radwege durch die ganze Stadt, immer schön ausgeschildert und ins Ampelsystem eingepasst. Auf der Fahrradspur läuft eine kleine Uhr, die die Wartezeit an der Ampel rückwärts zählt. Hier sind RadfahrerInnen nicht nur mühsam geduldete Mit-VerkehrsteilnehmerInnen – im Zweifel haben sie sogar Vorrang.

Wir sind natürlich auf den ersten Blick als Touristen zu erkennen, denn hier trägt niemand einen Helm – aber es ist trotzdem jeden Tag wieder das reine Vergnügen, die 20 Minuten vom Stadtpark in die City zu fahren. Bald verstehen wir, warum die Stadt gerade auch bei deutschen StudentInen so beliebt ist. Groß, aber nicht zu unübersichtlich, viel Kultur, große Parks, kleine Shops zum Beispiel in der Folkingestraat, der schönsten Einkaufsstraße der Niederlande. Und an der Nordsee oder einem Badesee ist man auch schnell.

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Joachim Negwer
Auch in der pittoresken Altstadt von Leeuwarden fahren die kleinen Kinder schon Rad, und ganz schön sicher für das Alter.

Unsere Tour durch den Norden der Niederlande hatten wir in Delfzijl begonnen, einem kleinen Städtchen kurz hinter der Grenze, noch in der Ems-Mündung, dort, wo der Fluss schon Kilometer breit ist und man die offene Nordsee schon riechen kann. Hier merkt man gleich, dass die Niederlande eine Camping-Nation sind – am Ortsrand, direkt hinter dem Deich, ist ein neuer Stellplatz, der in jeder Hinsicht ideal ist: Die Parzellen sind groß, gepflastert und klar gekennzeichnet, V + E sind perfekt angelegt, und der Preis ist überschaubar – zwölf Euro pro Nacht, zu bezahlen beim entspannten Amtsmann, der am frühen Abend vorbeigeradelt kommt, gerne auch mit Karte. Neben Groningen wollen wir auch die kleinen friesischen Städte erkunden – sie sind alle bezaubernd und jede für sich ist einen Besuch wert: Leeuwarden zum Beispiel ist von Grachten durchzogen, auf denen sich Gondeln, friesische Bauernboote und SUPs tummeln. Wir gehen durch die kleine Kerkstraat vorbei an Delikatessenläden, Chocolatiers, Cafés und Designer-Shops zum Wahrzeichen "de Oldehove". Ein unvollendeter Kirchturm von 1529, der schiefer ist als der Schiefe Turm von Pisa.

Oder Sneek, nur eine halbe Stunde weiter – das Städtchen ist das Zentrum der friesischen Seenplatte, eines Netzwerks von 35 miteinander verbundenen Seen. Der idyllische Hafen liegt mitten in der Stadt. Und wenn die Yachten und Segelboote in den nächsten See wollen, müssen sie unter einer Hebebrücke durch. Das ist ein beeindruckendes Schauspiel, für Autos, FußgängerInnen und RadfahrerInnen geht dann ein paar Minuten nichts mehr, und im Wasser wuselt’s. Nebenan steht das wunderschöne Wassertor, jahrhundertealt und ursprünglich wohl Teil der Stadtmauer. Am Ende unserer Tour landen wir in Harlingen, der einzigen der friesischen Städte, die direkt an der Nordsee liegt. Im Hafen liegen Fischtrawler vor Anker, im Städtchen gibt es eine Fußgängerzone mit schönen Restaurants und Kneipen – und einen Sportboothafen. Von hier aus fahren die Fähren zu den Friesischen Inseln Vlieland und Terschelling. Und wenn man von Harlingen ein Stück weiter fährt über den Breezanddijk, den Abschlussdeich, der das Ijsselmeer von der offenen Nordsee trennt, erreicht man schnell Den Helder. Von dort fährt in der Saison jede halbe Stunde die Schnell-Fähre zur Insel Texel.

Auf den Inseln gibt es schönste Sandstrände, eine ganze Menge Campingplätze und auch einige Stellplätze. Aber das ist eine andere Geschichte, die wir ein anderes Mal erzählen.

Menkemaborg Uithuizen

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Joachim Negwer
Einmal umrunden bitte: Die Menkemaborg in Uithuizen sieht von jeder Seite anders aus.

Die Gesten werden sanfter, der Rücken gerader – beim Wandeln durch die Räumlichkeiten und Gärten der Menkemaborg fühlt man sich gar herrschaftlich, auch in Jeans und Sandalen. Das Anwesen im Norden der Provinz Groningen wurde im 14. Jahrhundert von Familie Menkema, über die wenig bekannt ist, erbaut und von den nachfolgenden Besitzern im Laufe der Jahrhunderte zu einer barocken Burg erweitert. Die letzten Umbauarbeiten wurden von den damaligen Schlossherren Alberda in Auftrag gegeben, die sich dafür im 18. Jahrhundert verschiedene Künstler in Haus und Garten holten. Seit 1927 ist die Menkemaborg ein Museum, in dem das Leben der Groninger Junker dargestellt wird. Und nach einem Spaziergang durch die großen Gartenanlagen der Burg kann man im "Schathuis" gut essen, auf Wunsch auch draußen im Hof.

Hollandse Nieuwe

Schwanzflosse packen, Kopf in’n Nacken, den Fisch von oben in den Mund senken: Das ist eine Art, die holländische Spezialität zu verspeisen. Die ersten Matjes der neuen Fangsaison, Nieuwe Haring, Hollandse Haring oder einfach Nieuwe genannt, werden hier regelrecht zelebriert. Auf Heringsfesten etwa, wie dem Vlaggetjesdag (Fähnchentag), an dem auch das erste Heringsfässchen versteigert wird.

Fahren nach Zahlen

Wer schon mal in den Niederlanden Fahrrad gefahren ist, will es nie wieder woanders tun. Es gibt gut gepflegte Fahrradwege, schräg gestellte Mülleimer, damit man fahrend den Müll einwerfen kann, und noch das Fietsknoop-System, ein beschildertes Netzwerk von Knotenpunkten. An jeder Kreuzung oder Abzweigung, an der Radwege aufeinandertreffen, liegt solch ein Knotenpunkt, der eine eigene Nummer hat. Die steht auf einem Hinweisschild, mitsamt Richtungspfeilen zu den nächsten Knotenpunkten. Per App (Fietsknoop) und online kann man seine Tour planen und dann ganz entspannt nach Zahlen fahren.

Einmal durch Friesland, von Ost nach West

Historische Bauten, wohin das Auge blickt, prächtige noch dazu. Wer die Architektur liebt, ist im Norden der Niederlande gut aufgehoben und kann sie ganz in Ruhe bewundern, ohne Großstadttrubel. In diesen sechs Städten zum Beispiel.

  1. Sneek Die 34.000-Einwohner-Stadt liegt etwa 20 Kilometer südlich von Leeuwarden und ist ein wichtiges Wassersportzentrum der Region. Wahrzeichen ist das Wassertor mit seinen beiden schlanken Türmen. Wissenswertes über die Geschichte der Stadt und der Friesischen Schifffahrt liefert das Friesische Schifffahrtsmuseum.
  2. Harlingen Die mit ihren 15.000 Einwohnern viertgrößte Stadt Frieslands ist dank ihrer über 600 historischen Gebäude, mehrerer Hafenbecken, des sehenswerten Rathauses und vieler kleiner Gassen ein lohnendes Ausflugsziel. Von hier aus kann man auch mit dem Boot auf die Wattinseln Vlieland und Terschelling übersetzen.
  3. Franeker Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der 12.700-Einwohner-Stadt am Van Harinxmakanal zählen die Martinikirche und das Rathaus im Renaissancestil. Im Königlichen Eise-Eisinga-Planetarium sind das älteste funktionsfähige Modell des Sonnensystems und das größte mechanische Planetarium weltweit ausgestellt.
  4. Leeuwarden, Liwwadden, Ljouwert: Frieslands Hauptstadt hat Hunderte von Namen. In Europas Kulturhauptstadt 2018 gibt es viel zu entdecken. Den höchsten Kirchturm von Friesland etwa oder den schiefen Turm Oldehove, den ganzen Stolz der Stadt. Toll erkunden kann man sie unter anderem bei einer Tour durch die Grachten.
  5. Groningen Damals aus einem losen Zusammenschluss weniger Bauernhöfe entstanden, ist Groningen mittlerweile die Hauptstadt der Provinz Groningen. Nicht entgehen lassen sollte man sich das extravagante Groninger Museum am Zuiderhaven. Das Aussehen des 1994 erbauten Gebäudes ist auch heute noch umstritten.
  6. Uithuizen Unweit der Nordsee, im Norden der Provinz Groningen, liegt die 5.000- Einwohner-Gemeinde Uithuizen. Besonders sehenswert sind das Wasserschloss Menkemaborg und die Rensumaborg in der benachbarten Gemeinde. Die beiden Anwesen sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Stellplatz-Tipps Niederlande

Parking Zeeaquarium 9934 AV Delfzijl (NL) 4 Bewertungen 15,10 EUR/Nacht
Parking Kardinge 9735 AE Groningen (NL) 6 Bewertungen Kostenlos
Stellplatz am Fischereihafen 8861 NX Harlingen (NL) 9 Bewertungen 7,50 EUR/Nacht
Camperplaatsen Lauwersoog 9976 VP Lauwersoog (NL) 17 Bewertungen 19,50 EUR/Nacht
Leeuwarder Jachthaven 8937 AM Leeuwarden (NL) 12 Bewertungen 10,50 EUR/Nacht
Recreatiehaven Onderdendam 9959 Onderdendam (NL) 2 Bewertungen 10 EUR/Nacht
Camperplaats Duurswoldje 9621 TJ Slochteren (NL) 8 EUR/Nacht
Stellplatz am Amicitia Hotel 8606 BT Sneek (NL) 1 Bewertung 12,50 EUR/Nacht
Campercamping Borgerswoldhoeve 9642 LW Veendam (NL) 11 Bewertungen 11 EUR/Nacht
Tuincamping Theeschenkerij De Brinkhoeve 9043 VN Wier (NL) 2 Bewertungen 10 EUR/Nacht
Landal Esonstad 9133 DV Anjum (NL)
Recreatiepark Bloemketerp 8801 PG (NL) 23,10 EUR/Nacht
Campingplatz Stadspark Groningen 9727 Groningen (NL) 3 Bewertungen 20,50 EUR/Nacht
De Zeehoeve 8862 PK Harlingen (NL) 4 Bewertungen 29 EUR/Nacht
RCN Vakantiepark De Potten - Camping en bungalowpark 8626 GG Offingawier (NL) 17,50 EUR/Nacht
Watersportcentrum Bergumermeer 9262 Sumar (NL) 10 EUR/Nacht