Japan hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der spannendsten Reiseländer für Camper entwickelt. Während sich hierzulande die klassischen Reiseziele von Italien über Frankreich bis Skandinavien bieten, eröffnet Japan eine ganz neue Welt des mobilen Reisens. Wer sich auf ein Abenteuer einlässt, erlebt eine moderne Infrastruktur, spektakuläre Landschaften, sichere Städte und eine Kultur, die Respekt, Sauberkeit und Ruhe hochhält. Kein Wunder, dass immer mehr internationale Besucher den Reiz eines Roadtrips durch das Land der aufgehenden Sonne für sich entdecken.
Japan verfügt über eine überraschend vielfältige Reisemobilindustrie, die in wichtigen Punkten anders tickt als die europäische. Zu den bekanntesten Herstellern zählen NUTS RV, Vantech, AtoZ, RV Bigfoot und Toy Factory. Ihre Fahrzeuge sind überwiegend in den Kategorien Alkoven, Kastenwagen und kompakter Campingbus angesiedelt. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Marken, die ultrakompakte Mikro-Camper auf Kei-Car-Basis bauen.
Ein klassisches Basisfahrzeug kommt von Toyota in Form des Camroad – ein leichtes Lkw-Fahrgestell, das eigens für den Wohnmobilausbau entwickelt wurde. Er dominiert den Markt, ähnlich wie hierzulande der Fiat Ducato. Der Toyota HiAce dient als Basis für viele Kastenwagen- und Campingbus-Ausbauvarianten, während die vergleichsweise kleinen Kei-Cars besonders für günstige, extrem kompakte Camper genutzt werden. Für letztere gibt es sogar bereits völlig autonome Konzepte.
Mehr Alkoven, schmalere Fahrzeuge und kompaktere Grundrisse

Mini-Camper auf Kei-Car Basis.
Während in Europa teilintegrierte Aufbauten und Vollintegrierte das Straßenbild prägen, sind in Japan vor allem Alkovenmobile verbreitet. Deren großer Vorteil: viel Schlafraum auf kleiner Grundfläche. In einem Land mit engen Straßen und begrenzten Parkflächen zählt jeder Zentimeter – der Alkoven schafft zusätzlichen Platz, ohne das Fahrzeug in der Fläche zu vergrößern.
Hinzu kommt, dass viele Modelle deutlich schmaler gebaut sind. Während ein europäischer Teilintegrierter oft 2,30 Meter und breiter aufgebaut ist, liegen japanische Reisemobile meist zwischen 2,00 und 2,10 Meter. Kastenwagen und Campingbusse bleiben gar meist unter zwei Metern Breite und lassen sich so selbst in älteren Stadtvierteln mit engen Straßenbegebenheiten problemlos steuern. Kei-Camper unterschreiten mit rund 1,48 Metern sämtliche europäischen Maße und bedienen so eine ganz eigene Nische. Diese kompakte Bauweise wirkt sich auch auf die Grundrisse aus: schmale Küchenzeilen, Heckquerbetten als Standard und kleinere Sanitärbereiche. Dennoch sind viele japanische Wohnmobil-Innenräume erstaunlich effizient gestaltet.
Gut ausgebaute Camping- und Stellplatzinfrastruktur
Japan bietet eine hervorragend ausgebaute, aber in sich eigene Infrastruktur für Reisemobile. Laut offiziellen Quellen existieren mehr als 3.000 Campingplätze im Land sowie über 350 speziell zertifizierte RV-Parks, die explizit für Wohnmobile eingerichtet sind. Diese verfügen meist über Stromanschlüsse, Frisch- und Abwasserpunkte, breite Stellflächen und saubere Sanitäranlagen. Die Preise variieren je nach Region und Ausstattung stark: von rund 400 Yen pro Person bis zu 3.000 Yen pro Nacht, was entsprechend unter 20 Euro im Maximum bedeutet.
Eine Besonderheit sind die Michi-no-Eki (Straßenstationen): kostenfreie Park- und Rastplätze mit Toiletten und Touristeninformationen. Viele erlauben das Übernachten im Fahrzeug – jedoch ohne Auspacken von Campingmöbeln oder das Ausfahren der Dachmarkise. Für Reisemobilisten, die flexibel unterwegs sein möchten, sind sie ein zentraler Bestandteil der Routenplanung. Gleichzeitig gilt: Freies Stehen an Straßenrändern oder in Wohngebieten ist in Japan nicht gestattet. Die Regeln werden streng gehandhabt, und wer außerhalb ausgewiesener Bereiche übernachtet, riskiert Verwarnungen oder Bußgelder.

Camping mit Ausblick auf den Fuji.
Reisemobil mieten
Wer keinen eigenen Camper importieren möchte, findet in Japan zahlreiche Vermieter – vom kleinen lokalen Anbieter bis zu landesweiten Flottenbetreibern. Zu den bekannten Namen zählen Japan Campers, Tokyo RV Rentals, El Monte RV Japan und Dream Drive. Besonders beliebt sind Modelle wie der Toyota HiAce, kompakte Alkovenmobile auf Camroad-Basis und kleine Kei-Camper für Budget-Reisen.
Ein weiterer, für europäische Reisende komfortabler Weg führt über McRent, einen der größten deutschen Vermieter mit internationalen Stationen. McRent betreibt auch in Japan eigene Standorte und vermietet dort Reisemobile, die über europäische Buchungsportale reserviert werden können. Das gibt vielen Urlaubern ein vertrautes Gefühl, weil Buchungsablauf, Versicherungslogik und Vertragsstruktur an europäische Standards angelehnt sind. Preislich sind McRent-Fahrzeuge in Japan nicht zwingend günstiger als bei einheimischen Vermietern – die Tarife sind teils sogar höher –, dafür sind Service, Dokumentation und Versicherungspakete durchgehend englischsprachig verfügbar.
Ob man Geld spart, hängt vom Zeitraum und Fahrzeugtyp ab: Direktbuchungen bei japanischen Vermietern können günstiger sein, erfordern aber ein stärkeres Vergleichen und oft frühzeitige Reservierungen. Europäische Anbieter sind komfortabler, aber selten die preiswerteste Option. Generell gilt: Wer in der Hauptsaison reisen will, sollte mehrere Monate im Voraus buchen – unabhängig vom Anbieter. Außerhalb der Spitzenzeiten bleibt der Vorteil der japanischen Vermieter ihre größere Flexibilität und die breitere Fahrzeugauswahl vor Ort. Die Vermieter bieten in der Regel ein Gesamtpaket aus Versicherung, Pannenschutz und ausführlicher Einweisung in die Technik. Wichtig ist lediglich ein internationaler Führerschein, den man hierzulande beim Straßenverkehrsamt holen kann. Erst mit diesem Dokument akzeptieren japanische Behörden die Fahrberechtigung ausländischer Besucher.
Route planen oder einfach losfahren?

Auf den Straßen Japans herrscht Linksverkehr.
Ob eine Route in Japan schon vorab stehen sollte oder ob sich alles spontan unterwegs ergibt, hängt von Jahreszeit, Region und Fahrzeugtyp ab. Japan ist ein Land, das Planung schätzt – viele Campingplätze arbeiten mit Voranmeldungen, insbesondere in den bevölkerungsreichen Regionen rund um Tokio (Kantō) oder im Süden der Hauptinsel Honshū. Gleichzeitig erlaubt die landesweit ausgezeichnete Infrastruktur jedoch erstaunlich viel Flexibilität: Gerade die zahlreichen Michi-no-Eki-Stationen, offizielle Rast- und Regionalzentren, lassen in vielen Fällen das reine Übernachten im Fahrzeug zu. Das ist kein Camping im klassischen Sinne, aber ein legaler und komfortabler Weg, um spontan einen Stopp einzulegen.
Vor allem in Hokkaidō, der nördlichsten Hauptinsel, lassen sich sommerliche Roadtrips zwischen Juli und September nahezu ohne feste Buchungen absolvieren. Die Straßen sind breit, die Stellflächen zahlreich, und hunderte Michi-no-Eki erlauben eine flexible Etappenplanung. Ähnlich entspannt präsentieren sich ländliche Regionen wie Tōhoku, Shikoku oder große Teile Kyūshūs, in denen der Verkehr weniger dicht ist und Campingplätze oft kurzfristig gebucht werden können. Für Reisende, die Japan abseits der Metropolen erleben möchten, ist diese Art des halbspontanen Reisens ideal.

Osaka ist eine der bedeutendsten Städte Japans und liegt im Süden der großen Hauptinsel Honshu.
Anders sieht es in den Hochphasen der Reisesaison aus. Während der Golden Week (Ende April/Anfang Mai), der Obon-Ferien im August sowie zur Kirschblüte (Mitte/Ende März bis Anfang April) sind Campingplätze und RV-Parks teils Wochen oder Monate im Voraus ausgebucht. Auch an touristischen Brennpunkten – etwa rund um den Fuji, in Nikko, Hakone oder an den Küsten der Kantō-Region – werden freie Stellplätze schnell knapp. Hier empfiehlt es sich, rechtzeitig zu reservieren, besonders wenn Stromanschluss, private Sanitärbereiche oder familienfreundliche Stellplätze Teil des Aufenthalts sein sollen.
Die richtige Reisestrategie
Die meisten japanischen Reisemobilvermieter raten zu einer Mischstrategie, die für die meisten internationalen Besucher gut funktioniert. Für eine zwei- bis dreiwöchige Rundreise sollte man:
- eine grobe Route mit realistischer Etappenlänge festlegen
- 2 bis 4 Campingplätze im Voraus buchen – insbesondere bei Hotspots oder Wunschterminen,
- die restlichen Nächte flexibel halten und je nach Tagesform entscheiden, ob ein Michi-no-Eki, ein privater Parkplatz oder ein Auto-Campground angesteuert wird.
Auch wichtig: Mit größeren Alkovenmobilen auf Camroad-Basis ist man weniger wendig als in einem HiAce-Van oder gar einem Kei-Car-Camper. Je breiter und höher das Fahrzeug, desto sinnvoller ist es, Stellflächen zumindest tageweise zu reservieren und enge Stadtbereiche zu meiden.
Eine vollständige Vorabplanung ist entsprechend nicht notwendig – aber ein gesundes Maß an Struktur vermeidet Stress. Der ideale Ansatz besteht darin, Start- und Endpunkt, einige feste Highlights und die notwendigen Campingreservierungen einzuplanen, während der Rest der Reise spontan gestaltet wird. Entscheidend ist, nicht "europäisch frei" zu stehen: Übernachtungen sind ausschließlich auf dafür erlaubten Flächen gestattet, etwa in RV-Parks, Michi-no-Eki, Auto-Campgrounds oder auf Privatparkplätzen mit Genehmigung.
Verkehrsregeln, Straßengegebenheiten und wichtige Unterschiede
Japan fährt im Linksverkehr. Für deutsche Camper bedeutet das Umdenken beim Abbiegen, geänderte Kreisverkehrsrichtungen und eine angepasste Wahrnehmung im Rückspiegel. Die meisten Mietfahrzeuge sind Rechtslenker – dadurch wirkt die Fahrzeugbreite zwar anfangs noch ungewohnt, aber nach kurzer Zeit gewöhnt man sich an die anderen Gegebenheiten. Straßen in Wohngebieten können extrem schmal sein, manchmal sogar unter zwei Metern breit. Auch die Parkplätze sind entsprechend überschaubar und viele Flächen sind streng an die kompakten Fahrzeuggrößen geknüpft. Das ist auch der Grund, warum japanische Reisemobile deutlich schmaler gebaut sind als europäische Modelle.
Eine Besonderheit im Straßenbild: Ampeln hängen meist auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung, nicht direkt über der Haltelinie. Für Besucher kann es anfangs irritierend wirken, da die Signale weiter vorne platziert sind – sie gelten jedoch immer für den eigenen Fahrstreifen. Vorfahrt wird in Japan durch Beschilderung geregelt. Unbeschilderte Kreuzungen existieren kaum. Besonders wichtig sind die Stoppschilder mit der markanten japanischen Aufschrift "止まれ" (Tomare) und Dreieck-Markierungen auf dem Asphalt, die "Vorfahrt gewähren" signalisieren.












