Sind Sie gerne mit dem Campingfahrzeug abseits befestigter Straßen unterwegs? Dann ist es besser, auf jede Unwägbarkeit vorbereitet zu sein. Sollte das Wohnmobil im Sand oder Matsch stecken bleiben, hilft das richtige Zubehör.
Eines sollten Sie vorab beachten und wissen: Bergen ist etwas komplett anderes als Abschleppen.
Abschleppen vs. Bergen: Ein wichtiger Unterschied
Ein Fahrzeug auf der Straße abzuschleppen ist etwas völlig anderes, als es aus tiefem Boden herauszuziehen. Hier erklären wir Ihnen ganz ausführlich, was das Bergen eines Wohnmobils bedeutet – ein Blick auf die Tabelle macht es allerdings schon sehr deutlich:
Die Konsequenz: Handelsübliche Abschleppseile und -stangen sind für die hohen Zugkräfte beim Bergen oft nicht ausgelegt.
Doch was benötigen Sie stattdessen an Bord? Das wichtigste Zubehör zum Bergen eines Wohnmobils:
- Kompressor: Unverzichtbar zum Wiederaufpumpen nach Druckabsenkung
- Sandbleche: So bekommen Sie wieder Grip
- Spaten: Gehört zur Grundausstattung, um Reifen freizuschaufeln.
- Wagenheber: Hilft nicht nur beim Reifenwechsel, sondern auch beim Bergen
- Bergegurt: Deutlich besser geeignet als übliche Abschleppseile
- Schäkel: Verbindungsstück zwischen Gurt und Fahrzeug – Softschäkel sind einfacher in der Handhabung
- Reifenreparatur-Sets: Kleinere Löcher lassen sich damit unkompliziert flicken.

Vom Sandblech bis zum Bergegurt - wir verraten Ihnen, worauf Sie achten müssen.
Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie das richtige Equipment zum Bergen eines größeren Fahrzeugs finden und wie Sie es korrekt einsetzen.
1. Der richtige Kompressor

Für unsere Kompressoren-Tests haben wir einige vertretbare Tierversuche unternommen.
Wer den Reifendruck abgesenkt hat – eine sehr wirkungsvolle Maßnahmen bei weichem Untergrund – muss die Pneus anschließend wieder aufpumpen können. Denn selten steht nach einer Sandpassage gleich eine Tankstelle bereit. Ein Kompressor gehört deshalb zur Grundausstattung.
Das Problem: Der Kompressor aus dem Pannenset schafft oft nur einen Reifen, bevor er überhitzt und abschaltet.
Empfehlung: Ein Akkukompressor, am besten mit Zweitakku, oder noch besser ein Kombigerät, das auch mit Kabel betrieben werden kann.
2. Traction Boards und Sandbleche: Was taugt wann?

Damit das Rad auch auf dem Traction Board Grip bekommt, muss davor freigegraben werden, damit man es möglichst weit unter das Rad schieben kann.
Wenn die Räder durchdrehen, helfen Traction Boards und Sandbleche wieder Grip zu bekommen. Doch dabei gibt es große Unterschiede.
Klassische Sandbleche (Stahl oder Alu)
Vorteile:
- Meist um zwei Meter lang
- Können als Behelfsbrücke dienen (etwa mit Steinen unterbaut)
Nachteile:
- Sperrig und schwer (Stahlausführungen)
- Alu-Varianten oft nicht stabil genug für schwere Reisemobile
Traction Boards (Kunststoff)
Vorteile:
- Nur 60 bis 100 Zentimeter lang
- Deutlich leichter und einfacher zu verstauen
- Oft außen am Fahrzeug befestigt – schnell griffbereit
Nachteile:
- Noppen schleifen bei durchdrehenden Rädern schnell ab (bei hochwertigen Modellen austauschbar)
- Kürzere Länge – das Fahrzeug steckt womöglich einen Meter weiter erneut fest
Tipp: Es gibt Traction Boards mit magnetischen Halterungen für die Außenbefestigung am Kastenwagen – praktisch und schnell griffbereit.
Clevere Kombination: Uniko 6in1
Die Uniko 6in1 vereint Auffahrkeil und Traktionshilfe. Komplett entfaltet ist sie 1,45 Meter lang.
Vorteil: Vielseitig einsetzbar Nachteil: Schwer und scharfkantig
3. Spaten: Unverzichtbar zum Freilegen

Schicke Farbkombi: Es gibt Traction Boards und Bergewerkzeuge, die magnetisch an der Kastenwagenkarosserie befestigt werden können.
Bevor Traction Boards greifen können, muss oft erst gegraben werden. Ein Spaten gehört deshalb zur Grundausstattung.
Optionen:
- Vollwertiger Spaten: Effektiver, aber sperrig
- Klappspaten: Platzsparend, für die meisten Situationen ausreichend
4. Wagenheber: Mehr als nur Reifenwechsel

Nicht nur für den Radwechsel, sondern auch beim Bergen kann der Wagenheber hilfreich sein. Wichtig zu wissen ist, wo man ihn ansetzen kann und dass er genügend Hubhöhe hat.
Der Bordwagenheber dient primär dem Radwechsel bei einer Panne. Doch auch beim Bergen leistet er gute Dienste: Wird das Rad angehoben, lässt sich ein Traction Board komplett unterschieben – das erleichtert das Anfahren enorm.
Das Problem: Weicher Untergrund
In Sand oder Matsch braucht der Wagenheber einen stabilen Stand. Die Lösung: Stabile, passend zugesägte Brettchen (ca. 25 × 25 cm) zum Unterlegen. Es gibt auch Traction Boards mit spezieller Wagenheber-Aufnahme.
Wo ansetzen?
Die Betriebsanleitung zeigt die vorgesehenen Aufnahmepunkte an Karosserie oder Rahmen. Bei Fahrgestellen mit Spezialrahmen passen Serien-Wagenheber und Hinterachse manchmal nicht zusammen.
Tipp: Den Radwechsel im Trockentraining zuhause üben – dann sitzen die Handgriffe im Ernstfall.
Hubhöhe beachten
Bei höhergelegten Allrad-Fahrzeugen reicht die Hubhöhe des Serien-Wagenhebers oft nicht aus. Abhilfe schaffen:
- Brettchen und Klötze zum Unterlegen
- Wagenheber direkt an der Achse ansetzen
- Passenden Wagenheber mit großem Hub besorgen
Hydraulikwagenheber sind den oft serienmäßigen Scherenwagenhebern vorzuziehen – letztere leiern bei häufigem Einsatz schnell aus.
Hi-Lift-Wagenheber?
Diese Spezialgeräte mit sehr großer Hubhöhe sieht man oft an Geländewagen. Für übliche Kastenwagen und Wohnmobile sind sie aber kaum geeignet:
- Hohes Gewicht
- Nicht ungefährliche Bedienung
- Kein vernünftiger Ansatzpunkt an der Karosserie
5. Bergegurt: Die bessere Wahl

Es gibt Bergeseile und -gurte in verschiedenen Ausführungen, Längen und mit unterschiedlicher maximaler Bruchlast.
Bergegurte unterscheiden sich von Abschleppseilen in zwei wesentlichen Punkten: Erstens haben sie eine höhere Belastbarkeit und sind ausgelegt auf die Kräfte beim Bergen. Zweitens haben Sie eine größere Länge – typischerweise 10 bis 15 Meter statt 4 bis 5 Meter
Der Längenvorteil ist entscheidend: Das Zugfahrzeug kann häufig auf festem Grund bleiben und somit mehr Traktion das festgefahrene Fahrzeug herausziehen.
Textil statt Stahl
Textile Gurte und Seile haben sich durchgesetzt, weil sie:
- materialschonender für die Fahrzeuge sind
- beim Reißen weniger Gefahr darstellen als Stahlseile oder Ketten
Worauf beim Kauf achten?
- Lieber etwas mehr investieren statt Billigprodukt
- Auf DIN-Norm EN 1492 achten
- Mindestbruchlast (WLL) prüfen
- Hochwertiger Gurt hat Label mit allen relevanten Angaben
Kinetic-Seile: Für Fortgeschrittene
Diese elastischen Seile dehnen sich beim Anfahren und bauen die Zugkraft langsam auf. Vorteile:
- Materialschonender
- Auch kleinere Fahrzeuge können größere bergen (Kraftspeicherung durch Dehnung)
Achtung: Kinetic-Seile erfordern Erfahrung, da mit einer gewissen Geschwindigkeit angefahren werden muss. Unerfahrene sollten dagegen stets langsam und vorsichtig vorgehen.
Befestigungspunkte: Wo hängt man den Gurt ein?
- Vorne: Meist gibt es eine Abschleppöse, häufig zum Einschrauben in die Stoßstange.
- Hinten: Bei Kastenwagen findet sich üblicherweise eine Öse unter dem Heck.
Bei Wohnmobilen mit Aufbau wird es schwieriger, denn es ist oft keine Öse vorhanden oder die Öse ist ist durch die Heckabsenkung der Garage blockiert. Hier ist im Vorteil, wer eine Anhängerkupplung hat: Daran lässt sich der Bergegurt in der Regel gut befestigen.
Das Problem bei seitlicher Zugrichtung
Abschleppösen sind meist außermittig platziert. Bei hohen Zugkräften oder Zug im Winkel können sie sich verbiegen oder abreißen.
Besser: Über zwei symmetrisch angeordnete Punkte ziehen – etwa rechts und links an der Achse. Dabei unbedingt darauf achten, dass die Bremsleitungen nicht beschädigt werden.
Profitipp: Statt zwei Gurten ein längeres Exemplar wie eine Zugdeichsel verwenden – beide Enden am zu bergenden Fahrzeug, die Mitte am Zugfahrzeug befestigen.
Ideallösung: Spezielle Bergeösen nachrüsten lassen, die direkt mit dem Fahrzeugrahmen verbunden sind – je zwei vorn und hinten.
6. Schäkel: Die Verbindung zwischen Gurt und Öse

Metall- oder Softschäkel dienen dazu, Bergegurte und Fahrzeug miteinander zu verbinden. Gut, wenn man eine kleine Auswahl mehrerer Größen und mit passender Zugkraft dabei hat.
Es gibt zwei verschiedene Formen von Schäkel: Den aus Metall und den sogenannten Softschäkel.
Metallschäkel: Der Bolzen wird herausgeschraubt, die Schlaufe eingehängt, dann wieder zugeschraubt.
Wichtig: Bolzen nicht komplett eindrehen, sondern am Ende eine halbe Umdrehung zurückdrehen. Unter Zugkraft kann sich der Schäkel verformen – dann lässt sich ein komplett eingedrehter Bolzen oft nicht mehr lösen.
Softschäkel: Kurze Seilstücke mit Öse und Knoten. Unter Zug zieht sich die Öse zu, der Knoten kann nicht durchrutschen. Zum Öffnen an der kleinen Schnur ziehen.
Vorteile:
- Sehr einfach in der Anwendung
- Vielseitig einsetzbar
- Kein Verklemmen unter Last
7. Reifenreparatur-Sets: Reifenflicken unterwegs

Mit einem Reifenreparaturset lassen sich bestimmte Reifenschäden unterwegs provisorisch flicken.
Für Notfallreparaturen abseits der Infrastruktur kann ein Reifenreparatur-Set gute Dienste leisten. Ein Loch in der Lauffläche – etwa durch einen eingefahrenen Nagel – lässt sich damit meist zuverlässig reparieren.
Tipp: Die Vorgehensweise ein- bis zweimal an einem Altreifen üben, damit die Handgriffe im Ernstfall sitzen.












