Das Platzproblem beginnt oft früher als gedacht. Schon bei der Urlaubsplanung zeigt sich: Fahrräder für die Familie, ein Grill, Campingmöbel, vielleicht noch ein Motorroller oder Sportequipment – all das bringt Gewicht. Und Gewicht ist beim Wohnmobil der limitierende Faktor. Viele Reisemobile sind ab Werk auf 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht ausgelegt. Diese Grenze entscheidet nicht nur über Maut, Tempolimits und Zufahrtsrechte, sondern auch über den Führerschein der Klasse B, den viele Camperinnen und Camper ausschließlich besitzen.
In der Praxis bleibt von den 3,5 Tonnen oft weniger Reserve als erwartet. Zwei oder sogar vier Personen, gefüllter Wassertank, Markise, Gasflaschen und Zubehör – schon schrumpft die verfügbare Zuladung auf wenige hundert Kilogramm. Wer dann zusätzlich Fahrräder, E-Bikes oder sperrige Freizeitgeräte transportieren möchte, stößt schnell an die Grenzen des Machbaren. Dach- oder Heckträger helfen nur bedingt, weil sie Achslasten erhöhen und das Fahrverhalten beeinflussen.
Das bringen Anhänger am Wohnmobil
Genau an diesem Punkt kommt der Anhänger am Wohnmobil ins Spiel. Er dient als externe Ladefläche und entlastet das Basisfahrzeug. Besonders sinnvoll ist ein Anhänger für Camperinnen und Camper, die:
- schwere oder sperrige Ausrüstung transportieren möchten (E-Bikes, Motorräder, SUP-Boards, Werkzeugkisten),
- längere Reisen mit viel Gepäck planen,
- ihr Wohnmobil unter der 3,5-Tonnen-Grenze halten möchten,
- oder das Fahrzeug auch im Alltag flexibel nutzen wollen.
Ein Anhänger funktioniert dabei wie ein ausgelagertes Staufach auf Rädern: Er nimmt Gewicht auf, ohne das Wohnmobil selbst zu überladen. Allerdings bringt diese Lösung neue Fragen mit sich – vor allem zu Gewicht, Führerschein und Technik.
Gewicht und Führerschein: Die 3,5-Tonnen-Frage
Die wichtigste Grenze im Reisemobilbereich ist das zulässige Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen. Bleibt Ihr Wohnmobil darunter, reicht der Führerschein der Klasse B. Kommt ein Anhänger hinzu, zählt nicht nur das Gewicht des Zugfahrzeugs, sondern auch das des Anhängers.
Was ist mit der Klasse B erlaubt?
Mit dem normalen Pkw-Führerschein (Klasse B) dürfen Sie fahren:
- ein Wohnmobil bis 3,5 Tonnen zGG
- Anhänger bis 750 Kilogramm zGG, unabhängig vom Gesamtgewicht der Kombination oder
- einen Anhänger über 750 Kilogramm, wenn die gesamte Fahrzeugkombination 3,5 Tonnen nicht überschreitet
In der Praxis bedeutet das: Ein 3,5-Tonnen-Wohnmobil darf mit Klasse B nur einen sehr leichten Anhänger ziehen – meist einen ungebremsten Gepäckanhänger.
Wann benötigen Sie mehr als Klasse B?
Sobald Wohnmobil und Anhänger (> 750 kg) zusammen mehr als 3,5 Tonnen wiegen, benötigen Sie:
- B96: erlaubt Fahrzeugkombinationen bis 4,25 Tonnen
- BE: erlaubt Anhänger bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht
Gerade bei gebremsten Anhängern für Motorräder oder mehreren E-Bikes ist der Führerschein B96 oder BE fast immer erforderlich. Für viele Camperinnen und Camper ist das ein entscheidender Punkt bei der Planung.
Ganz mautfrei bzw. günstig kommen Wohnmobile mit Anhänger übrigens nicht durch Europa. Je nachdem, ob nach Achsen, Gewicht oder Länge gezahlt wird, müssen Sie für den Anhänger hinten dran mehr zahlen.
Welche Arten von Anhängern eignen sich für Wohnmobile?
Nicht jeder Anhänger passt zu jedem Einsatzzweck. Je nach Transportaufgabe haben sich unterschiedliche Typen etabliert:
1. Ungebremste Gepäckanhänger
- Zulässiges Gesamtgewicht meist bis 750 Kilogramm
- Einfach, leicht und vergleichsweise günstig
- Geeignet für Campingmöbel, Kisten oder leichte Fahrräder
- Häufig noch mit Führerschein Klasse B nutzbar
Praxisvergleich: Wie ein großer, rollender Kofferraum – allerdings ohne eigenes Bremssystem.
2. Gebremste Lasten- oder Kofferanhänger
- Höheres zulässiges Gesamtgewicht
- Eigene Auflaufbremse
- Ruhigeres Fahrverhalten bei höherer Beladung
- In der Regel B96 oder BE erforderlich
Praxisvergleich: Eher ein kleiner Transporter am Haken als ein reiner Gepäckanhänger.
3. Motorrad- und Rolleranhänger
- Speziell für ein oder mehrere Zweiräder
- Niedrige Ladehöhe und Auffahrschienen
- Punktuell hohe Lasten – die Stützlast spielt eine zentrale Rolle
Praxisvergleich: Wie ein mobiler Motorradständer: stabil, aber sensibel bei falscher Gewichtsverteilung.
4. Multifunktions- und Plattformanhänger
- Offene Ladefläche
- Sehr vielseitig nutzbar
- Weniger Schutz vor Witterung
- Auch außerhalb des Campings einsetzbar
Praxisvergleich: Der Schweizer Taschenmesser unter den Anhängerlösungen.
5. Autotransportanhänger
Der Transport eines Autos auf einem Anhänger – etwa eines Smart – ist grundsätzlich möglich, in der Praxis aber nur für wenige Wohnmobil-Gespanne realistisch. Benötigt wird ein gebremster Autotransportanhänger mit ausreichend hoher Nutzlast und stabiler Auffahrrampe. Bereits ein leichter Smart wiegt je nach Modell rund 750 bis 900 Kilogramm, hinzu kommt das Eigengewicht des Anhängers. Damit liegt das Anhängergewicht schnell bei 1.300 bis 1.600 Kilogramm oder mehr. Entscheidend sind deshalb die zulässige Anhängelast des Wohnmobils, eine ausreichende Stützlast, sowie fast immer ein BE-Führerschein. Für klassische 3,5-Tonnen-Wohnmobile ist diese Lösung meist ausgeschlossen, da Anhängelast und Gesamtzuggewicht nicht ausreichen. Geeignet sind in der Regel nur schwerere Wohnmobile oder aufgelastete Fahrzeuge mit entsprechendem Zugvermögen – und Fahrerinnen und Fahrer mit Gespannerfahrung.
Warum Gewicht und Verteilung entscheidend sind
Ein Anhänger löst ein Gewichtsproblem nicht automatisch – er verlagert es. Entscheidend bleiben:
- die zulässige Anhängelast des Wohnmobils,
- die Stützlast an der Anhängerkupplung,
- die Achslasten des Zugfahrzeugs,
- sowie eine korrekte und ausgewogene Beladung des Anhängers.
Schon wenige falsch platzierte Kilogramm können das Gespann instabil machen. Besonders bei Seitenwind oder Ausweichmanövern zeigt sich, wie wichtig eine saubere Gewichtsverteilung ist.
Auflastung als Alternative?
Wer mit dem Gedanken eines Anhängers spielt, hat vermutlich mit einem Beladungsproblem im Wohnmobil zu kämpfen. Eine Alternative zu Anhänger, die weitere Zuladungsreserven im Fahrzeug schafft, ist die Auflastung des Wohnmobils. Bei einer Auflastung wird das Chassis verstärkt, damit das Fahrwerk mit mehr Gewicht klarkommt. In einer Werkstatt wird dieser Umbau für mehrere tausend Euro gemacht.
Die Vor- und Nachteile einer Auflastung:
Mehr Zuladung ohne Anhänger
Mehr Tragfähigkeit für die einzelnen Achsen möglich
Mehr Fahrkomfort durch modifiziertes Fahrwerk
Mehr Fahrstabilität durch angepasstes Fahrwerk möglich
Individuelle Anpassung nach Kundenwunsch möglich
Optimierte Federung schont Auf- und Ausbau und trägt damit zur Langlebigkeit bei
Weniger Gewöhnung nötig als beim Umgang mit Gespann
Vergleichsweise hohe Kosten für Einbau durch Profi
Kleiner Lkw-Führerschein C1 nötig (außer bei Klasse 3)
Höhere Mautabgaben im Ausland
Lkw-Überholverbot gilt über 3,5 t zGG
Tempolimits: auf Autobahnen100 km/h, sonst 80 km/h
HU steht ab dem siebten Zulassungsjahr für Mobile mit über 3,5 t zGG jährlich an












