Wie viel Zuladung braucht man wirklich? Ingolf Pompe, Archiv
Überladung ist kein Kavaliersdelikt, es drohen Geldbußen und Punkte.
Der Reiseproviant geht mit über 35 Kilogramm ganz schön ins Gewicht.
Kleidung & Schuhe
Spiel, Spaß & Gedrucktes 19 Bilder

Das große Problem mit der Zuladung

So viel wiegt das Gepäck im Wohnmobil wirklich

Einmal vollpacken bitte: Wie viel Zuladung braucht man tatsächlich? Wir machen den Test und wiegen jedes Gepäckstück. Außerdem verraten wir Ihnen, wie Sie unterwegs im Wohnmobil Gewicht sparen können.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit? Bei Kindern ein beliebtes Spiel gegen Langeweile, bei Reisemobilisten vor Urlaubsbeginn eine berechtigte Frage. Achtloses Packen kann gefährlich – und teuer werden. Falsch verteiltes Gepäck kann die Fahreigenschaften des Wohnmobils verschlechtern. Bei unzureichender Sicherung kann die Ladung im Wohnmobil teure Schäden anrichten. Wer bei der Überladung über die Strenge schlägt, riskiert ein saftiges Bußgeld.

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promobil 12/2016 Wie viel Zuladung braucht ein Reisemobil?
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Auf der Suche nach zu schweren Fahrzeugen kontrollieren deshalb Polizisten gerade über die Sommermonate besonders stark. Wer richtig packt, hat nichts zu befürchten. promobil erklärt, wie.

Worauf Sie achten müssen

Beim Beladen des Reisemobils sollten sich Urlauber drei Fragen stellen – und zwar in dieser Reihenfolge: Wie hoch sind die Gewichtsreserven meines Fahrzeugs? Welches Gepäck darf auf Reisen auf keinen Fall fehlen und wo verstaue ich es? Das goldene Wort beim Packen des Reisemobils heißt Zuladung. Die ergibt sich aus der Differenz von der zulässigen Gesamtmasse – in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 im Feld F1 eingetragen, bei älteren Modellen im Ziffernfeld 15 – und dem Leergewicht.

Einen realistischen Wert zur tatsächlichen Leermasse liefert seit 2014 der Punkt G im Fahrzeugschein. Hier werden zur Masse im fahrbereiten Zustand bereits Wasser- und Gasvorräte sowie fest eingebautes Zubehör hinzugerechnet. Dabei kann auch ein "Von-bis-Wert" angegeben werden. Er zeigt, was das Modell im Serienzustand beziehungsweise mit maximaler Ausstattung wiegt.

Richtig beladen & Packliste für den Campingurlaub
promobil
Seit Oktober 2005 ersetzt die Zulassungsbescheinigung Teil 1 den Fahrzeugschein und liefert unter anderem Infos zur technisch zugelassenen Gesamtmasse (orange), der Masse im fahrbereiten Zustand (gelb) und der Achslast (blau).

Wichtig: Die Zuladungskapazitäten dürfen nicht überschritten werden. Das vermeidet nicht nur Ärger mit der Polizei, sondern sorgt für mehr Sicherheit. Ein überladenes Fahrzeug verhält sich beim Beschleunigen, Bremsen und in den Kurven anders. Sinkt die Fahrstabilität, steigt das Unfallrisiko. Eine Gefahr sowohl für andere Verkehrsteilnehmer als auch für die Insassen selbst. Zu viel Gepäck schadet auch den Reifen, die dann schneller verschleißen und sogar platzen können. Im schlimmsten Fall kann die Versicherung bei einem Unfall sogar die Schadensbegleichung verweigern.

Kleine Begriffskunde

Technisch zulässige Gesamtmasse: Wird vom Hersteller festgelegt und ist abhängig von den technischen Gegebenheiten des Fahrzeugs, wie zum Beispiel den Bremsen. Sie gibt an, wie viel ein Fahrzeug im Realbetrieb maximal wiegen darf. In der Zulassungsbescheinigung Teil 1 steht sie im Feld F1. Das Feld F2 gibt die im Land der Zulassung zulässige Gesamtmasse an. Zieht man davon die Masse im fahrbereiten Zustand ab, erhält man die real nutzbare Zuladung.

Leergewicht: Definiert durch die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (Paragraph 42 Absatz 3). Zum Leergewicht eines betriebsfertigen Fahrzeuges zählen: ein zu mindestens 90 Prozent gefüllter Kraftstofftank, zu 100 Prozent gefüllte Systeme für sonstige Betriebsstoffe sowie ein 75 Kilogramm schwerer Fahrer.

Masse in fahrbereitem Zustand: Setzt sich zusammen aus dem Leergewicht zuzüglich Gasvorrat – oft wird hier nur eine Aluflasche zugrunde gelegt –, Bordwerkzeug und Ersatzrad oder Pannenset sowie einem vollen Frischwassertank. Meist wird dabei nur eine sogenannte Fahrstellung mit 20 Liter oder weniger eingerechnet.

Achslast: Gibt an, wie viel Gewicht auf Vorder- und Hinterachse lasten darf. Nachzulesen in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 in den Feldern 7.1 und 7.2 oder auf dem Typenschild.

Unnötiges Gepäck vermeiden

Caravan Innenraum
Hersteller, Dieter S. Heinz
Vermeiden Sie unnötiges Gepäck und Chaos im Wohnmobil.

Damit es nicht so weit kommt, sollten sich Urlauber vor Reiseantritt genau überlegen, was während eines Aufenthalts im In- oder Ausland benötigt wird. Dabei kommt es nicht nur auf die Anzahl der Mitreisenden, sondern auch auf die Dauer der bevorstehenden Reise an. Exemplarisch hat die Redaktion eine Packliste für ein Paar zusammengestellt, das zwei Wochen in den Urlaub fahren möchte – siehe unten.

Doch man spart nicht nur Gewicht, indem man Entbehrliches zu Hause lässt. Bereits bei der Fahrzeugausstattung lässt sich das ein oder andere Kilo reduzieren: Eine gängige Kassettenmarkise wiegt im Schnitt zwischen 30 und 40 Kilogramm. Im Vergleich dazu wirkt die Rollmarkise mit rund zehn Kilo wie ein Leichtgewicht. Das gilt auch für eine Ventilator-Dachhaube, die rund 40 Kilo leichter ist als eine Dachklimaanlage. Richtig viel Gewicht – nämlich etwa 32 Kilo – sparen Käufer, die das Reparaturset dem Reserverad vorziehen. Gasflaschen gibt es auch als Alu-Variante. Im Gegensatz zum Stahlpendant – das schon ohne Füllung etwa elf Kilo wiegt – sind die Flaschen aus Leichtmetall nur rund halb so schwer. Weiteres Einsparpotenzial gibt es in der Küche: Statt Porzellangeschirr können Urlauber vom bruchsicheren und deutlich leichteren Service aus Melamin essen.

Genauso wichtig wie die Frage, was man mitnimmt, ist die Entscheidung, wo man es im Reisemobil am besten verstaut. Als Faustregel gilt: Schwere Gegenstände möglichst weit unten mittig zwischen den Achsen verstauen. Dort, wo das Fahrzeug grundrissbedingt eh schon gut genährt ist, sollte mit weiteren Vorräten gespart werden – zum Beispiel in der Küche. Dosenpaletten gehören also nicht in die Hängeschränke, sondern in einen bodennahen Stauraum oder, falls vorhanden, in den Doppelboden. Leichtes Equipment, vor allem Kleidung, kommt in die Oberschränke. Offene Ablagen bleiben dagegen während der Fahrt leer.

Vor der Reise empfiehlt sich die Fahrt auf eine Waage etwa bei TÜV, Dekra, Raiffeisenmärkten oder Deponien. Sollte die Waage im roten Bereich stehenbleiben, können folgende Tipps helfen:

  • den Wassertank während der Fahrt leer lassen
  • auf Essens- und Getränkevorräte weitgehend verzichten. Meist gibt es auch alles vor Ort.

Praktisches Zubehör hilft

Richtig beladen & Packliste für den Campingurlaub
Karl-Heinz Augustin
Mobile Faltboxen können bei der Beladung des Reisemobils hilfreich sein.

Mobile Faltboxen sind nicht nur praktisch beim Einladen, sondern können auch helfen, größere Fächer wie Sitztruhen sinnvoll zu unterteilen. Sperrige Gegenstände wie etwa Kinderwagen passen zusammengeklappt eventuell in den Kleiderschrank oder das Bad. Wichtig dabei: Die Türen müssen gut verschließbar sein, damit beim Bremsen nichts herumfliegt. Auch eine Heckgarage, die zweifelsohne großzügige Kapazitäten suggeriert, sollte mit Augenmaß beladen werden. Denn hier wirkt – gerade bei Fahrzeugen mit langem Überhang – die Hebelwirkung. Die Vorderachse wird entlastet und das Lenkverhalten beeinträchtigt. Auch das Gepäck in der Garage muss gesichert werden. Im Fachhandel gibt es verschiedenste Befestigungs- und Stauraumsysteme von Zurrösen über Schienen bis hin zu fest montierten Regalen.

Wohnmobil richtig beladen
19:05 Min.

Packliste gewogen

Kleidung & Schuhe 24 kg

  • Kleidung für 2 Wochen
  • Bikini/Badehose
  • Sonnenhut
  • Halstuch
  • Handtasche
  • Wanderschuhe
  • Badeschuhe
  • 3 weitere Paar Schuhe pro Person
  • 2 leichte Rucksäcke
  • 5 Kleiderbügel

Essen & Trinken 37,2 kg

  • Sixpack Sprudel
  • 3 Liter Saft
  • 3 Liter Milch
  • 2 Flaschen Rotwein
  • Sixpack Dosenbier
  • Kaffeepulver
  • Salz
  • Zucker
  • Gewürze
  • Öl und Essig
  • Gemüsebrühe
  • Bratfett
  • Zwiebeln
  • Knoblauch
  • 4 x Dosentomaten
  • Pesto
  • Butter
  • Honig
  • Nutella
  • Müsli
  • Brot
  • 3 x 500 g Pasta
  • Wurst
  • Käse
  • Eier
  • Schokolade
  • Chips
  • Joghurt
  • Obst
  • Tomaten

Küche 14,1 kg

  • Küchenrolle
  • Müllbeutel
  • Nudelsieb
  • Besteck
  • Geschirr
  • Kochlöffel
  • Bratpfannenwender
  • scharfe Messer
  • Dosenöffner
  • Korkenzieher
  • 2 Schneidebretter
  • Töpfe/Pfanne
  • Kaffeekocher
  • Spülmittel
  • Feuerzeug
  • Abtrockentücher
  • Tupperdose
  • Knoblauchpresse
  • Bürste, Schwamm und Tuch
  • Eiswürfelform oder -beutel
  • 2 Wein- oder Longdrinkgläser
  • Röhrchen
  • Salatschüssel
  • Thermobecher
  • Thermosflasche
  • Spülschüssel

Spiel, Spaß & Gedrucktes 40,7 kg

  • 2 Bücher pro Person
  • Schnorchel und Taucherbrille
  • 2 Fahrräder
  • 2 Helme
  • Fahrradpumpe und -flickzeug
  • 5 CDs
  • Brettspiel, Kartenspiel
  • Wörterbuch
  • 2 Reiseführer
  • Tablet
  • Handys, Ladekabel
  • Zeitschriften
  • Tischtennisschläger, Bälle
  • Notizblock und Kuli
  • Landkarte

Campingausstattung 27,6 kg

  • 2 Campingstühle und Tisch, Hocker für Füße
  • Auffahrkeile
  • Kabeltrommel + Adapter
  • Gießkanne/Schlauch
  • Campinglampe
  • Warntafel für Heckträger
  • Zurrgurte
  • Wäscheklammern und Leine
  • Arbeitshandschuhe
  • Schnur
  • Akkuschrauber

Bad 10,6 kg

  • Shampoo + Duschgel
  • Gesichts- und Handcreme
  • Sonnencreme
  • Fön
  • Haarbürste, Kamm, Haargummis
  • Parfüm + Make-up
  • Nagelset
  • Handseife
  • 3 Handtücher pro Person
  • Flip-Flops für Sanitäranlagen
  • persönliche Medikamente
  • Erste-Hilfe-Set mit Pflaster, Verband, Wundsalbe, Mückenschutzmittel etc.
  • Zahnbürste, Zahnpaste, Zahnseide
  • Klopapier
  • Reisewaschmittel
  • Sagrotan-Spray
  • Allzweckreiniger
  • Sanitär-Zusatz
  • Ohrstöpsel
  • 2 Päckchen Papiertaschentücher

Sonstiges 30,2 kg

  • Sonnenschirm
  • Strandmatten
  • Bettbezug
  • 2 Decken und Kissen
  • Picknickdecke
  • Brille, Sonnenbrille
  • Taschenmesser
  • Taschenlampe
  • Kehrgarnitur
  • Panzertape
  • Lappen
  • Navi
  • Kamera
  • Gas-Grill, Stahlschwamm für Grill
  • Grillzange
  • Regenschirm

Fazit

Viele Reisemobilbesatzungen kommen mit der Zuladung ihres Fahrzeugs nicht aus, das ist kein Geheimnis. Schaut man sich die Europäische Norm 1646-2 an, wundert einen das nicht. Wie unser Wiegeversuch gezeigt hat, ist sie viel zu knapp bemessen. Vor allem Familien mit vier oder mehr Personen schauen in die Röhre. Eine Anpassung der Norm wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber natürlich noch nicht die Lösung des Problems. Denn die kann nur von den Herstellern kommen, die bei der Konstruktion ihrer Fahrzeuge die Zuladungsproblematik im Auge behalten müssen. Weiterentwicklungen in Sachen Leichtbau sind daher mehr als wünschenswert.

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