Vor zwei Jahren zeigte Ford die erste Variante der neuen Nugget-Generation – mit Aufstelldach, auf dem kurzen Radstand, der sogenannten L1-Version des Tourneo Custom mit 5,05 Meter Länge. Im vergangenen Jahr folgte die 5,45 Meter lange L2-Version, die in der Vorgängergeneration noch den Namen Nugget Plus trug – ebenfalls mit Aufstelldach. Echte Nugget-Fans erhofften sich von Ford aber auch noch eine Fortführung der Hochdach-Variante, die bei früheren Generationen den Löwenanteil der Verkäufe ausmachte.
Die stellt Ford jetzt vor. Das Fahrzeug, das von der Redaktion begutachtet werden konnte, war zwar noch ein Prototyp, der laut Hersteller aber schon nahezu Serienstand hat. Entwickelt wurde das Fahrzeug von Westfalia, wo es auch traditionell im Werk Rheda-Wiedenbrück ausgebaut wird.
Das Hochdach gibt es nur für den Nugget mit langem Radstand. Beim Dach setzt Ford auf eine GfK-Sandwichkonstruktion mit einem zwölf Millimeter dicken Hartschaumkern als Isolierung. Im Vergleich zur vorherigen Generation ist die Isolierung laut Hersteller um etwa zwei Millimeter dicker geworden.
Wie schläft es sich im neuen GFK-Hochdach?
Unter dem Dach wartet ein Bett mit einer Liegefläche von 2,05 mal 1,30 Metern, in dem zwei Personen ausreichend Platz finden. Im Vergleich zur Nugget-Variante mit Aufstelldach ist das Bett im Hochdach um fünf Zentimeter breiter. Ein erstes Probeliegen auf der sechs Zentimeter dicken Matratze, die auf Tellerfedern lagert, fühlt sich bequem an. Besonders angenehm: Das Kopfteil des Betts kann aufgestellt werden, etwa zum Lesen.
Die Bettkonstruktion wurde im Vergleich zur Vorgängergeneration geändert. Im "alten" Hochdach musste man beim Abbau des Betts die einzelnen Elemente der Liegefläche in einem Schienensystem übereinanderschieben. In der aktuellen Generation wird das Bett – wie beim Nugget mit Aufstelldach – nach oben unter die Decke gedrückt, wo es von Gasdruckfedern gehalten wird. Beim Hochdrücken macht das Bett einen Knick, beim Herunterziehen wird es zur ebenen Fläche. Laut Ford ist die neue Konstruktion aber nicht nur einfacher in der Handhabung, sondern zudem noch etwa 30 Kilogramm leichter als die alte.

Der Umbau des Betts geht nun schneller und unkomplizierter als je zuvor.
Ein dickes Plus hat der Hochdach-Nugget aufgrund seiner Bauart gegenüber dem vergleichbaren Aufstelldach-Modell beim Thema Stauraum. Im Heck des Hochdachs befinden sich links und rechts jeweils zwei Schränke, die etwa für Küchenutensilien oder Lebensmittel genutzt werden können.
Außerdem besitzt das Hochdach in der "Nase" vor dem Fußende ein breites Netzfach. Hier können Decken und Kissen während der Fahrt verstaut werden, wenn das Bett nach oben geklappt ist. Ein zweites, schmales Netzfach befindet sich quer im Heck des Hochdachs. Rechts und links neben dem Bett gibt es zudem jeweils eine schmale, längliche Ablage – etwa für Handy oder Brille. Für ausreichend Helligkeit im Fahrzeug sorgen vier Fenster in der Haube: zwei an den Seiten, eines im Heck und ein Dachfenster oben drin.
Kochen, ganz wie Zuhause
Der Grundriss im Erdgeschoss entspricht exakt dem des Nugget mit Aufstelldach in der Länge L2. Im hinteren Teil befindet sich die Nugget-typische L-Küche mit einem Zwei-Flammen-Gasherd, der Spüle, einer 33-Liter-Kühlschublade und einer für Kompaktcampingbusse sehr großen Arbeitsfläche. An Stauraum stehen mehrere Schubladen und Staufächer im Küchenblock zur Verfügung. Praktisch ist auch die längliche Ablagezeile zwischen Küche und Sitzbank.

Hier können prima Spülmittelflaschen, Sonnencreme oder andere Dinge abgestellt werden, die im Campingalltag schnell zur Hand sein sollen.
Auf der rechten Fahrzeugseite sind im Heck zwei hohe Schränke mit Einlegeböden eingebaut. Praktisch: Der hintere der beiden Schränke kann dank einer zweiten Tür auch von außen stehend befüllt werden. An die beiden hohen Schränke schließt sich nach vorne ein etwas schmaleres, halbhohes Schrankfach an, weiteren Stauraum gibt es unter der Sitzbank.
900 Liter Stauraumvolumen
Der Nugget mit Hochdach kommt so laut Hersteller auf ein Stauraumvolumen von etwas mehr als 900 Litern. Für zwei Personen ist das, verglichen mit anderen Kompaktcampern, sehr großzügig dimensioniert, aber auch bei vier Personen bleibt für jeden Mitreisenden angemessen Platz für Klamotten und Co. Etwas einschränken muss man sich nur, wenn man die Option mit fest eingebauter Toilette (599 Euro) wählt.
Die ist dann hinten rechts anstelle eines der beiden hohen Schrankelemente installiert und schmälert das Stauraumvolumen um etwa 200 Liter. Wer lieber mit Porta Potti oder Trenntoilette statt fest eingebautem WC reist, kann eine nicht allzu hohe mobile Toilette im Schrank unter der Spüle verstauen.
Im Ford Nugget ist auch für Besuch Platz
Im vorderen Teil des Fahrzeugs ist die Nugget-typische Dreier-Sitzbank montiert. Zusammen mit den gedrehten Fahrerhaussitzen entsteht eine bequeme Sitzgruppe für bis zu fünf Personen. Der Tisch ist an der linken Seitenwand befestigt und wird bei Bedarf herausgeklappt und ausgefahren. Er ist nicht besonders breit, aber im Vergleich zu Tischen in anderen Kompaktcampern verhältnismäßig lang und für alle Personen der Sitzgruppe gut erreichbar – wie schon beim Vorgänger.
Zum Schlafen kann die Sitzgruppe schnell und einfach zu einem zusätzlichen Bett für ein bis zwei Personen umgebaut werden. Wer mehr Komfort möchte, bestellt den optionalen Topper mit, den es für 494 Euro im Originalzubehör gibt.
Drei-Raum-Wohnung im Kompaktcamperformat
Einer der größten Vorteile des Nugget gegenüber anderen Kompaktcampern ist seine Raumaufteilung. Durch den Grundriss mit der Sitzbank im vorderen Teil des Fahrzeugs, der L-Küche dahinter und dem Bett eine Etage darüber entsteht eine Art Drei-Raum-Wohnung, in der die Reisenden unabhängig voneinander sitzen, kochen und schlafen können. Dank des Hochdachs ist er außerdem wintertauglich und besitzt permanent Stehhöhe – laut Hersteller sind es 2,09 Meter im Heck und immer noch 1,90 Meter unter dem nach oben geklappten Bett.

Auch ohne optionalem Topper bieten die Polsterteile der umgebauten Bank bereits eine passable Unterlage.
Auch bei der Bordtechnik ist das Fahrzeug mit zwei Blei-AGM-Bordbatterien à 95 Ah und einem Drei-Liter-Warmwasserboiler, der ebenso zur Serienausstattung gehört, im Vergleich zu anderen Kompaktcampern üppig ausgestattet.
Verfügbare Versionen und Preise
Der Ford Nugget mit Hochdach ist zunächst nur als sogenannte Titanium-Version mit weißen Möbeln erhältlich. Als Basis kommt der Tourneo Custom mit 150-PS-Motor, Sechsgang-Schaltgetriebe und Vorderradantrieb zum Einsatz. Die Variante mit 170 PS und Automatikschaltung bzw. mit Allradantrieb, wie sie für den Nugget mit Aufstelldach erhältlich ist, gibt es vorerst nicht.
Das Fahrzeug kann ab sofort bestellt werden, mit den ersten Auslieferungen rechnet Ford im zweiten Quartal 2026. Das Hochdach bietet Ford in seiner Preisliste als Option (2.975 Euro) an. Mit dieser Dachvariante startet der Nugget bei 82.646 Euro.
Daten und Preise des Ford Nugget

Der Ford Nugget bietet Anschnallmöglichkeiten für 5 Personen während der Fahrt. Mit umgebauter Sitzgruppe finden bis zu 4 Personen Platz zum schlafen.
Basisfahrzeug: Ford Tourneo Custom, Vorderradantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe, 110 kW/150 PS
Masse fahrbereit/Gesamtgewicht: 2.820/3.300 kg
Länge/Breite/Höhe: 545,0/227,5/285,0 cm
Betten: Dachbett 205,0 x 130,0 cm, Umbaubett 190,0 x 120,0 cm
Aufbau: Stahlblechkarosserie, Hochdach in GfK-Sandwichbauweise, Isoliermaterial Hartschaum, 12 mm, Fenster im Hochdach: 3 Rahmenfenster, ein Dachfenster
Ausbau: Dreier-Schlafsitzbank, Küche mit Zweiflammkocher, Spüle, Kompressor-Kühlschublade 33 l, Außendusche warm/kalt
Bordtechnik: Diesel-Gebläseheizung 4000 Watt, Boiler 3 l, Frischwassertank 53 l, Abwassertank unterflur 30 l (beheizt), Bordbatterien Blei-AGM-Typ, 2 x 95 Ah, Gasflasche 1 x 2,8 kg
Preis: Nugget mit Hochdach: ab 82.646 Euro, Technikpaket Nr. 6: 2.392 Euro (Navigationsfunktion, Toter-Winkel- & Spurwechsel-Assistent, adaptiver Tempomat, Rundumkamera u. a.), Kassettentoilette 599 Euro, Fahrerhausverdunklung 599 Euro, Markise 1.069 Euro, Topper für Umbaubett 494 Euro.












