Truma stellt mit dem iNet X (Pro) Panel 2 die dritte Generation seines digitalen Steuerungssystems vor. Ab Herbst 2026 soll das neue Bedienteil für die Nachrüstung im Fachhandel erhältlich sein – und für Wohnmobil- und Wohnwagen-Bauer. Der Hersteller aus Putzbrunn positioniert sich damit erneut als "Systemintegrator", der aus dem Wohnmobil ein smartes und fernsteuerbares Zuhause für unterwegs machen will. Doch wie viel Substanz steckt hinter dem Anspruch?
Ein Rückblick zeigt eine bewegte Geschichte. 2015 startete Truma mit der iNet Box, einem SMS- und Bluetooth-basierten Fernsteuerungssystem für Heizung und Klimaanlage. Auf der CMT 2016 gewann das System den European Innovation Award. 2021 folgte der Neustart: Auf dem Caravan Salon präsentierte Truma das iNet X System mit CAN-Bus-Anbindung, farbigem 4,5-Zoll-Display und App-Steuerung. Die versprochene Fernsteuerung per App ließ allerdings auf sich warten. Statt im Sommer 2022 kam das iNet X Connect Modul erst im April 2025 in den Handel, drei Jahre später als angekündigt.
Durchdrungen hat Truma den Markt damit nie. Beide Generationen bleiben bisher eher Sonderausstattung für die Fernsteuerung von Truma-Geräten und weniger Funktionen im Wohnmobil. Kann das neue Panel die Kehrtwende schaffen?
Was das iNet X Panel 2 besser macht
Das Panel 2 bringt handfeste Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger:
- Kapazitiver Touchscreen statt resistivem Display: präzisere Eingabe, bessere Darstellung, Smartphone-ähnliche Bedienung. Wer das Panel nach dem Abwasch oder mit klammen Fingern bedient, wird den Unterschied sofort spüren.
- Mehr Rechenleistung und Speicher: Das alte Panel kämpfte laut Nutzerberichten mit Trägheit und langsamem Seitenaufbau. Die neue Hardware schafft Reserven für künftige Software-Updates.
- Vollständig versenkbare Montage: Das Display lässt sich jetzt flächenbündig in die Möbelfront integrieren. Für Hersteller, die auf cleane Interieurs setzen, ein wichtiges Argument.
- Freie CAN-Bus-Durchschleifung: Beim Vorgänger belegte die Stromversorgung einen der zwei CAN-Stecker, das Panel musste am Ende der Bus-Kette sitzen. Jetzt sind beide Anschlüsse frei. Hersteller können das Panel dort platzieren, wo es ergonomisch passt, und weitere Geräte einfach anhängen.
- Rückwärtskompatibilität: Wer bereits ein iNet X System besitzt, kann das Panel tauschen, ohne die gesamte Installation neu aufzubauen.

Das neuen Truma iNet X Panel 2 ist dem Vorgängermodell in vielen Punkten überlegen.
Jede einzelne Verbesserung ist sinnvoll. In der Summe liefert Truma ein spürbares Hardware-Upgrade, das vor allem Fahrzeugherstellern entgegenkommt. Der grundsätzliche Funktionsumfang des Systems ändert sich allerdings relativ wenig.
Systemintegrator: Anspruch trifft auf Realität
Und genau hier liegt der Knackpunkt. Truma nennt sich Systemintegrator, doch die offizielle Kompatibilitätsliste bleibt bisher überschaubar. Das iNet X steuert Truma-eigene Geräte wie Combi-Heizungen, Aventa- und Saphir-Klimaanlagen sowie den LevelControl. Dazu kommen Dometic Freshjet-Klimaanlagen über LIN-Bus und die Alde 3030, letztere allerdings nur mit einem statt zwei Heizkreisen, obwohl Alde zur Truma-Gruppe gehört.
Was fehlt: Dometic-Kühlschränke, obwohl diese seit Jahren CI-Bus-fähig sind, weitere Klimaanlagenhersteller oder Victron- oder EcoFlow-Energiesysteme. Licht, Wassertank-Füllstände und Batteriestatus zeigt nur das Pro Panel an, das ausschließlich von Fahrzeugherstellern ab Werk verbaut werden kann und einen speziell programmierten Elektroblock voraussetzt. Wer nachrüstet, bekommt ein Bedienpanel, das nur Heizung und Klimaanlage steuert.
Als Schnittstelle für vernetzte Wohnmobil-Technik existiert seit 2011 der CI-BUS-Standard, an dessen Entwicklung Truma beteiligt war. Hersteller wie Swift haben schon vor Jahren gezeigt, dass sich darüber auch Kühlschränke und Ablassventile zentral steuern lassen. Sie sind an diesen Punkten weiter gegangen als Truma.
Wenige OEM-Partner, viele offene Türen
Truma könnte mit seinem iNet-System ähnliche Möglichkeiten schaffen. Die Liste der Hersteller, die das iNet X Pro Panel (OEM-Variante) ab Werk anbieten, bleibt kurz.
- Bei Weinsberg gehört es je nach Baureihe zur Serien- oder Sonderausstattung.
- Malibu bietet das Pro Panel zum Beispiel für integrierte Modelle im Touring-Paket an.
- Roller Team verbaut es serienmäßig im Zefiro.
- Benimar packt es ins optionale Plus Pack.
- CI liefert es in der Magis Elite Serie.
Hymer Group baut eigenes Smart-System
Die Erwin Hymer Group fehlt auf der Liste der Unternehmen, die auf Trumas iNet-System setzen. Der größte europäische Wohnmobilkonzern mit über 15 Marken und 2,7 Milliarden Euro Jahresumsatz setzt bewusst auf ein eigenes System: Hymer Connect.
EHG-Chef Alexander Leopold kündigte an, die konzerneigene System Control Unit sukzessive allen Marken zur Verfügung zu stellen. Bürstner und Dethleffs haben bereits eigene App-Lösungen im Programm.

Das System von Hymer basiert auf einer zentralen Steuereinheit, die exklusiv in Fahrzeugen der Erwin Hymer Group zum Einsatz kommt.
Hymer Connect steuert Heizung, Klimaanlage, Licht mit Farbtemperatur, Kühlschrank, SAT-Anlage und zeigt Wassertank-Füllstände sowie Batteriestatus an. Vorprogrammierte Szenarien regeln Temperatur und Beleuchtung automatisch. Die Fernsteuerung über Mobilfunk funktioniert in 30 europäischen Ländern und ist ab Werk inklusive, kein Zusatzmodul für 399 Euro nötig.
Dieser Ansatz hat einen strukturellen Vorteil: Der Fahrzeughersteller entscheidet selbst, welche Geräte verbaut werden, und kann sein System exakt darauf abstimmen. Keine Kompatibilitätsprobleme mit Drittanbietern, keine Abhängigkeit von deren Kooperationsbereitschaft, volle Kontrolle über das Zusammenspiel aller Komponenten. Truma ist dagegen immer auf die Mitarbeit anderer Hersteller angewiesen.
Warum echte Systemintegration so schwer ist
Die mangelnde Offenheit lässt sich allerdings nicht allein Truma zuschreiben. Warum sollte ein anderer Ausstattungs-Hersteller für Wohnmobile seine Geräte bereitwillig in ein Truma-Panel integrieren lassen und damit das Ökosystem eines Konkurrenten stärken? Umgekehrt verdient Truma nichts an einem Kühlschrank einer anderen Marke. Vor diesem Hintergrund ist es sogar überraschend, dass über das iNet X Panel auch Klimaanlagen von Dometic steuerbar sind.

2015 machte Truma mit der ersten iNet Box den ersten großen Versuch, eine smarte Schaltzentrale für die komplette Aufbautechnik zu schaffen.
Gleichzeitig bleibt Trumas DNA ein limitierender Faktor. Das Unternehmen baut seit 1949 Heizungen und Klimaanlagen. Den Elektroblock, also das Herzstück der Bordelektrik mit Licht, Füllständen und Batterie, kontrollieren andere: Schaudt oder CBE. Sie müssen ihre Elektroblöcke anpassen, damit eine Kommunikation mit dem Truma-System möglich ist. Die Alko-Tochter CBE liefert mit dem ONDA Smart System wiederum selbst einen eigenen Ansatz, der ein vernetztes Wohnmobil schaffen soll.
Das spricht für Truma
Trotz aller Einschränkungen hat Truma Argumente auf seiner Seite. Die installierte Basis ist enorm: Truma-Heizungen stecken in nahezu jedem europäischen Wohnmobil. Das iNet X Panel gehört zu den wenigen Systemen, die Endkunden nachrüsten können. Und Truma hält am System fest, investiert weiter und liefert mit dem Panel 2 ein echtes Upgrade. Das iNet X Connect funktioniert seit April 2025 zuverlässig über eSIM und 4G.





