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Interview Selbstausbau Fabian Dresler
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TÜV-Experte gibt Tipps für Wohnmobil-Zulassung

TÜV-Experte gibt Tipps für Wohnmobil-Zulassung „Es gibt eine Mindestausstattung“

Die Preise für Wohnmobile sind zuletzt spürbar angestiegen. Warum also nicht einen Transporter selber ausbauen? Doch ist das so einfach? Wir haben Karsten Graef, Experte beim TÜV, danach gefragt.

Ein alter gebrauchter Bulli, ein Schlafsofa, ein wenig Zubehör – fertig ist der Campingbus. Ganz so schnell geht es nicht, denn bevor ein Transporter mit Möbeln ganz offiziell zum Wohnmobil wird, ist eine Begutachtung bei einer Prüforganisation nötig. Ein paar Hürden sind dafür zu nehmen, die man sich am besten schon vor der Ausbauplanung genau ansieht. Unsere Fragen dazu hat Karsten Graef, Technischer Leiter der TÜV Süd Auto Partner GmbH, für die CC-Leser beantwortet.

Neue Wohnmobile erleben gerade einen regelrechten Boom. Registriert man beim TÜV ebenfalls ein erhöhtes Interesse bei der Eintragung von Selbstausbauten?

Ja, wir merken das an unseren TÜV Süd Service-Centern. Der Anteil der selbstausgebauten Wohnmobile hat in den vergangenen Monaten und Jahren ordentlich zugenommen – insbesondere in der Zeit von Ausgangs- und Reisebeschränkungen.

Was sind die Mindestvoraussetzungen, damit der Selbstausbau eines Kastenwagens die Eintragung als "So.-Kfz Wohnmobil" erhält?

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Besser beschäftigt man sich schon bei den ersten Skizzen mit den Vorschriften, die der Ausbau am Ende erfüllen muss.

Grundsätzlich gibt es hierbei sehr vieles zu beachten, zur absoluten Mindestausstattung gehören aber eine Sitzgelegenheit und Tisch, eine Schlafgelegenheit, die aber auch aus den Sitzen umgebaut werden kann, sowie eine Kochmöglichkeit und zusätzliche Verstaumöglichkeiten für Gepäck und Gegenstände.

Empfehlenswert für Selbstausbauende ist aber, sich das Merkblatt des TÜV-Verbandes zum Thema Wohnmobilbegutachtungen anzuschauen. Hier wurden von unseren Fachleuten die wesentlichen verschiedenen Vorschriften, Richtlinien und Standards, die es zu beachten gibt, zusammengefasst. Ganz grundsätzlich ist es auch sinnvoll, die Umbaupläne in der Fachwerkstatt zu besprechen – auch wenn es online unzählige Umbauanleitungen gibt.

Worauf müssen Selbstausbauer bei den Möbelmaterialien und der Konstruktion des Ausbaus besonders achten?

Es muss eine Sitzgelegenheit mit Tisch vorhanden sein, wobei dieser auch klapp- oder abnehmbar sein darf, ebenso Schlafplätze und Schränke bzw. Stauraum. Dabei gilt es, auf die Materialien zu achten, die leicht sind, aber vor allem auch geringe Splittereigenschaften haben. Außerdem ist bei der Konstruktion darauf zu achten, dass sich Passagiere – auch im Falle eines Aufpralls – nicht durch scharfe oder spitze Kanten verletzen können.

Heißt also, die verbauten Teile müssen so beschaffen sein, dass bei einem Unfall keine Gefahr von ihnen ausgeht, beispielsweise müssen Ecken abgerundet oder gummiert sein. Schränke und Türen müssen so schließen, dass bei der Fahrt keine Gegenstände herausfallen können.

Wie sieht es mit Sitzplätzen aus? Ist es bei einem ursprünglich zweisitzigen Kastenwagen möglich, selbst montierte Plätze in den Fahrzeugpapieren eintragen lassen?

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Die Einrichtung muss so geplant sein, dass von den Sitzen Ausgänge und Notausstiege schnell erreicht werden können.

Grundsätzlich ist das nicht ausgeschlossen, jedoch gibt es hierbei verschiedene regulatorische Schwierigkeiten zu beachten. In der Regel ist so etwas auch nicht ohne Weiteres im Rahmen eines Selbstausbaus möglich. Damit hier Aussicht auf Erfolg bestehen kann, ist vor allem die Auswahl einer Sitzgruppe entscheidend. Die Hersteller solcher Sitze und Gurte kümmern sich in der Regel bereits vorab darum, die Prüfungen durchführen zu lassen: zum einen der Sitze selbst sowie der Gurtverankerungen für den jeweiligen Fahrzeugtyp. Solche zerstörenden Prüfungen in dafür speziell ausgerüsteten Prüflaboren sind für Selbstausbauer nicht zu bewältigen.

Dürfen die Möbel und Installationen im Fahrzeug auch demontierbar sein?

Ja und nein. Alles, was zur Mindestausstattung gehört, muss fest im Fahrzeug montiert sein – mit Ausnahme des Tisches, der klapp- oder abnehmbar sein darf. Fest verbaut heißt in diesem Fall, dass die Einrichtungsgegenstände nicht mit einfachen Mitteln (z.B. mit den üblichen Bordmitteln) entfernt werden können oder lediglich mit Spanngurten befestigt wurden.

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Welche Rolle spielt das Gewicht der eingebauten Möbel und Installationen?

Mit dem Umbau verändert sich die Leermasse des Fahrzeugs. Zur Leermasse zählen alle fest eingebauten Einrichtungen wie Bett, Sitze, Küche und Kühlschrank, gefüllte Warmwasserboiler und Frischwassertanks usw. Zusätzlich wird eine fahrende Person mit einer Pauschale von 75 kg dazugerechnet. Gleichzeitig darf die zulässige Gesamtmasse nicht überschritten werden.

Es muss also darauf geachtet werden, dass die Umbauten die Leermasse des Fahrzeugs nur so weit erhöhen, dass auch mit Fahrgästen, Gepäck, Ausrüstung und ggf. weiterer Beladung (Fahrräder) die zulässige Gesamtlast nicht überschritten wird. Abgesehen davon sollte auch darauf geachtet werden, dass die Einbauten bei Beladung auch eine ordentliche Lastverteilung im Fahrzeug zulassen, damit der Aufbau später nicht in eine Richtung "hängt" und das Fahrverhalten negativ beeinflusst.

Gibt es vermeidbare Fehler, die bei Selbstausbauten besonders oft vorkommen?

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Der Einbau von Gas und Elektrik erfordert Spezialkenntnisse und sollte besser einer Fachwerkstatt überlassen werden.

Ein besonders wichtiger Punkt ist ein Fluchtweg, an den nicht immer gedacht wird. Um das Wohnmobil im Notfall sicher verlassen zu können, sind für jeden Sitz zwei voneinander unabhängige Fluchtwege einzuplanen, die auf unterschiedlichen Seiten des Fahrzeugs (ggf. auch oben oder hinten) liegen. Notausgänge (Türen) und Notausstiege (Fenster, Luken und Klappen mit entsprechender Größe) zählen gleichermaßen als Fluchtwege.

Auch ist bei der elektrischen Installation Fachexpertise gefragt. Kritisch sind zu dünne Kabel oder fehlende Absicherungen. Zudem ist der Einsatz von Bauteilen zu beachten. Hier kommt es beispielsweise vor, dass diese nicht für den Einbau in bzw. an Kraftfahrzeugen geeignet sind oder sogar einer speziellen Genehmigungspflicht unterliegen, um die sich bereits der Hersteller kümmern muss. Dazu gehören Fenster, nach außen wirkende Beleuchtung, Standheizungen oder Anhängerkupplungen.

Lust bekommen, das eigenen Campingfahrzeug-Projekt zu starten? Hier gibt's mehr Infos zum Thema Selbstausbau im Themen-Special und ausführliche Details zur Wohnmobil-Zulassung.

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