Die Zapfsäule sorgt bei vielen Wohnmobil-Fans derzeit für lange Gesichter. Doch wie sehr verändern die hohen Spritpreise tatsächlich das Reiseverhalten?
Das Meinungsbild unserer Leserinnen und Leser fällt überraschend vielschichtig aus: Während manche ihre Reisepläne grundlegend umschmeißen, lassen sich andere kaum beirren – und wieder andere nehmen die Situation zum Anlass, ihren Fahrstil grundsätzlich zu überdenken.
Langsamer fahren, weiter kommen
Ein bewährtes Mittel gegen hohe Kraftstoffkosten ist schlicht das Bremspedal – oder besser gesagt: die konsequente Zurückhaltung beim Gaspedal.
Peter Schmid aus Kriftel fährt seinen Citroën Jumper, liebevoll "Paula" genannt, schon immer verbrauchsbewusst. "Mit maximal 100 km/h und dem Tempomat kommen wir auf einen Durchschnittsverbrauch von 8,3 Litern auf 100 Kilometern", berichtet er. Für ihn ist das keine Einschränkung, sondern Lebensphilosophie: "Außer dem Geldbeutel schont es auch unsere Nerven. Reisen, nicht rasen."
Ähnlich denkt Andreas Heyck, der mit seinem sechs Tonnen schweren Wohnmobil sein Tempo von 105 auf rund 90 km/h reduziert hat. Die Rechnung geht auf: "Das spart etwa zwei Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer." Dennoch räumt er ehrlich ein: "Die Spritpreise nehmen mir ein wenig die Lust am Wegfahren." Seine ursprünglich geplante Skandinavienreise bis nach Luleå und zurück über Norwegen hat er vorerst aufgeschoben – Dänemark wird es stattdessen.
Wenn die Route zur Kostenfrage wird
Für Rolf Peters hat der Dieselpreis die gesamte Reiseplanung auf den Kopf gestellt. Statt der geplanten Bäder-Tour führt ihn der Weg nun an die Ostgrenze, von Stettin über Bad Muskau – mit bewusstem Abstecher nach Polen, wo das Tanken günstiger ist. "Außerdem werden wir eine bis zwei Touren weniger fahren", schreibt er.
Mona Janßen aus Augustfehn hat gleich mehrere Stellschrauben gedreht: Die Autobahn meidet sie konsequent zugunsten von Land- und Bundesstraßen, die Ziele liegen näher an der Heimat, und auf Stellplätzen mit Hundegebühr verzichtet sie ebenfalls. "Statt essen zu gehen, wird selbst gekocht und Kuchen gekauft, der Kaffee dazu am Mobil getrunken", erzählt sie. Ein nüchternes Fazit: "Leider alles anders, als man sich das gewünscht hat."
Entspannt bleiben – und die Kosten einordnen
Nicht alle Leserinnen und Leser sehen die Situation so kritisch. Martin Schulte-Beckhausen bringt es auf den Punkt: "Wer ein meist sehr teures Wohnmobil besitzt, nagt nicht am Hungertuch. Da sollten die Spritpreise ein kleineres Problem sein." Eine provokante Aussage – aber eine, die zum Nachdenken anregt.
Marc Stecher teilt diese Gelassenheit: "Beim Tanken schaut man natürlich unglücklich auf die Zapfsäule, aber wir sind dann doch glücklich, dass wir es uns leisten können." Sein Rezept: etwas langsamer auf der Autobahn fahren und mehr vorgekochte Mahlzeiten mitnehmen. "Die Erholung während so einer Auszeit ist es uns wert."
Der nüchterne Blick auf die Zahlen
Besonders aufschlussreich ist die Analyse von Frank Jesinghausen, der seine Reisekosten akribisch auswertet. Sein Ergebnis: Der Kraftstoff macht lediglich rund 14 Prozent der Gesamtkosten aus – weit hinter den Übernachtungskosten mit knapp 40 Prozent und den Fahrzeugkosten (Inspektionen, Hauptuntersuchung, Reparaturen, Verschleißteile und Erweiterungen) mit über 46 Prozent. "Der Anstieg des Dieselpreises fällt in Anbetracht der Gesamtkosten am geringsten aus", resümiert er sachlich.
Für ihn sind vorausschauendes Fahren, die Nutzung von ÖPNV und Fahrrad vom Stellplatz aus sowie der Preisvergleich per Tankstellen-App ohnehin gelebte Praxis – nicht aus reiner Kostenpflicht, sondern aus Überzeugung: "Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen ist mir wichtig."





