Der Name Knigge steht seit Jahrhunderten für Umgangsformen und respektvolles Miteinander. Auch wenn Diana Knigge mit dem berühmten Adolph Freiherr Knigge nicht verwandt ist, fühlt sie sich dem Geist dieses Namens durchaus verpflichtet. "Nicht jeder Müller muss Mehl mahlen, aber als Knigge sollte man Grundkenntnisse im Umgang mit Menschen haben", sagt sie. Höflichkeit und Rücksichtnahme seien keine veralteten Tugenden, sondern gerade beim Reisen ein entscheidender Schlüssel für ein friedliches Miteinander.
Seit inzwischen zehn Jahren lebt Diana Knigge mobil. Lange bevor Camping und Vanlife durch die Corona-Pandemie einen regelrechten Boom erlebten, hatte sie sich bewusst für dieses Leben entschieden. In dieser Zeit hat sich die Szene stark verändert – nicht nur quantitativ, sondern auch im Verhalten vieler Reisender. "Wir beobachten zunehmend Verhaltensweisen, die der Gemeinschaft und der Umwelt schaden", erklärt sie. Genau daraus entstand die Idee für ihr Buch: ein Ratgeber, der nicht belehren, sondern konstruktiv gegensteuern will.
Im Kern geht es dabei nicht um einzelne Regelverstöße, sondern um den gesunden Menschenverstand. Gegenseitige Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit für Mitmenschen sowie ein respektvoller Umgang mit Natur und Umwelt stehen für Knigge im Mittelpunkt. Das Reisen mit dem Wohnmobil sollte möglichst wenig Spuren hinterlassen. Doch genau daran mangelt es häufig. Viele Camper seien sich ihres ökologischen Fußabdrucks nicht bewusst – obwohl ihre Hinterlassenschaften sichtbar bleiben.

Nachgefragt... bei Phillip A. Schubert und Diana Knigge, Autoren eines Camping-Knigge.
Die Folgen dieses Verhaltens sind längst spürbar. Verbotsschilder, Höhenbeschränkungen, Sperrsteine und eingeschränkte Zufahrten seien direkte Konsequenzen aus schlechtem Benehmen, so Knigge. Einmal aufgestellt, verschwinden solche Maßnahmen selten wieder. Umso wichtiger sei es, frühzeitig gegenzusteuern, damit das mobile Reisen auch künftig möglich bleibt und nicht weiter reglementiert wird. Es sei nicht ein einzelnes Fehlverhalten, das besonders störe, sondern die Summe vieler kleiner Rücksichtslosigkeiten.
Die Frage, ob man im Urlaub nicht auch einmal großzügiger über Fehlverhalten hinwegsehen sollte, beantwortet Knigge klar. "Die Natur hat keinen Urlaub", stellt sie fest. Locker nehmen könne man allenfalls die eigenen Entscheidungen im privaten Rahmen – nicht aber den Umgang mit Umwelt und Mitmenschen. Zwar habe sie immer wieder versucht, das Gespräch zu suchen, doch häufig fehle vielen der Blick für das große Ganze. Wer irgendwo halte, sei nie allein. Auch wenn man es nicht sehe: Andere waren bereits dort und werden folgen.
Nach ihrer Erfahrung liegt die Ursache vieler Konflikte im starken Fokus auf das eigene Ich. Im Camper bewege man sich in einem vertrauten Mikro-Kosmos, oft ohne äußere Kontrolle. Auf Campingplätzen sorgen Regeln und Nachbarn für Ordnung, auf freien Stellflächen hingegen fühlen sich manche unbeobachtet. Moral und Anstand geraten dann schnell in den Hintergrund. Hinzu kommen Unwissenheit, Ignoranz und ein durch soziale Medien verzerrtes Bild vom Vanlife, das Freiheit und Idylle zeigt, aber die Verantwortung ausblendet.
Diana Knigge plädiert daher für mehr Bewusstsein statt mehr Verbote. Ihr Anliegen ist es, daran zu erinnern, dass Freiheit und Rücksicht untrennbar zusammengehören. Denn nur wenn Camper Verantwortung übernehmen, kann das mobile Leben langfristig das bleiben, was es sein soll: eine Bereicherung – für Reisende, Mitmenschen und Natur gleichermaßen.





