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Dank Selbstausbau günstig durch Neuseeland reisen

Rundreise im Van durch Neuseeland Selbstausbau im Land der Kiwis

Neuseeland gilt völlig zu Recht als Sehnsuchtsziel, entsprechend viele Angebote an Miet-Mobilen gibt es. Zwei Jungs aus dem deutschen Südwesten gingen jedoch den anderen Weg – und bauten sich ihren Camper kurzerhand selbst. Hier ist ihre Geschichte ...

"Die Idee, einen Kastenwagen vor Ort zum Camper auszubauen, die hatten wir schon im Gepäck. Das war aber auch alles an Vorbereitung." So lapidar beginnt Jona Siegrist von jenem Trip zu erzählen, den man sich erst einmal zutrauen muss: Gemeinsam mit seinem Freund Daniel Pelosato nahm er 2019 sowohl Nord- wie auch Süd-Neuseeland unter die Räder.

"Allerdings gönnten wir uns auch einen Prolog in Indonesien", gibt Jona zu. "Am 28. Oktober flogen wir für zwei Wochen nach Bali. Als sanfter Einstieg sozusagen, wir hatten vor der Reise unglaublich viel um die Ohren." Danach dann: Ab nach Auckland, hinein ins Abenteuer! Denn weder kannten die beiden Land und Leute, noch hatten sie exakte Pläne. Dafür jedoch war ein großer Vorrat an Zuversicht im Gepäck. Das Talent echter Jugend ...

Fahrzeugkauf auf Markt

"Auckland war aber nicht so der Hit", schon nach drei Tagen hatten die Jungs genug von der Großstadt. Doch vor allem dort gab es Autos: "Wir wussten, dass es samstags einen freien Markt gibt, den wollten wir ansteuern." Der Weg zum außerhalb gelegenen Parkplatz war lohnend – zum Glück muss man sagen, denn besagter Samstag hatte den Makel, dass für den Abend kein Hostel-Zimmer mehr zu finden war in der Stadt. Um so größer dann die Freude, zügig das perfekte Vehikel zu ergattern: "Wir wollten einen möglichst leeren, rostfreien Kastenwagen. Marke, Modell oder Motor waren wurscht!"

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Ein Highlight gleich zum Start der Reise: 90 Mile Beach nahe des Cape Reinga. Ganz oben im Norden von Neuseeland durfte Betty gleich mal zeigen, was sie so kann. Und das war eine ganze Menge!

Handelseinig wurden die beiden mit einem Surfer, der einen 1990er Toyota lediglich rudimentär ausgebaut als Strandmobil genutzt hatte, rund 3.000 Euro waren ein fairer Preis für den Allradbus, der noch am selben Tag umgemeldet wurde. "Die Versicherung gab es beim Automobilclub, die Registrierung konnten wir nachmittags auf dem Postamt vornehmen." Wer deutsche Zulassungsstellen kennt, der bekommt bei solchen Berichten feuchte Augen. "Das ist wesentlich lockerer als bei uns", freut sich auch Jona. Die erste Nacht im eigenen Camper war gesichert, parallel wurde bereits Maß genommen für den Ausbau: Laptop und Software der Gesellenprüfung taten gute Dienste.

"Der Toyota sollte nicht ganz so schick, aber mindestens so praktisch werden, vor allem aber autarkes Reisen erlauben", erklärt Jona, während auf dem Bildschirm die Baupläne vorbeihuschen. "Ausdrucken konnte ich die dann bei einem früheren Berufsschulfreund in Kerikeri im Norden der Nordinsel. Dass ich hier noch Kontakt hatte, das war echt hilfreich. Außerdem ist die ganze Gegend voll mit Baumärkten und Fachgeschäften, das war wichtig.

Einen Ort zum Ausbauen finden

Und so sind wir stracks mit den Ausdrucken zu einer Holzfirma gestiefelt – und haben einfach gefragt, ob wir neben dem Material nicht einen Tipp bekommen könnten, wo wir die Kiste zusammendübeln dürften." Gut kann man sich den erstaunten Blick hinterm Tresen vorstellen, vor dem zwei junge Deutsche stehen, die aber offensichtlich Ahnung haben. "Der Händler empfahl uns einen Briten namens John. Der habe eine Minigolfanlage – und sei mindestens so irre wie wir.

Und das stimmte dann auch. "Bei John durften wir uns ausbreiten und das Werkzeug nutzen!" Nach zehn Tagen reiner Bauzeit war der Camper schließlich fertig, wobei "es doppelt so schnell gegangen wäre, hätten wir nicht auf die Technikdetails warten müssen", meint Jona lachend. "Und ein paar Tage für die Vorbereitung waren ja auch noch nötig. Aber egal: Am 12. Dezember war der Bus startklar."

Start der Reise

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Unterwegs zum Lake Hãwea in der Region Otago.

Als Erstes sollte es ganz in den Norden gehen, "vom 90 Mile Beach hatten wir schon tolle Sachen gehört. Und nix davon war übertrieben", versichern die beiden, die etliche Tage an diesem legendären Küstenabschnitt zwischen Wasser und Land mäanderten, den Allradantrieb genießend. "Wir hätten auch einen 2WD genommen, aber so war es natürlich besser. Betty hat sich tapfer geschlagen." Der Name des Busses wurde, wie auch die Nummernschilder, vom Vorbesitzer übernommen.

Danach wurde Bettys Bug auf Südkurs gedreht: "Die Nordinsel ist ja ganz nett. Aber der Süden reizte uns mehr, vor allem der Mount Tongariro!" Als besonders fesselnd entpuppte sich der Tongariro Alpine Crossing, ein Wanderweg durch den gleichnamigen Nationalpark: "Wir sind um 3 Uhr in der Früh mit Stirnlampen los und durften ganz alleine und einsam den Sonnenaufgang erleben. Gänsehaut pur!" Dann allerdings kam es zum Szenenwechsel, wie Jona erklärt: "Am Vormittag rollte die übliche Touri-Welle an – und auf einmal war diese fast schon mystische Stimmung verloren. Krass!"

In Nelson wiederum traf man sich mit einer Freundin aus Abi-Zeiten, die es ebenfalls zu den "Kiwis", wie sich die Neuseeländer selbst nennen, verschlagen hatte. "Christina hatte sich gerade einen Nissan-Kastenwagen gekauft – und bat uns nun um einen minimalistischen Campingausbau." Der wurde in zwei Tagen realisiert, anschließend zog das Trio in zwei Autos los: einige Tage rund um Nelson, dann weiter nach Marlborough Sounds.

"Vor allem aber die Ecke um Wanaka war grandios, auch weil man hier überall auf Camper eingestellt ist. Alleine dort ließen wir uns fast drei Wochen treiben." Zwischenzeitlich wurde Silvester gefeiert, Christina und Jona bedienten, um die Reisekasse aufzubessern, auf einem Festival. Daniel wiederum hatte genug vom Land gesehen und flog heim – er hatte zudem schon wieder neue Pläne. Eine Weile später kehrte auch Christina um, Jona war nun alleine unterwegs. Doch Langeweile kam nicht auf: "Ich gönnte mir sogar einen sündteuren Cessna-Flug bei Wanaka, der war jeden einzelnen seiner 400 Dollar wert."

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Die Gegend um Wanaka hat viele Facetten, sogar glaziale: Den Gletschersee Lake Hãwea muss man sich indes hinzudenken.

Solo-Urlaub am Ende und der Fahrzeugverkauf

Mit dieser Erfahrung im Gepäck ging es die Westküste der Südinsel wieder nach Norden, und "Ende Januar hatte ich plötzlich das Gefühl, dass es nun gut ist", meint Jona im Rückblick. Reisende kennen diesen Moment der Erkenntnis, dass der Weg nun wieder in die Heimat führt, wobei zunächst der Verkauf des Toyota in Auckland anstand – und die bittere Einsicht, dass ein gewisser Corona-Virus sich bereits in den Touristenzahlen bemerkbar machte, weshalb Betty schließlich für weniger als gedacht an einen Händler veräußert werden musste.

Jona jedoch grämte sich darob keine Sekunde: "Was ich in der Zeit alles erleben durfte, angefangen vom Glücksgefühl, auch am anderen Ende der Welt einen Camper gestalten zu können, bis zu den Momenten im Sonnenaufgang oder in der Cessna, das ist unbezahlbar." Es gibt eben Dinge, die lassen sich nicht in Gold und nicht in Geld aufwiegen. Man muss nur den Anfang wagen – und einen ordentlichen Vorrat an Zuversicht mitnehmen.

Der DIY-Camperausbau

Am Anfang war ein Kasten: Der surfende Vorbesitzer hatte nur eine Schlafstatt, aber dafür viel Platz fürs Board an Bord des soliden Toyota. Der Hiace verfügte über einen robusten Turbodiesel mit 95 PS aus 2,8 Litern, zuschaltbaren Allrad und zwei Sperren. "Alles fein – vor allem aber war er ziemlich rostfrei." Für knapp 3.000 Euro war der Handel perfekt, Tipps zur Registrierung im Postamt gab es obendrein.

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Reise-Infos Neuseeland

Anreise/Einreisebestimmungen
Mehrere Linien verbinden deutsche und neuseeländische Flughäfen, die reine Flugzeit beträgt etwa 22 Stunden. Immerhin sind es von Frankfurt nach Neuseeland gut 18.500 Kilometer. Alternativ kombiniert man den Trip und macht es wie die Helden unserer Geschichte: "Hin mit Fly Emirates von Zürich über Dubai nach Denpasar, nach zwei Wochen mit Qantas über Sydney nach Auckland. Von dort ging es dann später mit Fly Emirates über Dubai nach Frankfurt wieder in die Heimat, alles zusammen für rund 1.500 Euro." Aufenthalte bis zu drei Monaten sind visafrei, das "Working Holiday Visum" gilt ein Jahr, und kostet rund 200 Euro.

Fahrzeugmiete/Fahren in Neuseeland
Einen Camper zu mieten, das ist in Neuseeland kein Problem, jegliche Preisklasse ist am Start. Auf Plattformen wie CamperDays oder Camperbörse kann man schon von Deutschland aus ein Fahrzeug buchen. Einen Campervan für zwei Personen gibt es hier ab rund 600 Euro für 14 Tage Anfang diesen November, die Sechs-Meter-Klasse startet bei rund 850 Euro. Selbst Klassiker sind verfügbar, die Besitzer von Classic-Campers kamen bei einem Europatrip auf den Geschmack und haben selbst Uralt-Bullis im Portfolio.

Fahrzeugkauf/Zulassung/Versicherung
Wer Zeit hat und keine Scheu vor dem Unwägbaren, der macht es wie Jona und Daniel: In Auckland gibt es stets am Samstag und oft auch am Mittwoch diverse Automärkte, jeweils für verschiedene Fahrzeugtypen. Gelände- und Kastenwagen gibt es reichlich und in unterschiedlichsten Preislagen und Zuständen, ein wenig Ahnung von Autos sollte man jedoch haben. Für die Versicherung eines Kastenwagens über den Neuseeländischen Automobilclub NZAA (The New Zealand Automobile Association) und die behördliche Registrierung (binnen 20 Minuten im Postamt erhältlich) muss man für drei Monate rund 200 Euro rechnen.

Camping in Neuseeland
Neuseeland ist das ideale Camperrevier, Holiday Parks und Campingplätze finden sich allerorten, das Preisniveau ist, gerade bei den einfachen Anlagen mit Trockentoilette, erfreulich niedrig. Manche sind gar komplett umsonst, wie auch viele kommunale Ver- und Entsorgungsstationen. Die Parks bieten Stellplätze, manche auch Lodges für Rucksacktouristen, und finden sich häufig in der Nähe beliebter Touristenziele. Campingplätze liegen oft abgelegen und nahe der Wanderwege und sind in der Regel ruhiger als Ferienparks.

Stellplätze/Freies Stehen
Wildes Campen an illegalen Stellen kann teuer werden, es gibt aber immer genügend ausgeschilderte Areale, die Kommunen sind selbst an einer Kanalisierung interessiert. "Die App ‚CamperMate‘ ist das absolute Muss in Neuseeland – solch einen Funktionsumfang hat keine vergleichbare App in Deutschland", meint Jona nur. Die App ist kostenlos.

Zahlungsmittel/Preise
Ein Neuseeland-Dollar (NZD $) ist in 100 Cent unterteilt, in jüngster Zeit bekam man für einen Euro 1,74 NZD $. Geldautomaten sind überall verfügbar, gängige EC- und Kreditkarten werden akzeptiert.

Einkaufen/Verständigung
Lebensmittel sind im Schnitt ein wenig teurer als in Deutschland, am Wochenende finden überall Märkte mit Produkten der lokalen FarmerInnen, die "Farmers’ Markets", statt. Auch hier spricht man Englisch.

Beste Reisezeit
Beim Klima muss man sich umgewöhnen: Der Sommer ist die beste Reisezeit, und damit sind die Monate Dezember bis Februar gemeint. Allerdings sind dann auch die meisten Gäste im Land, und auch die Kiwis kombinieren gerne Sonnenschein und Weihnachtsurlaub. Wer es sich aussuchen kann: Von März bis Mai ist es gerade im Norden noch recht warm, und mangels Besucherströmen sind auch die Preise günstiger.

Reiseinfos
Ausführliche Informationen bietet das offizielle Fremdenverkehrsamt des Landes. Vor Ort wurde nicht mit traditionellen Landkarten navigiert, sondern mit dem Smartphone, Tipps anderer Reisender in den sozialen Medien (Instagram) erwiesen sich als sinnig. Als handliche Lektüre hatte Jona den "Reiseführer Neuseeland" von Marco Polo (ISBN 978-3829728461, 12,99 Euro) im Gepäck.