Mobiltour Hymer Heiko Wacker
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Unterwegs im Hymer 540 DS

Unterwegs im Hymer 540 DS Ein Oldtimer mit Herz

Werner und Patrick kennen sich seit Jahren, die beiden Oldiefans unternehmen viel zusammen – auch im gemeinsam erworbenen Reise-Oldie, einem Hymer 540 DS von 1979.

Viele gute Ideen entstehen beim geselligen Bierchen. Doch das, was Patrick Dürk und Werner Burato vor einigen Jahren an einem launigen Abend ausgehirnt haben, das hat noch einmal eine andere Qualität. Und die Freundschaft vertieft hat es obendrein auch – oder besser "er": der Hymer 540 DS, ein echter Klassiker.

"Wir kennen uns schon ewig und wohnen ja auch nur ein paar hundert Meter voneinander. Trotzdem gibt es immer viel zu erzählen, wir quatschen halt gern Benzin", meint Patrick und schiebt sich die verspiegelte Pilotenbrille auf die Nase. Werner kramt derweil sein Bierchen aus dem Camper, Tisch und Stühle stehen schon parat. Wir haben uns an einer ruhigen Ecke zum Plausch getroffen, die beiden Jungs sind gerne bereit, über diese ganz spezielle Männerfreundschaft zu berichten. "Die hat wohl alles zu bieten – nur keine Langeweile", frage ich, was Werner dröhnend lachen lässt. Mit dem Weizenglas in der Hand setzt er sich, einschenkend beginnt er zu erzählen.

"Oldies haben wir ja beide – aber irgendwann wurde uns klar, dass wir eigentlich ein Fahrzeug bräuchten, in dem man auch mal pennen kann und sich nicht gleich auf die Füße tritt. Und als uns das mal klar war, begann die Suche." Damit war die ungefähre Größe jenseits des Horizontes eines VW Bulli vorgegeben, "aber auch alt sollte das Vehikel sein, eine H-Zulassung und ein möglichst originaler Zustand waren Pflicht", ergänzt Patrick. Die zentralen Daten waren somit gesetzt, beide schauten sich um. Ohne Stress, ohne Not. Bis Werner im Frühling 2016 auf das Angebot eines Händlers in Heilbronn aufmerksam wurde.

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Spontane Männer: Patrick und Werner beschlossen noch während des Fotoshootings, den Abend an dieser lauschigen Stelle zu verbringen. Zu Hause ist, wo du parkst!

"Der bot den Hymer an, ein Scheunenfund aus Österreich." Das hörte sich gut an, wie auch der Preis im niedrigen vierstelligen Bereich. Also war klar, dass die Sache einen Haken haben musste. "Ja, der Haken! Das waren die Papiere", meint Werner. "Es gab keine", fügt Patrick an und verschränkt die Hände im Nacken, um die spätsommerliche Sonne zu genießen.

Immerhin ließ sich das Problem nach einigem Hin und Her per Unbedenklichkeitsbescheinigung und Einzelabnahme lösen, "was aber ohne die Unterstützung durch das Erwin-Hymer-Museum kaum geklappt hätte", erklärt Werner ernst, "das war vor allem Markus Böhm zu verdanken, der hat uns alle verfügbaren Unterlagen zur Verfügung gestellt, das war super". Beide betonen, dass dieser Sachverhalt bitte schön Erwähnung zu finden habe. Aber gerne doch!

An dieser Stelle sei zudem auf die veritable Sammlung verwiesen, die in Bad Waldsee Freunde historischer Fernwehmobile beglückt, hier warten im Fundus gleich zwei Hymer 540 auf ihren nächsten Auftritt. Sie dienten als Datenspender für das"Männer-Wohnheim", das wir uns nun bei einem lockeren Rundgang näher anschauen. Und zu schauen gibt es eine Menge, wobei sich der Wagen weitgehend im Originalzustand befindet. Restaurierung? Fehlanzeige! "Eigentlich war nur ein ganz großer Service an der Technik notwendig", meint Kfz-Meister Patrick, während Werner noch die Grundreinigung anführt.

So zeigt sich der Camper in erstaunlich fittem Zustand, selbst das schicke Badezimmer oder die braunen Kunstlederleisten sind original, wie auch die Klimaanlage auf dem Dach. Der Luxus der späten Siebziger! Denn ein billiges Vergnügen war der 540er nicht, rund 57.000 Mark musste man einst auf den Tresen legen. Zum Vergleich: Ein Mercedes-Benz mit identischem Dieselmotor kostete ab 1. Juli 1979 exakt 23.227 Mark und 15 Pfennige. Inklusive 13 Prozent Mehrwertsteuer übrigens.

Für Schub sorgt der 2,4 Liter große Vierender, der auch im legendären W 123 seine Dienste tat, wobei das 65 PS starke Aggregat hie wie da dasselbe Lied singt: "Ich bring dich heim!" Nicht ohne Grund schätzen Fans die gusseisernen Qualitäten des Ölbrenners, der aus einer Zeit stammt, in der Ingenieure nicht so gut wie nötig, sondern so gut wie möglich zu Werke gingen.

Deshalb steckt der Motor, er erstarkte im Laufe der Jahre noch auf 72 PS, auch den harten Job im Hymer weg: Bei Reisetempo 100 bis 110 läuft er fast dauernd mit Vollgas, der Schnitt liegt bei 14 Litern. Der Sound des Heizölverdichters ist entsprechend sonor – und wegen der Position halb im Führerhaus auch gut vernehmlich.

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Der robuste Ölbrenner selbst sitzt dagegen fast im Aufbau.

Ein besonderer Oldie

Ich darf den Wagen für ein paar Kilometer zum Fotoshooting entführen – die beiden Besitzer sind derweil viel zu entspannt für so eine Aktion – und erfreue mich sowohl am Panoramablick wie an der kurzen Abstufung des Vierganggetriebes. Trotz des Leergewichts von rund 2,4 Tonnen lässt sich der Camper erstaunlich flott bewegen, bei Tempo 50 ist man längst im letzten Gang.

Kurven nehme ich eingedenk der schmalen Spur dennoch mit gehörigem Respekt, von vorne wirkt der "Kasten auf Rädern" ein wenig drollig. "Gerade aber die kastige Form gefällt mir persönlich am besten", meint Werner später dazu.

Nun, das mag vielleicht auch an den hierdurch gegebenen Transporttalenten liegen: Vor einigen Jahren galt es, eine Motorhaube für Werners Buick Riviera aus den Niederlanden zu holen, was in eine mehrtägige Partytour ausartete. Im Jahr 2018 besuchten die beiden zudem das Werner-Rennen auf dem Flugplatz Hartenholm, gleichwohl sind sie auch solo mit dem Hymer unterwegs – wegen der Musik.

Denn wo Werner – also der Mitbesitzer des Hymer, nicht die Comicfigur – ein großer Fan knackiger Konzerte ist, da spielt Patrick selbst in der "Big Roll Band" die E-Gitarre, beider Männer Hobbys machen ein mobiles Zuhause sinnig.

Zudem, und Werner berichtet das mit fast zaghafter Scheu, "hat meine Frau inzwischen auch Gefallen am 540er gefunden, das war so gar nicht beabsichtigt". Im Sommer war das Paar auf einer längeren Tour bis nach Rügen und Stralsund unterwegs. "Aber selten mehr als 300 Kilometer am Stück, die Fahrerei soll ja nicht in Arbeit ausarten!" Manchmal bewegen Patrick und Werner ihren Oldie auch einfach nur so, zum Spaß.

"Wir würden das sofort wieder machen", betonen beide, "wobei ich den Stress mit den fehlenden Papieren nicht noch mal bräuchte", ergänzt Werner. Patrick sagt derweil nix, er freut sich an der Sonne, genießt seinen Weißwein. Der nach der Fahrtauglichkeit fragende Autor wird da nur angegrinst: "Wir haben spontan beschlossen, über Nacht zu bleiben, wir haben ja alles dabei, vor allem gekühlt", meint Werner leise lächelnd.

Bei diesen Worten macht er sich ein Weizen auf, das kernige Plöpp hab ich noch lange im Ohr, eigentlich die ganze Rückfahrt. Wie auch die Erkenntnis, dass echte Männer nie packen müssen. Echte Männer haben immer alles Nötige gepackt!

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Welch ein Fahrgefühl: Der Panoramablick durch die Frontscheibe ist ganz großes Kino, die Reise im Oldie ein echtes Vergnügen.

Technische Daten

Modell: Hymer 540 DS

Erstzulassung: 1. Juli 1979

Länge/Breite/Höhe: 5.600/2.160/2.700mm

Radstand: 3.050mm

Motor: Vierzylinder-Diesel, Hubraum 2.376 ccm, 48 kW/65 PS, 4-Gang-Schaltgetriebe, Höchstgeschwindigkeit 115 km/h

Gewicht: Leergewicht: 2.330kg, zul. Gesamtgewicht: 2.800kg

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