Hymer Free 600 Campus (2020) I. Pompe
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Hymer Free 600 Campus (2020) 51 Bilder

Hymer Free 600 Campus (2020) im Test

3 Tester, 3 Meinungen zum Hymer Sondermodell

Was ist besser, als ein Test eines Fahrzeugs? Klar, drei Tests! Drei Expertinnen aus der promobil-Redaktion durften das Sondermodell Hymer Free 600 Campus in der Praxis ausprobieren – und kommen zu unterschiedlichen Meinungen.

Der Hymer Free Campingbus steht laut Hersteller für spontane Trips, ungezwungene Touren und Vanlife-Gefühl. Das Sondermodell Campus betont das moderne Campingleben nochmals mit einem zeitgemäßen Innenraum-Design. Kann das die Camperinnen von heute überzeugen?

Drei Redakteurinnen bilden sich ein Urteil beim Praxistest. Motorrad-Fan Mona Pekarek ist sonst mit ihrem Selbstausbau unterwegs und eine andere Raumeinteilung gewohnt, Bus-Spezialistin Gesa Marx legt besonders viel Wert auf Stauraumkomfort und praktische Details und Sophia Pfisterer fährt als unfreiwillige Sturmjägerin mit dem Fiat-Campingbus in ein wettertechnisches Abenteuer. Hier geht's direkt zu den Technischen Daten, den Vor- und Nachteilen und dem Fazit.

>>> Testerin 1: Küche und Bad

Mona Pekarek, Volontärin Motorrad: Meinem Selbstausbau-Bus winke ich nur reumütig zu, als ich mit dem Hymer Free 600 Campus Richtung Franken aufbreche. Zuvor beschäftigte ich mich eine halbe Stunde mit dem durchaus schicken Fahrradträger, beziehungsweise eher damit, mein Rad auf diese Höhe zu wuchten. Doch ich bin froh, dass überhaupt einer dran ist, denn ohne Rad würde mir bei meinem Wochenende allein sicher etwas langweilig. Da die Rückfahrkamera auch bei voller Fahrt ein Bild ausspuckt, kann ich die Anwesenheit regelmäßig überprüfen.

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Mona Pekarek findet: "Wenn der Bus eines hat, dann ist es viel Stauraum."

Nachdem das Navi endlich mit mir spricht, komme ich schließlich in Bad Windsheim an, wo ich die letzten Strahlen Tageslicht für eine erste Radtour nutzen will. Schnell also wechsele ich mein Dress, suche alles zusammen und denke: „Wow, es ist doch schon viel dunkler als noch vor fünf Minuten.“ Stimmt aber nicht. Im Free 600 Campus sorgen die verdunkelten Wohnraumscheiben und die Tatsache, dass das Aufstelldach natürlich Dachluken ausschließt, dafür dass es recht duster ist im Innenraum. Ich als Licht-Liebhaberin bin also ständig auf der Suche nach dem passenden Lichtschalter, und musse gleichzeitig immer wieder Rollos schließen, da ich mich sonst auch gleich nackt in ein Schaufenster setzen könnte.

Nach der Fahrradtour bin ich hungrig. Die Küche befindet sich klassisch am Eingangsbereich, die Arbeitsfläche wird durch eine klappbare Ablage erweitert. Zwei Kochflammen reichen völlig und sind schon mal zwei mehr, als ich gewohnt bin. Die Topfauflagen können zum Putzen abgenommen werden – praktisch, wenn man Freude am Herdputzen hat. Die Drehregler allerdings sind mit in der Vertiefung eingelassen und recht nah an der Feuerstelle. Kocht man mit einem großen Topf, besteht die Gefahr, sich die Finger zu verbrennen. Immerhin: Die elektrische Zündung macht das Hantieren mit einem Feuerzeug unnötig.

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Die Küchenzeile im Campus konnte Mona bis auf Kleinigkeiten überzeugen.

Die Spüle rechts nebenan ist relativ klein, aber ausreichend. Einzig der Wasserhahn befindet sich etwas tief im Becken und lässt sich nicht in alle Richtungen verstellen, sondern nur nach vorn und hinten klappen sowie am Kopf verdrehen. Einen kleinen Topf zu füllen geht, bei einer großen Schüssel wird es schon schwieriger. Ansonsten verfügt die Küche über wenig Schnickschnack, dafür aber über viel Stauraum: Ein Fach über und drei unter der Arbeitsplatte plus ein weiteres Fach unter dem Kühlschrank bieten Platz für alle Utensilien und Vorräte; ein Besteckfach ist passgenau in eine der Schubladen eingesetzt.

Der 90-Liter-Kühlschrank befindet sich auf angenehmer Höhe, bietet für mich ausreichend Stauraum und lässt sich leicht öffnen und schließen. Jedoch besteht durch den hervorstehenden Griff die Gefahr, daran hängen zu bleiben. Die leicht spiegelnde Oberfläche wirkt edel, ist allerdings anfällig und sammelt Fingerabdrücke wie die Experten von der Spurensicherung.

Das Bad – nunja – ist klein, wie es bei Bussen dieser Bauart eben so ist. Und mit klein meine ich kleiner als ein Dixi-Klo. Auch hier kann wegen des Aufstelldachs natürlich auch keine Dachluke eingebaut sein. Abhilfe schafft das kleine, serienmäßige Milchglas-Fenster an der Seite.

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Der große Spiegel vergrößert die kleine Nasszelle optisch.

Zum Glück macht sich der große Spiegel rechts dann doppelt nützlich: Er vergrößert das Bad – wenn auch nur optisch – und bietet zudem die seltene Möglichkeit, sich im Camper von Kopf bis Fuß anzusehen. Für Details gibt es natürlich noch einen klassischen Kopf-Spiegel mit überschaubar großer Schrank-Funktion. Nur leider ist dieser direkt über dem kleinen Waschbecken, sodass der Kopf nach dem Zähneputzen quasi komplett in das Becken gesteckt werden muss. Tipp: Beim Auftauchen auf den Hinterkopf achten!

Der Wasserstrahl des Hahns ist verstellbar; die Brause dient gleichzeitig als Duscharmatur. Wenn man es dann tatsächlich wagt, sich in der kleinen Nasszelle zu bewässern, fehlt leider eine Halterung für die Brause. Der Duschvorhang ist so konzipiert, dass er Toilette, Waschbecken und Spiegelschrank abdeckt, nur muss da der Schlauch noch irgendwo zwischendurch. Dabei reißt er den Vorhang wieder aus der Verankerung (oder gleich die Verankerung mit heraus) und der große Spiegel wird fröhlich gesprenkelt.

Der Bügel an der Decke der Nasszelle entpuppt sich als praktischer Handtuchhalter oder als Aufhängung für nasse Klamotten – endlich ein wirklich positiver Punkt im Bad. Natürlich neben der wichtigen Tatsache, dass auch kleinere Menschen wie ich beim Toilettengang problemlos den Boden mit beiden Füßen erreichen.

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Dank Einlegebrett in der Duschwanne kommen auch kleine Personen beim WC-Gang mit den Füßen auf den Boden. Allerdings entpuppt sich das Brett auch als Stolperfalle.

Wenn nicht geduscht wird, deckt ein Holz-Trittbrett die Wanne ab. Setzt man den Fuß jedoch ein wenig zu weit vorne auf, kippt es komplett und es kann zu unfreiwilligen Zahnbürsten-Unfällen kommen. Ich kann mich jedes Mal noch kopfschüttelnd am Türrahmen festklammern.

Zwischenfazit: Auf den ersten Blick wirkt auf mich alles fein und gut. Vielleicht aber auch deshalb, weil ich viel rudimentärere Ausbauten gewohnt bin. Etwas mehr Platz im Bad wäre wünschenswert.

>>> Testerin 2: Komfort & Stauraum

Gesa Marx, Redakteurin promobil: „Hymer hat sich endlich getraut.“ Das ist mein erster Gedanke, als ich im Hymer Free Campus stehe. Während das Serienmodell Free noch Oberschränke im Holzlook hat, ist das Innendesign des Free Campus komplett in Grau und Weiß gehalten. Mir gefällt’s gut, so ganz ohne Eiche-Rustikal.

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Gesa Marx gefällt der Campus-Style: "Er tut was er soll, überrascht nicht, was er aber nicht muss. Meiner Meinung nach ein Argument für den Bus: das Design. "

Um auszuprobieren, ob der Innenausbau nicht nur gut aussieht, wird der Hymer Free Campus für ein Wochenende zum Schlafplatz für zwei während eines Besuchs bei Freunden in Aschaffenburg. Unser Gepäck ist schnell in einem der zahlreichen Staufächer untergebracht. Obwohl es über dem Heckbett vier große Oberschränke gibt, bietet der 6-Meter-Bus zusätzlich einen raumhohen Kleiderschrank sowie weitere Staufächer über der Sitzgruppe. Top.

Sowohl Schubladen als auch Oberschränke sind mit Softclose-Einzügen ausgestattet. Werden die Möbelklappen allerdings zu langsam geschlossen, kann es sein, dass die Oberschränke trotz Zuziehhilfe nicht komplett einrasten. Wären die Federn der Einzüge ein bisschen stärker, würde das automatische Schließen verlässlicher funktionieren. Neben etwas zu schwachen Zuziehhilfen sind Griffe und Schnapper nur aus einfachem Plastik. Wünschenswert wären Einlegeböden in den Oberschränken, um den Platz optimal ausnutzen zu können. Hier macht sich bemerkbar, dass die Free-Serie die Einsteigermodellreihe von Hymer ist.

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Durchdachtes Detail: Das praktische Netz als Stauraum-Abtrennung.

Wenn’s Gepäck sperriger ist, bietet sich der Campingbus-typische Heckstauraum an. Platz- und gewichtsparend gelöst: Ein Netz, das in Ösen an den Möbelzeilen eingehakt wird und so verhindert, dass Gepäck aus dem Heck nach vorne rutschen kann. Ebenso gut gelöst ist die Halterung für den aufgestellten Lattenrost an der Wand zum Bad und der mittige Matratzenpart, der aus zwei miteinander verbunden, aber übereinander klappbaren Teilen besteht.

Nachdem wir das Gepäck verstaut haben, bauen und beziehen wir das Heckbett. Hierzu wird der aufgestellte Lattenrost aus der einfachen, aber effektiven Wandhalterung gelöst und über den Mittelgang geklappt. Das mittige Matratzenteil passt ganz genau. Das Bett misst laut Hymer 1,96 mal 1,40 Meter an der schmalsten Stelle. Allerdings ist unser Testwagen rundum mit Fenstern ausgestattet, die an Kopf- und Fußende nochmal insgesamt gut 10 bis 15 Zentimeter wegnehmen. Während die Heckfenster und das Fenster am Kopfende Serie sind, kostet das Fenster auf der Fahrerseite 395 Euro extra.

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G. Marx
Das Bett im Heck überzeugt mit fester, aber bequemer Matratze.

Als wir irgendwann nach Mitternacht in die Koje kriechen, bestätigt sich unsere Vermutung. Entweder mit Fuß und Decke oder Kopf und Kissen stößt man immer unüberhörbar an eines der Fensterrollos; und das bei unseren durchschnittlichen 1,80 bzw. 1,73 Metern Körperlänge. Statt einem vierten Fenster wäre hier eine Ablage für Brille und Telefon oder Buch praxisgerechter.

Top sind die in einer Schiene verschiebbaren LED-Leseleuchten über dem Kopfende. Apropos LEDs: Ob es einem gefällt oder nicht, bei eingeschaltetem Strom wird das Kontrollbord über der Schiebetür bei eingeschalteten Bordnetz (blaues LED) und Wasserpumpe (orangenes LED) unweigerlich zum Nachtlicht für den gesamten Bus.

Übrigens ist unser Testwagen mit dem im Campus-Modell serienmäßigen Aufstelldach ausgestattet. Dies erreicht man über eine zweigeteilte Leiter, die im Staufach über dem Fahrerhaus unterkommt. Ist sie zusammengesteckt und aufgestellt, nimmt sie zwar den Gang zwischen Sitzgruppe und Küche komplett ein, dafür ist die Leiter aber stabil und nicht wie oftmals bei solchen Leitern unangenehm steil.

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Das Bett im Aufstelldach bietet nochmals zwei Schlafplätze.

Oben können zwei weitere Personen schlafen. Damit nachts niemand aus Versehen runterfällt, ist immer ein Sicherheitsnetz für die Einstiegsluke mit an Bord. Die Matratze oben liegt übrigens auf Tellerfedern. Für die kalte Jahreszeit bietet Hymer zusätzliche Thermopolster für die Zeltwände.

Nach einer Nacht auf einer relativ harten, aber bequemen Matratze im Untergeschoss, frühstücken wir in der Sitzgruppe. Der Tisch ist an der Wand eingehängt und bietet – wie in fast allen Campingbussen – eine erweiterbare Tischplatte. Dies ist besonders praktisch für jemanden, der auf dem umgedrehten Beifahrersitz sitzt.

Die Rückenlehne der Sitzbank ist insgesamt sehr steil und lässt sich nicht verstellen. Sitzt man hier alleine, kann man gut ein bisschen schräg auf ihr lümmeln. Zu zweit wird’s auf längerer Fahrt eher unbequem und eng.

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Die Sitzbank-Rücklehne ist recht steil, am Fensterplatz laufen große Menschen Gefahr, sich den Kopf anzustoßen.

Optional mit an Bord: eine Isofix-Halterung für entsprechend ausgerüstete Kindersitze. Wer an die Bordtechnik unter der Bank muss – wie etwa an das Frostschutzventil im Winter – kann das Sitzpolster von der Bank nehmen. Will man das Polster an den zwei vorgesehenen Minihalterungen allerdings wieder einhängen, wird das schnell zur Nervenprobe. Die Befestigungspunkte sind nicht nur klein, sondern auch unter am Metallgestell des Gurtbocks fast uneinsehbar angebracht.

Zwischenfazit: Positiv fallen einige Stauraumlösungen auf wie etwa das praktische, einklinkbare Sicherheitsnetz für den Heckstauraum oder die gut funktionierende Lattenrosthalterung an der Wand. Dass einfach Plastikschnapper verwendet werden oder dass es keine Einlegeböden in Stauschränken gibt, ist der Preiskategorie geschuldet. In dieser schlägt sich Hymer Free 600 Campus aber ausstattungsmäßig gut gegenüber vergleichbaren Modellen

>>> Testerin 3: Fahren & Bordtechnik

Sophia Pfisterer, Redakteurin promobil: „Unwetterwarnung: Passen Sie auf, im gesamten Schwarzwald ist fürs Wochenende Sturm angesagt,“ – als mein Campingpartner und ich mit dem Hymer Free Campus 600 auf Testfahrt gehen, wartet nicht gerade eitel Sonnenschein auf uns. Die größte Sorge: Wird die Heizung durchhalten? Werden wir nachts frieren? Und: Wie sturmfest ist eigentlich so ein Kastenwagen?

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Der Testeindruck von Sophia Pfisterer: "Der Hymer Free 600 Campus ist ein solider Campingbus."

Der Trip beginnt mit einem weiteren Dämpfer: Ich sitze schlecht. Für den Fahrer ist ein Pilotensitz auf einer Drehkonsole vorgesehen, der für mich einfach nicht passt. Mit meinen 1,58 Metern Größe und kurzen Beinen kenne ich das Problem schon aus anderen Fahrzeugen: Ich komme mit meinem Fuß nicht so richtig gut ans Gas- und (noch wichtiger) ans Bremspedal. Abhilfe schafft ein Kissen hinter dem Rücken, sodass ich doch im Ernstfall die Pedale komplett durchtreten und eine Notbremsung hinlegen kann.

Apropos Bremse: Die Handbremse im Hymer Campus 600 Free nervt mich. Ich, als kleiner Mensch, bekomme sie leider nicht komplett runter, wenn ich sie löse. So werde ich mich in den nächsten 24 Stunden auf dem Trip immer wieder verrenken müssen, damit ich nicht mit angezogener Handbremse fahre. Für meine Körpergröße kann Hymer per se erstmal nichts. Allerdings habe ich auch schon Fahrzeuge erlebt, die etwas individueller einstellbarere Sitze bieten – was genauso für großgewachsene Fahrer gilt.

Die Motorisierung des 3,5-Tonners wiederum besänftigt mich wieder. 140 PS Motorstärke für dieses Fahrzeug ist passabel und trotz Sturm und Regen punktet der Campus mit relativ geringer Seitenwindanfälligkeit. Ein aufgebautes Reisemobil mit dieser Motorisierung hätte mehr zu kämpfen. Die 16-Zoll-Leichtmetallräder liegen satt auf der Straße, das Navi leitet uns so zuverlässig wie der Tempomat die Geschwindigkeit hält und der Sound aus den vier Lautsprechern kommt sowohl gegen den Autobahnlärm als auch den beginnenden Sturm gut an.

Dank beheizter Außenspiegel habe ich das Fahrzeugheck und den Verkehr gut im Blick und so kommen wir sicher in Bad Wildbad an. Hier wollen wir in der Therme Palais Thermal das Schmuddelwetter draußen vergessen. Doch vorher müssen wir auf dem recht verlassenen Stellplatz einparken – komisch, dass sonst nur ein anderes Wohnmobil dieses Wochenende hier verbringen will. Ob's am Sturm liegt?

Zum Glück gibt's eine Rückfahrkamera an Bord (Naviceiver mit Kamera kostet 1999 Euro Aufpreis). So kann mein Campingpartner auf dem Beifahrersitz bleiben, während ich rangiere und muss mich nicht einwinken – bei dem Wetter ist er dankbar drum. Bevor wir in die warmen Quellen steigen und das Fahrzeug verlassen, ziehen wir die Fensterverdunklungen zu. Die serienmäßig angebaute Markise und das Aufstelldach lassen wir aus wettertechnischen Gründen eingeklappt.

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I. Pompe
Zwei Gasflaschen: Läuft! Genug Brennstoff, damit die Heizung auch in einer kalten Sturmnacht das Fahrzeug schön warm hält.

Ich drehe die Gasflaschen hinten auf und schalte Heizung und Boiler ein, damit es später hoffentlich warm ist. Ein tröstender Gedanke: Sollte die Heizung ausfallen, ist sie immerhin so in der Sitzbank eingebaut, dass ich sie leicht erreichen könnte. Und dann? Ich würde wohl die den Truma-Service anrufen. Der geht an Samstagen übrigens nur bis 14 Uhr ran, sonntags macht er frei. Also hoffe ich darauf, dass alles gut geht. Zwei Gasflaschen hat der Hymer Free 600 Campus als Reserve an Bord. Das vermittelt ein sicheres Gefühl: Es gibt auf jeden Fall genügend Brennstoff-Backup!

Als wir aus der Therme zurückkommen, finden wir die Innentemperatur so vor wie wir uns das vor- und eingestellt hatten: Kuschelig! Die Ausströmer sind sinnvoll im Fahrzeug verteilt, sodass es vorne wie hinten warm ist. Würden wir im Aufstelldach schlafen, könnten wir hier sogar einen Heizschlauch mit warmer Luft hochlegen – das lassen wir aber und entscheiden uns fürs untere Bett. Der Kühlschrank läuft wie gewünscht und trotz vermeintlich lauter Kompressortechnik überraschend leise, die Milch für den Kaffee am Morgen steht kalt.

Auch der Heißwasser-Boiler tut, was er soll. Wir können uns mit warmem Wasser Hände und Gesicht waschen als wir uns fürs Bett fertigmachen. Nach mehreren Sauna-, Whirlpool- und Kühlbeckengängen verzichten wir aufs Duschen und schlafen zufrieden ein – und durch. Trotz Sturm zieht kein Windchen durch die Hecktüren.

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S. Pfisterer
Die beschlagenen Fenster bezeugen es: Die Heizung lief!

Die Frontscheibe ist ziemlich heftig beschlagen am nächsten Morgen, als wir die Scheibenverdunklung abnehmen. Das könnte an der hohen Luftfeuchtigkeit liegen, die unsere Saunahandtücher verursachten. An Details wie der recht einfach gestalteten Fahrerhausverdunklung stelle ich wiederholt fest: Der Hymer Free 600 Campus ist ein solider Bus, bleibt jedoch ein Einsteiger-Fahrzeug.

Zunächst deutet sich hellblauer Himmel am Morgen an, doch der neue Tag entwickelt sich später so grau und verregnet wie der vorherige. Der Wind pfeift, über uns stehen dicke Gewitterwolken. Wir brechen in Richtung Heimat auf. Lenkrad- und Schaltknauf in Leder und das unkomplizierte Fahrverhalten sorgen dafür, dass ich mich fast wie im Pkw fühle – keine schlechte Leistung für ein 6-Meter-Fahrzeug.

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I. Pompe
Könnte komfortabler sein: Der Grauwasser-Ablass.

Bevor wir den Campus Free abstellen der letzte Programmpunkt: Die Wassertanks leeren. Hier gibt es nur den recht einfachen Schlüssel für das Ablassventil des Grauwassertanks und ich muss halb unters Fahrzeug kriechen, um ans Ventil zu kommen. Noch ein kleiner Punktabzug zum Schluss: Trotz genügend sonstiger Steckdosen an Bord, vermisse ich noch ein paar USB-Steckdosen mehr für mein stromhungriges Smartphone.

Zwischenfazit: Auf der Straße hinterlässt der Campus einen positiven Eindruck. Das Bedienpanel für die Bordtechnik bietet allerdings nicht mehr als Standards. Alle Bordtechnik-Funktionen bewähren sich in der Sturmnacht: Strom, Wasser, Gas – alles läuft zuverlässig.

Alle Vorteile und Nachteile des Hymer Free 600 Campus (2020)

 viel Stauraum mit großem Kleiderschrank und Spiegel
 einfacher Auf- und Abbau des Heckbetts
 großes Querbett
 platzsparendes Trennnetz für Heckstauraum
 zwei Gasflaschen an Bord
 genügend Steckdosen bzw. USB-Anschlüsse
 zuverlässige Heizung, gut erreichbar
 intuitive Bordsteuerung
 ausreichend gute Motorisierung

 / harte, aber dennoch bequeme Matratze
 / funktionale, aber kompakte Küche

 Keine Ablagen am Bett
 Keine Einlegeböden in Oberschränke, billige Verarbeitung an Griff und Schnapper
 steile Sitzbank und schwer zu befestigende Sitzpolster
 fehlende Halterung für Duschbrause
 kleine Nasszelle
 Abdeckplatte der Duschwanne ist eine Stolperfalle
 einfache Fahrerhausverdunklung
 Grauwasserablass umständlich
 Fahrersitz nicht sehr individuell einstellbar

Infos und Preise: Hymer Free 600 Campus

Hymer Free 600 Campus (2020)
I. Pompe
Der Bus mit Aufstelldach hat viele Vorteile, aber auch einige Nachteile. Verschiedene Testerinnen kommen daher auf verschiedene Urteile.

Basisfahrzeug: Fiat Ducato, 2,3 Multijet, 140 PS
Maximales Gesamtgewicht: 3,5 Tonnen
Länge/Breite/Höhe: 5,99/2,08/2,70 Meter
Grundpreis: 53.990 Euro
Testwagenpreis: 58.346,13 Euro

Serienausstattung: Aufstelldach in Schwarz, Markise anthrazit 3,55x2,50 Meter, Rahmenfenster in Fahrtrichtung rechts hinten, Isofix-Kindersitzbefestigung, Vorbereitung Rückfahrkamera, Style-Paket (Stoßfänger in Wagenfarbe, Kühlergrill schwarz glänzend, etc.), Tempomat, LED-Tagfahrlicht, manuelle Klimaanlage, Zusatzsteckdosen 2x230-Volt und 1x12 V, uvm.

Zusatzausstattung: Beifahrertür-Safe (279 Euro), Fahrradträger für zwei Fahrräder (490 Euro), Naviceiver: Navi, Rückfahrkamera (1990 Euro), 2er-Block Hymer-Smart-Battery-System (799 Euro)

Fazit

Mona Pekarek: „Wenn der Bus eines hat, dann ist es viel Stauraum. Aber eigentlich viel zu viel für mich. Entweder ich reise zu zweit oder allein, da brauche ich kein Aufstelldach, das mir auch noch die Dachluken klaut. Da hätte ich lieber mehr Platz im Bad und im Gang. Sicher habe ich mich wohlgefühlt und habe super geschlafen, bin aber auch mindestens fünfmal auf die Kipp-Stelle der Duschwannen-Abdeckung getreten, und habe mich mindestens sechsmal über die Dunkelheit im Innenraum geärgert. Für mich ist der Campus nichts, wohl nicht mein Typ.“

Gesa Marx: „Er tut was er soll, überrascht nicht, was er auch nicht muss. Meiner Meinung nach ein Argument für den Bus: das Design. Wer sich auf dem Markt umschaut, merkt schnell, dass es wenige Campingbusse im modernen Monochromlook in dieser Preisklasse gibt – für mich ein absoluter Pluspunkt. Bei Komfort und Stauraum bewegt sich der Hymer Free Campus 600 im Mittelmaß. Gut finde ich, dass die Leiter fürs Aufstelldach perfekt ins Fach über dem Fahrerhaus passt und dass die Lattenrosthalterung und Heckstauraumtrennung praxisgerecht gelöst sind. Nach dem Test würde ich für störfreien Schlaf im Bettbereich kein zusätzliches Fenster ordern. Wünschenswert wäre eine besser gelöste Sitzbankpolsterhalterung sowie zuverlässig schließende Softclose-Einzüge.“

Sophia Pfisterer: „Der Hymer Free 600 Campus ist ein solider Campingbus und das Aufstelldach ein toller Schlafplatz für Kinder und Zeltfans. Bordtechnik und Basisfahrzeug machen einen zuverlässigen Eindruck – doch wäre er mir den Preis wert? Der Grundpreis liegt bei knapp 54.000 Euro, der Testwagen kostet inklusive Fahrradträger, Naviceiver, Smart-Battery-System und Beifahrertürsafe 58.400 Euro. Stünde ich vor einer Kaufentscheidung, würde mir als knapp kalkulierende Camperin die Konkurrenz schlaflose Nächte bereiten: Denn es gibt günstigere Fahrzeuge mit ähnlicher Ausstattung. Für den Campus sprechen das Design, der Markenname und das gute Servicenetz.“

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