Chausson 640 Titanium Ultimate als Homeoffice
Das Wohnmobil als fahrendes Büro und Schlafzimmer

promobil-Volontärin Samira Matschinsky macht sich mit Dauertest-Wohnmobil Titus auf eine Recherchereise in den Westerwald.

Samira Matschinsky
Foto: S. Matschinsky

Die Welt ringsherum verschwindet im Wasser, als Titus und ich über die A5 gleiten. Wir bewegen uns sicher im Fahrwasser eines Lkws, während abenteuerlustige Pkws an uns vorbei brausen. Schon seit wir heute Morgen aufgebrochen sind, geht das so. Einen besonders heftigen Guss nutze ich, um die Biege Richtung Autobahnraststätte zu machen.

Was klappert denn da?

Einen hoffnungslos überteuerten Kaffee und eine dampfende Brezel später. Es hat beinahe aufgehört zu regnen. Noch zwei Stunden Fahrt in der Klapperkiste liegen vor mir. Sorry, Titus. Vor lauter Klappern habe ich die ersten Kilometer bis Pforzheim nicht einmal bemerkt, dass die Schranktür noch offen war. Die rechte, nicht die kaputte. (Mehr zum Thema Pannen mit Titus lesen Sie hier.) Zum Glück ist sie heil geblieben und die Bettwäsche hat auch keinen Abflug gemacht.

Dauertest: Chausson 640 Titanium (2023)

Jetzt bin ich umso nervöser. Ständig lausche ich auf die Geräusche aus dem hinteren Bereich des Chausson Teilintegrierten. Habe ich sicher nichts übersehen? Mit Sicherheit. Diesmal habe ich wirklich jeden Schrank zweimal überprüft. Zu meinem Erstaunen hat sich dann auch die Handbremse schon beim ersten Versuch lösen lassen. So langsam scheinen wir miteinander warmzuwerden.

Chausson 640 Titanium Ultimate (2023)
S. Matschinsky
Titus ist viiiiiel zu groß für einen normalen Supermarktparkplatz.

Nicht weit vom Ziel steuern wir einen Supermarkt an. Mit Titus großem Hintern nehmen wir gleich zwei Parkplätze hintereinander ein. Zum Glück hat es genügend Platz. Kurzer Blick nach drinnen. Der Kühlschrank beschwert sich immer noch, dass ich ihm das Gas abgestellt habe. Kann man nix machen. Kühl ist er zumindest noch. Joghurt rein. Tür zu. Weiter geht’s.

Der Westerwald begrüßt uns mit einer Regenpause

Trotz schlechtem Wetter lässt es sich aushalten in Chausson Titanium 360. Tagsüber bietet die Sitzgruppe viel Platz. Nachts fährt man bequem das Hubbett herunter. Schläft man nicht in der untersten Position, muss man achtgeben, nachts nicht auf der falschen Seite herauszuklettern. Verwirrt stehe ich auf den Fahrersitzen. Was denn jetzt passiert?

Chausson 640, Küche
S. Matschinsky
Spaghetti und Tomatensauce erinnern an die Urlaube mit der Familie.

In der zweiten Nacht habe ich meine Lektion gelernt und fahre das Bett vollständig nach unten. Tagsüber ist Titus meine Basis. In jeder Atempause klemme ich mich in die Ecke der Sitzbank und notiere Eindrücke, Gespräche, Erfahrungen. Mittags koche ich Tee und abends gibt es Spaghetti mit Tomatensauce. Für den Wochenendjob habe ich nicht viel eingepackt. Das Nötigste zum Überleben, einen Campingstuhl, eine Kerze und einen E-Roller, den ich nicht brauchen werde.

Gute Heizung, widerspenstige Bremse

Der Samstag wird kalt. Kälter als der Freitag, an dem wir angereist sind. Zum Glück hat Titus eine Heizung und es dauert nicht lange, bis meine Füße wohlig warm werden. Das flackernde Licht, wenn die Truma-Heizung hochfährt, ist ein lustiger Nebeneffekt. Weniger lustig ist ihre Lautstärke. Nachts kann ich die so nicht laufen lassen.

Chausson 640, Stellplatz
S. Matschinsky
Das goldene Morgenlicht flutet Platz Nummer 9 am Seeweiher.

Am Abreisetag heißt es wieder tanken. So weit, so gut. Der Tank ist voll, die Rechnung bezahlt, jetzt muss ich nur noch wegfahren. Wenn das nur so einfach wäre. Geschlagene 13 Versuche kostet mich das Lösen der Handbremse. Damit tut sich Chausson wirklich keinen gefallen.

Über Samira Matschinsky

Samira Matschinsky
S. Matschinsky
Seit Anfang des Jahres 2023 ist Samira Matschinsky Volontärin in der promobil-Redaktion.

25 Jahr lang schien mir der Campingurlaub keine Option zu sein. Zu spießig. Zu unbequem. Wie ich als Volontärin bei promobil und CARAVANING landen konnte, erstaunt mich immer noch gelegentlich. Doch seit jenem Tag bin ich infiziert. Infiziert mit dem Campingvirus.

Vorteile und Nachteile des Chausson 640

Hier listet Samira Matschinsky auf, was ihr persönlich im Chausson 640 Titanium Ultimate gut oder nicht so gut gefallen hat. Hier können Sie alle promobil-Testergebnisse und Meinungen zum Testfahrzeug nachlesen.

Betten:
 Das Hubbett habe ich in zwei Positionen ausprobiert und empfinde beide als angenehm.
 Die elektrische Steuerung funktioniert super.
 Auf der oberen Position stieg ich nachts erstmal fast auf der falschen Seite aus dem Bett.
 Die Bettwäsche muss jedes Mal aus dem Weg und in den Schrank geräumt werden, um das Bett hochzufahren. Der Schrank ist dann recht vollgestopft.

Sitzgruppe:
 sehr geräumig
 schön gestaltet
 tolle Beleuchtung
 Steckdose in der Bank, um Laptop/Handykabel einzustecken

Küche:
 alles gut erreichbar
 genug Stauraum
 Kühlschrank und Gefrierfach groß und sehr kalt
 Halterung für Mülltüte
 Flaschenhalterungen
 nur eine 230-Volt-Steckdose

Möbelbau:
 robuste Möbel

Stauraum/Zuladung:
 innen viele Stauraume
 Der Kleiderschrank ist riesig
 Fach unter der Bank neben der Tür sehr praktisch
 Die Heckgarage war bereits mit den Polstern für die Fahrerhaussitze, 1 Campingstuhl, E-Roller und fast voll.
 Die Regalbretter kam ich nur schwer dran.

Technik:
 viele Lichter
 Schalter für Licht im Bad nicht gefunden

Fahren:
 Sicht durch die großen zweigeteilten Rückspiegel ist super.
 Lässt sich bis 110 km/h sehr gut fahren.
 ab 100 km/h wird er wackelig
 alles scheppert während der Fahrt
 windanfällig
 Beschleunigen am Berg manchmal schwer

Preis und Ausstattung:
 Mir fehlt eine Dunstabzugshaube und ein paar Steckdosen mehr
 Mir persönlich ist das zu teuer.

Fazit

Der liebe Titus ist ein zuverlässiger Weggefährte auf meinem Wochenend-Abenteuer, doch für den Preis ist er für mich als alleinstehende Person keine Option.

Mit dem Angebot an Komfort und Platz, das er bietet, eignet er sich besser für zwei Gutverdiener ohne Kinder. Denn für vier Personen bietet er wieder zu wenig Stauraum. Vor allem mit dem Platz im Kleiderschrank würde es dann eng.

Letztlich würde ich mir angesichts des Preises wünschen, er würde beim Auffahren auf die Autobahn weniger so klingen, als wolle er jeden Moment auseinanderfallen. Radio und das Navi könnten zuverlässiger sein.

Die aktuelle Ausgabe
Promobil 06 / 2023

Erscheinungsdatum 03.05.2023

148 Seiten